Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Widderopfer für Attis
Band IV,2 (1901) S. 17181719
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Criobolium. Der Widder war dem Attis gewidmet, wie der Stier der Kybele, und als in Rom das Taurobolium (s. u.) vom offiziellen [1719] Dienst der Magna mater adoptiert wurde, wurde es durch ein zweites Opfer ergänzt, das man dem Kultgenossen der phrygischen Göttin darbrachte. Die untergeordnete Bedeutung des C. ist schon daraus klar, dass es auf den Inschriften gewöhnlich nur neben (Ausnahmen CIL VIII 8203 [nicht 2230]. IX 1538. XIV 41; vgl. auch IX 305 criobolium et aemobolium) und dann regelmässig nach dem Taurobolium erwähnt wird, während dieses oft allein erscheint (vgl. auch Firm. Mat. de err. rel. 27, 8 tauribolium vel criobolium). Gerade die ältesten Denkmäler (CIL X 1596 vom J. 134 n. Chr. Wilmanns 119 vom J. 160. CIL XIV 40 u. s. w.) nennen das C. nicht, es taucht erst am Anfang des 3. Jhdts. auf (CIL IX 1538 vom J. 228. VIII 8203 vom J. 222–235. II 5521 vom J. 238. XII 1567 vom J. 245), so dass man kaum daran zweifeln darf, dass es eine Schöpfung der römischen Kaiserzeit ist. Es verbreitete sich mit dem Ritus des Tauroboliums in Italien (Ostia XIV 41 [crinobolium]; Chieti IX 3015; Beneventum IX 1538), Gallien (Vasio XII 1311 [criopolium]; Valence 1745), Spanien (Corduba II 5521 [crionis bolium]) und Africa (Milev VIII 8203; Mactar, Rev. archéol. 1892, II 298; Announa, ebd. 1895, I 139 [creobolium], aber CIL VIII 2230 ist anders zu lesen) und wurde in Rom bis zum Ende des Heidentums begangen (CIL VI 499. 501–505. 508–510 [von 295–390 n. Chr.]. Kaibel IGI 1018. 1020). Dieses Opfer wird ohne Zweifel sowohl in seinem Charakter wie in der Bedeutung, welche man ihm beilegte, dem Taurobolium (s. d.) ähnlich gewesen sein.

[Cumont. ]