Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Jahn“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Jahn“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 9 (1887), Seite 133135
Mehr zum Thema bei
Wikisource-Logo
Wikisource: Jahn
Wiktionary-Logo
Wiktionary: Jahn
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Jahn. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 9, Seite 133–135. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Jahn (Version vom 11.04.2021)

[133] Jahn, 1) Friedrich Ludwig, der sogen. Turnvater, geb. 11. Aug. 1778 zu Lanz bei Wittenberge in der Priegnitz, besuchte, von seinem Vater, einem Prediger, vorgebildet, auch schon frühzeitig in körperlichen Fertigkeiten geübt, 1791–94 das Gymnasium zu Salzwedel, darauf kurz das zum Grauen Kloster in Berlin, studierte dann nach längern Wanderungen durch Deutschland 1796–1800 in Halle (wo er zeitweise wegen seiner Verfeindung mit den Landsmannschaften in einer Höhle bei Giebichenstein lebte), darauf in Jena und 1802 in Greifswald, wo er Arndt kennen lernte, und zwar nach seines Vaters Bestimmung Theologie, widmete sich aber bald zumeist sprachlichen Studien. Eine Frucht derselben ist seine damals mit Anerkennung aufgenommene Schrift „Bereicherung des hochdeutschen Sprachschatzes, versucht im Gebiete der Sinnverwandtschaft“ (Leipz. 1806). Vorher schon war von ihm unter dem Namen Höpffner eine Schrift: „Über die Beförderung des Patriotismus im Preußischen Reiche. Allen Preußen gewidmet“ (Halle 1800), erschienen. Nachdem er einige Zeit als Hauslehrer in Mecklenburg gelebt, ging er 1805 nach Göttingen, brach 1806 nach Ausbruch des Kriegs auf, um in das preußische Heer zu treten, erreichte es aber erst nach der Schlacht bei Jena und flüchtete mit versprengten Resten bis Lübeck, von dessen Einnahme er Zeuge war. Die nächsten Jahre verbrachte er teils unstet wandernd und den Haß gegen den Feind schürend, teils im Vaterhaus, wo er an seinem „Deutschen Volkstum“ (Lüb. 1810; wiederholt, Leipz. 1817) arbeitete, das zwar reich ist an absonderlichen und unausführbaren Vorschlägen, aber doch eindringlich die Lehre vom einigen Deutschland predigt und in der Erweckung nationaler Erziehung und eines volkstümlichen Heer- und Staatswesens die Rettung aus der Not der Gegenwart sieht. J. ließ es aber nicht bei den Worten. Nachdem er Ende 1809 nach Berlin gekommen und außer vorübergehender Lehrthätigkeit am Grauen Kloster an der Plamannschen Erziehungsanstalt eine Stelle gefunden, begann er im Sommer 1810 mit Knabenscharen ins Freie zu ziehen und Leibesübungen zu treiben. Mit dem Stamm derselben wurde im Frühjahr 1811 der erste Turnplatz („Turnen“ hatte J. diese Gymnastik genannt, anknüpfend an den Namen der alten Turniere, den er für einen echt deutschen hielt) in der Hasenheide eröffnet, wo bei sich mehrendem Zulauf der Jugend und steigender Aufmerksamkeit seitens der Erwachsenen die Übungen geregeltere Gestalt und durch Einführung von Geräten an Umfang gewannen. Zuweilen traten auch anstrengende Wanderungen an ihre Stelle. Unter Jahns Gehilfen, mit denen er dann auch in den Wintermonaten die Sache weiter förderte, steht obenan K. F. Friesen (s. d.). Wohl durfte der eigentliche Zweck dieser Übungen, die Erziehung zur Wehrhaftigkeit, nicht laut werden; aber die jugendlichen Gemüter ahnten, wie J. sagt, verschwiegen, was sie zu erstreben berufen waren. 