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Titel: Physiognomische Aufgabe. Nr. 2
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aus: Die Gartenlaube, Heft 29, S. 464
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[464]

Physiognomische Aufgabe.

Nr. 2.[1]
Die Gartenlaube (1862) b 464.jpg

Diese kleine, unbedeutende Zeichnung hat den Vorzug, bei überraschender Ähnlichkeit des Gesichts die Körperhaltung des Originals sehr charakteristisch wiederzugeben. Alle unsere Leser kennen das Original, wenn nicht persönlich, doch aus seinen Werken, und Viele schätzen und lieben es deshalb. Jedenfalls zeigt der Blick viel Intelligenz, das beobachtende Auge, namentlich nach einer bestimmten Richtung hin, viel Urtheil, der lächelnde Mund Witz und Behagen. Nicht immer trug dieser Kopf den hohen Cylinder, aber immer zeigte er sich, besonders in gewissen Kreisen, lieber mit diesem als in anderer Weise.

Diese vorgebeugte beobachtende Gestalt, die, wenn wir nicht irren, den Katalog irgend einer Ausstellung trägt, scheint wenig Poetisches oder Romantisches an sich zu tragen. Und doch schlägt hinter diesem Philisterrocke ein warmes Herz für Romantik, für Poesie und Kunst, doch hat dieser Mann viel gelebt und geliebt und der Schönheit gehuldigt, in welcher Gestalt er sie auch fand, und die jetzt schlaffe Hand hat manches heiße, liebeduftende Lied geschrieben, das mit beredten Worten den Romantiker documentirt. Was er sein sollte, war er – nach gewöhnlichen Begriffen – wenig, aber was er geschaffen, wird seinen Namen unsterblich machen und ihm ein Andenken sichern, um das ihn alle seine Collegen, die jetzt mit Lächeln ans ihn herabsehen, beneiden werden. Wenn einst der Tod diese Gestalt in ein kleines Haus bettet, werden. Alle trauern, die auf Erden dem Schönen und Idealen huldigen.


  1. Nr. 1 siehe Jahrgang 1861, Nr. 3, S45. – Antworten frankirt.