Hauptmenü öffnen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Theodor Kirchhoff
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Noch einmal die Seelöwen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 855–856
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht Korrektur gelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du bei den Erklärungen über Bearbeitungsstände.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[855] Noch einmal die Seelöwen. Mit Bezugnahme auf den Schlußpassus eines in Nr. 37 der „Gartenlaube“ erschienenen sehr interessanten Artikels über die Seelöwen möchte ich mir einige Bemerkungen erlauben. Es heißt dort:

„Das Anziehende dieser Thiere hat sogar bei der californischen Regierung so viel Anerkennung gefunden, daß sie eine Heerde derselben, gegen achtzig Stück, unter ihren besonderen Schutz genommen hat. Diese Heerde wohnt auf einer steilen Felsgruppe am Eingange der Bucht von San Francisco, wo ihnen keine verderbliche Kugel nahen darf.“

Dies hatte bis voriges Jahr seine Richtigkeit, und es gereicht mir zur Genugthuung, daß der geehrte Herr Verfasser mit dem Wörtchen „sogar“ die oberste Staatsbehörde des Goldlandes trotz des schlechten Weltrufs, den dies vermeintliche Dorado aller Schlechtigkeit nun einmal nicht loszuwerden vermag, auf die humane Stufe anderer civilisirten Regierungen gestellt hat. Seit dem vorigen Jahre sind die lustigen Seelöwen am „Goldenen Thor“ für vogelfrei erklärt worden, und es hat sich [856] die in das Barbarenthum zurückgesunkene Legislatur Californiens gemüßigt gesehen, ihnen den Freibrief zu nehmen. Die Veranlassung hierzu gab eine Petition seitens der zahlreich in San Francisco vertretenen italienischen Fischer, welche behaupteten, daß jene Seelöwen die Fische im hiesigen Hafen durch ihre Gefräßigkeit aus eine nichtswürdige Weise zerstörten und ihnen – den Fischern – dadurch ihre rechtmäßige Erwerbsquelle arg beeinträchtigten.

Die Zeitungen in Satt Francisco nahmen in langen Leitartikeln energisch Partei pro und contra, wobei die Seelöwen entschieden mehr Freunde fanden, als die Italiener. Die Gesetze von Californien entschieden endlich zu Gunsten der Italiener. Diese haben aber bis jetzt wenig Freude von ihrem Erfolg gehabt; denn die Seelöwen wohnen nach wie vor ungestört auf den Felsklippen am „Goldenen Thor“, unterhalten die fremden Weltenbummler, welche das berühmte „Cliffhouse“ besuchen, dort ebenso sehr wie die einheimische Bevölkerung durch ihre unaufhörlichen Katzbalgereien und fangen ihr Futter an leckeren Fischen, wo und wie es ihnen beliebt.

Bis jetzt ist noch kein Schuß auf jene Seelöwenfamilie gefallen, obgleich ihr der Schutz der Regierung bereits vor Jahresfrist entzogen wurde. Der ungeschlachte Ben Butler, der Störenfried jenes Gemeinwesens, wirft die kleinen Seelöwen noch immer mit hämischer Lust von der hohen Klippe in die Brandung hinunter, blickt, trotzig brüllend, nach den auf der Veranda des „Cliffhouse“ versammelten Fremden hinüber und fürchtet sich durchaus nicht vor feindlichen Kugeln, obgleich diese ihn vom Ufer aus leicht erreichen könnten. Er scheint recht gut zu wissen, daß er auf seinem wogenumspülten Felsen vor dem tückischen Blei der Italiener sicher ist und daß diese es nicht wagen werden, ihm und seiner Familie, den Lieblingen der Goldstadt, dort auf irgend eine Weise zu nahe zu treten.

San Francisco, im November 1881.      Theodor Kirchhoff.