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Titel: Petrarca und die Kölner Frauen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 468
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
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[468] Petrarca und die Kölner Frauen. Als Petrarca auf seiner Reise nach Köln und Aachen in ersterer Stadt weilte, war er daselbst Zeuge des überraschenden Schauspiels einer Feier der kölnischen Frauen am Vorabende des Johannisfestes. Das ganze Ufer des Rheins sah er mit einer herrlichen Schar von Frauen und Mädchen bedeckt, über deren Schönheit der Sänger Lauras erstaunte. „Welche Gestalten, welche Anmuth und welch liebliches Benehmen!“ berichtet er. „Wahrlich, man hätte sich verlieben können, ohne ein schon vorher mit Liebe erfülltes Herz. Unglaublich war der Zulauf und doch ohne Gedränge. Alles athmete Muth und Freude. Ein Theil der jugendlichen Gestalten war mit wohlriechenden Blüthenranken und Blumen umgürtet, und mit zurückgestreiftem Gewande wuschen Sie die weißen Hände und Arme im Flusse, wobei sie in ihrer Sprache mir unverständliche und doch wohllautende Sprüche wechselten.“ Auf Petrarcas Frage nach der Bedeutung des seltsamen Beginnens erhielt er zur Antwort: „Das sei ein uralter Brauch des Volkes, namentlich der Frauen; denn man glaube, alles im Jahre bevorstehende Unglück durch die an diesem Tage übliche Abwaschung im Flusse wegzuspülen, woraus dann nur Fröhliches begegne.“ Petrarca aber erwiderte seufzend: „Wie beneide ich euch, ihr glücklichen Anwohner des Rheins, daß euer Fluß Leid und Klagen hinwegschwemmt – o, wenn doch auch Po und Tiber dies vermöchten!“ – Petrarcas Worte haben die Erinnerung an dieses Johannisfest der Kölner Frauen erhalten – das Fest selbst ist der modernen Zeit zum Opfer gefallen.