1813 war J. der erste, welcher Berlin verließ und sich, noch vor des Königs Aufruf an sein Volk, in Breslau als Freiwilliger stellte, und von seinen Turnern zog mit ins Feld, wem es nur irgend Alter und Kräfte erlaubten (s. Eiselen 2). J. wurde einer der Werber der Lützowschen Freischar, bei der er dann als Volontäroffizier und (wie im Gefecht von Mölln) Kommandeur des 3. Bataillons stand; doch war auch während des Kriegs seine Thätigkeit mehr eine agitatorische. Nachdem er 1814 noch für einige Zeit der Generalkommission der deutschen Bewaffnungsangelegenheiten zugeteilt worden war, nahm er die Thätigkeit auf dem Berliner Turnplatz wieder auf. Als 1815 Napoleons Rückkehr die wehrhaften Turner wieder ins Feld gerufen hatte, wurde J. von Hardenberg, der ihn schon im Frühjahr nach Wien hatte kommen lassen, nach Paris beschieden, wo er besonders durch eine Rede, mit der er die Herabnahme des aus Venedig entführten Siegesgespanns begleitete, Aufsehen machte. Die folgenden Jahre waren außer seiner Beteiligung an der von ihm mit gegründeten „Berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache“ und Vorträgen über deutsches Volkstum hauptsächlich wieder der Pflege der Turnkunst gewidmet, und es erschien 1816 die von J. und seinem Schüler Eiselen gemeinsam herausgegebene „Deutsche Turnkunst“, den Bericht über die Entstehung der Sache, die bis dahin in den Gebrauch gekommenen Übungen und ihre Betriebsweise enthaltend (vgl. Turnkunst). Bei dem unbeschränkten Einfluß, den J. auf die sich ihm ergebende Jugend hatte, und bei der Rücksichtslosigkeit und Ungebundenheit seines Auftretens war es kein Wunder, daß die eintretende Reaktion ihren Verdacht auf J. und seine Sache in erster Linie lenkte. Im März 1819 wurde Jahns Turnplatz von der Regierung gesperrt und er selbst im Juli als des Demagogentums verdächtig verhaftet und von Festung zu Festung, zuletzt nach Kolberg geführt. Wenn auch das Breslauer, ihn auf einige unvorsichtige Äußerungen hin zu zweijähriger Festungsstrafe verurteilende Erkenntnis durch das Oberlandesgericht zu Frankfurt a. O. 1825 aufgehoben wurde (vgl. seine „Selbstverteidigung“, Leipz. 1863) und man ihm seinen 1814 bewilligten Gehalt beließ, so beschränkte doch die Regierung sein Aufenthaltsrecht und stellte ihn unter polizeiliche Aufsicht. Er lebte von 1825 bis 1828 in Freiburg a. d. Unstrut, später in Kölleda. Von schriftstellerischen Arbeiten erschienen von ihm noch unter andern: „Runenblätter“ (Frankf. 1814), „Neue Runenblätter“ (Naumb. 1828) und „Merke zum deutschen Volkstum“ (Hildburgh. 1833), worin einzelne Abschnitte des „Volkstums“ weiter ausgeführt wurden; dazu die Mitteilungen aus seinem Leben bis 1815 enthaltenden „Denknisse eines Deutschen, oder Fahrten des Alten im Bart“ (Schleusing. 1835) und „Leuwagen für Fr. Heinrich Leo“ (Leipz. 1837). Nach Friedrich Wilhelms IV. Regierungsantritt wurde J., der schon 1836 wieder nach Freiburg gezogen, außer polizeiliche Aufsicht gestellt, erhielt auch das ihm bis dahin vorenthaltene Eiserne Kreuz. Vorarbeiten zu einer Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs wie auch zu einer von ihm beabsichtigten Geschichte der Lützower Schar vernichtete eine 1838 bei ihm ausgebrochene Feuersbrunst, die seine Wohnung und Bibliothek in Asche legte. Den erlittenen Verlust deckte eine öffentliche Sammlung, die ihm auch ermöglichte, sich nun ein eignes Haus zu bauen. Trotzdem wußte er bald darauf [134] eine neue Sammlung für sich ins Werk zu setzen. Doch war auch sein Haus eine allezeit gastliche Stätte für turnerische und patriotische Freunde. 