RE:Iulius 146

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band X,1 (1918), Sp. 473–475
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146) Nero Iulius Caesar (Prosop. imp. Rom. II 181 nr. 149. Bernoulli Röm. Ikonogr. II 1, 252) war der älteste Sohn des Germanicus, wie der Stammbaum seiner Familie zeigt, der für die Söhne keine Schwierigkeiten macht, vgl. Suet. Calig. 7. Mommsen Ges. Schr. IV 271.




Germanicus ∞ Agrippina die Ältere
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Nero 
geb.759/6
 
 Drusus 
761/8
 
 Tiberius 
 
 
 Sohn unb.Namens 
761/8-
763/10
 Gaius d.Ält. 
764/11
 
 Gaius d.J. 
(Caligula)
765/12
 Drei
Töchter
 

[474]

Nero muß spätestens Mitte 759 = 6 geboren sein, da er bereits am 7. Juni 773 = 20 die Männertoga erhielt (CIL XIV 244. Mommsen S.-Ber. Sächs. Ges. d. Wiss. 1849, 294). Als ältester Sohn bekam er den Namen seines Vaters und Großvaters. Da sein Vater dem Herrscherhaus angehörte, so erhielt der 1½jährige Nero mit seinem vielleicht kaum 6 Monate alten Bruder Drusus einen Platz auf dem Bogen von Pavia (CIL V 6416). Beim Tode des Augustus war er 8 Jahre alt, und wir sehen ihn mit seinem Vater und seiner Mutter auf dem Cameo mit der Apotheose des Augustus, s. Gardthausen Aug. III 2, 871 und Hartmann Zwei Familienbilder des Iulisch-Claudischen Hauses, Heilbronn 1913–1914, 9. Bei einem Kinde und in dieser Verkleinerung kann uns das Bild allerdings nicht viel nützen.

Als dann Germanicus aus Deutschland abberufen wurde und in prächtigem Triumphe nach Rom heimkehrte, im J. 770 = 17, zeigte der glückliche Vater auf dem Triumphwagen seine fünf Söhne dem römischen Volke (Tac. ann. II 41). An die germanische schloß sich dann bald die orientalische Mission des Germanicus. Nero mit den ältesten Kindern blieb in Rom, und sah seine Mutter erst wieder, als sie mit der Urne des Germanicus heimkehrte. Ihre Kinder und die nächsten Verwandten waren ihr bis Tarracina entgegengereist (Tac. ann. II 3). Inzwischen war Nero dem Knabenalter entwachsen und erhielt im Juni des folgenden Jahres die Männertoga, was Tiberius durch eine Spende an das Volk feierte. Zugleich empfahl der Kaiser den Nero dem Senat und bat, ihm die niederen Ämter, wie das Vigintivirat zu erlassen und für die eigentliche curalische Karriere einen Nachlaß von 5 Jahren zu gewähren (Tac. ann. III 29), was natürlich ohne Anstand bewilligt wurde. Als dann aber später der Senat beim Jahreswechsel Gelübde für das Wohl des Nero und seines Bruders Drusus aussprach, verbot der Kaiser das mit Recht für die Zukunft (Suet. Tib. 54. Tac. ann. IV 17).

Germanicus und Drusus d. J. hatten früher beschlossen, ihre Freundschaft durch eine Heirat ihrer ältesten Kinder zu besiegeln, und Nero, der vorher mit der früh verstorbenen Iunia, Tochter des Silanus (CIL VI 914), verlobt gewesen war, heiratete im J. 773 = 21 Iulia, die Tochter des Drusus (Tac. ann. III 29). Germanicus war kurz vorher gestorben und bald nachher starb auch Drusus, im J. 775 = 23; Tiberius war also nun ohne Söhne. Noch war Drusus nicht einmal bestattet, da erschien bereits der Kaiser mit den beiden ältesten Söhnen des Germanicus im Senat, um sie als Nachfolger der Verstorbenen zu bezeichnen (Tac. ann. IV 8–9), und bald darauf hielt Nero seinem Schwiegervater die Grabrede. Als Redner hatte er sich bereits im Senate erprobt, indem er für die Provinz Asien eintrat, die für die Erlaubnis dankte, dem Tiberius, der Livia und dem Senate einen Tempel zu erbauen (Tac. ann. II 15). Als die vorgeschriebenen fünf Jahre abgelaufen waren, wurde er Quaestor, und der Senat verewigte dieses Ereignis durch eine Statue und Inschrift (CIL VI 913), die dadurch interessant ist, daß sie auch die priesterlichen Würden aufzählt, die für einen kaiserliehen Prinzen in seinem Alter üblich waren [475] Er war damals flamen augustalis, sodalis augustalis, sodalis Titius, frater Arvalis und fetialis; ähnlich auch CIL X 798, wo jedoch sein Name fehlt.

Diese Quaestoreninschrift bezeichnet jedoch den Höhepunkt seiner amtlichen Laufbahn. Nero stand als präsumptiver Thronfolger den ehrgeizigen Plänen des Seian im Wege, der den Untergang seines Hauses beschlossen hatte; und er hatte es leicht, den Kaiser zu beeinflussen, da die stolze Agrippina aus ihrer Feindschaft kein Hehl machte, und Iulia, die Gemahlin des Nero, jede Äußerung, die er selbst im Schlafe getan hatte, ihrer Mutter, und diese wieder dem Seian zutrug (Tac. ann. IV 60). Nero war der Lieblingssohn seiner Mutter. Livia, die obwohl zuletzt ohne Einfluß doch dem Hause des Germanicus einen gewissen Rückhalt geboten hatte, war tot, und Seian verstand nun den Tiberius zu offenen Feindseligkeiten gegen Agrippina und ihren Sohn zu bewegen. In einem kaiserlichen Schreiben an den Senat wurde Nero mit harten Worten nicht etwa des Aufstandes beschuldigt, sondern man warf ihm vor Mangel an Bescheidenheit und Popularitätssucht (Tac. ann. V 3–5). Der Senat war in der größten Verlegenheit, er wußte nicht, was man von ihm erwartete, und noch weniger, was zu tun sei. Volksdemonstrationen auf der Straße zu Gunsten des Nero scheinen seine Sache noch verschlechtert zu haben, kurz der Senat erklärte den Sohn des vergötterten Germanicus für einen Feind des Vaterlandes (Suet. Calig. 7; Tib. 54). Er wurde nach den Pontischen Inseln verbannt und starb dort des Hungertodes, um den Händen des Henkers zu entgehen, noch vor der Katastrophe des Seian am 18. Oktober des J. 21 (Suet. Tib. 61).

Als nach dem Tode des Tiberius Neros jüngster Bruder, Caligula, Kaiser wurde, war eine seiner ersten Regierungshandlungen, trotz stürmischen Wetters, nach den Pontischen Inseln hinüberzufahren und die Asche seines Bruders nach Rom zu bringen, um sie im Mausoleum des Augustus zu bestatten. Er setzte ihm dort die Grabschrift (CIL VI 887): Ossa Neronis Caesaris Germanici Caesaris f. Divi Aug. pron. flamin. Augustalis, quaestoris. Hier fehlt der Name des Großvaters, Tiberius, der ihn tötete.