Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Dymai, eine der zwölf Städte Achaias
Band V,2 (1905) S. 18771878
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Dyme (Δύμη). 1) D. oder Dymai (Δύμαι), die westlichste der zwölf Städte Achaias, lag an der Südküste des patraeischen Golfes, nach Strabon 60 Stadien östlich vom Vorgebirge Araxos, nach Pausanias 30 Stadien vom Grenzfluss Achaias, dem Larisos, und 40 Stadien vom Flusse Peiros, an welchem Olenos lag. Nach diesen Angaben suchte man früher D. an einer kleinen Flysch-Hügelgruppe, die sich isoliert aus der niedrigen jungtertiären Tafel der westlichen Achaia unweit der Küste erhebt. Dort finden sich bei dem jetzigen Weiler Karavostasi und (was aber v. Duhn bestreitet) auch bei dem auf der französischen Karte H. Konstantinos, in Wirklichkeit H. Georgios genannten Hügel, unbedeutende Baureste, namentlich aus römischer Zeit. Die Ebene um die Hügelgruppe ist jetzt meist mit Eichenwald bedeckt; westlich der Hügel befindet sich, bei Karavostasi, eine flache Bucht, die kleinen Schiffen Schutz bietet, die Rhede von D. Unmittelbar westlich hiervon erhebt sich die Kalkhügelgruppe der Mavravuna, auf deren südlichstem Vorsprung, den Zugang zur Stadt und zum Hafen von Elis her beherrschend, eine starke Grenzfestung Teichos (s. d.) lag (Leake Morea II 159ff. Dodwell Travels II 311ff. Curtius Pelop. I 412. 423f. 449. Bursian Geogr. II 319ff.; Gegend: Philippson Pelop. 296f. 307). Abweichend von dieser Ansicht versetzt v. Duhn (Athen. Mitt. III 60f.), [1878] dem Lolling (Hell. Landeskunde 169) und Kiepert (Formae orb. ant.) folgen, auf Grund von Inschriften aus römischer Zeit, die in dem jetzigen Dorf Kato-Achaia verbaut sind (übrigens den Namen der Stadt nicht enthalten), D. an die Stelle dieses am linken Ufer des Peiros gelegenen Dorfes, wo man bisher Olenos gesucht hat. Hier ist die Tertiärtafel völlig eben und bricht nach Norden zu einem breiten Sandstrand ab, der hier die Küste bildet. Ein Hafen ist hier ebensowenig vorhanden, wie eine eigentliche Akropolis. Wir können uns dieser Ansicht nicht anschliessen, da, abgesehen von den obigen Entfernungsangaben, ausdrücklich bezeugt wird (z. B. Herodot. I 145), dass Olenos, nicht D., am Peiros lag, v. Duhn aber Olenos zwischen Peiros und Patras ansetzen muss, wo, abgesehen von einer flüchtigen Notiz Dodwells (II 309), noch niemand Ruinen gefunden hat. Ferner blieben bei dieser Annahme die Ruinen von Karavostasi unerklärt. Die starke Festung Teichos hätte keinen Zweck gehabt, wenn D. nicht bei Karavostasi, sondern bei Kato-Achaia gelegen hätte, da sie dann weit von dem Wege von Elis nach D. in einer unbewohnten Gegend errichtet wäre. Die Nachrichten der Alten, die topographischen Verhältnisse, die geschichtliche und kriegerische Rolle von D. weisen auf die Stelle von Karavostasi hin. Die Inschriften von Kato-Achaia können, wenn sie überhaupt aus D. stammen, verschleppt sein, ebenso wie die in demselben Dorf gefundenen Inschriften von Pharai, vielleicht als Bausteine für das in fränkischer Zeit bedeutende, in steinarmer Gegend liegende Kato-Achaia. Das Gebiet von D. war ursprünglich von Kaukonen bewohnt, später gründeten die Achaier D. durch Zusammenlegung von acht kleineren Orten. Als ältere Namen der Stadt werden Paleia und Stratos genannt. Sie befreite sich 314 vom makedonischen Joche, nahm regen Anteil an der Gründung und Politik des zweiten achaeischen Bundes, sank unter den Römern herab, wurde von Pompeius mit Piraten und dann von Augustus als Colonia Iulia Augusta Dumaeorum colonisiert. Nach Pausanias hatte D. einen alten Tempel der Athene, ein Heiligtum der Kybele und des Attis und vor der Stadt die Gräber des Heroen Sostratos und des olympischen Siegers Oibotas. Herod. I 145. Polyb. II 41. IV 59. 60. V 3. Diod. XIX 66. Strab. VII 337. 341. 357. 388. Paus. VII 17, 5—14. Appian. Mithr. 96. Plut. Pomp. 28. Cic. Attic. XVI 1. Liv. XXVII 31. XXXII 21. XXXVIII 29. Plin. TV 13. Steph. Byz.