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Autor: Lukian von Samosata
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Titel: Philopatris
Untertitel:
aus: Lucian’s Werke, übersetzt von August Friedrich Pauly, Fünfzehntes Bändchen, Seite 1813–1836
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 2. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1832
Verlag: J. B. Metzler
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Erscheinungsort: Stuttgart
Übersetzer: August Friedrich Pauly
Originaltitel: Φιλόπατρις ἢ Διδασκόμενος
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scan auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[1813]
Philopatris.[1]
Triephon. Critias. Cleolaus.

1. Triephon. Was soll das, Freund Critias? Du hast Dich ja gänzlich verändert, gehst hin und her mit [1814] gesenkten Augbraunen und brütest über irgend Etwas in der Tiefe Deiner Seele, einem Rankesinnenden ähnlich, und

 – – Bläss’ umzog Dir die Wangen,

mit dem Dichter zu sprechen. Hast Du etwa den Dreiköpfigen [Cerberus] gesehen? oder ist Dir die Hekate aus der Hölle begegnet? oder bist Du gar nach einer besonderen Fügung mit einem Gotte zusammengetroffen? Wenn man Dir für gewiß gesagt hätte, daß die Welt selbst, wie einst zu Deukalions Zeit, im Wasser zu Grunde gehen werde, Du könntest wahrlich nicht so angegriffen seyn, wie Du jetzt scheinst. Heh, Freund Critias, mit Dir spreche ich: hörst Du nicht? ich schreie doch schon lange an Dich hin, und bin Dir nahe genug gekommen. Bist Du etwa böse auf mich? oder bist Du taub geworden? oder erwartest Du, daß ich Hand anlegen soll, um Dich aufzurütteln?

Critias. O Triephon! Ich habe eine Rede gehört, eine lange, verworrene, verzweifelte Rede! Noch immer geht mir der Unsinn im Kopfe herum, und daher stopfe ich mir die Ohren zu, um dergleichen nicht irgendwo noch einmal hören zu müssen. Denn ich käme von Sinnen und wäre des Todes, um eine Fabel für die Dichter zu seyn, wie weiland Niobe. Und wahrlich, hättest Du mich nicht [1815] angerufen, ich hätte mich in meinem Schwindel Kopf über von einem Felsen gestürzt, und von mir wäre alsdann zu sagen gewesen, was man sich von dem Sprunge des Cleombrotus aus Ambracia[2] erzählt.

2. Triephon. Herkules; was mag es da zu hören oder zu sehen gegeben haben, das den Critias außer Fassung setzen könnte! Denn wie so mancher verrückte Poet, wie so manches abenteuerliche Philosophen-Geschwätz hat Dir den Sinn so wenig verwirrt, daß vielmehr Alles in Deinen Augen nur dummer Schnack war!

Critias. Nur eine Weile Geduld, Triephon! Setze mir nicht so zu: Du sollst nicht sagen können, daß ich Dir kein Gehör geben wollte.

Triephon. Ich kann mir denken, daß es keine Kleinigkeiten, daß es vielmehr große Geheimnisse sind, die Dir im Kopfe herum treiben. Deine Farbe, der stiere Blick, der unstete Gang, das Auf- und Abgehen verräth es nur zu deutlich. Daher – rülpse es von Dir, das fatale Zeug; spei ihn aus, den Unsinn, daß er Dir nicht Unheil im Leibe anrichtet!

Critias. Nun wohl; aber Du mußt wenigstens auf fünfzig Schritte bei Seite gehen, Triephon, damit der Wind Dich nicht in die Höhe nimmt und Du vor aller Welt Augen in den Lüften erscheinst, um in irgend ein Meer wieder [1816] herabzustürzen, und ihm, wie Jener dem Ikarischen, den Namen des Triephontischen zu geben. Denn was ich Alles heute von den vermaledeyten Sophisten gehört habe, hat mir den Leib entsetzlich aufgetrieben.

Triephon. Siehst du, ich trete zurück, weil Du es haben willst. Nun entblase Dich Deiner bösen Dünste!

Critias. Pü, Pü, Pü! der abscheuliche Unsinn! Ba, Ba, Ba! die scheuslichen Anschläge! Oeh, Oeh, Oeh! die windichten Hoffnungen!

3. Triephon. Herkules! welche Blähungen! Wie sie die Wolken auseinander jagen! So eben noch hatte ein heftiger West die Wellen vor sich hergetrieben; und nun hast Du auf einmal einen so gewaltigen Nordwind auf der Propontis erregt, daß die Schiffe an Seilen in das schwarze Meer bugsirt werden müssen: so große Wogen wälzt ihnen Dein Blasen entgegen. Wie mögen Deine Gedärme gespannt gewesen seyn! Das mag ein Gullern und Knurren in Deinem Bauche gegeben haben! Aber wie viele Ohren hattest Du auch, um so Vieles zu hören? Du mußt wohl am ganzen Leibe und – Mirakel! – sogar an den Nägeln gehört haben?