1848 wurde er von dem Wahlkreis seines Wohnorts in das deutsche Parlament gewählt; aber so sehr sich die Einheitsträume seiner besten Zeit jetzt verwirklichen zu können schienen, so wenig wußte er sich in die neue Zeit zu finden und gehörte nach stark radikalen Anwandlungen schließlich zu den konservativsten Elementen der Versammlung, in der er nur selten, z. B. zur Befürwortung des erblichen Kaisertums mit preußischer Spitze, das Wort ergriff. Er kehrte innerlich gebrochen und um einen guten Teil seiner Popularität, auch in turnerischen Kreisen, gebracht nach Freiburg zurück, wo er 15. Okt. 1852 starb. Wenn durch die Schwächen, die in den letzten Jahrzehnten seines Lebens mehr und mehr hervortraten, wie durch die ungefügen, oft an das Rohe und Renommistische streifenden Seiten seines Wesens überhaupt die Erinnerung an seine Persönlichkeit bei seinen Zeitgenossen sicher getrübt worden ist, so gilt es einmal zu bedenken, daß man ihn in der besten Zeit seines Schaffens von dem eigentlichen Boden desselben losgerissen und zu einem Leben verurteilt hat, das für einen Mann seines Schlags nur Müßiggang und selbstgefälliges Zehren von altem Ruhm bedeuten konnte, und ferner, daß ihn eine Zeit gereift hat, in der es not that, in bewußtem Gegensatz zu Überfeinerung und Verweichlichung ein gesundes, wehrhaftes Geschlecht heranzuziehen. Jahns großes patriotisches Verdienst kennzeichnet am besten der Ausspruch in einem Bericht der Bundestagskommission, daß er es sei, „der die höchst gefährliche Lehre von der Einheit Deutschlands aufgebracht“. Sein „Deutsches Volkstum“ und seine ganze Thätigkeit bis zu seiner Verhaftung gaben ihm allerdings das Recht, sich hieran ein wesentliches Verdienst zuzuschreiben, und wenn sein deutscher Patriotismus in einem stark entwickelten preußischen und dazu in entschiedenem Franzosenhaß seinen stärksten Rückhalt fand, so entspricht das doch nur dem Verlauf unsrer Einheitsbewegung. J. ist auch der eigentliche geistige Urheber der Burschenschaft. Auch seine Bemühungen um unsre Sprache sichern ihm, wenn ihnen auch die feste wissenschaftliche Grundlage fehlt, das Verdienst, die Ergiebigkeit der Mundarten für die Bereicherung der Schriftsprache erkannt und durch zahlreiche lebensfähige Wortschöpfungen, besonders auf dem Gebiet der Turnkunst, gezeigt zu haben. Auch erhebt sich seine Sprache trotz unverkennbarer selbstgefälliger Künstelei doch nicht selten, wie z. B. in den bekannten Worten auf Friesen, zu wahrhaft klassischer Schönheit. Die nachhaltigste Erinnerung sichert ihm die Turnkunst. Nicht nur, daß er durch Einführung von Geräten die Entwickelung einer großen Übungsmannigfaltigkeit anbahnte, so hat er durch den engen Zusammenhang, den er seinen turnerisch-erzieherischen Bestrebungen mit dem nationalen Gedanken und Bedürfnis zu wahren wußte, und durch die begeisternde Gewalt seiner Persönlichkeit dem Turnen erst seine bleibende Stätte in Deutschland gesichert, und mit Recht nennt man ihn so den „Turnvater“ und hat ihm als solchem 1872 auf dem Turnplatz in der Hasenheide ein Erzstandbild von Enckes Hand auf einem Steinhügel errichtet, zu dem Deutsche aus allen Gauen und selbst aus überseeischen Erdteilen Steinblöcke gesendet. Die 1863 gegründete und in Leipzig verwaltete Pensionskasse für Turnlehrer und deren Hinterbliebene nennt sich Jahn-Stiftung (vgl. „Turnzeitung“ 1866, Nr. 8). Jahns Werke wurden zum erstenmal gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Euler (Hof 1883–87, 2 Bde.). Sein Leben beschrieben Pröhle (Berl. 1855) und Euler (Stuttg. 1881, nur die Hauptzeit seines Wirkens bis 1819 eingehend behandelnd), in kürzerer Fassung Angerstein (das. 1861), Diesterweg (Frankf. 1864) und Rothenburg (Mind. 1871).

