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Textdaten
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Autor: Heinrich Leutemann
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Titel: Nordische Gäste
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 44, S. 742–744
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Die Gartenlaube (1875) b 740.jpg

Lappländische Schlittenfahrkunst.
Originalzeichnung von H. Leutemann.

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Die Gartenlaube (1875) b 741.jpg

Das Bepacken der Rennthiere beim Aufbruch zur Sommerreise.
Nach der Natur aufgenommen von H. Leutemann.

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Nordische Gäste.
Mit Abbildungen.


Seit mehreren Jahren werden in Deutschland und Oesterreich einige Lappländer mit einem oder zwei Rennthieren gezeigt, die – jedenfalls um mehr Aufsehen zu erregen – ganz wie Eskimos gekleidet sind und mit Waffen einherschreiten, welche von den Lappländern keineswegs getragen werden. Sie geberden sich obendrein mit so affectirter Wildheit, daß der Unkundige durch alles Das einen ganz falschen Begriff von diesem Volke bekommen muß. Weil nun wissenschaftliche Vereine, sowie einzelne Gelehrte nicht bezweifeln konnten, hier wirkliche Lappländer vor sich zu haben, obgleich sie dabei die äußerliche Fälschung, wie dies in Leipzig geschah, ausdrücklich aussprachen, so wird mit dieser scheinbaren Anerkennung Reclame gemacht und das Publicum nur um so mehr irre geführt. Die Presse verkennt hier ihren Beruf vollständig, indem die Redactionen aus dem Empfange und Gebrauche von Freibillets die Pflicht einer wohlwollenden Besprechung ableiten, statt vor Allem auf Wahrheit dem Publikum gegenüber bedacht zu sein. Bei Allem, was als belehrende Sehenswürdigkeit auftritt, müßte ein sachverständiger und wahrheitsliebender Berichterstatter allein das Urtheil fällen. Solche Betrachtungen haben mich gehindert, die gegenwärtige Skizze über eine augenblicklich in Deutschland weilende Lappländergesellschaft humoristisch abzufassen, wie ich sonst gern geneigt wäre.

Es war mir äußerst willkommen, als mir mein Freund Hagenbeck im vergangenen Winter mittheilte, daß er zum Frühjahre eine Heerde Rennthiere aus Lappland und zugleich vier echte Lappen als Begleiter wolle kommen lassen, welche er eine Zeitlang bei sich behalten und dem Publikum zeigen werde. Auf meinen Vorschlag veranlaßte mein Freund, daß alles Geräth, welches diese Leute gebrauchen, Zelte mit Einrichtung, Schlitten, Schneeschuhe, Hunde, kurz Alles, was für das Leben dieses Nomadenvolkes charakteristisch ist, von Lappland mitgebracht werde. Durch einen geschickten Agenten ist jetzt diese Lappencolonie – denn so möchte man das Ganze nennen – so vollständig zusammengestellt worden, daß ich – natürlich war ich bei der Ankunft der Lappen in Hamburg (Mitte September) zugegen – mir sofort sagte: „So etwas Ganzes ist auf diesem Gebiete noch nicht dagewesen.“

Da ich, wie einige Bilder in der „Gartenlaube“ beweisen, ein großer Freund von dem dramatischen Leben bin, welches sich bei der Ankunft solcher Transporte entwickelt, fuhren wir Zwei, der Unternehmer und der Maler, auf einem Boote dem norwegischem Schiffe, welches die nordischen Gäste bringen sollte, auf der Elbe entgegen und kletterten, während der Dampfer in voller Fahrt war, durch eine Luke an Bord desselben. Unter dem Decke fortschreitend, stießen wir zuerst auf Frau Rasti, die Lappländerin (denn eine solche war auch dabei), welche es sich inmitten ihrer zwei Kinder bequem gemacht hatte. Mit fragendem, aber unbefangenem Blicke schaute sie uns an, und der Ausdruck ihrer Augen hatte dabei etwas so Zutrauliches und Kluges, daß es mich jetzt gar nicht wundert, daß wir später, nachdem ich ihr eine Mark geschenkt, gute Freunde geworden sind.

