Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
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Band 3 (1886), Seite 459463
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Bronze. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 3, Seite 459–463. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Bronze (Version vom 15.04.2022)

[459] Bronze (franz., spr. brongs’, verdeutscht: bróngsse), Legierungen des Kupfers mit Zinn oder mit Zinn und Zink und etwas Blei. Die antike B., eine Kupferzinnlegierung, wurde schon in den frühsten Zeiten dargestellt; sie enthält bisweilen auch Blei und als zufällige Beimischungen oder Verunreinigungen Zink, Eisen und ein wenig Silber. Alte indische Bronzen enthalten bis 8 Proz. Eisen und altjapanische Silber und Gold. Legierungen, in denen Zink einen wesentlichen Bestandteil bildet, kamen erst später auf, werden aber schon von Aristoteles erwähnt. Unsre moderne B., vielfach zu Bildsäulen, Büsten, Ornamenten, Luxusgeräten etc. benutzt, besteht aus Kupfer und Zink mit einem Zusatz von Zinn und Blei; doch kommt auch ein kupferreiches Messing, also reine Kupferzinklegierung, im Handel als B. vor und eine Kupferaluminiumlegierung als Aluminiumbronze. Die echte B. oder Kupferzinnlegierung wird gegenwärtig fast nur zu Gußwaren, besonders zu Glocken, Geschützen, Metallspiegeln, Münzen, Medaillen und gewissen Maschinenteilen, benutzt. Diese Legierungen sind dichter, härter, politurfähiger, klingender, schmelzbarer und geeigneter zum Guß als reines Kupfer. Das spezifische Gewicht schwankt zwischen 8,87 (bei 86,2 Proz. Kupfer) und 7,39 (bei 21 Proz. Kupfer). Die absolute Festigkeit ist gering, die Legierung mit 9,1 Proz. Zinn (Kanonengut) ist die stärkste und festeste von allen, die Dehnbarkeit nimmt mit dem Kupfergehalt ab. Die Härte wächst mit dem Zusatz von Zinn, und eine Legierung mit 27,2 Proz. Zinn läßt sich nur schwer mit der Feile bearbeiten; die Sprödigkeit steigt mit dem Zinngehalt bis zu einem Gehalt von 50 Proz. Taucht man B. glühend in Wasser, so verliert sie an Dichtigkeit und Härte, wird hämmerbar, biegsam, zuweilen zäh, außerdem dunkler und erhält einen bedeutend tiefern Klang. Durch abermaliges Erhitzen und langsames Abkühlen erhalten die angelassenen Sachen ihre frühere Härte wieder. Die B. ist mit 99–90 Proz. Kupfer kupferrot oder dunkel rotgelb, mit 88 Proz. orangegelb, mit 85 Proz. rein gelb, mit 80 Proz. gelblichweiß, von da an weiß, bei 50–35 Proz. grauweiß, bei noch geringerm Kupfergehalt wieder weiß und zinnähnlich. Beim Erstarren scheiden sich aus den kupferreichen Bronzen leicht zinnärmere strengflüssige von zinnreichern leichtflüssigen, unter der Lupe kann man oft an einem Gußstück beide Legierungen deutlich unterscheiden. Man muß auf dies Verhalten beim Guß der Bronzewaren und namentlich der Geschütze Rücksicht nehmen. Legierungen mit 67,7, mit 50 und 33,3 Proz. Kupfer sollen stets homogen bleiben. Zusatz von Blei macht B. leichtflüssiger, zäher, leichter feil- und drehbar, befördert aber auch die Ausscheidung des Kupfers; durch einen kleinen Eisengehalt wird B. härter, zäher und weniger zur Blasenbildung geneigt, mehr als 2 Proz. Eisen [460] wirkt aber nachteilig. Ähnlich verhält sich ein Zusatz von 2 Proz. Zink, größerer Zinkgehalt erhöht die Farbe und nähert die B. dem Messing. Über den Einfluß des Mangans auf die B. s. Manganlegierungen. Am meisten wird die B. durch einen Zusatz von Phosphor beeinflußt (s. unten). Man unterscheidet folgende Bronzearten: Glockenmetall (Glockengut, Glockenspeise) besteht durchschnittlich aus 78–80 Proz. Kupfer und 22–20 Proz. Zinn, gewöhnliche Glockenspeise aus 60 Proz. Kupfer und 40 Proz. Zinn, das Metall der Gons und deutschen Becken aus 78 Kupfer und 22 Zinn, das der türkischen Becken aus 78,55 Kupfer, 20,28 Zinn, 0,54 Blei und 0,18 Eisen. Diese Legierung ist hart, fest, spröde, auf der Drehbank nicht zu bearbeiten, vom spez. Gew. 8,368. Kanonenmetall (Kanonengut, Geschützmetall, Stückgut) besteht aus 90,9 Kupfer und 9,1 Zinn (preußische Geschütze) oder aus 90,1 Kupfer und 9,9 Zinn (französische Geschütze), auch schwankt der Zinngehalt zwischen 8,25 und 10,7 Proz. Das Kanonengut muß große Elastizität, Zähigkeit, Härte und chemische Beständigkeit besitzen. Es zeigt große Neigung, sich beim Guß zu entmischen, und die Geschützgießerei erfordert daher besondere Vorsichtsmaßregeln. Einen großen Fortschritt auf diesem Gebiet bezeichnet die Stahlbronze von Uchatius. Dieselbe wird in Koquillen gegossen, ist sehr schön goldfarbig, homogen und erlangt, wenn man sie durch Walzen kalt streckt, die Festigkeit, Elastizität und Härte des Stahls. Durch ein eigentümliches Verfahren erhält auch die Wandung der Seele bei den Geschützen aus dieser B. stahlartige Beschaffenheit, und die Widerstandskraft des Materials wird vollständig ausgenutzt. Bronzen zu Münzen und Medaillen enthalten 5–12 Proz. Zinn, die englische oft ein wenig Blei oder Zink, französische meist 5 Proz. Zinn. Der beträchtlichen Härte und schweren Oxydierbarkeit dieser B. verdanken wir die Erhaltung der antiken Münzen. Spiegelmetall enthält etwa 30 Proz. Zinn, oft auch Zink, Arsen, Silber, Nickel. So besteht das Metall zu Teleskopspiegeln aus 68,82 Kupfer und 31,18 Zinn, zu Hohlspiegeln aus 69 Kupfer und 28,7 Zinn, ein andres Spiegelmetall aus 65 Kupfer, 38,8 Zinn, 2,2 Zink und 1,9 Arsen. Das Arsen macht die Legierung dichter und fester und erhöht das Vermögen, das Licht zu reflektieren. Das Spiegelmetall zeichnet sich durch weiße Farbe und höchste Politurfähigkeit aus. Für Maschinenteile ist B. im allgemeinen wenig geeignet, jedenfalls sind nur Legierungen mit mehr als 80 oder weniger als 10 Proz. Kupfer brauchbar, und immerhin bleiben solche Legierungen sehr teuer, also nur für spezielle Zwecke verwendbar. Vorteilhaft hat man B. zu Schiffsbeschlägen benutzt, da z. B. eine Legierung mit 3 Proz. Zinn der Salzsäure und dem Meerwasser viel besser widersteht als Kupfer und auch von äußern Ansätzen frei zu bleiben pflegt. Erwähnenswert sind schließlich:

