Neues vom Kommabacillus

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Neues vom Kommabacillus
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 276
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[276] Neues vom Kommabacillus. Professor Löwenthal, früher in Lausanne, jetzt in Paris thätig, stellte neuerdings bemerkenswerthe Versuche an, deren Ergebniß auch dem Laien einen Einblick in die Geheimnisse der Heilkunde gestattet und ihm namentlich zeigt, wie man nach Heilmitteln in wissenschaftlicher Weise sucht. Cholerabacillen, die längere Zeit in den üblichen Nährmitteln wie Fleischbrühe, Gelatine etc. gezüchtet werden, verlieren ihre Giftigkeit und werden den Versuchsthieren – weißen Mäusen – völlig unschädlich. Professor Löwenthal wollte nun diese unschädlichen Bacillen wieder schädlich machen, sie veranlassen, ihr specifisches Gift wieder zu erzeugen. Es gelang ihm dies auch, nachdem er sie in den „Löwenthalschen Brei“, ein Gemenge von Schweinefleisch, Schweinepankreas, Bohnenmehl, Pepton, Traubenzucker und Kochsalz, gebracht. Welcher Stoff in diesem Ragout hatte nun die Eigenschaft, die Bacillen so unvortheilhaft umzustimmen? Nach vielem Hin- und Herprobiren fand der Gelehrte es endlich heraus: der Pankreassaft, das heißt der Saft der Bauchspeicheldrüse, war der Stoff, ohne dessen Gegenwart der Cholerabacillus sein besonderes Gift nicht hervorbringen konnte. Nun forschte Professor Löwenthal nach einem Stoff, der diese Beihilfe des Pankreassaftes aufheben würde, und er fand ihn in dem 1886 vom Professor von Nencki hergestellten Salol, einer Verbindung von Salicyl- und Karbolsäure. Schon 1 Prozent Salol in dem Brei macht die Entwicklung der Cholerabacillen in dem oben angedeuteten schädlichen Sinne unmöglich. Da man nun Salol als Medizin innerlich einnehmen kann, so liegt die Vermuthung nahe, daß Salol ein Vorbeugemittel gegen die Cholera sein könnte. Professor Löwenthal selbst fügt aber mit Vorsicht hinzu, daß dieser im Laboratorium gemachte Versuch erst in wirklichen Cholerafällen auf seine Richtigkeit geprüft werden muß. Es sollen auch demnächst in Indien oder Tonkin damit Versuche gemacht werden.

Wie auch das Endergebniß ausfallen mag, aus diesen Mittheilungen ersehen wir, daß die moderne Wissenschaft rastlos im Dienste der Menschheit arbeitet, und dies bestärkt uns in der Hoffnung, daß mit der Zeit auf die Entdeckung der Verursacher der Seuchen deren gründliche Vernichtung folgend werde. *