Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Rhetor aus Alabanda/Karien, 2. Jh. v. Chr.
Band II,1 (1895) S. 140 (IA)–141 (IA)
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84) Mit dem Beinamen ὁ μαλακός, Rhetor gebürtig aus Alabanda in Karien (Strab. XIV 655. 660f. Cic. de or. I 126). Da er sich um 120 v. Chr. schon eines namhaften Rufes als Lehrer der Redekunst erfreute (Cic. de or. I 75), so wird man seine Geburt nicht viel später als 160 ansetzen dürfen. In Alabanda genoss er den Unterricht seines Landmannes Menekles, des damals bedeutendsten Vertreters der asianischen Beredsamkeit (Strab. XIV 655). Nicht lange vor 120 siedelte er aus seiner Heimat nach Rhodos über (Strab. XIV 655. 661; ὁ Ῥόδιος Theon progymn. II 61 Sp.), wo er rhetorischen Unterricht erteilte. Die Worte καὶ σοφιστεύει ῥητορικοὺς λόγους in der Vit. Apoll. Rhod. 534, 24 Merkel betreffen Declamationsübungen unseres Rhetors; sie sind augenscheinlich ein Einschiebsel, beruhend auf einer Verwechslung des gleichnamigen Dichters mit dem Rhetor, die beide Ῥόδιοι hiessen. Von seinem Unterrichte schloss A., trotzdem er um Geld lehrte, Schüler, die von Natur für einen künftigen Rednerberuf nicht geeignet oder befähigt waren, aus und empfahl ihnen ihren Anlagen und Kräften entsprechendere Berufsarten (Cic. de or. I 126. 130). Hier in Rhodos hörte ihn, wie es scheint, 98 auf seiner Reise nach Kilikien M. Antonius (Cic. de or. II 3 vgl. mit I 126). Hier hatte nach Cic. de or. I 75 schon 121 Q. Mucius Scaevola als Praetor eine Unterredung mit A. über Lehrmeinungen seines Lehrers, des stoischen Philosophen Panaitios. Aus der genannten Stelle geht hervor, dass A. ein erklärter Feind der Philosophie war: irrisit, ut solebat, philosophiam atque contempsit in einer freilich mehr geistreichen (facete) als überzeugenden (graviter) Erörterung. Geistreiche, pikante Redewendungen, Scherz, Spott und Witz scheint unser Rhetor überhaupt geliebt zu haben, ganz im Geiste seines Lehrers Menekles (Cic. Brut. 325f.). Von ihm überliefert Strab. XIV 660 ein auf Alabanda bezügliches Scherzwort, XIV 655 ein gefälliges Wortspiel. Auf ihn wird, wenn anders die nächstliegende und natürlichste Annahme richtig ist, dass Cicero scharf zwischen A. (d. i. ὁ μαλακός) und Molon (d. i. A. Molon) unterscheidet, zurückzuführen sein die für die Behandlung des Epilogs beachtenswerte, wahre Sentenz: lacrima nihil citius arescit bei Cic. de inv. I 109. Vermutlich unsern A. hat der Rhetor Seneca im Auge, wenn er contr. VII 4, 3 Kiessl. (VII 4, 5 Müll.) überliefert: in epilogis vehemens fuit A. Graecus; an dieser Stelle gewinnt Müller durch Transposition auch eine Sentenz des A., die, wenn richtig auf ihren wirklichen Urheber zurückgeführt, einen weiteren Beleg für sein Haschen nach Pointen liefert. Mit Riese 628, 1 (anders Blass 95, 1. Susemihl 492, 139) möchte man endlich geneigt sein, diesem A. auch noch das bei Theon a. O. mitgeteilte Wort zuzuweisen: ἡ ἀνάγνωσις τροφὴ λέξεώς ἐστι; die Richtigkeit der Annahme vorausgesetzt, [141] wies A. seine Schüler zur Bildung ihres Stiles auf die Lectüre nachahmenswerter Muster hin. Doch ist es schwer, den Besitzstand unseres Rhetors im einzelnen festzustellen, da er ihm von dem ungleich berühmteren A. Molon, mit dem er außer dem Namen vieles andere gemein hat (s. Nr. 85) streitig gemacht wird. Andererseits muss man sich hüten, ohne weiteres alles dem Molon zuzuweisen, da auch unser A. gleich Molon als ein λόγου ἄξιος ἀνήρ von Strab. XIV 661 aufgeführt und von Scaevola und Antonius bei Cic. de or. I 75. 126 als ein summus doctor gerühmt wird. Litteratur s. u. Nr. 85.