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Meyers Konversations-Lexikon
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Dove. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 5, S. 96. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Dove&oldid=- (Version vom 03.04.2018)

Dove, 1) Heinrich Wilhelm, Physiker, geb. 6. Okt. 1803 zu Liegnitz, besuchte die dortige Ritterakademie und studierte seit 1821 in Breslau und Berlin Mathematik und Physik. Er habilitierte sich Ostern 1826 als Privatdozent zu Königsberg, ward 1828 außerordentlicher Professor daselbst und ging 1829 nach Berlin, wo er 1845 zum ordentlichen Professor befördert wurde. Er starb 4. April 1879 in Berlin. Doves Arbeiten beziehen sich auf alle Gebiete der Physik; mit Vorliebe aber hat er die Optik und die Lehre von der Elektrizität durch geistvolle Untersuchungen und die Konstruktion wichtiger Instrumente und Apparate gefördert. Sein Hauptverdienst beruht aber in der streng wissenschaftlichen Begründung, welche er der Meteorologie gegeben hat. Das von ihm aufgestellte Drehungsgesetz der Winde galt lange als allgemeine Windtheorie und trug wesentlich zur Förderung der Meteorologie bei. D. war seit 1848 Direktor des 1846 gegründeten königlichen Meteorologischen Instituts, welches eine Abteilung des Statistischen Büreaus bildet, und von welchem über 80 Stationen ressortieren. Er schrieb: „Über Maß und Messen“ (2. Aufl., Berl. 1835); „Untersuchungen im Gebiet der Induktionselektrizität“ (das. 1843); „Wirkungen aus der Ferne“ (das. 1845); „Über Elektrizität“ (das. 1848); „Darstellung der Farbenlehre“ (das. 1853); „Optische Studien“ (das. 1859); „Anwendung des Stereoskops, um falsches von echtem Papiergeld zu [97] unterscheiden“ (das. 1859); „Der Kreislauf des Wassers“ (2. Aufl., das. 1874); „Gedächtnisrede auf A. v. Humboldt“ (das. 1869). Unter seinen meteorologischen Arbeiten sind hervorzuheben: „Meteorologische Untersuchungen“ (Berl. 1837); „Über die nicht periodischen Änderungen der Temperaturverteilung auf der Oberfläche der Erde 1729–1855“ (das. 1840–1859, 6 Tle.); „Die Witterungsverhältnisse von Berlin“ (das. 1842, 2. Aufl. 1852); „Über den Zusammenhang der Wärmeveränderung der Atmosphäre mit der Entwickelung der Pflanzen“ (das. 1846); „Temperaturtafeln“ (das. 1848); „Bericht über die 1848 und 1849 auf den Stationen des Meteorologischen Instituts im preußischen Staat angestellten Beobachtungen“ (das. 1851); „Monatsisothermen“ (das. 1850); „Die Verbreitung der Wärme auf der Oberfläche der Erde“ (2. Aufl., das. 1852); „Die Witterungsgeschichte des letzten Jahrzehnts 1840–50“ (das. 1853); „Die Verbreitung der Wärme in der nördlichen Hemisphäre“ (das. 1855); „Die täglichen Veränderungen der Temperatur“ (das. 1846 u. 1856); „Die Rückfälle der Kälte im Mai“ (das. 1857); „Klimatologische Beiträge“ (das. 1857–69, 2 Tle.); „Monats- und Jahresisothermen in der Polarprojektion“ (das. 1864); „Darstellung der Wärmeerscheinungen durch fünftägige Mittel“ (das. 1856–69, 3 Tle.); „Die Witterungserscheinungen des nördlichen Deutschland 1858–63“ (das. 1864); „Die Stürme der gemäßigten Zone mit besonderer Berücksichtigung der Stürme des Winters 1862–63“ (das. 1863); „Das Gesetz der Stürme“ (das. 1857; 4. Aufl., das. 1874); „Über Eiszeit, Fön und Scirocco“ (das. 1867) nebst Nachtrag: „Der Schweizer Fön“ (das. 1868); „Monatliche Mittel der Jahrgänge 1864, 1865 und 1866 für Druck, Temperatur, Feuchtigkeit etc. sämtlicher mit dem Meteorologischen Institut zu Berlin vereinigter deutscher Stationen“, in der „Preußischen Statistik“ (1867–1873 jährlich); „Über die mittlere und absolute Veränderlichkeit der Temperatur der Atmosphäre“ (das. 1867); „Klimatologie von Norddeutschland“ (das. 1868 bis 1872, 2 Tle.) Die Resultate der meteorologischen Beobachtungen sind in der „Zeitschrift des preußischen Statistischen Büreaus“ niedergelegt. Ein großes Verdienst erwarb sich D. auch durch Herausgabe des „Repertoriums der Physik“ (Berl. 1837–49, 8 Bde.).

