Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 1781–1782
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6) M. Duilius. Das J. 283 = 471 ist nach der allgemein herrschenden Ansicht epochemachend in der Geschichte des römischen Volkstribunats, sei es, dass damals nur die Wahl der Tribunen in den plebeischen Tribusversammlungen festgesetzt und ihre Zahl vermehrt wurde, wie Piso frg. 23 bei Liv. II 58, 1f. angiebt, oder dass damals überhaupt das Amt zuerst eingesetzt wurde, wie Diod. XI 68, 8 sagt. Jedenfalls verdient dessen Bericht darin einen Vorzug vor dem Pisonischen, dass er die Zahl der damals gewählten Tribunen auf vier, nicht auf fünf angiebt; die Namen dieser vier Männer lauten bei beiden fast völlig gleich: Cn. Siccius (Γάιος Σικίνιος), L. Numitorius, M. Duilius, Sp. Icilius (Ἀκίλιος) und beruhen auf einer alten Überlieferung. Cn. Siccius und M. Duilius erscheinen dann bei Liv. II 61, 2 auch im folgenden J. 284 = 470 als Tribunen und Ankläger des gewesenen Consuls Ap. Claudius: die völlige Wertlosigkeit dieser Tradition [1782] ist bereits oben Bd. III S. 2698 dargelegt worden. Lediglich aus der Tribunenliste von 283 = 471 sind dann, wie Niese De annalibus Romanis observationes I p. VIIIf. richtig erkannt hat, die Namen der plebeischen Persönlichkeiten abgeleitet worden, die man in der Geschichte des Decemvirats eine Rolle spielen liess. So wird die Bewerbung des Ap. Claudius um das zweite Decemvirat ausgemalt: ipse medius inter tribunicios, Duellios Iciliosque, in foro volitare, per illos se plebi venditare (Liv. III 35, 5); so wird die Anregung der Secession der Plebs im J. 305 = 449 diesem M. Duilius, qui tribunus plebis fuerat, zugeschrieben (ebd. 52, lf.); so wird derselbe, qui tribunatum insignem ante decemviros gesserat nec in decemviralibus certaminibus plebi defuerat, nach der Rückkehr vom Mons Sacer wieder mit je einem Sicinius, Icilius und Numitorius zuerst zum Tribunen gewählt (ebd. 54, 12), stellt dann sofort einen Antrag de consulibus creandis cum provocatione (ebd. 54, 15) und bald darauf einen zweiten: qui plebem sine tribunis reliquisset quique magistratum sine provocatione creasset, tergo ac capite puniretur (ebd. 55, 14; vgl. das diesem Plebiscit vorhergehende consularische Gesetz desselben Inhalts ebd. 55, 5. Cic. rep. II 54. Mommsen Strafr. 551, 2); so wird dann nach der Verurteilung der Decemvirn D. als der massvollste und besonnenste Vertreter der Plebs hingestellt, der weiteren Verfolgungen ihrer Gegner Einhalt gebietet (Liv. III 59, 1–4, vgl. Dionys. XI 46) und ebenso den allzuweitgehenden Ehrgeiz seiner eigenen Amtsgenossen in die richtigen Schranken zurückweist, so dass er schliesslich pariter patribus plebeique acceptus magistratu abiit (Liv. III 64, 4–11). Über die Unglaubwürdigkeit aller dieser Nachrichten braucht kein Wort verloren zu werden; der wohlerworbene Ruhm des C. Duilius Nr. 3 hat wohl die Annalisten veranlasst, seinen Ahnherrn, von dem nur der Name überliefert war, so günstig zu schildern.