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Autor:
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Titel: Nestlinge
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 37, S. 628
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[625]
Die Gartenlaube (1888) b 625.jpg

Nestlinge.
Originalzeichnung von J. R. Wehle.

[628] Nestlinge. (Mit Illustration S. 625.) Ein allerliebstes Bildchen, das sich mehr als viele andere selbst erklärt, so „sprechend“ ist der einfache Vorgang, den es darstellt. Die alte, sauber gekleidete Bauerfrau, deren runzliges Gesicht, deren schwielige Hände von einem langen Leben voll unermüdlichem Schaffen und harter Arbeit erzählen, beschränkt jetzt ihre Thätigkeit darauf, „Nestlinge“ groß zu ziehen. Alles junge Leben im Hofe ist ihrer Sorge anvertraut, von den Enkelkindern an bis herab zu den eben ausgekrochenen „Kücken“. Und wie gern und freudig schafft Großmutter noch immer! Hände wie die ihrigen ruhen nicht eher, als bis sich der grüne Rasen über ihnen wölbt; nicht eher werden auch die treuen Augen und Lippen aufhören, den heranwachsenden „Nestlingen“ freundlich zuzulächeln.

Eines derselben, ein junges Menschenkind, naht vorsichtig mit kleinen trippelnden Schrittchen, um die schmausenden Küchlein nicht zu verscheuchen. Reizend hat der Künstler in der Haltung des Kindes die Neugier mit ein ganz klein wenig Bangen vor den gefiederten Genossen auszudrücken verstanden. Ja, in der That, unser Kindchen, obgleich schon drei Jahre alt, ist in der Entwickelung zum selbständigen Wesen noch weit zurück hinter den Thieren, die kaum eben so viel Tage zählen. Das kleine Menschenkind fürchtet sich vor den Vöglein, die es leicht in seinen Fingern zerdrücken könnte, und seit kurzem erst hat es gelernt, allein zu essen und fest auf seinen Füßen zu stehen, was die gefiederten „Nestlinge“ schon in der ersten Stunde ihres Daseins vortrefflich gekonnt haben.