Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
fertig  
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Grünspan durch Einwirkung auf Kupfer
Band I,1 (1893) S. 679 (IA)–680 (IA)
Patina in der Wikipedia
GND: 4115514-2
Patina in Wikidata
Bildergalerie im Original
Register I,1 Alle Register
Linkvorlage für WP   
* {{RE|I,1|679|680|Aerugo, Aeruca|[[REAutor]]|RE:Aerugo, Aeruca}}        

Aerugo, Aeruca, Grünspan. Von den drei verschiedenen Arten Grünspan entsteht die erste, wie die Patina bronzener Statuen und Geräte (aerugo nobilis), durch die Einwirkung feuchter, kohlensäurehaltiger Luft auf Kupfer (basisch kohlensaures Kupferoxyd). Hierzu gehört auch der natürliche Grünspan, von dem Plin. n. h. XXXIV 110 schreibt lapidi ex quo coquitur aes deraditur. Die Bildung dieser Überzüge auf kupfernen Gegenständen wurde verhindert durch Bestreichen derselben mit Öl oder flüssigem Pech (Plin. h. n. XXXIV 99. XV 34) oder Asphalt (bitumen Plin. n. h. XXXIV 15). Die zweite Art entsteht durch Einwirkung von Essig auf Kupfer (basisch essigsaures Kupferoxyd) , z. B. beim Stehenlassen saurer Speisen in kupfernen Gefässen. [680] Gegen dieses Gift schützte man sich nach Plin. XXXIV 160, indem man die Gefässe mit (bleihaltigem) Silber (stagnum) überzog. Diese Art Grünspan wurde zu medicinischen Zwecken und als Farbe künstlich dargestellt, indem man entweder (wie dies heute noch in Südfrankreich geschieht) Kupferbleche (χαλκὸς ἐρυθρός, Theophr. de lapid. 57) mit Weintrester schichtete und den gebildeten Grünspan (ἰός) von dem Kupfer später abkratzte, oder durch Behandlung von Kupferplatten oder Feilspänen und Abschnitzel von Kupfer mit Essig (Vitruv VII 12 hier auch aeruca, und ausführlich Dioskorides V 91 περὶ ἰοῦ ξυστοῦ und Phil. n. h. XXXIV 110). Eine dritte Art entsteht bei Einwirkung von Salzwasser auf Kupfer (basisches Kupferchlorid), sie ist neben anderen Kupfer- und Eisensalzen in der sogen. scoleca enthalten gewesen, die nach Dioskor. V 92 und Plin. h. n. XXXIV 116 aus cyprischem Erz mit eisenvitriolhaltigem Alaun, Salz und Soda (nitrum) und scharfem Essig dargestellt wurde und zu medicinischen Zwecken diente. Von ähnlicher Zusammensetzung war nach denselben auch die als Goldlot dienende santerna oder chrysokolla. Über die Verfälschung des G. durch Marmorstaub, Bimstein, Gummi und Eisen- und Kupfervitriol (atramentum sutorium) s. Plin. n. h. XXXIV 112. Vgl. auch Blümner Technol. IV 177. 297. 512.

[Nies. ]