2) Richard Wilhelm, ausgezeichneter Kirchenrechtslehrer, Sohn des vorigen, geb. 27. Febr. 1833 zu Berlin, studierte daselbst 1851–55 die Rechte, promovierte 1855 mit der Dissertation „De jurisdictionis ecclesiasticae apud Germanos Gallosque progressu“ (Berl. 1855), arbeitete dann als Auskultator und 1857–60 als Referendar bei dem Kammergericht und habilitierte sich 1859 an der Universität als Privatdozent. Im J. 1862 wurde er in Tübingen außerordentlicher, 1863 ordentlicher Professor der Rechte und Mitglied des Spruchkollegiums. 1865 ging er in gleicher Eigenschaft nach Kiel, von wo er 1868 einem Ruf als ordentlicher Professor und außerordentliches Mitglied des hannöverschen Landeskonsistoriums nach Göttingen folgte. 1873 wurde er zum Mitglied des preußischen Gerichtshofs für kirchliche Angelegenheiten ernannt. Noch als Privatdozent schuf er 1860 in der „Zeitschrift für Kirchenrecht“ ein Organ für das evangelische Kirchenrecht und für die Behandlung des katholischen Kirchenrechts vom nicht ultramontanen Standpunkt, worin er die Rechte des Staats gegenüber der Kirche kräftig vertrat. Außerdem verfaßte er eine „Sammlung der wichtigern neuen Kirchenordnungen, Kirchenverfassungsgesetze etc. des evangelischen Deutschlands“ (Tübing. 1865) und bearbeitete von Richters „Lehrbuch des Kirchenrechts“ die 6. und 7. Auflage (Leipz. 1865–67 u. 1871–74) sowie die ersten fünf Lieferungen der 8. Auflage (das. 1877–82).

3) Alfred Wilhelm, Bruder des vorigen, geb. 4. April 1844 zu Berlin, studierte 1861–66 in Heidelberg und Berlin zuerst Medizin und Naturwissenschaften, dann Geschichte, wurde 1873 in Leipzig Privatdozent und redigierte daselbst die Zeitschrift „Im neuen Reich“. 1874 ward er Professor in Breslau und 1884 zu Bonn. Durch seine Schriften: „Die Doppelchronik von Reggio und die Quellen Salimbenes“ (Leipz. 1873), „Die Forsters und die Humboldts“ (das. 1881) und „Deutsche Geschichte im Zeitalter Friedrichs d. Gr. und Josephs II.“ (Gotha 1883) erwarb er sich den Ruf eines geistreichen und gründlichen Historikers.


Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl.
Jahres-Supplement 1890–1891
Band 18, Seite 206
korrigiert

[206] Dove, 3) Alfred Wilhelm, Geschichtsforscher, legte seine Professur an der Universität zu Bonn nieder, um 1. April 1891 die Leitung der wissenschaftlichen Beilage der „Allgemeinen Zeitung“ zu München zu übernehmen.