MKL1888:Wolff

Meyers Konversations-Lexikon
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Wolff. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 16, S. 724. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Wolff&oldid=- (Version vom 15.05.2016)

Wolff, 1) Kaspar Friedrich, Anatom und Physiolog, geb. 1733 zu Berlin, studierte daselbst und in Halle Medizin und promovierte 1759 mit der Dissertation „Theoria generationis“, durch welche er der Begründer der neuern Entwickelungsgeschichte (s. d.) wurde. Nachdem er im Siebenjährigen Krieg in den schlesischen Lazaretten thätig gewesen, folgte er 1766, da ihm in Berlin die Erlaubnis zu öffentlichen Vorlesungen über Physiologie verweigert wurde, einem Ruf an die Petersburger Akademie. Hier schrieb er „De formatione intestinorum“ (Petersb. 1768; deutsch von Meckel, Halle 1812). Viele andre Schriften befinden sich als Manuskript auf der Bibliothek der Petersburger Akademie. Er starb 1794 in Petersburg.

2) Pius Alexander, Schauspieler, geb. 3. Mai 1782 zu Augsburg, ward zum Geistlichen bestimmt, lernte dann in Berlin als Kaufmann, widmete sich aber später dem Theater und wurde 1803 in Weimar als Hofschauspieler angestellt. In den Rollen jugendlicher Helden oder ernster und tiefer Charaktere strebte er durch ideale Auffassung das Höchste zu erreichen; doch auch im Lustspiel war seine Darstellung ausgezeichnet durch lebensvollen Humor und feine Beobachtungsgabe. Goethe, dessen Lieblingsschüler W. war, sah in ihm den einzigen Menschen, der sich ganz von Grund auf nach seinem Sinn gebildet hatte. 1816 folgte W. einem Ruf an das königliche Theater zu Berlin. Er starb 28. Aug. 1828 in Weimar auf [725] der Rückreise von Ems. W. verfaßte auch das Lustspiel „Cäsario“, die Dramen: „Pflicht um Pflicht“, der „Kammerdiener“ etc.; das von Weber komponierte Singspiel „Preciosa“ u. a. – Seine Gattin Amalie, geborne Malcolmi, eine nicht minder ausgezeichnete dramatische Künstlerin, geb. 11. Dez. 1783 zu Leipzig, betrat die Bühne 1791 in Weimar, vermählte sich 1803 mit dem Schauspieler Becker und nach der Scheidung von diesem 1804 mit W., dessen Anleitung sie neben Goethes und Schillers Anweisungen die Ausbildung ihres seltenen Talents verdankt. Zu ihren Hauptrollen gehörten: Maria Stuart, die Fürstin in der „Braut von Messina“, Iphigenia, Klärchen, Leonore Sanvitale im „Tasso“ u. a. Seit 1844 der Bühne fern, starb sie 18. Aug. 1851 in Berlin. Vgl. Martersteig, P. A. Wolff (Leipz. 1879).

3) Oskar Ludwig Bernhard, Improvisator und Schriftsteller, geb. 26. Juli 1799 zu Altona von jüdischen Eltern, studierte in Berlin Medizin, dann in Kiel Geschichte und Philosophie. Als Lehrer in Hamburg sich in poetischen Improvisationen versuchend, fand er so viel Beifall, daß er sich dann auch auf Reisen in der damals in Deutschland noch völlig neuen Kunst produzierte. Goethe interessierte sich lebhaft für ihn, und durch seine Vermittelung erhielt W. 1826 eine Professur der neuern Sprachen am Gymnasium zu Weimar, die er 1832 mit der Professur der neuern Sprachen und Litteraturen zu Jena vertauschte. Er starb daselbst 16. Sept. 1851. Wolffs Entwickelung als Dichter blieb durch den improvisatorischen Zug seines Talents weit hinter den gehegten Erwartungen zurück; seine Dramen, Novellen u. a. waren gut angelegt, aber leicht und flüchtig ausgeführt. Hübsche Einzelheiten enthalten seine „Bilder und Lieder“ (Jena 1840) sowie „Träume und Schäume“ (Frankf. 1844); guter Humor waltet in der unter dem Pseudonym Plinius der jüngere veröffentlichten „Naturgeschichte des deutschen Studenten“ (Leipz. 1842, 2. Aufl. 1843) und dem Buch „Die kleinen Leiden des menschlichen Lebens“ (illustriert von Grandville, das. 1846). Von Wolffs zahlreichen litterarhistorischen Anthologien fanden der „Poetische Hausschatz des deutschen Volkes“ (Leipz. 1839; 26. Aufl., erneuert von Oltrogge, 1874) und der „Hausschatz deutscher Prosa“ (das. 1845, 11. Aufl. 1875) nachhaltigen Beifall. Eine trefflich angelegte, leider nicht ebenso gut ausgeführte „Geschichte des Romans“ (Jena 1841, 2. Aufl. 1850) zeugte für seine umfassende Belesenheit. Eine Sammlung seiner Romane und Novellen erschien unter dem Titel: „Schriften“ (Jena 1841–43, 14 Bdchn.).