Oben auf dem Verdecke fanden wir die Rennthiere, die wir schon vom Boote aus gesehen hatten, zwischen Brettern eingepfercht und dann auch die Herren Lappländer selbst, alle eifrig aus kurzen Pfeifen rauchend. Klein von Gestalt, wie sich das für einen richtigen Lappländer gehört, boten die drei Männer in ihrer fast ganz gleichen Kleidung im Anfange wenig Unterscheidendes, aber bei längerer Betrachtung erwiesen sie sich doch, besonders in Bezug auf ihre Gesichtsbildung und ihr Benehmen, sehr verschieden. Zu ihnen gehörte ihr Begleiter, ein norwegischer Photograph aus Tromsöe, wo die Lappländer sich eingeschifft hatten. Er sprach außer seiner Muttersprache noch lappisch, war also als Dolmetscher unentbehrlich, da er aber nicht deutsch verstand, so ist nachträglich noch ein zweiter Dolmetscher nöthig geworden. Nachdem sich mein Freund als der Unternehmer legitimirt hatte, was bei den Sprachschwierigkeiten nicht ohne einige Mühe abging, sollte das Ausladen aus dem nun vor Anker liegenden Schiffe vor sich gehen. Aus dem Anlanden bei der Vorstadt St. Pauli, wo die Rennthiere aus dem Schiffe leicht über die Landungsbrücke hätten geführt werden können, war wegen mangelnder Neigung des norwegischen Capitains Nichts geworden, und so mußte denn eine „Schuite“, ein großes, sehr breites und flaches Boot, wie man sie zum Entladen der Schiffe gewöhnlich braucht, dazu genommen werden. Es dauerte lange, ehe die einunddreißig Rennthiere, eins nach dem andern, in den Gurt geschnallt, durch den Dampfkrahn über Bord gehoben und in die Schuite herabgelassen wurden; es sammelte sich inzwischen eine kleine Flotille von Booten, deren Insassen uns als Zuschauer auch nachher das Geleite gaben. Felle, Kasten, Zeltstangen, Schlitten, Säcke mit Rennthiermoos und Gott weiß was Alles noch, bildeten die Ladung der Schuite, die nun langsam mit der begleitenden Bootflotille durch die Schiffsreihen dem Landungsplatze zusteuerte.

Ueberall auf den ragenden Schiffsborden sammelten sich die Mannschaften, um uns passiren zu sehen. Es war aber auch der Mühe werth und eigentlich an sich schon ein Bild zum Malen. Den Mittelpunkt bildete Vater Rasti nebst Gattin und Kindern. Neben ihnen saß der norwegische Photograph; er hielt als Vicemutter die Wiege mit dem Lappensäuglinge. An den beiden Bootsenden waren, mit Stricken befestigt, die Rennthiere aufgestellt, von dem auf dem Gepäck sitzenden Lappen gehütet. Als der Wiegenbewohner unruhig wurde, nahm die Mama denselben an sich und wandte mit einer wahrhaft rührenden Naivetät und Offenherzigkeit sofort das Mittel an, durch das in solchem Fall auf der ganzen Welt ein durstiger Säugling zu besänftigen ist, und zwar wurde dabei der kleine Lappe gar nicht aus seiner Wiege herausgenommen. Diese Wiege ist ein Muster in ihrer Art. Fast die Form eines Bootes mit einem vorhangversehenen Dache auf der Hinterseite bildend, ist sie aus Birkenholz gefertigt, mit Leder überzogen und innen mit Gras [743] gefüllt. Unter dem Dache mit einem kleinen Kopfkissen und auf jeder Seite mit einer Lederklappe zum Zudecken, sowie mit einer Vorrichtung zum Zuschnüren (gegen das Herausfallen) versehen, ist sie nicht blos bequem im Arme zu tragen, sondern kann auch, da ein Riemen an beiden Enden befestigt wird, über die Schulter, an jeden Baumast, vor Allem aber auf der Reise an den Rennthiersattel gehangen werden.

