Textdaten
<<< >>>
Autor: Johann Fausten der Jüngere
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Moussirende Getränke
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 399–401
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Dieser Beitrag erschien als 8. Brief der Reihe Populäre Chemie für das praktische Leben Brief Nr. 7 Das Grubengas oder die schlagenden Wetter siehe Heft 29, Brief Nr. 9 Die Brennstoffe, deren wir uns bedienen folgt in Heft 2 des Jahrgangs 1855.
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[399]
Populäre Chemie für das praktische Leben.
In Briefen von Johann Fausten dem Jüngeren.
Achter Brief.
Moussirende Getränke.

Bei einer Hitze, wie wir sie vor Kurzem in einem reichlichen Masse gekostet haben, sehnt sich der Mensch nach einem erquickenden Getränk. Ein kühler Trunk Wasser aber behagt dem verwöhnten Gaumen nicht immer; er fordert zugleich noch eine angenehme Befriedigung seiner Gelüste. Ein köstliches Getränk dieser Art bietet uns die Natur in den zahlreich auftretenden Säuerlingen, – Quellen, die reich mit Kohlensäure beladen aus dem Schooße der Erde aufsteigen. Meistens gehören sie in die Klasse der Heilquellen, wie z. B. die von Teplitz, Karlsbad, Wiesbaden, Selters, Ems, Fechingen, Baden-Baden, Spaa etc., von denen besonders das Selterserwasser eben nur der Labung und Erquickung wegen in großen Mengen von Kerngesunden verbraucht wird, während das Wasser vieler anderer Quellen dieser Art wohl am Ursprungsorte sehr geschätzt wird, eine weitere Verbreitung aber nicht gefunden hat.

Namentlich in vulkanischen Gegenden, sei es, daß die Vulkane noch thätig oder bereits erloschen, oder daß vulkanische Massen, plutonische Gebilde aus der Tiefe aufgestiegen sind, treten die Säuerlinge oder auch reine Gasquellen in solcher Menge auf, daß wir den Boden als eine siebähnlich durchlöcherte Oberfläche ansehen können. So z. B. in der Eifel, der Umgebung des Laacher Sees, des Meisterwaldes, Taunus, Habichtswaldes, Meißners, Vogelgebirges, der Rhön, des Fichtelgebirges, böhmischen Mittelgebirges und des Riesengebirges. Ueberall auf den basaltischen Zügen von der Eifel bis zum Riesengebirge treffen wir sie an. Bald kommen die Gasquellen ohne Geräusch zum Vorschein, nur bemerkbar, wenn man das Gesicht ganz auf die Erde neigt; aber die unterdrückte Vegetation und die erstickten kleinen Thiere in ihrer Umgebung lassen ihr Vorhandensein deutlich erkennen. Bald entströmen sie den Spalten und Klüften des Gesteins mit zischendem Geräusch oder sie brodeln auf in kleinen Vertiefungen, die mit atmosphärischem Wasser angefüllt sind. Für sich und in größeren Mengen ein starkes Gift wird die in großen Mengen ausströmende Kohlensäure rasch zerstreut, so daß sie keinen nachtheiligen Einfluß auf die Beschaffenheit der atmosphärischen Luft ausübt, aus der sie durch die Pflanzen entfernt wird. Strömt sie jedoch in geschlossene Räume, in denen sie ihrer Schwere wegen die unteren Gegenden einnimmt, so äußert sich ihre schädliche Wirkung, z. B. in der Hundsgrotte bei Neapel und in der bekannten Dunsthöhle bei Pyrmont, ganz entschieden an Thieren, die mit ihren Athmungswerkzeugen über diese vergiftete Schicht nicht hinausreichen.

