Orbis sensualium pictus/CXVIII. Societas Coniugalis – Der Ehestand

CXVII. Liberalitas – Die Mildigkeit. Orbis sensualium pictus (1658) von Johann Amos Comenius
CXVIII. Societas Coniugalis – Der Ehestand.
CXIX. Arbor Consanguinitatis – Der Sipschafft-Baum.
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CXVIII.
Societas Conjugalis.
Der Ehestand.
OrbisPictus b 240.jpg

     Matrimonium
à Deo est institutum,
in Paradiso,
ad mutuum Adjutorium,
et Propagationem
generis humani.
     Vir-Juvenis (coelebs)
conjugium initurus,
instructus sit
aut Opibus;
aut Arte et Scientiâ,
quae sit,
de pane lucrando:
ut possit sustentare
Familiam.

     Der Ehestand
ist von Gott eingesetzt /
im Paradeiß /
zur Gehülffschafft
und Fortpflanzung
des Menschlichen Geschlechts.
     Ein Jungmann [Junggesell]
so heurathen wil /
sol begabet seyn
entweder mit Reichtum /
oder mit Kunst und Wissenschafft /
welche diene /
das tägliche Brod zu erwerben:[WS 1]
damit er unterhalten könne
ein Hauswesen.

     Deinde eligit sibi
Virginem nubilem,
(aut Viduam)
quam adamat:
ubi tamen major ratio habenda
Virtutis et Honestatis,
quàm Formae
aut Dotis.
     Posthaec,
non clam despondet sibi eam,
sed ambit,
ut Procus,
apud Patrem 1
et Matrem, 2
vel apud Tutores,
et Cognatos,
per Pronubos. 3
     Eâ sibi desponsâ,
fit Sponsus, 4
et ipsa, Sponsa; 5
fiuntque Sponsalia,
et scribitur
Instrumentum dotale. 6
     Tandem
fiunt Nuptiae,
ubi copulantur
à Sacerdote, 7
datis ultrò citroque
Manibus 8
et Annulis nuptialibus; 9
tùm epulantur
cum invitatis Testibus.
     Abhinc dicuntur
Maritus et Uxor:
hâc mortuâ
ille fit Viduus.

     Darnach sihet er ihm aus
eine mannbare Jungfrau /
(oder eine Wittib)
die er liebet:
da aber mehr zu sehen ist
auf Tugend und Erbarkeit /
als auf Schönheit
und auf das Heuratgut.
     Nach diesem /
verlobt er sich nit heimlich mit ihr /
sondern er wirbt um sie /
als ein Freyer /
bey Vater 1
und Mutter / 2
oder bey den Vormündern
und Befreundten /
durch die Freywerber. 3
     Wann sie ihm zugesagt ist /
wird er / Bräutigam / 4
und sie / Braut; 5
und wird Verlöbniß gehalten
und geschrieben
der Heuratsbrief. 6
     Endlich
hält man Hochzeit /
da sie getrauet werden
von dem Priester / 7
gebend einander
die Hände 8
und Trau-Ringe; 9
alsdann halten sie Mahlzeit
mit den eingeladenen Zeugen.
     Von da an nennt man sie
Mann und Weib:
wann diese stirbt /
wird jener ein Wittwer.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: zuerwerben