Idyllisch, wie diese kurze Wasserfahrt war, bildete die nun folgende Scene, der Transport der Rennthiere in Hagenbeck’s Menagerie, den grellsten Gegensatz dazu. Die Frau fuhr mit den Kindern in einer Droschke dahin, aber die einunddreißig Rennthiere mußten, da die drei Lappländer zu diesem Zwecke nicht ausreichten, von eigens dazu engagirten Männern an um den Hals geschlungenen Stricken geführt werden. Nie habe ich Giraffen, Elephanten, Rhinocerosse, Hirsche, Wildesel oder Kameele sich beim Führen so ungeberdig benehmen sehen, wie diese doch als Hausthiere aufgewachsenen Rennthiere. Noch jetzt wundere ich mich, daß dabei weder Mensch noch Thier zu Schaden gekommen. Hier stürzten die Thiere übereinander, bäumten oder überschlugen sich; dort fiel ihr Führer und wurde im Straßenschmutz geschleift; auch riß wohl ein Thier sich los und wurde erst, nachdem es den Stadtgraben durchschwommen und die Umhegung des zoologischen Gartens übersprungen, in diesem wieder eingefangen. Mit weit heraushängender Zunge kamen die Thiere ganz erhitzt nach und nach endlich am Ziele an.

In einem zu ihrer Aufnahme eigens hergerichteten Gebäude brachten die nordischen Gäste nun zunächst ihre zum directen Gebrauch dienenden Effecten unter, und dann wurde das Zelt aufgeschlagen. Vier oben gekrümmte Birkenstangen, oben und in der Mitte durchbohrt, werden je zwei Stäbe parallel gegen die beiden anderen gerichtet und alle vier oben mittelst eines durchgesteckten Stabes verbunden, und ebenso an den Mittellöchern befestigt. Diese vier Stangen bilden das Hauptgestell; an sie werden ringsherum die anderen einfachen und geraden Birkenstangen angelehnt und angebunden. Die Zeltleinewand besteht aus drei Stücken, zwei großen und einem kleinen. Die beiden großen, fast quadratischen, werden von den beiden entgegengesetzten Seiten über das aufgestellte Stangengerüst gebreitet und an einer Seite, wo sie zusammentreffen, zusammen gebunden. Auf der anderen entgegengesetzten Seite lassen ihre Ränder den Zwischenraum zwischen zwei Stangen als Thüröffnung offen. Zum Verschluß derselben dient das dritte Stück, länglich viereckig, und durch queergesteckte Stäbe auseinander gehalten. Es hängt oben an einer Zeltstange und wird nach Belieben vor die Thüröffnung oder bei Seite geschoben.

Oben sind die Zeltstangen nicht verdeckt, so daß der Rauch hinaus, Regen und Schnee hinein kommen können. An der Queerstange, welche oben die Hauptstange verbindet, hängt ein eiserner Haken, am oberen Theile mit Zacken versehen, zum Aufhängen von Fleisch etc. bestimmt, während an den eigentlichen Haken unten der Kochkessel zu hängen kommt. Den Herd bilden sieben kreisförmig gelegte rundliche Steine, in deren Mitte das Feuer brennt; der Raum ringsherum wird zuerst mit Birkenreisig belegt; auf dieses werden die Rennthierfelle gebreitet, welche zum Sitz und Lager dienen. An den inneren Sprossen der Zeltstangen wird sonst noch alles Hängbare, Kleider, Säcke und dergleichen aufgehangen.

