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Autor: Brinkama
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Titel: Noch einmal Hoffmann von Fallersleben
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aus: Die Gartenlaube, Heft 32, S. 522
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[522] Noch einmal Hoffmann von Fallersleben. Zu dem reichen Lorbeerkranze, den das deutsche Volk auf das Grab des entschlafenen Barden gelegt, wobei natürlich auch die Gartenlaube mit warmem Herzen des edlen Sängers gedachte, möchte ich ein kleines Reis noch hinzufügen, das manchen Leser gewiß interessiren wird.

In Hameln an der Weser, der alten wohlbekannten Rattenfängerstadt, lebte bis 1869 der auch in weiteren Kreisen durch seine gemeinnützigen Bestrebungen bekannte Dr. theol. Schläger, gemeiniglich „Vater Schläger“ genannt. Er war immer ein Vorkämpfer gewesen für freies Denken und festes Handeln und schon vor fünfzig Jahren hatte er viel gewirkt für eine Besserung der Lehranstalten für Mädchen. Wie allgemein bekannt sein dürfte, ehrt die Stadt Hameln in der Provinz Hannover das Andenken des alten Schläger durch ein Denkmal, welches, von dem talentvollen Bildhauer O. Ranau in Dresden ausgeführt, im nächsten Jahre in Hameln aufgestellt werden soll. Hoffmann von Fallersleben war mit dem Schläger’schen Hause seit vielen Jahren bekannt und jedesmal, wenn er nach Corvey von seinen Reisen zurückkehrte, besuchte er den alten Schläger.

An einem herrlichen Sommerabende in den fünfziger Jahren saß die ganze Familie im Garten unter dem Laubendache bei einem frugalen Abendbrode. Da trat plötzlich Hoffmann herein, mit freundlichen Scherzesworten den Vater Schläger und auch den zum Besuche anwesenden Abgeordneten Dr. H. Schläger begrüßend. Der Jubel war groß, und der noch jugend- und lebensfrische, geistig regsame Vater Schläger, damals ein Siebenziger, ließ nun den besten Trunk, den ein Pfarrkeller bieten konnte, aus dem Keller holen, und bei vollen Bechern flog bald ein freundliches Witzwort hinüber und herüber. Es war damals gerade die Zeit, wo das Regiment des Grafen Borries am straffsten angezogen war, und Maßregelungen hatten stattgefunden, von denen man in Preußen selbst in der Conflictszeit keine Ahnung hatte. Ein königlicher Diener durfte nicht wagen seinen Kaffee von einem Nationalvereinler zu beziehen, sonst riskirte er sofort versetzt zu werden.

Hoffmann zog mit kräftigen Worten über dieses Regiment los und predigte dem Abgeordneten Schläger Muth ein, nicht nachzulassen in dem Kampfe. Der Exminister Windthorst spielte damals eine Zeitlang die Rolle eines Führers der Opposition, eine Rolle, die mit vielem Geschicke durchgeführt wurde. Dr. H. Schläger hatte versucht, bei seinen Parteigenossen dagegen zu wirken, und auf das Bedenkliche aufmerksam gemacht, solch einem Führer sich anzuvertrauen; er war aber nicht durchgedrungen. Man freute sich, in dem Kampfe gegen Borries einen so kundigen, gewiegten Führer zu haben. Hoffmann machte hierüber die kräftigsten Witze und zeichnete mit vielem Humor die daraus entstehenden Folgen.

Der alte Schläger nahm lebhaften Antheil an dem politischen Gespräche und achtete es nicht, als es kühler wurde und die Familie nun wünschte, er solle die Abendluft meiden und sich zurückziehen. Der Abend war herrlich. Im nahen Gebüsche sang die Nachtigall ihr Lied, das wunderbar einstimmte in das fröhliche Gelächter dort in der alten Pastorenlaube. Von ferne tönte das Rauschen der Weser, wie sie am Wehre hinunterstürzte. Da ergriff Hoffmann das volle Glas und brachte dem Alten einen Toast:

Alles Guten Reger,
Alles Schönen Pfleger,
Alles Edlen Träger,
Alles Bösen Feger,
Im Wohlthun niemals Träger
 etc. etc. etc.
Es lebe Vater Schläger.

Leider sind dem Schreiber dieser Zeilen (der damals noch ein junger Mensch war) die verschiedenen Reime auf Schläger, deren Hoffmann noch eine ganze Reihe zum Besten gab, entfallen; er erinnert sich aber sehr gut, daß die Reimerei so lange dauerte, daß alle Zuhörer es für unmöglich hielten, noch einen Reim zu finden, und immer doch gelang es. Der Jubel war groß, als Hoffmann geendet, und begeistert schloß der alte Schläger ihn in die Arme und folgte dann dem Wunsche der Familie, während die übrige Gesellschaft noch bis in die späte Nacht zusammenblieb. Lange hat dieser schöne Abend Wiederhall gefunden bei Allen, die ihn miterlebt, und noch oft werden die Reime auf „Schläger“ in der Rattenfängerstadt benutzt.

Brinkama.