4) Emil, Bildhauer, geb. 2. März 1802 zu Berlin, Schüler von G. Schadow, gewann 1821 durch ein Relief den akademischen Preis, was ihn in den Stand setzte, 1822 nach Rom zu gehen, wo er fortan blieb. In Wolffs Werken, welche sich an die klassische Richtung Thorwaldsens anschließen, spricht sich ein feiner Sinn für Schönheit der Form aus. Unter seinen Genrefiguren sind besonders ausgezeichnet: der Jäger als Vogelsteller und Jäger mit Hund, der Krieger, welcher sich die Beinschienen anlegt, der sitzende Fischer, die Hirtin und der Hirtenknabe, die Spinnerin, die Tamburinschlägerin; unter seinen mythologischen Darstellungen: Midas als Richter (Relief, 1825), das Marmorrelief der Charitas (1830), Telephos als Kind von der Hirschkuh gesäugt, die Gruppe von Hebe und Ganymed (1834), Thetis dem Achilleus die vom Vulkan geschmiedeten Waffen überbringend, die Jagdnymphe (1835), Diana nach beendigter Jagd auf den Bogen gestützt der Ruhe pflegend (1838), eine Amazonengruppe in Marmor, Prometheus mit dem himmlischen Feuer im Rohr (1844), die Marmorgruppe: Viktoria, den Jüngling in der Geschichte unterweisend (auf der Schloßbrücke in Berlin, 1846), die Marmorgruppe: Jephtha und seine Tochter (1858), Psyche nach Amors Flucht, Judith (1868, Berliner Nationalgalerie). Auch mehrere Büsten und Porträtstatuen berühmter Personen führte W. aus, so von Thorwaldsen, Winckelmann, Niebuhr, Palestrina. Er starb 29. Sept. 1879 in Rom.

5) Albert, Bildhauer, geb. 14. Nov. 1814 zu Neustrelitz, kam 1831 nach Berlin in Rauchs Werkstatt und wurde 1844 nach Carrara gesandt, um die Skulpturen für die oberste Terrasse von Sanssouci in Marmor auszuführen. Nach fast zweijährigem Aufenthalt in Italien zurückgekehrt, half er Rauch am Friedrichs-Denkmal und trat selbständig auf mit einer Porträtstatue der Gräfin Raczynska als Hygieia für einen Brunnen der Stadt Posen sowie mit einem Kruzifix mit Johannes und Maria in Marmor für die Kirche in Kamenz. Es folgten zunächst: die Reliefs am National-Kriegerdenkmal im Invalidenpark zu Berlin, eine der Gruppen auf der Schloßbrücke, der Krieger von Pallas in den Kampf geführt (1853), die Kolossalstatuen der vier Evangelisten für die neue Schloßkirche in Neustrelitz in gebranntem Thon. Für diese Art der Ausführung schuf W. außerdem eine Menge von Modellen, allegorische Statuetten, kleine Idealgestalten, monumentale Verzierungen etc., die weite Verbreitung fanden. Dahin gehören die allegorischen Figuren der Fakultäten für das Universitätsgebäude in Königsberg, die Kanzelfiguren für die Berliner Lukaskirche, die Statue Galileis u. a. für das Universitätsgebäude in Pest, die kolossale Statue Friedrich Wilhelms IV. für das Königsthor in Königsberg. Für Hannover schuf er das eherne Reiterstandbild des Königs Ernst August (1861 errichtet), für den Lustgarten in Berlin das mit mehreren Sockelfiguren versehene Reiterstandbild Friedrich Wilhelms III. Seine übrigen Hauptwerke sind: die Gruppe eines Löwenkämpfers in Erz, auf der einen Treppenwange des Museums in Berlin (s. Tafel „Bildhauerkunst VII“, Fig. 6), die Statue des Großherzogs Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin (in Ludwigslust), das Bronzerelief mit dem Einzug der siegreichen Truppen 1871, am Sockel der Siegessäule in Berlin, und die Marmorgruppe eines Bacchus mit Panther, in der Nationalgalerie zu Berlin. In seinen Werken folgt er den Überlieferungen der Rauchschen Schule bei vorwiegend idealistischer Auffassung. W. ist seit 1866 Professor an der Akademie der Künste in Berlin.