Critias. Das wäre eben nicht so unglaublich, Triephon[WS 1] wenn Einer auch an den Nägeln hörte. Du weißt, daß ein Schenkel einmal zum Mutterleibe geworden; daß einmal ein Kopf schwanger ging; daß einst ein Mann in ein Weib, daß Weiber in Vögel verwandelt wurden. Die ganze Welt ist ja voll Wunder, wenn Du den Dichtern glauben willst. Aber

[1817]

 – – da Dir zuerst an diesem Ort ich begegne,[3]

so laß uns dort unter jene Platanen gehen, die vor der Sonne schützen, wo Nachtigallen und Schwalben mit lieblicher Geschwätzigkeit und angenehmen Melodien uns ergötzen, und wo das sanfte Murmeln des Baches unsere Seelen so wohlthuend anregt.

4. Triephon. Gehen wir, mein Critias. Aber ich fürchte, was du gehört hast, könnte wohl gar Hexerei seyn, und die seltsamen Dinge, die auf Dich einen so wunderlichen Eindruck machten, könnten mich in eine Stampfkeule, oder in einen Schließbengel[4] oder sonst in irgend eine leblose Sache verwandeln.

Critias. Nein, beim himmlischen Jupiter, das soll Dir nicht widerfahren!

Triephon. Schlimm genug, daß Du bei Jupiter schwurst. Dieß beunruhigt mich nur um so mehr. Denn wie wollte Der Dich strafen, wenn Du den Eid brächest? Du weißt so gut als ich, wie es mit diesem Jupiter steht.

Critias. Wie? Du meinst, Jupiter könne einen nicht zur Hölle schicken? Weißt Du etwa nicht, daß er einst die Götter sammt und sonders über die Schwelle des Himmels hinauswarf, und den Salmóneus, der ihm entgegendonnern wollte, niederblitzte, und daß Dieß gottlosen Buben noch heute widerfährt? Wird er nicht von den Dichtern, wie von Homer, besungen als Titanenbezwinger und Gigantentödter?

[1818] Triephon. Nun ja, Critias, Du hast so ziemlich Alles gesagt, was sich von ihm sagen läßt. Aber erlaube mir nun auch ein paar Fragen. Ist er nicht auch einmal zum Schwan geworden, und zum Satyr, zum Stier sogar, und das aus purer Geilheit? Und wenn er sein Hürchen nicht flink genug aufgehuckt hätte, und mit ihr über das Meer geschwommen wäre, wie leicht hätte da der große Donnerer und Blitzeschleuderer einem Bauer in die Hände gerathen können, und, statt zu blitzen, die Peitsche fühlen und pflügen müssen? Und vollends mit den Aethiopiern, diesen schwarzen, finstern Kerls, zu schmausen, und zwölf ganze Sommertage lang auf einem Flecke zu sitzen und zu zechen –! hätte er sich nicht in seinen langen Bart hinein schämen sollen? Von der Geschichte mit dem Adler, und was er auf dem Ida that, und daß er am ganzen Leibe trächtig ist, davon erröthe ich zu sprechen.

5. Critias. Wollen wir also lieber bei Apollo schwören, dem größten aller Propheten und Heilkünstler?

Triephon. Bei dem falschen Propheten, willst Du sagen, der einst den Krösus, und nach ihm die Perser bei Salamis, und tausend Andere mit seinen zweideutigen Orakeln ins Verderben geführt hat?

6. Critias. Aber warum nicht bei Neptun, dem Herrscher mit dem Dreizack, der in der Schlacht durchdringend und furchtbar schreit, wie neuntausend Krieger oder zehentausend? und der den Beinamen des Erderschütterers führt, Freund Triephon?

Triephon. Wie? bei dem Ehebrecher, der die Tochter des Salmoneus, die Tyro, verführte, und noch andere [1819] Sünden dieser Art beging, und aller Ehebrecher Patron und Fürsprecher ist? Als Mars mit der Venus von unauflöslichen Banden eingezwängt da lag, und alle Götter, vor Scham über den Skandal schwiegen, da fing der Rossebändiger Neptun an, zu heulen, wie eine alte H…, oder wie ein kleiner Bube vor der Ruthe seines Schulmeisters, und lag dem Vulkan flehentlich an, den guten Mars los zu lassen. Und wirklich ließ sich das lahme Wesen von Mitleid gegen den alten Gott bewegen, den Kriegsgott in Freiheit zu setzen. Was wird also Der selbst seyn, der sich so eifrig der Ehebrecher annimmt?

7. Critias. So schwören wir also bei Merkur.

Triephon. Sey mir stille von dem schuftigen Sklaven des lüderlichen Jupiter, der mit wahrem Wahnsinn auf Hurerei aus ist!

8. Critias. Daß Du Mars und Venus nicht annehmen würdest, weiß ich nun schon, da Du so eben schlimm genug von ihnen gesprochen. Also lassen wir diese. Aber der Minerva will ich noch gedenken, dieser jungfräulichen, bewaffneten, Ehrfurcht einflößenden Göttin mit dem Gorgonenhaupt auf der Brust, der siegreichen Vernichterin der Giganten. Gegen diese wirst Du doch wohl Nichts einzuwenden haben.

