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Textdaten
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Autor: Carus Sterne
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Titel: Neue Kraftmaschinen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 104
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[104] Neue Kraftmaschinen. So wenig man die Heißluft-, Aether-, Gas- und Wasserdampfmaschinen entbehren möchte, ist man doch niemals ganz mit ihnen zufrieden gewesen, und hat beständig auf den Bau neuer Kraftproducenten – insbesondere für das Kleingewerbe gesonnen, die es besser machen sollen, und zwar zunächst in Betreff der Feuerung, die bei den hohen Kohlenpreisen der Gegenwart sehr unangenehm auf Theuerung reimt. Da die Erde an Petroleum unerschöpflich zu sein scheint, so hat man längst darauf gedacht, die Kessel mit diesem Material zu heizen. Aber wie das machen, ohne die Explosionsgefahr des Kessels auch noch nach dem Herdraume zu verpflanzen? Da haben sich nun die Amerikaner recht gut zu helfen gewußt, indem sie einen Herd aus Wasser einrichteten. Der Petroleumbehälter wird weit ab vom Kesselhause angelegt; ein unterirdisches Rohr bewirkt ganz allmähliches Zuströmen; in Blasen steigt das Petroleum durch das Wasser in die Höhe, um an dessen Oberfläche durch einen Gebläsestrom mit dem größtmöglichsten Heizeffect verbrannt zu werden. In der Hock'schen Petroleum-Maschine, wie eine solche in der Wiener k. k. Staatsdruckerei seit Februar 1874 im Betriebe ist und drei Schnellpressen mit einer Leistungsfähigkeit von zwölfhundert Druckbogen pro Stunde treibt, vermeidet man die große Explosionsgefahr gänzlich, indem man die Kraft, wie in den Gasmaschinen, durch lauter kleine Explosionen erzeugt. In dem Arbeitscylinder wird nämlich ein dünner Petroleumstrahl in regelmäßigen Zwischenpausen verbrannt und dadurch die Kraft gewonnen, welche pro Stunde und Pferdekraft anderthalb Pfund Petroleum verspeist. Die Maschine bietet den Vortheil, keines Anheizers zu bedürfen, kann also jeden Augenblick in oder außer Betrieb gesetzt werden.

Andere Erfinder beschäftigen sich besonders mit dem Ersatze des Wassers durch eine billigeren Dampf liefernde Flüssigkeit, und der Amerikaner Wells glaubt bei einer Füllung der Kessel mit Schwefelkohlenstoff, der schon bei dreiundvierzig Grad siedet und bei erhöhter Temperatur entsprechende Spannungssteigerungen ergiebt, Zweidrittel des bisher „vergeudeten“ Brennmaterials sparen zu können. Diese Flüssigkeit, welche immer wieder gewonnen wird, vereinigt aber mit ihren allerdings verlockenden Eigenschaften eine große Neigung, schon aus der Ferne Feuer zu fangen und zu explodiren. Da war es nun vor allen Dingen nöthig, jede Möglichkeit, mit dem Feuer in Berührung zu kommen, auszuschließen. Wie oben die Herd-Unterlage, stellte man deshalb hier die Kesselwandungen aus Wasser her. Der aufrechtstehende cylindrische Kessel ist nämlich in drei übereinanderliegende Abtheilungen geschieden, von denen nur die mittelste den eigentlichen (Schwefelkohlenstoff-)Dampfkessel bildet, die anderen Wasser enthalten. Der untere Wasserkessel, welcher die Herdhitze unmittelbar empfängt, steht durch weite Wasserröhren, welche die Schwefelkohlenstoffflüssigkeit durchbohren, mit dem oberen Wasserkessel in Verbindung, sodaß das heiße Wasser alle Wandungen des eigentlichen Dampfkessels umspült. Diese Wasserröhren werden wiederum von den Feuerzügen durchbohrt, welche die Verbrennungsgase des Herdes zum Schornstein führen und vorher deren Wärme, damit nichts verloren gehe, ihrem Wasserpanzer oder Futteral zur Weiterbeförderung übergeben. Die übrige Einrichtung ist derjenigen der andern Dampfmaschinen entsprechend.

Ganz abweichend ist dagegen der Gedanke der Seiboth'schen Kohlensäure-Maschine, welche die Kraft, die uns aus Champagnerflaschen entgegenknallt, zu verwerthen gedenkt. Sie braucht gar kein Feuer, sondern kann im Gegentheile noch eine ziemliche Kälte gratis liefern, was für manche Industriezweige, bei denen es sich um schleunige Abkühlung ihrer Producte handelt, höchlichst erwünscht sein kann. Die Kohlensäure, welche den Cylinderkolben auf- und abwärts treibt, wird in zwei mit Spatheisenstein und Schwefelsäure gespeisten Kesseln erzeugt, und das Merkwürdige ist, daß sowohl Asche wie Rauch – wenn ein solcher Vergleich gestattet ist – das heißt sowohl der in den Kesseln erzeugte Eisenvitriol wie die Kohlensäure nach ihrer Benutzung noch weiter nutzbar bleiben. Schon auf der Weltausstellung befand sich ein solcher Motor, der außer einer Leistung von vier Pferdekräften eine Kälte von – 12° zur Verfügung stellte.

Die neueste und sonderbarste Kraftquelle bietet die Oelmaschine des französischen Ingenieurs F. Tommasi, bei der nicht die Spannkraft von Dämpfen und Gasen. wie bei allen bisherigen Maschinen, sondern die Ausdehnung einer Flüssigkeit (Oel oder Glycerin) durch Wärme die Bewegung erzeugt. Tommasi hat gezeigt, daß Oel, in eine Metallröhre eingeschlossen, durch eine plötzliche Temperatursteigerung von nur sieben Grad die Kraft erzeugte, um einen dicken Bleiverschluß wie weiches Wachs aus der Mündung hervozupressen. Daß sich diese Kraft für Maschinen, die mehr Gewalt und Nachdruck als große Schnelligkeit beanspruchen, wie z. B. Pressen aller Art, recht passend verwenden lassen werde, scheint einzuleuchten, aber ob man eine Oelsäule durch abwechselndes Erhitzen und Abkühlen (durch heißes und kaltes Wasser, welches abwechselnd in ein den Oelcylinder durchziehendes Röhrensystem eintreten soll) zur schnellen Bewegung eines Stempels geeignet machen wird, das ist noch zu beweisen. Der Erfinder hofft mit seiner Oelmaschine alle Arten von Bewegung hervorzubringen.
C. St.