6) Wilhelm, Bildhauer, geb. 6. April 1816 zu Fehrbellin, kam, 14 Jahre alt, in die königliche Eisengießerei zu Berlin, besuchte dann das Gewerbeinstitut, lernte nebenbei bei Professor Wichmann modellieren und ward mit einem Staatsstipendium nach Paris geschickt, um sich in der Gießerei von Soyer auszubilden. Er verweilte dort zwei Jahre, dann noch anderthalb Jahre bei Stiglmaier in München und gründete hierauf in Berlin selbst eine Gießerei, aus welcher namentlich Tierfiguren nach seinen Modellen hervorgingen, die durch ihre freie, lebensvolle Behandlung die Aufmerksamkeit auf den jungen Künstler lenkten. Bald überließ W. die Gießerei seinem jüngern Bruder und wandte sich ausschließlich schöpferischer Thätigkeit zu, wobei er seine Stoffe mit Vorliebe dem Bereich der Tierwelt entnahm. Er hat eine große Zahl von dekorativen und monumentalen Tierfiguren und -Gruppen in ruhigen und bewegten [726] Stellungen geschaffen, unter denen die Gruppe einer Bulldogge mit ihren Jungen, die Adlerreliefmedaillons an den Postamenten der Schloßbrückengruppen in Berlin, der von den Hunden erfaßte Eber im Jagdschloß Grunewald, kolossale Hirsche für den Park zu Putbus, die Gruppe der sterbenden Löwin im Tiergarten zu Berlin und zwei Bernhardiner Hunde, einen im Schnee Verschütteten findend, die hervorragendsten sind. Von seinen übrigen Schöpfungen sind noch zu nennen: eine kolossale Erzbüste Herders für dessen Geburtsort, eine Marmorbüste J. S. Bachs für die Singakademie in Berlin, eine Büste Franz Kuglers, die Erzstatue der Kurfürstin Luise Henriette in Oranienburg und das Standbild Friedrichs d. Gr. für Liegnitz. Er starb 30. Mai 1887.

7) Emil von, Agrikulturchemiker, geb. 31. Aug. 1818 zu Flensburg, studierte 1838–43 in Kiel, Kopenhagen und Berlin Medizin, dann Naturwissenschaft, wurde Assistent am chemischen Laboratorium der Universität Halle, 1847 Dozent an der landwirtschaftlichen Lehranstalt zu Brösa in Sachsen und 1851 Vorstand der ersten landwirtschaftlichen Versuchsstation zu Möckern bei Leipzig. 1854 ging er als Professor an die forst- und landwirtschaftliche Akademie Hohenheim, wo er auch Vorstand der 1866 gegründeten Versuchsstation wurde. Er schrieb: „Die naturgesetzlichen Grundlagen des Ackerbaues“ (3. Aufl., Leipz. 1856); „Praktische Düngerlehre“ (11. Aufl., Berl. 1889); „Die landwirtschaftliche Fütterungslehre und die Theorie der menschlichen Ernährung“ (Stuttg. 1861); „Die rationelle Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere“ (5. Aufl., Berl. 1888); „Die Ernährung der landwirtschaftlichen Nutztiere“ (das. 1876); „Anleitung zur chemischen Untersuchung landwirtschaftlich wichtiger Stoffe“ (3. Aufl., das. 1875); „Aschenanalysen von landwirtschaftlichen Produkten etc.“ (das. 1871–80, 2 Bde.); „Grundlagen für die rationelle Fütterung des Pferdes“ (das. 1886; Fortsetzung als 3. Supplement der „Landwirtschaftlichen Jahrbücher“ 1888); auch gab er die 11. Auflage von Koppes „Unterricht im Ackerbau u. in der Viehzucht“ (Berl. 1885) heraus.