Triephon. Allerdings auch gegen diese, wenn Du mir antworten willst.

Critias. Frage, was Dir beliebt.

Triephon. Nun so sage mir einmal, mein Critias, zu was ist denn diese Gorgo nütze, und warum trägt sie die Göttin vorn auf der Brust?

[1820] Critias. Um durch ihren Anblick zu schrecken und alles Gefahrdrohende von sich zu verscheuchen. Sie jagt damit den Feinden Furcht ein, und wendet den Sieg’ auf welche Seite sie will.

Triephon. Also deßwegen ist sie unüberwindlich, die lichtäugige Göttin?

Critias. So ist es allerdings.

Triephon. Nun denn, warum verbrennen wir die Schenkel unserer Rinder und Ziegen nicht lieber der Gorgo, die uns retten kann, statt Denen, die durch sie gerettet werden, damit sie auch uns, wie die Minerva, unüberwindlich machen möge?

Critias. Die Gorgo vermag ja nicht, aus der Ferne uns zu helfen, wie die Götter: sie hilft nur, wenn man sie herbeiträgt.

9. Triephon. Was ist es denn eigentlich mit dieser Gorgo? Das möchte ich mir von Dir sagen lassen, weil Du doch Untersuchungen hierüber angestellt zu haben, und damit ganz ins Reine gekommen zu seyn scheinst. Mir ist Nichts von ihr bekannt bis auf den Namen.

Critias. Sie war ehemals eine sehr schöne und liebenswürdige Jungfrau. Perseus aber, ein Mann von vornehmer Geburt, und seiner magischen Künste wegen berühmt, wußte ihr mit Zaubermitteln beizukommen, und schlug ihr hinterrücks den Kopf ab. Seit dem bedienen sich die Götter dieses Kopfes als Schutzwehr.

Triephon. Vortrefflich! das wußte ich bis jetzt nicht, daß Götter der Menschen benöthigt sind. Aber da sie noch lebte, zu was war sie zu brauchen? War sie etwa eine Hetäre [1821] für männiglich, oder trieb sie’s so unter der Hand, daß sie sich eine Jungfer nennen lassen könnte?

Critias. Bei dem Unbekannten [Gott] zu Athen! sie war und blieb Jungfrau, bis ihr der Kopf abgehauen wurde.

Triephon. Wenn man also einer keuschen Jungfrau den Kopf abschlägt, so wird ein Popanz daraus? Unlängst sind auf Kreta, dem „meerumflutheten Eiland“ zehentausend Jungfrauen in Stücken gehauen worden: hätte ich gewußt, was ich jetzt weiß, wie viele Gorgonen hätte ich Dir, mein lieber Critias, aus Kreta mitgebracht! welch’ unüberwindlichen Kriegshelden hätte ich aus Dir machen wollen! Und wie hoch hätten mich Redner und Dichter über Perseus stellen müssen, da ich so viele Gorgonen gefunden hätte?

10. Aber – weil ich doch auf Kreta zu sprechen gekommen bin – dort zeigte man mir das Grab Deines Jupiter, und die von immer grünem Gebüsch beschattete Kluft, in welcher seine Mutter sich verborgen gehalten haben soll.

Critias. Aber Du kennst ja die Zauberformel und die Ceremonien nicht, die dazu gehören.

Triephon. Wenn Zauberformeln dieß bewirken könnten, mein Critias, so wären sie auch im Stande, Todte zu erwecken und wieder an das liebe Tageslicht zu bringen. Allein Unsinn ist dieß Alles, von den aberwitzigen Poeten für die Langeweile gefabelt. Also lassen wir auch die Minerva bei Seite!

11. Critias. Aber die Juno, Jupiters Gemahlin und leibliche Schwester, lässest Du diese nicht gelten?

[1822] Triephon. Schweig mir von der! Pfui der garstigen Liebkoserin[5]! Hat nicht Jupiter sie mit gebundenen Händen und einen Ambos an den Füßen zwischen Himmel und Erde aufgehangen? Laß sie hängen und geh weiter.

12. Critias. Nun, bei Wem soll ich denn schwören?

Triephon.

Bei dem hochwaltenden Gott, dem Großen Himmlischen, Ew’gen:
Bei dem Sohne des Vaters, und bei dem Geiste, der ausgeht vom Vater.
Eines aus Dreien, und Drei aus Einem!
Das sey Dein Jupiter: an diesen Gott glaube!

Critias. Ein wunderlicher Schwur, in Form eines Rechnungsexempels! Du rechnest ja wie der [Arithmetiker] Nikomachus von Gerasa. Aber ich verstehe nicht recht, wie Du das meinst, Eins macht Drei und Drei macht Eins. Soll es etwa von der Vierzahl des Pythagoras zu verstehen seyn, oder von der Ogdoas und Triakas?

Triephon.

O still von dieser Menschenweisheit, still, o Freund!

