Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VI,1 (1907), Sp. 912–913
Eudokia Makrembolitissa in der Wikipedia
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3) Eudokia Makrembolitissa, Gemahlin des byzantinischen Kaisers Konstantinos X. Dukas (1059–1067) und dann des Kaisers Romanos IV. Diogenes (1067–1071). Ihren Namen trägt fälschlich ein umfangreiches Sammelwerk (Ἰωνιά, Violarium), das zuerst von Villoison (Anecd. gr. [913] vol. I, Venetiis 1781) und neuerdings noch einmal von H. Flach (Eudociae Violarium, Lipsiae 1880) herausgegeben ist und lange Zeit als gelehrte Materialsammlung unverdientes Ansehen genossen hat. Es führt in der Hs. (Paris. gr. 3057) den pomphaften Titel: Εὐδοκίας τῆς Μακρεμβολιτίσσης βασιλίδος Κωνσταντινουπόλεως Ἰωνιά, ἤτοι συναγωγὴ θεῶν ἡρώων τε καὶ ἡρωίνων γενεαλογίας, καὶ τῶν περὶ αὐτοὺς μεταμορφώσεων, μύθων τε καὶ ἀλληγοριῶν τῶν παρὰ τοῖς παλαιοῖς εὑρισκομένων, ἐν ᾗ καὶ περὶ διαφόρων σοφῶν, πρὸς τὸν φιλόχριστον καὶ εὐσεβέστατον βασιλέα Ῥωμανὸν τὸν Διογένην νικητὴν τροπαιοῦχον. Nachdem schon früher besonders wegen wörtlicher Übereinstimmung mit Suidas und mit dem Lexikon des Humanisten Varinus Favorinus Camers (Phavorinus) einige Zweifel an der Echtheit des Werkes geäussert waren, wies P. Pulch in seiner durch W. Studemund angeregten Dissertation (1880) nach, daß das Machwerk von dem Schreiber der Handschrift selbst im 16. Jhdt. aus bekannten und größtenteils damals bereits gedruckten Quellen kompiliert ist. Die vom Verfasser hauptsächlich ausgeschriebenen Quellen sind: das Lexikon des Suidas, das Lexikon des Phavorinus, die Scholien des Nonnos zu den Reden des Gregor von Nazianz, die Schriften des Kornutos und Palaiphatos. Und zwar benützte der Fälscher von dem Lexikon des Suidas die Editio Aldina 1514, von Phavorinus, aus dem fast die Hälfte des Violarium abgeschrieben ist, die ed. Basileensis 1538, von Palaiphatos und Kornutos, deren Schriften beinahe vollständig in das Violarium herübergenommen sind, die ed. Basileensis 1543. Trotz des Widerspruchs von H. Flach, der hartnäckig die Echtheit verteidigte, blieb nach Pulchs glänzender Beweisführung kein Zweifel, daß wir es mit einer dreisten Fälschung zu tun haben, die nicht vor 1543 entstanden sein kann. Kurz darauf (1882) gelang es Pulch nach sorgfältiger Untersuchung der Hs. auch den Namen des Fälschers zu ermitteln. In einem Aufsatz im Hermes wies er nach, daß der Schreiber der Hs. und somit der Verfasser der Ἰωνιά der griechische Schreiber Konstantin Palaeokappa war, der in der Zeit zwischen 1543 und 1551 als Gehilfe des Angelus Vergecius an der königlichen Bibliothek in Fontainebleau beschäftigt gewesen ist. Literatur: A. C. Meinecke Observationes in Eudociae Violetum, Bibliothek d. alten Literatur und Kunst 1789, Stück V und VI. R. Nitzsche Quaestionum Eudocianarum capita IV, Altenburg 1868. H. Flach Untersuchungen über Eudokia und Suidas, Leipzig 1879. A. Daub De Eudociae Violarii fontibus, Progr. Freiburg i. Br. 1880. P. Pulch De Eudociae quod fertur Violario (Dissert. Argentor. IV), Argentor. 1880; Konstantin Palaeokappa, der Verfasser des Violariums der Eudokia, Hermes XVII (1882) 177–192.

[Cohn.]