8) Auguste Désiré Bernard, Klavierspieler und Komponist, geb. 3. Mai 1821 zu Paris, erhielt seine Ausbildung am Konservatorium durch Zimmermann und Halévy, wurde 1842 daselbst als Lehrer angestellt und veröffentlichte um diese Zeit eine größere Zahl von Kompositionen für sein Instrument. 1850 übernahm er mit Camille Pleyel die Leitung der von dessen Vater begründeten Klavierfabrik und erhob sie, besonders nachdem ihm mit dem 1855 erfolgten Tod Pleyels die alleinige Führung zugefallen war, zu der hohen Vollkommenheitsstufe, welche sie gegenwärtig einnimmt. Auf diesem Gebiet bewährte sich Wolffs echt künstlerisches Naturell sowohl in den von ihm eingeführten Verbesserungen allgemeiner Art, denen die Instrumente der Firma Pleyel, Wolff u. Komp. ihre zunehmende Beliebtheit zu verdanken gehabt haben, als auch in einer Reihe von bemerkenswerten Erfindungen, darunter das harmonische Pedal, durch welches das vermittelst des Hauptpedals bewirkte Nachklingen der Töne auf eine bestimmte Harmonie beschränkt wird, nachdem der Spieler zuvor auf einer kleinen Nebenklaviatur im Umfang einer Oktave die betreffenden Tasten niedergedrückt hat. W. starb 9. Febr. 1887 in Paris.

9) Sir Henry Drummond, engl. Politiker, geb. 12. Okt. 1830, erzogen zu Malta, trat 1846 im Auswärtigen Amt in den Staatsdienst, wurde 1852 der Gesandtschaft zu Florenz und 1856 der in Brüssel attachiert. Im Februar 1858 ward er Privatsekretär des auswärtigen Ministers, Grafen Malmesbury, im November d. J. Privatsekretär des Kolonialministers Sir Bulwer Lytton. Von 1859 bis 1864 Sekretär des Gouverneurs der Ionischen Inseln, wurde er 1874 ins Unterhaus gewählt. Seit 1880 gehörte er daselbst zu der kleinen extrem konservativen, sogen. vierten Partei, die von ihm und Lord R. Churchill geführt ward. 1885 wurde er nach Ägypten geschickt, um eine Verfassung für das Land zu entwerfen, und schloß 1886 mit der Pforte einen Vertrag über Ägypten und dessen Räumung durch die Engländer ab, den der Sultan schließlich nicht genehmigte. Seit 1888 ist er britischer Gesandter in Persien. Er schrieb: „History of the Suez Canal“ (1876); „Residence of Napoleon in Elba“ u. a.

10) Adolf, Architekt, geb. 1832 zu Eßlingen, studierte am Stuttgarter Polytechnikum und arbeitete dann bei Professor Breymann in Stuttgart, wo er beim Bau der neuen Synagoge verwendet wurde. Breymann starb jedoch, als der Rohbau kaum zur Hälfte fertig war, und W. erhielt die Leitung des Baues, worauf er eine Studienreise durch Deutschland, Belgien und Frankreich antrat, dann sich in Italien und Paris länger aufhielt. 1863 wurde er zum Umbau des Stuttgarter Bahnhofs in die Heimat zurückberufen und hatte als Bauinspektor von 1863 bis 1870 an der Ausführung des Baues großen Anteil. 1870 siedelte er nach Nürnberg über, wo er mit der Erbauung der von ihm 1869 entworfenen neuen Synagoge betraut worden war, wurde 1872 zum Stadtbaurat in Nürnberg gewählt und 1873 in gleicher Eigenschaft nach Stuttgart berufen. In Nürnberg hat W. eine Reihe schöner Privathäuser, die Villa Falk am Dutzendteich etc., erbaut; in Stuttgart zeugen von seiner künstlerischen Tüchtigkeit wie von seinem praktischen Geschick neben vielen edel stilisierten Privatbauten mehrere neue Schulgebäude und die neue Kirche in der Vorstadt Heslach. Er hat auch die Synagogen zu Ulm, Heilbronn und Karlsbad (Böhmen) im maurischen Stil erbaut. Er starb 29. März 1885.