Was jetzt hier in heilbringender oder unscheinbarer Gestalt aus der Erdrinde hervordringt, sind die dämonischen Mächte, welche abgeschlossen, erhitzt und durch einen gewaltigen Druck zusammengepreßt, ihre Fesseln sprengten, die Hindernisse schmolzen, zerstörend sich weit umher über die Flächen verbreiteten, Gebirgsmassen emportrieben und umstürzten. Jetzt freilich sind sie machtlos, weil der Verbindungsweg mit der Oberfläche offen ist, aber die nächste Umgebung zeigt die Spuren ihrer Macht. Um sich von dieser ein Bild machen zu können, wollen wir anführen, daß die Kohlensäure durch Druck leicht in den flüssigen Zustand übergeht und hier bei 47° Kälte einen Druck von 18°, bei 83° Wärme aber, also noch unter dem Kochpunkt des Wassers, von fast 100° Atmosphären, d. h. von 1436 Pfunden auf den Quadratzoll, ausübt. Noch jetzt macht sie mitunter ihre Kraft, freilich in einem sehr verkleinerten Maßstabe, geltend, sobald sich ihrem Ausströmen Hindernisse entgegenstemmen. So z. B. zu Pyrmont der Gasstrom, als das Ableitungsrohr für einige Zeit verschlossen wurde, nicht nur den 8 Fuß im Durchmesser haltenden schweren Metalltrichter, unter dem das Gas aufgefangen wurde, sondern mit diesem auch das ganze übergebaute Häuschen. Auf einer sumpfigen Wiese bei Istrup auf der paderborner Hochfläche werden durch die aus 1000 Kanälen ausströmende Kohlensäure Schlammhügel von 20 Fuß Höhe und wohl 100 Fuß Umfang aufgeworfen.

Die Mengen der Kohlensäure, die auf diese Weise dem Innern der Erde entströmt, ist ungeheuer. Die zahlreichen Quellen der Eifel hauchen täglich 5 Millionen K. F. aus, eine Menge, die beiläufig gesagt bei der Verbrennung von 12,000 K. F. Holz entstehen würde. Das einzige Bohrloch zu Neusalzwerk bei Minden liefert jährlich über 24 Millionen K. F., der Fuß 28,000 Centner, Kohlensäure und der große Sprudel zu Nauheim in jeder Minute 71 K. F. oder im Jahr über 45,000 Centner, mithin eine Menge, wie sie durch Verbrennung von über 13,500 Centner Steinkohlen oder durch das Brennen von 109,000 Centner Kalksteinen entwickelt wird.

Kommt nun Wasser mit angehäufter Kohlensäure in Berührung, so vermag es etwas mehr als seinen eigenen Raumtheil davon aufzunehmen, ohne dadurch merklich an Umfang zuzunehmen. Dieses Verhältniß ändert sich nicht, wenn auch, da die Kohlensäure durch größeren Druck sich zusammenpressen läßt, das Wasser davon dem Gewichte nach um so mehr aufnimmt in je größerer Tiefe, d. h. unter je größerem Druck beide zusammenkommen. Daraus folgt nun, daß wenn sich der Druck vermindert, je näher das Wasser an die Oberfläche steigt, nach Verhältniß auch ein Theil der Kohlensäure als Gas wieder entweicht, wobei oft ein Theil des Wassers bis zu bedeutenden Höhen emporgeschleudert wird. Solche Quellen treten meistens wegen der entweichenden Kohlensäure in wallender Bewegung und mit einem polternden Geräusch zu Tage und deshalb nennt man sie auch Sprudelwasser.

Aus diesem Grunde ist es klar, daß die natürlichen Wasser gerade nicht viel von der erfrischenden Kohlensäure enthalten können, selbst wenn man auch einige Vorsichtsmaßregeln beim Füllen anwendet. Daher fertigt man jetzt Luxuswässer diese Art in beträchtlicher Menge künstlich an, bei denen man es ganz in seiner Macht hat, sie bis zu einer gewissen Grenze hin, d. h. so weit es die Haltbarkeit der Flaschen zuläßt, mit Kohlensäure zu sättigen. Gewöhnlich überschreitet man daher einen Druck von 4 bis 5 Atmosphären nicht. Während ein Pfund Wasser also unter gewöhnlichen Umständen 16 Gran Kohlensäure aufzulösen vermag, enthält ein künstlich gesättigtes 64 bis 80 Gran, d. h. ungefähr 1 bis 11/2 Quentchen. Zur Darstellung der Kohlensäure kann man Kreide oder Marmor und Salz- oder Schwefelsäure nehmen. In neuerer Zeit verwendet man meistens den in der Natur in reichlicher Menge vorkommenden Magnesit, kohlensaure Magnesia und [400] Schwefelsäure, indem man hier ein wertvolleres Nebenprodukt – Bittersalz – erhält.

