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die Collatur übt, gegenüber südwärts stellt am Markte das Rittergutsgehöfte mit dem Schlosse.

In diesem befindet sich seit 1858 eine Staats-Strafabtheilung oder ein Filial des Zwickau-Voigtsbergischen Zwangs-Arbeitshauses und man hofft zur Cultivirung des Bodens davon guten Nutzen.

Es giebt hier ferner eine Postexpedition seit 1834‚ ein Nebenzollamt erster Classe und ein Untersteueramt, seit 1858 ein kaiserliches Nebenzollamt zweiter Classe, welches jedoch nach Fleissen genannt wird. Die Erbkretschamsbrauerei kommt schon 1537 vor.

Der Ort zählt 191 Häuser mit 1547 Bewohnern und ist bei seinem regen Fabrikfleisse in Jahrzehnten um das Doppelte gestiegen.

Ausser mehreren Gasthäusern finden wir hier 1 Papierfabrik, 4 Mahlmühlen im Orte, zu denen isolirt noch eine zweite Papiermühle, die Schwarzteichmühle, die Lohnmühle und der Eisenhammer kommen.

Auch die Fleissner Papierfabrik ist nahe und überhaupt ist das südlichste Voigtland das rechte Papiermühlenland sächsischen Bodens.

Noch sind die salinischen Quellen der Säuerlinge zu erwähnen, welche jenen zu Elster und Franzensbad an die Seite gesetzt werden können, aber unbenutzt abfliessen.

Der Geschmack des Wassers erinnert an das Pyrmonter Wasser.

Wünschenswerth wäre es, wenn diese Quelle mit in das Gebiet der Cur-Anstalt von Elster gezogen werden könnte.




Kleinzöbern


3 Stunden von Plauen und in gleicher Entfernung von Hof an der Strasse von ersterer Stadt und letzterer gelegen. Kleinzöbern hatte früher die Qualität eines Rittergutes, hat aber längst keine Hofrede mehr.

Das Rittergut besass 1524 Hans Sack auf Mühltroff, welcher deshalb mit einem Ritterpferd belegt war. Ehemals gehörten 9 Güter in Grosszöbern dazu, welche später unter die Gerichte zu Pirk kamen.

in späterer Zeit hatte der Stadtrath zu Oelsniz das Rittergut acquirirt oder vielmehr als ein Beygut von Schönbrunn besessen: Im 30jährigen Kriege ging es für besagten Rath verloren und wegen Schulden war derselbe gezwungen es an Philipp und Hans Groh zu verkaufen, einer Familie, die heute noch in Kleinzöbern in guten Verhältnissen lebt.




Eulenstein


auch Eilenstein ist eigentlich nur als Vorwerk, von Dobeneck, welches 2 Stunden von Plauen an der Elster entfernt liegt, zu betrachten. Es hat aber am 26. Febr. 1762 die Schriftsässigkeit erworben und wurde als Rittergut stets besonders aufgeführt.

Im Ortsverzeichnisse von Sachsen wird es als das ehemalige Rittergut Eulenstein aufgeführt und zu Dobeneck gerechnet.

Uebrigens erklärt sich dies einfach daraus, das dies Rittergut nicht mehr bewohnt wird und in Ruinen liegt.

Uebrigens ruhen nur 401/6 Steuereinheiten darauf, besitzt aber einen Antheil (6 Häuser) von Taltiz.

Das Uebrige was in historischer Hinsicht über Eulenstein bezüglich der Besitzer und der Vererbungen zu sagen wäre, gehörte unter der Beschreibung von Dobeneck, mit welchem die Geschichte von Eulenstein genau zusammenhängt. Nach Abgabe der Gerichte von Dobeneck an den Staat, welche am 25. April 1856 erfolgte, wurde Eulenstein wie Dobeneck zum Gerichtsamte Oelsniz gewiesen.




Steinsdorf

13/4 Stunden von Plauen an der neuen Chausse von letzterer Stadt nach Elsterberg, in fruchtbarer Hügelgegend gelegen.

Dies Dorf gehörte als Rittergut zur gräflichen Lobdaburgischen Herrschaft Elsterberg und war lange Zeit mit Elsterberg combiniert, weshalb es noch im 16. und 17. Jahrhundert den Herrn von Bünau gehörte.

Vor 170 Jahren war Erb- Lehn- und Gerichtsherr ein Herr von Raab und vor 120 Jahren der Kammerjunker von Brandenstein, von dessen Nachkommen es noch bis zu Ende des 18. Jahrhunderts fortbesessen wurde.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts kam es an die Familie Dietze und der gegenwärtige Besitzer ist Herr Christoph Friedrich Wilhelm Dietze.

Auf dem Gute ruhen nur 8661/2 Steuereinheiten und raint mit Trieb.

Die Collaturrecht gehört nicht der Herrschaft, sondern die als Prediger angestellten Diakonen zu Elsterberg werden von der Hühnefeldschen Stiftung zu Elsterberg ernannt. Schon 1854 trat die Herrschaft von Steinsdorf ihre Gerichte an den Staat ab und im May 1856 erwarb dieses auch alle Rechte des Dorfes, nämlich die 4 Nummern des Amts Plauen, 1/2 Hufe unter dieser Amts-Ober- und der Stadt Plauen Erbgerichtsbarkeit, 8 Nummern unter dem Pöhler Nebengute Helmsgrün, 1 Nummer unter Kauschwitz, 4 Halbhufen und 3 Häusler unterm Rittergut Liebau, 13 Nummern unter Syrau, endlich den Raths-Antheil.

Zwölf Nummern gehörten dem Rittergute Steinsdorf selbst.

Trieb an der Elster liegt erhöht über das linke Ufer. 2 Stunden nördlich von Plauen unweit der Landesgränze, in der sogenannten voigtländischen Schweiz.



Empfohlene Zitierweise:
Gustav Adolf Pönicke (Hrsg.): Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen V. Section. Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins, Leipzig 1859, Seite 215. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Album_der_Schl%C3%B6sser_und_Ritterg%C3%BCter_im_K%C3%B6nigreiche_Sachsen_V.djvu/317&oldid=2989272 (Version vom 25.2.2017)