Es handelt sich hier nicht darum, die Sprünge eines Floh auszumessen. Ich will Dich belehren, was das All ist, und Wer dagewesen, ehe denn das All war, und was die Einrichtung des Ganzen sey. Denn auch mir ging es ehemals [1823] nicht anders als Dir. Aber als ich mit einem gewissen Galiläer bekannt geworden war, einem Manne mit einer Glatze und einer großen Nase, der in den dritten Himmel gestiegen war und dort die schönsten Dinge gelernt hatte, erneuerte mich dieser Mann mittelst Wasser, führte mich auf den Weg der Seligen, und erlöste mich aus dem Reiche der Gottlosen. Und wenn Du mir zuhören willst, will ich auch Dich zu einem neuen, wahren Menschen machen.

13. Critias. Rede, hochweisester Triephon: mich schauert vor Ehrfurcht.

Triephon. Hast Du wohl des Komikers Aristophanes Lustspiel, die Vögel, gelesen?

Critias. Allerdings.

Triephon. Dort steht geschrieben:[6]

Nacht herrschte zuerst im chaotischen All, der finstere Tartarus war nur; Nicht Erde war noch, nicht Himmel, noch Luft. …

Critias. Gut, und dann?

Triephon. Es war ein unvergängliches, unsichtbares, unbegreifliches Licht: dieses löste die Finsterniß und vertrieb die wüste Unordnung der Dinge mit einem einzigen von ihm gesprochenen Worte, wie der Mann mit der schweren Zunge schreibt.[7] Es machte die Erde fest über den Wassern, und spannte den Himmel darüber, formirte die Gestirne, die Du als Götter verehrst, und bestimmte ihnen ihren Lauf, schmückte die Erde mit Blumen, und führte den [1824] Menschen aus dem Nichts in das Daseyn. Und [dieses Licht ist Gott, und] ist im Himmel, beobachtend die Gerechten und Ungerechten, und schreibet eines Jeglichen Thaten in ein Buch, und wird Allen vergelten an dem Tage, den er ausersehen.

14. Critias. Und was die Parcen einem Jeden zuspinnen, wird das auch eingetragen?

Triephon. Was meinst Du?

Critias. Was über Jeden vom Schicksal verhängt ist?

Triephon. So sag mir doch, guter Critias, was ist’s mit diesen Parcen? Hierüber möchte ich mich von Dir belehren lassen.

Critias. Sagt nicht der große Dichter Homer irgendwo:[8]

Doch dem Verhängniß entrann wohl nie der Sterblichen Einer?

Und von dem göttlichen Herkules heißt es:

Nicht ja Herakles einmal, der Gewaltige, mied das Verhängniß,
Welcher der Liebste doch war dem herrschenden Zeus Kronion;
Sondern ihn zwang das Geschick und der heftige Zorn der Here.[9]

Auch das ganze Leben, und alle Zufälle, welche uns während desselben treffen sollen, seyen von dem Verhängniß uns bestimmt:

[1825]

 – – – – – Dort dann erduld’ er,
Was sein Loos ihm bestimmt, und die unerbittlichen Schwestern,
Als ihn die Mutter gebar, in den werdenden Faden gesponnen.[10]

Auch das Weilen in der Fremde schreibt er dem Verhängniß zu:

Wie dann Aeolus ihn, den Kommenden, freundlich bewirthet,
Auch entsandt; doch war ihm noch nicht beschieden die Rückkehr.[11]

So bezeugt der Dichter, daß Alles von den Parcen herbeigeführt werde. Selbst Jupiter gedenkt nicht, seinen Sohn Sarpedon

 – – – von den Tods graunvoller Gewalt zu erlösen;

sondern

 – – mit blutigen Tropfen beträufelt er jetzo die Erde,
Ehrend den theueren Sohn, den bald ihm sollte Patroklus
Tilgen in Troja’s Land …[12]

Du wirst also nicht Lust haben, mein lieber Triephon, etwas Weiteres gegen die Parcen einzuwenden, wenn Du auch gleich mit Deinem Meister in die Lüfte gefahren, und in die geheimsten Dinge eingeweiht worden seyn solltest.

15. Triephon. Aber wie kommt es denn, mein Bester, daß derselbe Dichter von einem zwiefachen, noch unentschiedenen Verhängnisse spricht? so daß, wenn Einer so handelt, die Folge davon dieß ist, wenn es ihm aber gefällt, [1826] anders zu handeln, auch der Erfolg anders ausfällt? wie z. B. Achilles von sich sagt:[13]

Meine göttliche Mutter, die silberfüßige Thetis,
Sagt, mich führe zum Tod ein zwiefach endendes Schicksal.
Wenn ich allhier ausharrend die Stadt der Troer umkämpfe.
Hin sey die Heimkehr dann, doch blühe mir ewiger Nachruhm:
Aber wenn heim ich kehre zum lieben Lande der Väter,
Dann sey verwelkt mein Ruhm, doch weithin reiche des Lebens
Dauer …

Oder wie es von Euchenor heißt:[14]

Der, wohl kundig des Trauergeschicks, im Schiffe daherkam.
Denn oft sagt’ ihm solches der gute Greis Polyídus,
Sterben würd’ er zu Haus’ an peinlich schmachtender Krankheit;
Oder auch unter den Schiffen des Heers von den Troern getödtet.