2) Heinrich Albert, Geschichts- und Altertumsforscher, geb. 9. Okt. 1811 zu Bern, war 1840–47 Unterbibliothekar der Stadtbibliothek daselbst, trat 1853 in den eidgenössischen Staatsdienst und bekleidete 1869–79 die Stelle eines Sekretärs im Departement des Innern. Er schrieb: „Der Kanton Bern“ (Bern u. Zür. 1850); die „Chronik des Kantons Bern“ (das. 1857); „Die keltischen Altertümer der Schweiz“ (Bern 1860); „Die Pfahlbaualtertümer von Moosseedorf“ (mit Uhlmann das. 1857); „Emmenthaler Altertümer und Sagen“ (das. 1865); „Bonaparte, Talleyrand et Stapfer“ (das. 1869); „Die Geschichte der Burgundionen“ (Halle 1874, 2 Bde.).

3) Otto, Archäolog, Philolog und Musikschriftsteller, geb. 16. Juni 1813 zu Kiel, besuchte das dortige Gymnasium, dann Schulpforta und widmete sich zuerst zu Kiel unter Nitzsch, dann in Leipzig unter Hermann, seit 1833 zu Berlin unter Lachmann und Gerhard philologischen und archäologischen Studien. Eine Reise durch Frankreich und Italien (1836–39) und ein längerer Aufenthalt in Rom führten ihn dem Studium der lateinischen Inschriftenkunde zu, als dessen Frucht später sein „Specimen epigraphicum in memoriam Kellermanni“ (Kiel 1842) erschien. Nach seiner Rückkehr 1839 habilitierte er sich zu Kiel, ging 1842 als außerordentlicher Professor der Archäologie und Philologie nach Greifswald und ward hier 1845 ordentlicher Professor. 1847 als Professor der Archäologie nach Leipzig berufen, gründete er hier eine Archäologische Gesellschaft und ward Direktor des archäologischen Museums. Wegen Beteiligung an den nationalen Bestrebungen der Jahre 1848 und 1849 ward er 1851 seines Amtes entsetzt, worauf er in Leipzig privatisierte. Im J. 1855 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor der Altertumswissenschaft und Direktor des akademischen Kunstmuseums nach Bonn, wo er auch die Übungen des archäologischen und von 1861 an in Gemeinschaft mit Ritschl die des philologischen Seminars leitete. 1867 wurde er an Gerhards Stelle nach Berlin berufen, starb aber, noch ehe er die neue Stelle angetreten, nach langem Siechtum 9. Sept. 1869 in Göttingen, wohin er zum Besuch seiner Freunde gereist war. Von seinen zahlreichen archäologischen Arbeiten, welche für die Archäologie durch feinsinnige Kritik und durch sein ausgebildetes Kunstgefühl epochemachend sind, heben wir hervor: „Telephos und Troilos“ (Kiel 1841); „Die Gemälde des Polygnot“ (das. 1841); „Pentheus und die Mänaden“ (das. 1842); „Paris und Oinone“ (Greifsw. 1845); „Die hellenische Kunst“ (das. 1846); „Peitho, die Göttin der Überredung“ (das. 1846); „Über einige Darstellungen des Parisurteils“ (Leipz. 1849); „Die Ficoronische Cista“ (das. 1852); „Beschreibung der Vasensammlung des Königs Ludwig“ (mit ausführlicher Einleitung über Vasenkunde, Münch. 