RE:Dionysios 119

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band V,1 (1903), Sp. 973–974
Dionysios Metathemenos in der Wikipedia
GND: 10239119X
Dionysios Metathemenos in Wikidata
Linkvorlage für WP   
* {{RE|V,1|973|974|Dionysios 119|[[REAutor]]|RE:Dionysios 119}}        

119) Dionysios, der Sohn des Theophantos, aus dem pontischen Herakleia, genannt ὁ Μεταθέμενος, Stoiker. Antigonos von Karystos im Ind. Stoic. Herc. col. 10, 4. Diog. Laert. VII 166. Er genoss zuerst in seiner Vaterstadt den Unterricht seines Landsmannes, des Pontikers Herakleides, später hörte er den Alexinos und den Menedemos, zuletzt den Stoiker Zenon. Diokles bei Diog. Laert. a. a. O. Dem Zenon schloss er sich dauernd an und gehörte zu den schriftstellerisch bedeutendsten Vertretern seiner Lehre. Diog. Laert. VII 167 giebt ein Verzeichnis seiner Schriften, welches kaum vollzählig sein kann, da er im Ind. Stoic. Herc. col. 32 als πολυγράφος bezeichnet und der Gesamtumfang seiner Schriften auf 80 000 στίχοι angegeben wird. Sämtliche Schriften des Verzeichnisses bei Diog. Laert. sind ethische. Neben den philosophischen trieb er auch litterarische Studien und versuchte sich selbst in verschiedenen Formen der Poesie. Hierauf beruhte seine Freundschaft mit dem ebenfalls zu Zenons Schülerkreis gehörenden Dichter Aratos, den er bewunderte und, wie es scheint, nachahmte. Diog. Laert. a. a. O.: Ἄρατον ἀπεδέχετο ζηλῶν αὐτόν. Nach der Vita Arati 2 p. 56, 6ff. soll ihn Aratos in der Mathematik unterwiesen haben. Über seine dichterischen Versuche ist noch zu vergleichen die Anekdote bei Diog. Laert. V 92, wo er eine Tragoedie ,Parthenopaios‘ unter dem Namen des Sophokles herausgiebt. Sein Abfall von der stoischen Orthodoxie, auf den sich der Beiname ὁ Μεταθέμενος bezieht, erfolgte, als er bereits im Greisenalter stand (Athen. VII 281 e γηραιὸς ἀποστάς), nach dem Tode Zenons, aber noch bei Lebzeiten des Kleanthes, wie aus Cic. Tusc. II 60 hervorgeht. Durch ein schmerzhaftes Augenübel, nach anderer Version durch eine Nierenkrankheit gepeinigt (Diog. Laert. VII 37. 166. Cic. de fin. V 94; Tusc. II 60. Lucian. bis acc. 21), sagte er sich von der Ansicht los, dass der Schmerz kein Übel sei. Im Ind. Stoic. Herc. col. 30 war die Scene im Krankenzimmer geschildert, wo D., wie Cic. Tusc. II 60 sagt, ipso in eiulatu clamitabat falsa esse illa, quae antea de dolore, ipse sensisset. Welchen Kummer er dadurch seinen Schulgenossen bereitete, veranschaulicht die Anekdote Ind. Stoic. col. 31: διὸ καί ποτε Περσαίου πρός τινας εἰπόντος, ὡς ἐπύθετ’ ἐπὶ τὴν ἡδονὴν Dionysios 974 αὐτὸν μεταβεβληκέται, διότι ,ἠβου[λόμην]] ἀκοῦσαι πρότε[ρον ἀ]πὸ τῆς ἀκροπ[όλεως] αὐτὸν κατ[αβεβλη]μένον‘ u. s. w. Denn so ist wohl zu schreiben. Ausgefallen ist die Antwort des D. Übrigens handelte es sich keineswegs um eine augenblickliche Anwandlung von Schwäche; nach seiner Genesung zog D. die Consequenzen aus der auf dem Krankenbett gemachten Erfahrung, indem er seine Lehre im hedonistischen Sinne umgestaltete. Wenn ihn Diog. Laert. VII 167 Kyrenaiker, Athen. VII 281 e Epikureer werden lässt, so ist das schwerlich richtig. Es ist beides voreilig erschlossen aus der Thatsache, dass D. nunmehr lehrte; τὸν πόνον φευκτὸν εἶναι, τὴνδ’ ἡδονὴν σκοπὸν καὶ τέλος, Ind. Stoic. col. 32, 1. Ohne Zweifel nahm er, wie Ariston und Herillos, eine selbständige Stellung ein. Dass er, obwohl ein bejahrter Mann, auch in seiner Lebensweise sich den sinnlichen Genüssen zuwandte (Diog. Laert. a. a. O.), würden wir für Klatsch halten, wenn nicht ein Gewährsmann wie Antigonos von Karystos es bestätigte durch die Anekdote bei Athen. X 437 c. Nikias von Nikaia bei Athen, a. a. O. nennt ihn gar ἐκ νέου πρὸς τὰ ἀφροδίσια ἐκμανής und belegt diese Charakteristik durch eine Anekdote. Im Alter von 80 Jahren tötete er sich durch Nahrungsenthaltung, Diog. Laert. a. a. O. Geboren war er, nach dem, was oben über sein Verhältnis zu dem Pontiker Herakleides bemerkt wurde, zwischen 330 und 325. Weiter können wir keinenfalls hinabgehen, da er noch den Unterricht des Herakleides geniessen konnte und, wenn jene Anekdote glaubhaft ist, bei seinen Lebzeiten eine Tragoedie verfasste. Denn Herakleides kann kaum länger als bis 310 gelebt haben. Zeller Ph. d. Gr. IV³ 38. Susemihl Gesch. d. gr. Litt. I 71.