RE:Dionysios 135

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,1 (1903), Sp. 983–984
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135) Διονύσιος ὁ Σιδώνιος, Grammatiker der alexandrinischen Zeit. Er gehörte zu den Schülern des Aristarch, wie man mit Recht aus der Bemerkung des [[RE:[Didymos 8 |Didymos]] zu Il. XIX 365 geschlossen hat, wonach Διονύσιος ὁ Σιδώνιος berichtet hatte, dass Aristarch die Verse 365–368 zuerst athetierte, später aber die ὀβελοί wieder beseitigte; vgl. Lehrs Arist.³ 341. Sengebusch Diss. Hom. I 30. Wie alle Aristarcheer beschäftigte er sich hauptsächlich mit der Kritik und Erklärung der 6 homerischen Gedichte. In den Homerscholien wird er häufig citiert, am meisten von Didymos: zu Il. I 424. 554. II 192. V 746. VII 5. XIV 40. XIX 365 (XXII 29). Od. X 329; von Aristonikos wird er erwähnt zu Il. I 8 und XII 36, von Herodian zu Il. I 364. II 262. III 128. VI 465. VIII 177. XXIV 557. Ausserdem wird er citiert von Apollonios Sophistes p. 77, 2. 156, 23 und von Herakleides Milesios bei Eustath. p. 1410, 59. An einigen Stellen wird seine Übereinstimmung mit Aristarch notiert; wie dieser las er Il. I 424 κατὰ δαῖτα, Il. II Ἀτρείωνος, Athetesen des Aristarch bezeugt er zu Il. XIX 365 und Od. X 329. Häufig aber wich er in Lesarten von dem Lehrer ab; Il. I 8 las er mit Zenodot σφῶϊ (σφῶε Aristarch), Il. XIV 40 mit Zenodot πῆξε (πτῆξε Aristarch), Il. I 554 ὅττι für ἅσσ’, Il. VII 5 ἐπήν κε statt ἐπεί κε, Il. VIII 177 οἷ statt οἵ, Il. III 35 παρῇα statt παρειά (vgl. Ludwich Aristarchs Hom. Textkr. I 232. 481), Il. XXII 29 Κυνωρίωνος statt κυν’ Ὠρίωνος, Il. XXIV 557 πρῶτ’ ἐλέησας (Conjectur?) für πρῶτον ἔασας, Il. IV 117 bekämpfte er Aristarchs Athetese (Apoll. Soph. 77, 2). Besonders in Fragen der Prosodie entfernte er sich von Aristarch, da er gleich andern Aristarcheern das Princip der Analogie viel weiter trieb als der Lehrer (Lehrs Qu. ep. 120); so verlangte er wie Dionysios Thrax die Accentuation αἰδώ und ἠώ nach Analogie von Πυθώ Λητώ, während Aristarch αἰδῶ und ἠῶ betonte (Herod. zu Il. II 262); er tadelte Aristarch, weil er Il. V 80 πρόσθεν ἕθεν las und nicht ‚ἐγκλιτικῶς‘ πρόσθέν ἑθεν wie οὕς ἑθεν Il. III 128 und οὔ ἑθεν Il. I 114 (Herod. zu Il. III 128); Il. I 364 las er στεναχῶν statt στενάχων. Als einen der eifrigsten Anhänger der Analogie erkennen wir ihn auch aus der Stelle des Varro de l. l. X 10, wo von ihm berichtet wird, dass er 71 Flexionsschemata aufstellte, davon 47 für die Flexion der Nomina. Vielleicht handelte er darüber in einer besonderen grammatischen Schrift. Unsicher ist ein Citat in dem verderbten Artikel des Etym. M. 783, 20 ὑποπτέρων ὀνείρων (aus Herodian περὶ παθῶν); vgl. darüber Lentz Herodian. II 237, 11. Einmal wird ὁ Σιδώνιος in den Scholien zu Pind. Pyth. I 172 citiert, woraus wir ersehen können, dass er sich auch mit diesem Dichter befasst hat; Boeckh wollte auf ihn auch Schol. Pind. Pyth. I 109 beziehen, wo ein Δ. ohne Beinamen citiert wird. Vgl. A. Blau De Aristarchi discipulis 45–48.

[Cohn.]