Um nun das Wasser mit Kohlensäure unter einem höheren Drucke zu sättigen, bedient man sich geeigneter Apparate – Pumpwerke – die im Laufe der Zeit mancherlei Veränderungen erlitten haben, bevor sie die jetzige Vollkommenheit erreichten. Man sammelt die Kohlensäure in geeigneten Behältern – Gasometern – und bringt sie hier unter den Druck, unter welchem sie vom Wasser aufgenommen werden soll, wo dann die Aufnahme direct geschieht, indem zu gleicher Zeit Wasser und Kohlensäure in bestimmten Verhältnissen durch ein und dieselbe Pumpe in das Sammelgefäß gebracht werden oder man treibt die Kohlensäure für sich durch Pumpen in das Wasser ein. Besondere Vorsicht muß beim Ablassen des fertigen Wassers in die Flaschen angewendet werden, damit das Gas nicht wieder entweicht. Zu dem Ende wird die Flasche fest gegen Kautschuk gepreßt, womit der Hahn umgeben ist. Durch ein geschicktes Lüften der Flasche läßt man die darin enthaltene atmosphärische Luft entweichen und ist dann sehr schnell mit einem Kork bei der Hand. Aber nicht eine jede Flasche, falls sie nicht vorher ausdrücklich auf ihre Festigkeit durch eine Druckpumpe geprüft worden ist, hält den angegebenen Druck aus. Deshalb muß sich der Arbeiter die Hand und den Arm durch einen dicken Handschuh und das Gesicht durch eine Drahtmaske gegen die umhergeschleuderten Glasscherben der zerspringenden Flaschen schützen. Außerdem umgiebt noch eine kupferne, leicht zu beseitigende Platte, in der eine mit einem Gitter versehene Oeffnung zum Hindurchsehen angebracht ist, als Schutzmittel die Flasche.

Auf dieselbe Art wird auch die Schaumlimonade bereitet, indem man dem Wasser verschiedene Zusätze, wie Fruchtsäfte, mit verschiedenen ätherischen Oelen abgeriebenen Zucker oder auf ähnliche Art bereitete Zuckersäfte zusetzt. Je nach der Art dieser Zusätze kann man die mannigfaltigsten Getränke bereiten. – In neuester Zeit hat man auch angefangen Meerwasser, schwache Salzquellen, die wie z. B. in Kösen, Wittekind etc. getrunken werden, mit Kohlensäure zu sättigen, um ihnen einen angenehmeren Geschmack zu verleihen.

In der neuesten Zeit ist die Anfertigung derartiger moussirender Getränke durch kleinere geeignete Apparate in jeder Haushaltung möglich gemacht. Wegen der Annehmlichkeit, die sie bieten und wegen ihres mäßigen Preises sind sie sehr zu empfehlen. Hauptsächlich hat man bei uns zweierlei Apparate dieser Art. Der eine ist der sogenannte Liebig’sche Krug, dessen Einrichtung jedoch nicht, wie man es oft hört, von dem berühmten Chemiker angegeben ist. Der starke, aus Steingut angefertigte Krug ist in zwei ungleiche Hälften getheilt, von denen die obere bis 21/2 Quart und mehr, die untere nur bis 1/4 Quart Wasser faßt. Beim Gebrauch füllt man die größere Abtheilung nicht ganz mit Wasser und verschließt die Oeffnung wieder sorgfältig. In den unteren kleineren Raum thut man die Mischung, aus der sich die Kohlensäure entwickeln soll und etwas Wasser, welches die Lösung der Säure und dadurch die Einwirkung auf das kohlensaure Salz, also die Entwickelung der Kohlensäure vermittelt. Am Besten bedient man sich hier für jedes Pfund der mit Kohlensäure zu sättigenden Flüssigkeit eines Gemisches von 139 Gran krystallisirtem kohlensauren Natron, 89 Gran doppelt kohlensaurem Natron, beides in Pulverform und 80 Gran Weinsteinsäure in Krystallen, um die Auflösung und Entwickelung der Kohlensäure nicht zu sehr zu beschleunigen. Mit diesem Gemisch sättigt man das Wasser unter dem Druck von 4 Atmosphären mit Kohlensäure.

