RE:Aristodemos 8

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band II,1 (1895), Sp. 922923
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8) Aristodemos, Sohn des Aristokrates, Tyrann von Kyme in Campanien. Sein Beiname Μαλακός wird verschieden erklärt (Dionys. Halic. ant. VII 2. Plut. mul. virt. 26). Als junger Mann zeichnete er sich in den Kriegen Kymes gegen die Barbaren durch Tapferkeit und Einsicht aus und ward mit den höchsten Ämtern betraut. Nach Dionysios that er sich namentlich Ol. 64 (524 v. Chr.) hervor, als Kyme von Etruskern, Umbrern und Dauniern angegriffen ward. Weil er sich damals bei der Erteilung des Ehrenpreises beeinträchtigt glaubte, ward er Führer des Demos gegen die herrschende Aristokratie (Dionys. a. O. VII 3f. Plut. a. O.). Im J. 505 wurde er von den Kymaeern mit einer Streitmacht dem von den Etruskern bedrängten Aricia oder, nach Plutarch, den Römern zur Hülfe gesandt. Die näheren Umstände dabei beschreibt Dionysios; er schlug darnach die Etrusker bei Aricia und erlegte Aruns, den Sohn des Porsena. Auf diesem Feldzuge gewann er das Heer für sich, stürzte nach seiner Rückkehr das aristokratische Regiment, rief das Volk zur Freiheit, versprach ihm neue Ackerverteilung und Schuldenerlass und wurde von ihm mit der höchsten Gewalt betraut. So ward er Tyrann, liess die angesehenen Bürger töten und stützte seine Herrschaft auf die niedrigsten Volkschichten und barbarische Söldner: die Bürgerschaft ward entwaffnet und verweichlicht (Dionys. a. O. VII 5f. Plut. a. O. Diod. frg. VII 10). Bei ihm soll der vertriebene Tarquinius Superbus nach der Schlacht am See Regillus mit seinen Parteigängern Zuflucht gefunden haben (Liv. II 21, 5. Dionvs. Hal. VI 21). Seine Tyrannis, die angeblich im J. Roms 262 (= 492 v. Chr.) noch bestand (Liv. II 34, 4. Dionys. VII 12), wurde nach Dionysios durch die Kinder der von A. getöteten Aristokraten in Verbindung mit Verbannten, die bei den Campanern eine Zuflucht gefunden hatten, beseitigt. Es gelang ihnen, das Heer des Tyrannen von Kyme fortzulocken, die Stadt zu überfallen [923] und den Tyrannen mit seinem ganzen Hause zu töten (Dionys. VII 10f.). Nach Plutarch dagegen, dessen Erzählung übrigens lückenhaft ist, liess er, um die Bürgerschaft zu beschäftigen, einen Graben um die Stadt ziehen. Bei dieser Gelegenheit bildete sich, angeregt durch ein mutiges Weib, eine Verschwörung gegen A., deren Haupt Thymoteles war. Der Tyrann ward mit Beihülfe seiner eigenen Frau, der Xenokrita, ermordet. Plut. de mulier. virt. 26. Die Beglaubigung der Geschichte A.s, in der Plutarch und Dionys vielfach von einander abweichen, ist nicht gut, und namentlich die Erzählung des Dionysios unterliegt schweren Bedenken; auch die Zeitrechnung ist, wie Diodor zeigt, nicht sicher. A.s Verbindung mit Rom und den Tarquiniern muss mit grosser Vorsicht aufgenommen werden. Vgl. Niebuhr Röm. Gesch. I 614f. Grote History of Greece III 355 (c. 22). Duncker Gesch. des Altert. VIII 398f. Busolt Gr. Gesch. I 274f.