16. Stehet nicht dieses Alles bei Homer geschrieben? Ist dieß nicht vielmehr ein doppelsinnig Blendwerk, das zu Falle bringt, man nehme es wie man will? Noch kann ich, wenn Du willst, etwas beifügen, was Jupiter gesagt hat. Hatte er nicht den Aegisthus bedeutet, wenn er sich enthalten wollte, die Clytämnestra zu verführen und dem Agamemnon nach dem Leben zu stellen, so sey ihm vom Verhängniß lange zu leben beschieden; wenn er sich aber unterfinge, dergleichen zu verüben, so werde sein Ende nicht lange mehr ausbleiben? Dergleichen Prophezeihungen habe auch ich schon [1827] des öftern von mir gegeben: wenn Du Deinen Nachbar todt schlägst, so wirst du von der Hand der Gerechtigkeit Dein Leben verlieren: wofern aber nicht, so wirst Du im Frieden leben,

… und nicht frühzeitig ans Ziel des Todes gelangst du.[15]

Siehst Du nun, wie schwankend, wie schielend, wie so ganz nicht fest begründet die Aussagen der Dichter sind? Wohlan denn, gib diesen Dingen allen den Abschied, damit auch Dein Name in dem himmlischen Buche der Gerechten angeschrieben werde!

17. Critias. Gut. daß Du wieder auf das Vorige zurückkommst. Sage mir doch, Freund Triephon, werden denn auch die Thaten der Scythen im Himmel aufgezeichnet?

Triephon. Alle, wofern anders auch bei den [auswärtigen] Völkern ein guter Mensch sich findet.[16]

Critias. Deinem Sagen nach müssen viel Schreiber im Himmel seyn, um Alles aufzunotiren.

Triephon. Nimm Deine Zunge in Acht, und sprich nicht so leichtfertig von dem rechten Gott! Du mußt Dich als ein frommer Catechumene von mir belehren lassen, wenn Du das ewige Leben haben willst. Der, so den Himmel ausgespannt wie ein Fell, und die Erde über den Wassern fest gemacht, und die Gestirne geschaffen, und den Menschen [1828] aus dem Nichts hat hervorgehen lassen, sollte Dich’s wundern, wenn der die Thaten eines Jeglichen in sein Buch zu schreiben vermag? Wenn Du Dir ein Häuschen gebaut, und Knechte und Mägde Dir angeschafft hast, so achtest Du auf Alles, was sie thun, und auch nicht das Geringste entgeht Dir: um wie vielmehr wird nicht der Gott, der Alles geschaffen hat, ohne Mühe Alles, was Jeder denkt und thut, übersehen können? Denn was Du Götter heißest, ist in den Augen der Vernünftigen ein Kinderspiel.

18. Critias. Vortrefflich! ich erfahre gerade das Gegentheil von Dem, was der Niobe geschah. Du hast mich aus einer Bildsäule zum Menschen gemacht. Bei diesem Gotte also schwöre ich Dir, daß Dir von mir nichts Schlimmes widerfahren soll.

Triephon. Wenn Du mich wirklich von Herzen liebst, so wirst Du nicht unehrlich mit mir zu Werke geben,

Und ein And’res im Herzen verbergen, ein Anderes reden.[17]

So singe mir denn Deine zauberhafte Mähr, damit auch ich die Farbe wechsle, und vor Staunen ein ganz ander Ding werde, als ich war. Doch laß mich nicht gar zum stummen Fels erstarren, wie die Niobe; sondern mache lieber eine Art Nachtigall aus mir, damit ich auf blühenden Auen das Wunder Deiner Verzauberung in Klageliedern besinge.

Critias. Nein, beim Sohne, der aus dem Vater ist! Das soll nicht geschehen.

Triephon. Sprich denn, und empfange die Kraft zu reden von dem Geiste. Ich setze mich und harre schweigend

[1829]

Hier auf Aeacus Enkel, bis seinen Gesang er geendigt.[18]

19. Critias. Ich war in die Hauptstraße gegangen, um einige Bedürfnisse einzukaufen, und sah dort eine große Menge Menschen beisammen, die einander in die Ohren flüsterten und die Köpfe dicht zusammen steckten. Begierig, einen Bekannten, unter ihnen zu finden, hielt ich die Hand gegen die Sonne und sah mich allenthalben sorgfältig um. Endlich entdeckte ich den Crato, einen Beamten, der von Jugend auf mein Freund und Gesellschafter war.

Triephon. Den Steuerperäquator, nicht wahr? Den kenne ich. Nun, und wie weiter?

Critias. Ich arbeitete mich mit beiden Ellenbogen durch die Menge, und trat mit dem gewöhnlichen Morgengruße an seine Seite.