Für die Rennthiere, das Zelt, die Schlitten etc. war von Hagenbeck der sogenannte „Auslauf“ freigegeben worden, der von dem weitläufigen Garten abgegrenzte Raum, welcher sonst bei schönem Wetter für die grasfressenden Thiere zur Bewegung im Freien bestimmt ist. Hier genossen nun die losgelassenen Rennthiere ihre Freiheit in vollen Zügen, und wie so oft lange eingesperrt gewesene Thiere die erste Stunde des Freiseins in frohen Uebermuth verfallen, so auch hier. Förmliche Kampfspiele wurden von ihnen ausgeführt. Weniger mit den Geweihen kämpfend, als sich hochaufbäumend und mit den Hufen kraftvoll aufeinander schlagend, boten sie Scenen einer überquellenden Lebenskraft, wie ich sie wenigstens bei den Rennthieren der zoologischen Gärten nie gesehen habe. Besonders auch ließen sie ihrem Uebermuth gegen die Hunde freien Lauf; nahte sich ihnen einer derselben, gleich gingen sie kampflustig auf ihn los und schlugen ihn regelmäßig durch Geweihstöße, besonders aber durch Hiebe mit den Vorderhufen in die Flucht. Später (in Berlin) habe ich sogar dieses Schauspiel sich mit einer fremden großen Dogge wiederholen sehen. Die Lappenhunde gleichen dem großen Fuhrmannsspitze außerordentlich, ohne aber reinweiß zu sein und ohne den geringelten Schwanz zu haben; auch ist ihr Haar noch länger. Schon am zweiten oder dritten Tage lagen sie fast regelmäßig unter meinem Feldstuhle, wenn ich im „Auslaufe“ inmitten der Rennthiere und Lappen saß und Skizzen malte – so zahm sind sie.

Es ist nicht möglich, in den Raum eines Gartenlaubenartikels Alles zusammenzufassen, was hier als neu, interessant und also mittheilenswerth zu betrachten wäre, selbst wenn ich von dem mündlich durch Erkundigungen Erfahrenen absehen und mich auf das selbst Beobachtete beschränken wollte. Es möge daher hier zur Erläuterung der Bilder nur noch folgen, was sich auf die Anwendung der Rennthiere zum Ziehen und Tragen bezieht.

Die Form des Schlittens, einem Boote ähnelnd, ist hinreichend bekannt, ebenso die erstaunlich einfache Bespannung; der Personenschlitten ist aber leichter, und – wahrscheinlich um den Stößen besser zu widerstehen – aus elastischem Birkenholze ohne Anwendung von Eisen gebaut, während der Lastschlitten größer, aus Föhrenholz und hinten offen ist, um beim Drauflegen der Zeltstangen diese besser hinausragen zu lassen. Auch hat er an beiden Seiten Löcher für Riemen zum Zusammenschnüren des Gepäckes. Der Lasso, mit welchem die Rennthierböcke, welche zum Ziehen oder Tragen dienen sollen, durch Werfen über Geweih und Kopf eingefangen werden, ist ein geschmeidiger Strick, dessen Schlinge in einem Wirbelknochen läuft, der Zügel hingegen, welcher dem Thiere sodann vor und hinter dem Geweih um den Kopf befestigt wird, besteht nur aus einem einfachen Lederriemen. Daß das Schlittenfahren auch als Kraft- und Gewandtheitsübung betrachtet wird, sah ich, als die Männer bei Vorführung der Schlitten auch stehend darin fuhren, ja sogar während des Fahrens in den Schlitten sprangen. Selbstverständlich konnte das Thier das Schleppen des Schlittens auf dem Sande nur kurze Zeit aushalten.