Ist die Oeffnung gut verschlossen, so entweicht die Kohlensäure durch einige in dem Boden angebrachte Haarröhrchen in die obere Abtheilung und wird hier von der Flüssigkeit verschluckt. Ist diese gesättigt, so steigt das Gas durch sie hindurch und sammelt sich oberhalb derselben an. Durch den Druck, welcher die gasförmige Kohlensäure auf die Oberfläche der Flüssigkeit ausübt, wird die letztere gezwungen in ein bis auf den Boden reichendes Rohr bis zu dem Ventile in dem Halse der Flasche aufzusteigen. Oeffnet man solches durch Drücken auf einen Knopf, so strömt das schäumende Getränk in das untergehaltene Gefäß aus.

Mehr zu empfehlen noch ist ein anderer Apparat, der aus zwei Glaskugeln besteht. Die Einrichtung, durch welche das Getränk abfließt, ist hier solider und dauerhafter, während die des ersteren sehr oft der Reparatur bedarf. Durch die Unwissenheit und Unachtsamkeit der Leute, die entweder die Ladungen mit Kohlensäure zu stark machen oder nicht darauf achten, daß die Verbindung durch die Haarröhrchen frei ist, kann der Apparat sehr leicht zerspringen und große Gefahr bereiten. Daher ist er auch mit Draht oder spanischem Rohrgeflecht umgeben. Nichtsdestoweniger hat man sich doch vor dem jedesmaligen Gebrauch davon zu überzeugen, ob die Kohlensäure ungehindert passiren kann. Gießt man nämlich, wenn beide Oeffnungen der Flaschen offen sind, lauwarmes Wasser in den oberen Theil, so muß es in den unteren hineintröpfeln.

Soll nicht die Kohlensäure größtentheils beim Ablassen fortgehen, so läßt man den Apparat 24 Stunden ruhig an einem kühlen Ort, am Besten in Eis stehen, bevor man das Getränk verbraucht. Dadurch mischt sich die Kohlensäure inniger mit der Flüssigkeit und verweilt länger in ihr, wenn der Druck aufgehoben wird, unter dem sie in dem Apparat steht. Um das Getränk wohlschmeckender zu machen, thut man vorher eine Zuckerlösung hinein. Durch beliebige andere, schon angeführte Zusätze kann man die mannigfaltigsten und angenehmsten Mischungen erhalten. Namentlich wird als besonders erfrischend Milch gerühmt, die mit Kohlensäure gesättigt worden ist. Auch einen billigen Schaumwein kann man sich bei Anwendung von Zucker in diesen Apparaten bereiten.

Daß die beschriebenen Apparate sich in Haushaltungen sehr nützlich erweisen, dafür bürgt die große Verbreitung, die sie bereits gefunden. Wenn aber der Professor Dr. Weber in Freiburg meint, daß sie sogar Mineralbrunnenbesuche überflüssig machen und viel Zeit und Geld ersparen, indem mit ihrer Hülfe innerhalb einer Stunde die mannigfaltigsten und kräftigsten Heilmittel, wie sie nur die Natur liefert, erzeugt werden können, so ist dies weiter nichts als Redensarten, und man muß sich wundern, daß solche noch bereitwillig von öffentlichen Blättern, die sich einen Anstrich von Wissenschaftlichkeit geben, verbreitet werden. Dazu gehört mehr als ein solcher kleiner Apparat. Freilich scheint es in der Medizin überhaupt nicht auf eine Hand voll Noten anzukommen, denn wir sehen durch Homöopathie, Rademacherei, Wasser, alte Semmeln und wie die Kurmethoden alle heißen mögen, eben so große und noch mehr Wunderkuren vollbringen, als solche jedem echten Sohne des Aeskulap gelingen. Es ist, als ob die Aerzte sich bemühten, die Worte Hegel’s, der aus Nichts Alles aufbaut, zur Wahrheit zu machen.

