RE:Eusebios 25

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI,1 (1907), Sp. 1439–1440
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25) Bischof von Nikomedien um 325. Er ist kein produktiver Theologe, noch weniger Schriftsteller gewesen, seine zahlreichen Briefe, von denen die Quellen uns melden, auch ein paar Stücke aufbewahrt haben (s. Theodor. hist. eccl. I 5), stehen ganz im Dienst seiner Kirchenpolitik; aber unter den Kirchenfürsten der ersten Generation, die statt verfolgt von den Kaisern im Bunde mit ihnen arbeiten konnte, steht er durch Macht und Einfluß – offenbar die Erfolge einer rücksichtslosen Energie, verbunden mit weltmännischer Geschmeidigkeit – fast an erster Stelle (s. oben S. 1410ff.). Als der arianische Streit ausbrach, um 318, war er Bischof von Nikomedien, vorher aber Bischof von Berytos gewesen, und demnach, zumal er auch, von Arius als συλλουκιανιστής bezeichnet, mit diesem die Schule des Lucian in Antiochien besucht hatte, aus dem syrischen Orient gebürtig. Der aus Alexandrien nach seiner Absetzung vertriebene Presbyter Arius flüchtete sich nach Nikomedien; E. bearbeitete die ihm bekannten Bischöfe, ihn bei der Restituierung des Arius zu unterstützen. Erfolg hatte er darin nicht, und auf der oekumenischen Synode, die den Streit schlichten sollte, zu Nicaea 325, unterlag er, indem Arius anathematisiert wurde, und er, weil er zwar die nicaenische Glaubensformel unterschreiben aber das Anathema nicht anerkennen wollte, wurde exiliert [1440] und frühestens 328, nachdem er die Fürsprache anderer Bischöfe (Socr. hist. eccl. I 14, 2ff.) sich erbeten hatte, wieder in Nikomedien zugelassen. Der arianische Kampf war von nun an ein persönliches Ringen zwischen Athanasius und Ε., wobei der Kaiser Constantin, dem am Frieden in der Kirche um jeden Preis gelegen war, einer entschiedenen Parteinahme für einen von beiden immer wieder auswich. Auf der großen Friedenssynode zu Tyrus war auch unser E.; er setzte schließlich beim Kaiser die Verbannung des Athanasius nach Gallien durch. Und wie klug er sich in der Gunst des zuerst gegen ihn auch aus politischen Gründen mißtrauischen Constantin zu befestigen wußte, wird bewiesen durch die Tatsache, daß kurz vor seinem Tode der Kaiser sich von E. taufen ließ. Sicherer noch war sein Einfluß auf den neuen Kaiser des Ostens, auf Constantius. Die kleinen Bosheiten gegen Athanasius, die er damals alsbald durchsetzte, sind geschichtlich ohne Bedeutung geblieben; aber er wurde der Hofbischof κατ ἐξοχήν, als er durch eine Synode zu Constantinopel im J. 338 an die Stelle des Nicaeners Paulus zum Bischof der neuen Hauptstadt erhoben wurde. Auf der großen antiochenischen Synode ἐν ἐγκαινίοις, Februar 341, war er der führende Geist, darum wurde Athanasius dort nochmals abgesetzt, und die neuen Bekenntnisformeln, die jene Synode vorschlug, zeigen, daß E. die Beseitigung des Nicaenums auf sein Programm gesetzt hatte. Doch hat er die Arbeit in dieser Richtung nicht fortsetzen können, er starb wohl Ende 341, und an die Spitze der arianischen Partei trat, doch um eine Nuance von E. verschieden und schon durch die Traditionen seines Bistums in eine etwas andere Bahn gewiesen, Acacius von Caesarea. E. von Nikomedien, über den die zum Teil dunklen Nachrichten aus den Schriften des Athanasius, aus den vier Kirchenhistorikern des 4. Jhdts., mit Zuziehung von Hieronymus Chronik und den Concilienakten (Mansi II) zusammenzusuchen sind, hat auf die Nachwelt nicht weiter gewirkt, während sein Namensbruder und Zeitgenosse E. von Caesarea (Nr. 24) erst nach seinem Tode begonnen hat, den Ruhm für seine ungemein fleißigen Arbeiten seitens der Kirche einzuheimsen.