Ganz neu war mir der Anblick des Bepackens der Rennthiere zur Sommerwanderung. Das Bild zeigt, die Scene nach Lappland zurückversetzend, wie dem einen Bock die Zeltstangen aufgeladen sind, während die Zeltleinewand schachtelartig verpackt für ein anderes Thier, welches eben eingefangen ist, bereit liegt. Die Vorrichtung zum Bepacken ist geradezu classisch einfach und praktisch. Ueber ein zum Schutze gegen Druck zuerst dem Thiere aufgelegtes Rennthierfell (oder einen Winterrock aus Pelz) werden zwei gekrümmte birkene Bügel, wie sie auf dem Bilde zwischen Winterschuhen und Zeltleinewand zu sehen sind, oben ineinandergesteckt, so daß jeder eine Bauchseite umschließt und die unteren Enden unter dem Bauche zusammengebunden werden können. An die sich kreuzenden oberen Bügelenden wird dann Alles gehangen, was das Thier tragen soll, wie denn z. B. auf dem Bilde dem dritten Rennthiere eben die Wiege angehängt wird. Die Lastthiere, hinter einander stehend, werden dann reihenweise aneinander gebunden, und das vorderste wird geführt. Voran geht die von ihrem Wandertriebe geleitete Heerde, denn wie bei allen Nomaden ist eben die Nothwendigkeit, je nach dem Jahreszeitwechsel neue Weidegründe zu suchen, die Hauptursache der Wanderung.

Noch will ich zum Schlusse einiges von den Männern sagen. Da ist zuerst der schon erwähnte Vater Rasti, ein guter Vater, denn sehr häufig hat er eines seiner Kinder auf dem Arme, so daß seine Collegen fast immer dem Publicum ihre Geräthe und deren Anwendung allein vorzeigen müssen. Der Andere ist Lars Nielson, also norwegisch benannt, der Dritte sein erwachsener Sohn Jacob. Die Vornamen (Mama Rasti heißt Ella Maria) beweisen schon, daß die Lappen Christen sind; bekanntlich werden sie von wandernden Predigern und Schullehrern besucht, respective getauft und unterrichtet. Der alte Nielson ist ein offener Kopf und macht schon Studien im Deutschen; er riskirte an einem der ersten Abende mit uns Zweien eine Droschkenfahrt durch die Straßen Hamburg’s, wollte aber doch von keiner Wiederholung wissen, weil ihm die Sache wie eine Fahrt zur Hölle vorgekommen war.

Lars hat auch Humor, denn in Berlin machte er sich den Spaß, den Lasso nach einem unberufen über die Bretterplanke sehenden [744] Zuschauer zu werfen aber der „unverfrorene“ Berliner fing diesen mit der Hand auf. Jacob Nielson, ein etwas blasser Jüngling, ist noch in der Entwickelung seiner Fähigkeiten, denn das Lassowerfen versteht er z. B. noch lange nicht so meisterhaft wie sein Vater. Sie haben mir übrigens alle als Modell gesessen.

Sehr tactvoll benahm sich Frau Rasti beim Empfange des oben erwähnten Markstückes. Da sie gesehen, daß ich einige Geräthschaften gemalt hatte, holte sie jetzt unaufgefordert aus einer verschließbaren Kiste eine kupferne Kanne in der Form eines Theekessels und ein Geräth zum Reinigen der Innenseite der Rennthierfelle und legte mir beides zum Malen vor. Ihr Mann hatte, als sie ihm das empfangene Geld reichte, keinen Blick, kein Wort für mich; er drehte das Geldstück in der Hand herum, bis ihm die Gattin dasselbe weg und an sich nahm. Jacob aber belohnte mich für seinen Vermögenszuwachs mit einem deutlichen, bereits gelernten „Danke!“, Lars als der fortgeschrittenste sogar außerdem mit einem freundschaftlichen Händedrucke.

In Hamburg wurden die Lappländer vierzehn Tage lang von ihrer Ankunft an gezeigt, und der Zudrang war so ungeheuer, daß an einem Sonntage Schutzmannschaft mußte zu Hülfe genommen werden, um denselben abzuwehren. Jetzt, bei Abfassung dieser Zeilen sind unsere nordischen Gäste in Berlin. Wie schon erwähnt, hat Herr Hagenbeck die Rennthiere und das sämmtliche Geräth, sowie viele Kleidungsstücke käuflich erworben, und wenn die Leute noch länger zu halten sind, wird er Alles auch in einigen anderen Städten Deutschlands zur Schau stellen.

L.