Weniger vollkommen bereitet man sich moussirende Getränke einfach durch Anwendung von Brausepulver. Man thut hier am Besten, die Bestandtheile einzeln anzuwenden und zwar die Weinsteinsäure zuerst zu lösen, dann das doppelt kohlensaure Natron, fein gerieben, zuzuschütten und umzurühren. Die Kohlensäure entweicht hierbei aber meistens in die Luft. Der berüchtigte Poudre Fevre, der vor mehreren Jahren sich in den öffentlichen Blättern auf die schamloseste Weise breit machte, war nichts anderes als gewöhnliches Brausepulver – eine einträgliche Spekulation auf die Dummheit der Menge. Auf nichts Anderes läuft wahrscheinlich auch eine große Entdeckung hinaus, die mit vollen Backen von der „Illustrirten Zeitung“, die sich die belehrendste, folglich auch die bestunterrichtetste Familienzeitung nennt, jüngst ausposaunt wurde unter dem Titel: „Sodawasser in fester Form.“ „Kohlensaure Wasser und andere schäumende Flüssigkeiten giebt es genug; doch fehlte noch das wahre Sodawasser und dieses reicht uns nun Herr Lamplaugh, ein englischer Chemiker, in der sehr handlichen Form eines wohlbeschaffenen Pulvers, vermittelst dessen man sich sofort einen guten Trunk „schäumenden Fieber vertreibenden Salzbrunnens“ von stets gleich bleibender Kraft erzeugen kann.“ Eine jede Zeile in dieser Nachricht ist Unsinn; ein echter Literatenton vom reinsten Wasser. Bei diesen Leuten, ein treffliches Gegenstück der bekannten „Mädchen für Alles“, ist es zum Grundsatz geworden, über Alles zu schwatzen, wovon sie auch nicht eine Idee haben; wozu auch! Die große Menge, für die sie schreiben, versteht ja auch nichts davon, und besitzt zudem noch einen Straußen-Magen, der Alles verdaut.

Günstigere Resultate erzielt man, wenn man bei Anwendung von Brausepulver die Anfertigung des Getränkes in einer Flasche vornimmt; die Bestandtheile des Brausepulvers einzeln und zwar krystallisirt, also in größern Stücken hineinthut, schnell und gut verkorkt, und das Ganze längere Zeit ruhig stehen läßt.

Die Kohlensäure ist es auch, welche dem Trinkwasser das Belebende und Erfrischende verleiht. Auch hier entweicht sie, so wie überhaupt die Luft, bei längerem Stehen; die zahlreichen Bläschen [401] an der Mündung des Glases zeigen dies deutlich an. Der Geschmack ist nun merklich verändert; wir sagen, das Wasser schmeckt matt oder fade. Derselbe Vorgang findet in der Natur statt bei den Flüssen, je weiter sich das Wasser von der Quelle entfernt, und deshalb ziehen wir als Trinkwasser das Quellwasser dem Flußwasser vor. Der größere Gehalt an Kohlensäure in jenem macht es aber auch zugleich reichhaltiger an Kalksalzen, die eben durch die Kohlensäure in Auflösung erhalten werden, und dadurch wird es für andere Zwecke der Haushaltung weniger brauchbar. Durch die Kalksalze wird das Wasser hart, d. h. es besitzt nicht die Fähigkeit, Hülsenfrüchte weich zu kochen und Seife aufzulösen. Im ersteren Falle lagern sich die Kalktheilchen, die sich beim Kochen ausscheiden, weil hier die Kohlensäure, das Auflösungsmittel, entweicht, an den Früchten ab und hindert so das Weichwerden; in dem letzteren wird die Seife, die als fettsaure Natron- oder Kalisalze anzusehen ist, durch die Kohlensäure zerlegt. Es bilden sich hierbei fettsaure Kalksalze, die im Wasser unlöslich sind. Durch Kochen oder Stehenlassen kann man ein solches Wasser daher oft verbessern. Biere, die stark schäumen, hat man vor der Beendigung der Gährung auf Flaschen gefüllt; in diesen findet eine Nachgährung statt. Die hierbei sich entwickelnde Kohlensäure ist gefangen. Sie wird, da sie unter einem bedeutenden Druck steht, in das Bier hineingepreßt und entweicht aus diesem unter Aufbrausen und Schäumen, sobald man den Druck aufbebt, indem man den Korken lüftet. Ganz so ist es bei dem Champagner. Bairische Biere dagegen, die ihre ganze Eigenthümlichkeit einem besondern Gährungsverfahren verdanken, wobei die stickstoffhaltige Substanz, welche die Gährung bewirkt, ganz zersetzt und ausgeschieden wird, weshalb keine Nachgährung in den Flaschen stattfinden kann, enthalten nur sehr wenig Kohlensäure. Nichtsdestoweniger verlangt auch hier die Unwissenheit einen starken Schaum auf dem Glase, und um diesem unsinnigen Wunsch nachzukommen, hat man zu dem ekelhaften Spritzen seine Zuflucht genommen.