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Ostindianische Kriegsdienste/8. Kapitel

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Das Achte Capitul.
Was sich Anno 1651. begeben?

IM Jahr 1651. den 12. Febr. kam ein Schiff von Batavia, Holland kündiget Portugall den Krieg an. und bracht Ordre, daß Wir den Portugäsen den Orlog oder Krieg ankünden solten / Ihre Völcker von der Insul abzuführen / oder Wir woltens mit Gewalt suchen.

Da solches geschahe / war Ihnen nicht wohl bey der Sache; Zogen aber doch in Eil Ihre Völcker zusamm / und machten ein Lager gegen Uns. Ein Capitaine aber von Ihnen / samt dreyhundert Nigriten, lieffen über / zu Uns / und erbotten Sich die Vestung Calutre zu liefern / ohne Verlust einiges Manns. So angenehm zwar die Zeitung war / so dannoch wolt unser Commandeur solches nicht wagen / und Sich am Volck dißmahl schwächen; gab aber zur Antwort: Weil in kurtzer Zeit mehr Schiffe mit Volck von Batavia kommen würden / solte es biß dahin verspahret bleiben.

Stratagema auf die Vestung Calutre. Den 25. April kam Post / daß man drey Schiff unter Land gesehen hätte / zwölf Meil von Pünte de Galle, welche auch den andern Tag hernach glücklich arriviret; aber ohne einigen Soldaten / und mit so wenig Schiff-Volck / daß Sie mit grosser Mühe das Schiff über Meer gebracht; brachten noch die traurige Zeitung dazu / daß Engelland / und Holland / [112] Todfeind wären / und zur See einen blutigen Krieg angefangen hätten. Was solte da Raht seyn? Der Feind stund für Augen: die Vestung stünde Uns wohl an / so es Unser werden könnte; Volck aber hatten Wir nicht / nicht zu gewarten auch. Gott aber gabs einem unter Uns in Sinn / weil gleichwohl die volle Hoffnung wäre / Calutre Sich zu bemächtigen / man muste da eine Kriegslist brauchen / ehe es ausbräche / das läre Schiff wären. Solte derowegen auf jeglichem Schiff vier Bannieres oder Fähnlein fliegen lassen / und vier Trummelschläger commandiren, die das Spiel starck rühren solten / und die Schiff / so kurtz als seyn könnte / unter Land die Segel lassen. Wir aber / die bereit zu Land waren / solten frölich darauf marchirn, daß die Portugäsen meinen mögten: Nun hätten Sie zu Wasser / und zu Land / Feind. Allen Ansehen nach / wurde die Ritirato nachher Columbo, und Calutre im Stich gelassen / seyn.

Durch Kriegslist bekommen die Holländer Calutre. Es gelunge auch allerdings / und weil Sie von fornen / und hinten / meinten / daß Feind seyn würde / ehe Sie Sich den Paß abschneiden liessen / ehe giengen Sie fort / und Uns kam / zu unsern mächtigen Vortheil / die Vestung in die Hand / bekamen viel Munition, neun Stuck groß und klein / alle Metalline / in die fünfhundert Stück Viehe / an Kühen / Ochsen / Schweinen / Hünern. Die Innwohner auf dem Land / die Sich bald unter unser Protection begaben / waren alle sicher / und unbeschwehrt; die Sich aber in der Portugäsen Platz begeben / und hernach gefangen wurden / wurden vor Sclaven verkaufft / und unter Uns ausgetheilet. Ich / und ein Hamburger / genannt Wittebol / hatten eine Frau bekommen / die Wir eine Zeitlang zu unserer Warterin / und Köchin / brauchten / und da Wir einsmahls auf der Wacht waren / und hoffeten unser Essen von Ihr zu empfangen / wolte Sie nicht kommen; Da mein Camerad geschwind heimlieffe / Sie anzutreiben / fand Er / daß Sie Sich mitten in die Stuben hingehencket hatte.

Die Vestung Calutre. Es ist aber die Vestung Calutre sehr starck / und kann Ihr das Wasser nicht benommen werden / weil es auf einer Seiten die See / auf der andern die Revier hat / die weit im Land entspringet / von welchem an das Wasser geführt worden ist / biß in die See / daß also um und um in Wasser liget. Auf der Landseiten ists mit hohen Bergen verwahret / auf die nicht wohl müglich ist zu kommen / und auf welcher Seiten es dannoch vier Schantzen hat / gegen einander über geleget / und mit dicken doppelten Pallisades von Eisen vorgespitzet / verwahret / und nur von einem Thor; aber / rings um / einen sehr hohen Wall / daß man kein Haus dafür darinnen sehen kann. Die Besatzung der Portugäsen / war immerzu dreyhundert Mann / da bey den Holländern die Helfte genug ist / die alle halbe Jahr von Columbo aus / davon es sieben Meil liget / proviantirt wird / und dahin / von eben der Vestung Calutre, Herr Richlof von Guntz / aus Emden / damahliger Extraordinari Raht von Indien / und Kriegs-Commissarius, eine ordentliche Straß machen lassen / daß / da zuvor kaum einer / jetzt acht Personen neben einander marchiren, und noch Feld-Stücklein mit Sich führen können / deren eines auf die vier Pfund Eisen schiessen kann.