1854); „Über den Aberglauben des bösen Blicks“ (1855); „Die Wandgemälde des Columbariums in der Villa Pamfili“ (das. 1857); „Der Tod der Sophonisbe“ (Bonn 1859); „Die Lauersforter Phalerä erläutert“ (das. 1860); „Darstellungen griechischer Dichter auf Vasenbildern“ (Leipz. 1861); „Römische Altertümer aus Vindonissa“ (Zürich 1862); „Über bemalte Vasen mit Goldschmuck“ (das. 1865); „Über Darstellungen des Handwerks und Handelsverkehrs“ (das. 1868) etc. Gesammelt sind dieselben zum [135] Teil in den „Archäologischen Aufsätzen“ (Greifsw. 1845) und in den „Archäologischen Beiträgen“ (Berl. 1847). Kritisch-philologische Arbeiten sind seine Ausgaben des Persius (Leipz. 1843; 2. Aufl. von Bücheler, Berl. 1886), Censorinus (das. 1845), Florus (Leipz. 1852), „Pausaniae descriptio arcis atheniensis“ (Bonn 1860, 2. Aufl. 1880), des „Brutus“ (das. 1849; 4. Aufl., Berl. 1877) und des „Orator“ von Cicero (das. 1851, 3. Aufl. 1869), des Juvenal (das. 1851 u. 1868), der „Periochae“ des Livius (Leipz. 1853), der „Psyche et Cupido“ des Apulejus (das. 1856, 3. Aufl. 1884), „Pausaniae descriptio arcis atheniensis“ (Bonn 1860), der „Electra“ des Sophokles (das. 1861, 3. Aufl. 1882), das „Symposion“ von Platon (das. 1864, 2. Aufl. 1875) und des Longinus (das. 1867). Von seinen Gelegenheitsschriften verdienen die Reden über Winckelmann (Greifsw. 1844) und Gottfr. Hermann (Leipz. 1849; beide mit andern Reden etc. abgedruckt in „Biographische Aufsätze“, das. 1866, 2. Aufl. 1867) sowie sein Aufsatz „Die Bedeutung und Stellung der Altertumsstudien in Deutschland“ (Berl. 1859) und die Schrift „Eduard Gerhard, eine Lebensskizze“ (das. 1868) Erwähnung. Gesammeltes und Neues enthält sein Buch „Aus der Altertumswissenschaft“ (Bonn 1868). Wertvolle Beiträge zur deutschen Litteraturgeschichte bilden die Abhandlung „Über Goethes Iphigenia“ (Greifsw. 1843), die Ausgabe von „Goethes Briefen an Leipziger Freunde“ (Leipz. 1849, 2. Aufl. 1867), denen sich die „Briefe der Frau Rat an ihre lieben Enkeleins“ (das. 1855) und „Goethes Briefe an Chr. Gottl. v. Voigt“ (das. 1868) anschlossen, sowie die Schrift „Ludwig Uhland“ (Bonn 1863). Als Früchte seiner musikalischen Studien sind besonders die Schrift „Über Mendelssohns Oratorium Paulus“ (Kiel 1842), der Klavierauszug der zweiten Bearbeitung von Beethovens „Leonore“, mit den Abweichungen der ersten und kritischer Einleitung (Leipz. 1851), die „Gesammelten Aufsätze über Musik“ (das. 1866), namentlich aber die Biographie Mozarts (das. 1856–60, 4 Bde.; 2. verkürzte Aufl., das. 1867, 2 Bde.), ein Meisterwerk der historisch-philologischen Methode und für die Musikgeschichte epochemachend, zu nennen. Aus Jahns Nachlaß gab sein Neffe Michaelis die „Griechischen Bilderchroniken“ (Bonn 1873) heraus. Vgl. A. Springer, Gedächtnisrede auf O. J. („Grenzboten“ 1869, Nr. 45).