20. Da gewahrte ich den alten Charicenus, einen kleinen, lungenfaulen Kerl, der eben unter hohlem Husten und entsetzlichem Schnarren und Räuspern einen Auswurf, schwarz wie der Tod, von sich gab, und darauf mit schwindsüchtiger Stimme zu reden fortfuhr: „Der wird also, wie gesagt, den Peräquatoren alle ihre Gesetze erlassen, und den Gläubigern ihre Forderungen bezahlen; er wird die Miethzinsen und alle Abgaben für euch bestreiten ……“[19] Dieses [1830] und noch Aergeres faselte der Alte, während die Umstehenden an den neuen Dingen, die sie zu hören bekamen, großes Vergnügen zu finden schienen.

21. Jetzt ließ sich ein Anderer vernehmen, mit Namen Chlevocharmus, ein Mensch in einem zerrissenen Mantel, ohne Schuhe und Kopfbedeckung. Dieser sagte mit klappernden Zähnen „Ja! ein Mann aus dem Gebirge, in schlechten Kleidern und mit geschorenem Kopfe [ein Anachoret] hat mir den Namen [Dessen, der das Alles thun wird] am Theater mit hieroglyphischen Zügen eingegraben gezeigt, und dabei gesagt, er werde diese ganze Straße mit Geld überschwemmen.“ Nun nahm ich das Wort und sagte: „Nach den Regeln des Aristander und Artemidor bedeuten euch diese eure Träume nicht viel Gutes. Deine Schulden, Charicenus, werden in demselben Verhältnisse anwachsen, in welchem Du sie abzuzahlen träumtest. Und Du, Chlevocharmus, wirst, statt mit Geld überschwemmt zu werden, noch um Deinen letzten Obolus kommen. Fast sollte man glauben, ihr hättet auf Homers weißem Felsen und unter dem Völkchen der Träume[20] geschlafen, daß ihr in diesen kurzen Nächten so tüchtig träumtet.“

22. Diese meine Aeußerung fanden sie so dumm, daß sie ersticken wollten vor Lachen. Da sagte ich zu Crato: „Habe ich denn wirklich eine so schlechte Nase gehabt? oder habe ich nicht nach Aristanders und Artemidors Anweisung das Wahre an diesen Träumen gewittert?“ Aber Crato [1831] gebot mir zu schweigen. „Wenn Du Etwas bei dir behalten kannst, setzte er hinzu, so will ich Dich in herrliche Geheimnisse einweihen und dir Etwas offenbaren, was demnächst geschehen soll. Denn dieß sind keine Träume, sondern die lautere Wahrheit. Im Monat Mesori[21] wird Alles in Erfüllung gehen.“ Wie ich den Crato so reden hörte, ergriff mich Scham und Unwille über die thörichten Einbildungen dieser Leute, und schon war ich im Begriff, indem ich dem Crato meine Meinung in starken Ausdrücken sagte, unmuthig meines Weges zu gehen. Auf einmal faßte mich Einer mit grimmigem Blick an meinem Mantel und zog mich zurück, aufgefordert und angespornt von jenem alten, schwindsüchtigen Teufel, ihm seine Zuhörer beisammen zu behalten.

23. Noch wurde ein Langes und Breites über die Sache geschwatzt, und ich Thor lasse mich zur bösen Stunde überreden, eine Gesellschaft von Betrügern und Lügenschmieden zu besuchen, in deren Geheimnisse Crato von ihnen selbst eingeweiht worden zu seyn behauptete. Wir giengen also durch „eiserne Pforten“ und über „eherne Schwellen,“[22] stiegen eine lange Wendeltreppe hinan, und gelangten endlich in einen Saal mit vergoldeter Decke; wie Homer des Menelaus Wohnung beschreibt. Ich sah mich allenthalben um, wie jener junge Insulaner [Telemach], fand aber bei’m Himmel keine Helena, sondern Männer mit gesenkten Köpfen und bleichen Gesichtern. Sie zeigten sich erfreut über unsere [1832] Erscheinung und gingen uns entgegen. Ihre erste Frage aber war, ob wir schlimme Neuigkeiten brächten? Und es war unverkennbar, daß sie das Schlimmste wünschten, und wie die Furien auf dem Theater, ihre Freude daran gehabt hätten, wenn wir Unheil berichtet hätten. Sie steckten eine Weile die Köpfe zusammen und sprachen leise: darauf fragten sie mich:

„Wer und woher der Männer? Wo hausest Du? Wer die Erzeuger?[23]

Du scheinst ein rechtschaffener Mann zu seyn, deinem Aussehen nach zu urtheilen.“ „Kann seyn,“ versetzte ich; „der Rechtschaffenen sind überall nicht Viele, wie ich sehe. Mein Name ist Critias; meine Heimath die eurige, die hiesige Stadt.“