11) Julius, Dichter, geb. 16. Sept. 1834 zu Quedlinburg, studierte in Berlin Philosophie und Cameralia, übernahm dann, nachdem er sich auch technisch gehörig ausgebildet hatte, die Leitung eines größern gewerblichen Etablissements und gründete, von dieser zurückgetreten, 1869 die „Harzzeitung“, von deren Redaktion ihn 1870 der Ausbruch des Kriegs, den er als Landwehroffizier bis zu Ende mitmachte, abberief. Nach dem Krieg siedelte er nach Berlin über, wo er vorübergehend die „Illustrierte Frauenzeitung“ redigierte und noch jetzt als Schriftsteller lebt. Er veröffentlichte: „Aus dem Felde“, Kriegslieder (Berl. 1871); „Till Eulenspiegel redivivus“ (Detm. 1875; 7. Aufl., das. 1880) und die außerordentlich beifällig aufgenommenen kleinen Epen: „Der Rattenfänger von Hameln“ (das. 1876, 20. Aufl. 1883) und „Der wilde Jäger“, eine Weidmannsmär (das. 1877, 20. Aufl. 1883); einige Schauspiele: „Kambyses“, „Die Junggesellensteuer“ (das. 1877) und „Drohende Wolken“ (das. 1878), sowie „Tannhäuser“, ein Minnesang (das. 1881, 2 Bde.); „Singuf, Rattenfängerlieder“ (3. Aufl., das. 1884); „Der Sülfmeister“, Roman (4. Aufl., das. 1884, 2 Bde.); „Der Raubgraf“, Geschichte aus dem Harzgau (das. 1884); „Lurlei“, eine Romanze (das. 1888); „Das Recht der Hagestolzen“, Roman (das. 1888). Vgl. Ruhemann, J. W. und seine Dichtungen (Leipz. 1885).

12) Albert, franz. Schriftsteller, geb. 31. Dez. 1835 zu Köln, seit 1871 in Frankreich naturalisiert, [727] kam in jungen Jahren als Handlungslehrling nach Paris, bezog dann aber noch, da der Kaufmannsstand seinen Neigungen nicht zusagte, die Universität in Bonn, um seine Studien zu vollenden. Zugleich war er ein fleißiger Zeichner, so daß er eine „Humoristische Rheinreise“ mit selbst entworfenen Illustrationen veröffentlichen konnte. Nach verschiedenen schriftstellerischen Versuchen kehrte er nach Paris zurück, um für die Augsburger „Allgemeine Zeitung“ Berichte über die jährliche Kunstausstellung (den „Salon“) zu schreiben. Diese Reise war für sein ganzes Leben entscheidend. W. blieb in Paris, zunächst als Sekretär des ältern Dumas, und trat dann selbständig als französischer Journalist mit einem solchen Erfolg auf, daß seine leichten, geistreichen Plaudereien als die eines Vollblut-Parisers aufgenommen und geschätzt werden. Wolffs Artikel im „Figaro“, insbesondere seine Salonberichte wie seine Reisebriefe, erfreuen sich noch jetzt einer großen Beliebtheit. Für die Bühne hat er immer nur in Gemeinschaft mit andern gearbeitet, in den Jahren 1862 und 1863 mit H. Rochefort: „Un homme du Sud“ und „Les mystères de l’hôtel des ventes“, dann „Mémoires de Réséda“ (1865) mit Rochefort und Blum, „Les Thugs à Paris“ (1866) mit Grangé, „Fin courant“ und „Alouette“ (1868 und 1881) mit Gondinet; ebenso eine Reihe von Jahresrevuen, wie „Paris en action“ (1879), „Parfums de Paris“ (1880) mit Raoul Toché. In Buchform erschienen von ihm noch: „Mémoires du boulevard“ (2. Aufl. 1866); „Deux empereurs“ (1871); „Le Tyrol et la Carinthie“ (1872); „Mémoires d’un Parisien“ (1884 ff., bis jetzt 5 Bde.); „La capitale de l’art“ (1886). Vgl. Toudouze, A. W. (1883).