24. Als mich hierauf diese Luftwandler fragten, wie es in der Stadt, wie es überhaupt in der Welt stehe, und ich ihnen antwortete: „Alles ist vergnügt und wird es bald noch mehr seyn,“ so zogen sie die Augenbraunen zusammen und schüttelten bedenklich die Köpfe. „Nicht also,“ sagten sie: „die Stadt geht mit Verderben schwanger!“ Ich machte mir jetzt den Scherz, in ihrem Sinne zu sprechen, und sagte: „Nun freilich, da ihr im Himmel wandelt und Alles von oben herab beschauet, so müßt ihr das am besten wissen. Aber nun sagt mir auch, wie sieht es denn gegenwärtig in den obersten Regionen aus? Wird sich die Sonne bald wieder verfinstern und der Mond in die Linie zwischen diese und die Erde treten? Wird Mars mit Jupiter im Quadratschein, und [1833] Saturn mit der Sonne im Gegenschein stehen? Wird Venus nächstens mit Merkur zusammenkommen, und wieder Hermaphroditen zur Welt bringen, an denen ihr eine so große Freude habt?[24] Werden sie uns von dort oben bald wieder ein Paar Wolkenbrüche über den Hals schicken, oder eine dicke Schneedecke über die Erde breiten, oder Hagel und Mehlthau, Hunger und Pest uns zukommen lassen? Hat sich die Blitzkiste wieder angefüllt, und hat auch das Donnermagazin wieder Vorrath?“

25. Allein sie ließen sich nicht irre machen: als ob sie unfehlbar richtig daran wären, plauderten sie von ihrer Lieblings-Materie, daß nächstens Alles anders werden, daß es in der Stadt drunter und drüber gehen, und unsere Heere von den Feinden geschlagen werden würden. Da überlief mich’s kalt und heiß; ich hätte bersten mögen wie grünes Eichenholz im Feuer.[25] „Narren, die ihr seyd,“ rief ich mit durchdringender Stimme, „wie wollt ihr so freche Worte wagen, und die Zähne wetzen gegen Männer von Löwenmuth, die Speere athmen und Lanzen und weißbebuschte Helme?[26] Aber über eure Häupter soll das Verderben kommen, das ihr dem eigenen Vaterlande wünschet! Ihr seyd weder in den Himmel gestiegen, um solche Dinge zu vernehmen, noch seyd ihr in den Tiefen astrologischer Wissenschaft bewandert. Habt ihr sie aber von Wahrsagern und Gauklern euch weiß machen lassen, so ist die [1834] Schmach eurer Dummheit nur um so größer. Denn das Alles sind Einfälle und Spielereien alter Weiber, und nur weibische Schwachköpfe können sich damit abgeben.“

26. Triephon. Und was sagten denn nun die an Herz und Sinn beschworenen Gesellen dazu?

Critias. Sie ließen das Alles an sich vorbeigehen, und nahmen ihre Zuflucht zu einer gar sinnreichen Entgegnung: sie behaupteten nämlich, sie brächten zehen Tage mit Fasten, und eben so viele Nächte wachend unter heiligen Gesängen zu, und dann kämen ihnen diese Träume.

Triephon. Was war darauf zu sagen, Critias? Ihre Antwort war wohl wichtig genug, um Dich in Verlegenheit zu bringen.

Critias. Sey unbesorgt! Ich diente ihnen wacker darauf. „Also wirklich?“ sagte ich, „dergleichen Dinge kommen euch im Schlafe? Demnach ist doch wahr, was die Leute in der Stadt von euch sagen.“ „Ja,“ versetzten sie mit grinsendem Lächeln, „aber nur außer dem Bette träumen wir so.“ „Nun, ihr Himmelbesteiger,“ sagte ich, „mag dieß wahr seyn, oder nicht, nie werdet ihr doch das Zukünftige mit Sicherheit ausfindig machen können. Im thörichten Glauben an eure Träume schwatzt ihr albernes Zeug von Dingen, die nicht sind, und nie seyn werden. Dabei ist euch alles Schöne und Erfreuliche ein Abscheu, und nur das Schlimme willkommen, wiewohl ihr keinen Vortheil habt von dieser Verkehrtheit. Also fort mit diesen verrückten Phantasieen, diesen unheilvollen Prophezeiungen und Anschlägen, sonst möchte Gott euch schwer dafür heimsuchen, [1835] daß ihr dem Vaterland Böses wünschet, und so lügenhafte Gerüchte ausbringen wollt.“

27. Allein diese Leute alle waren einerlei Sinnes und überhäuften mich mit Schmähungen. Und wenn Dir damit gedient ist, so will ich Dir Alles mittheilen, was ich zu hören bekam, und was mich zur sprachlosen Bildsäule machte, bis Deine wohlthätige Anrede die Versteinerung löste, und mich wieder als Menschen herstellte.

Triephon. Stille, stille, mein lieber Critias, kein Wort weiter von diesem Unsinn! Du siehst ja, wie er mir schon den Leib aufgetrieben hat. Solches Zeug hat eine Wirkung, wie der Biß eines tollen Hundes, und wenn ich nicht mit irgend einem Heilmittel, das mich Alles vergessen macht, diese Wallungen dämpfe, so besorge ich sehr, die beständige Erinnerung daran könnte, wenn sie bei mir bliebe, großen Schaden anrichten. Lassen wir also das, und beten wir lieber das Gebet, das mit Vater anfängt, und sprechen darauf den Lobgesang mit allen heiligen Namen.

28. Aber, was sehe ich? Ist es nicht Cleolaus, der dort so hastig und mit so großen Schritten herbeigelaufen kommt? Wollen wir ihn anrufen, Critias?

Critias. O ja!

Triephon. He Cleolaus! Renne nicht an uns vorüber! Herbei! Du sollst uns willkommen seyn; was bringst Du Neues?

Cleolaus. Sey mir gegrüßt, du edles Freundepaar!

Triephon. Warum so eilig? Du bist ja ganz außer Athem. Was hat sich Neues zugetragen?

[1836] Cleolaus.

Er ist gefallen, Persiens Stolz und alter Ruhm,
Gefallen Susa’s hohe Burg!
Bald wird sich alles Land Arabia’s
Der Hand des allgewalt’gen Sieger beugen.

29. Critias. So ist’s auf’s Neue wahr,

Daß Gott der Guten nie vergißt,
Daß er sie hebt und stets zum Bessern führt.

Nun, mein lieber Triephon: unser Loos ist aufs lieblichste gefallen. Schon war ich in Kummer und Sorgen, was ich meinen Kindern nach meinem Ableben in meinem Testamente hinterlassen könnte. Denn Du kennst meine Armuth, wie ich die Deinige. Nun aber sind meine Kinder reich genug, da sie in den Tagen dieses Kaisers leben. Wir werden Alles in Fülle haben, und kein Volk soll ferner uns schrecken.

Triephon. Ja, Critias, auch ich hinterlasse den Meinigen das Glück, die Zeiten zu sehen, da Babylon zerstört, Aegypten unterworfen, Persiens Söhne unter unsere Herrschaft gedemüthigt, der Scythen Einfälle gehemmt, und, wollte Gott! für immer abgewehrt worden. Wir aber, die wir den unbekannten Gott der Athener gefunden, wollen mit aufgehobenen Händen zu ihm beten und ihm danken, daß er uns gewürdigt hat, eines so großen Fürsten Unterthanen uns seyn zu lassen. Mögen Andere in ihrer Thorheit schwärmen: wir lassen sie, und sagen mit dem alten Sprichwort: „Was kümmert das den Hippoklides?“[27]



  1. Philopatris d. i. „der es mit dem Vaterland gut meint,“ ein Dialog wahrscheinlich aus der Zeit des Kaisers Julianus, gerichtet gegen Diejenigen unter den Christianern, welche sich unter der Regierung dieses Kaisers als schlimme Bürger erwiesen. Denn es ist die wohlbegründete Meinung der Ausleger vom Scholiasten an bis auf die neuesten Zeiten, daß diese Schrift nicht unseren Lucian, sondern einen Nachahmer desselben zum Verfasser hat, der, bei aller Vertrautheit mit den Schriften und der Manier dieses seines Musters, an Geist und Geschmack doch sehr weit unter ihm stand. Nach Geßners [1814] noch immer nicht widerlegter Vermuthung ist der Verfasser ein jüngerer Lucian, der unter Julian lebte, und an welchen noch ein Brief dieses Kaisers vorhanden ist (Ep XXXII.) S. Gesn. Dissert. de Philop. §. 42. Dagegen behauptet Kestner, Agape S. 418. daß der Philopatris echt und gegen die Montanisten gerichtet sey.
  2. Der sich von einem Felsen stürzte, nachdem er des Platon Buch von der Unsterblichkeit der Seele, den Phädon, gelesen hatte.
  3. Odyss. XIII, 228.
  4. S. Lügenfreund 35.
  5. Ohne Zweifel bezüglich auf eine ἄῤῥητος μιξις (s. Anm. zu Apophras 28.). S. Geßner zu dieser St. Ueber das Folgende vergl. Hom. Il. XV, 18 f.
  6. V. 695. f.
  7. S. 2. B. Mose 4. 10.
  8. Il. VI, 488.
  9. Ebendas. XVIII, 117. ff.
  10. Odyss. VII, 196. ff.
  11. Odyss. XXIII, 314. f.
  12. Il. XVI, 442. 459. ff.
  13. Il. IX. 410. ff.
  14. Il. XIII, 665. ff.
  15. Il. IX, 416.
  16. So nach Geßner und Wieland. Der Zusammenhang ist nicht für diesen Sinne; auch fehlt das Pron. τις. Eine andere Erklärung ist: „sintemal Christus auch bei den Heiden ist.“
  17. Il. IX, 313.
  18. Ebds. 191.
  19. Die folgenden Worte: καὶ τὰς ἐιραμάγγος – τέχνης sind bis jetzt noch nicht befriedigend erklärt, und werden es, ohne kritische Verbesserung, auch wohl nie werden. Man denke sich übrigens, zu einigem Verständniß der Erzählung des Critias, eine Versammlung mit Julian und seiner Regierung unzufriedener Christianer.
  20. Odyss. XXIV, 11. f.
  21. Der ägyptische Monat August.
  22. Il. VIII, 15.
  23. Bei Homer mehrmals, z. B. Odyss. X, 325.
  24. Zwittergeburten bedeuteten Unheil.
  25. Aristoph. Frösche 859.
  26. Komisches Pathos des Aeschylus bei Arist. ebendas. 1016.
  27. S. Bd. I, S. 497.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Triphon