  Kupfer Zinn Zink Blei
Bronze zu Bijouterien, goldähnlich 54,9 41,2 3,9
   zu Schmucksachen 91,0 2,0 6,0 1
   für zu vergoldende Arbeit 58,3 16,7 25,3
Der Witterung widerstehende Bronze 89,0 8,5 1,5

Die moderne B. (bronzeartiges Messing) besteht aus Kupfer und Zink mit untergeordneten Beimengungen von Zinn und Blei und steht in ihren Eigenschaften zwischen Messing und B.; sie enthält selten unter 80 Proz. Kupfer und ist um so fester, hämmerbarer, dehnbarer und schöner gefärbt, je mehr das Kupfer vorherrscht. Sie muß in geschmolzenem Zustand dünnflüssig sein, um die Form gut zu füllen, sich leicht ziselieren lassen (was durch einen Bleigehalt begünstigt wird) und sich mit schöner Patina bedecken. Als Normalbronze kann man annehmen: 86,6 Kupfer, 6,6 Zinn, 3,3 Blei und 3,3 Zink. Einige Beispiele von der Zusammensetzung moderner Statuenbronze gibt folgende Tabelle:

  Kupfer Zink Zinn Blei
Friedrich Wilhelm IV. in Köln 89,55 7,46 2,99
Löwenkämpfer in Berlin 88,88 9,72 1,40
Amazone in Berlin 90,00 6,00 4,00 1
Blücher in Berlin 90,10 5,30 4,60
Friedrich II. in Berlin 88,30 9,50 1,40 0,7
Großer Kurfürst in Berlin 89,09 1,64 5,82 2,62
87,91 1,38 7,45 2,65

Analysen von Bildsäulen, welche sich durch schöne grüne Patina auszeichnen, ergaben folgende Resultate:

  Kupfer Zink Zinn Blei Eisen Nickel
Schäfer am Teich in Potsdam 89,20 1,12 8,86 0,51 0,18
Bronze aus dem 16. Jahrh. 89,43 8,17 1,05 0,34 0,19
Diana in München 77,03 19,12 0,91 2,29 0,12 0,43
Mars und Venus in München von 1585 94,12 0,30 4,77 0,67 0,48

Zu dem bronzeartigen Messing gehören auch die Kupferscheidemünzen, welche in Frankreich, Schweden, Großbritannien, Spanien, Rußland, Norwegen, Griechenland, Serbien, Rumänien aus 95 Kupfer, 3,5 Zinn und 1,5 Zink, in Dänemark aus 90 Kupfer, 5 Zinn und 5 Zink, im Deutschen Reich aus 95 Kupfer, 4 Zinn und 1 Zink bestehen. Vorzügliche Eigenschaften besitzt die Phosphorbronze, eine von Künzel angegebene Legierung aus etwa 90 Kupfer, 9 Zinn und 0,5–0,75 Phosphor, welch letzterer in Form von Phosphorkupfer oder Phosphorzinn eingeführt wird und zunächst eine vollständige Reduktion der in der B. gelösten Oxyde bewirkt. Jedenfalls wird durch den Phosphorgehalt die Homogenität der B. und damit ihre Verwendbarkeit ganz bedeutend erhöht. Auch wird der Farbenton, sobald der Phosphorgehalt 0,5 Proz. übersteigt, wärmer, dem des stark mit Kupfer legierten Goldes ähnlicher; das Korn des Bruches nähert sich dem des Stahls, Elastizität, absolute Festigkeit und Härte werden bedeutend erhöht, das geschmolzene Metall ist sehr dünnflüssig und füllt die Form in ihren feinsten Details vollständig aus. Die Phosphorbronze läßt sich sehr gut walzen und stanzen, und durch zweckmäßige Abänderung der relativen Gewichtsverhältnisse ihrer Bestandteile kann man ihre Eigenschaften beliebig ändern und sie für die Benutzung zu verschiedenen Zwecken besonders geeignet machen. Man benutzt sie zu Geschützen, Patronenhülsen, Gewehrverschlüssen und Gewehrläufen, zu Getrieben, welche heftigen Stößen ausgesetzt sind, zu Zapfenlagern, Hochofenformen etc. Sehr geeignet ist die Phosphorbronze auch zu Pumpen aller Art und besonders zu hydraulischen Pressen. Für Dampfkolbenliderung bietet sie den Vorteil, daß sie sehr elastisch ist und auf Gußeisen nur geringe Reibung gibt. Bleche und Nägel aus Phosphorbronze haben sich bei Schiffsbeschlägen sehr gut bewährt. Auch Dampfschiffschrauben und Geräte für Pulverfabriken sowie Förderseile für Gruben und in Amerika Telegraphendrähte sind aus Phosphorbronze hergestellt worden. In der belgischen [461] Armee dient sie zu Schnallen am Sattelzeug. Vgl. Bischoff, Das Kupfer und seine Legierungen (Berl. 1865); Müller, Die Bronzefabrikation (Wien 1877); Künzel, Die Bronzelegierungen und ihre Verwendung für Geschützrohre u. technische Zwecke (Dresd. 1875); Uchatius, Über Stahlbronze (Wien 1873).

Die Bronzekunstindustrie.
(Hierzu Tafel „Moderne Bronzekunstindustrie“.)

Der Gebrauch der B. ist uralt, wenn auch immer einer spätern Periode angehörig als die erste Benutzung von Gold, Silber, Kupfer und Zinn. Die Herstellung der B. erfordert schon mannigfache Erfahrungen, und das Vorkommen von Bronzearbeiten kennzeichnet daher stets eine höhere Bildungsstufe. So konnte die B. einer eignen Epoche des Kulturlebens der Menschen ihren Namen verleihen (s. Metallzeit), und diese Epoche kennzeichnet sich durch ein gewisses künstlerisches Streben, welches durch die wertvollen Eigenschaften der B. sehr begünstigt wurde. Die B. ist in diesem Sinn ein wesentliches Bildungsmaterial für die Menschheit gewesen, und nur da, wo wir in dem Entwickelungsgang einer Nation die Bronzearbeit als eine Zwischenstufe eingeschaltet finden, zeigt sich auch jene Vollendung in allen übrigen Künsten und Gewerben, zu deren Hervorrufung selbst reichhaltige Hilfsmittel andrer Art nicht genügt hätten. Die Verarbeitung der B. zu Kunstgegenständen im engern Sinn mittels des Gusses reicht ebenfalls bis in die ältesten Zeiten hinauf. Der Bronzeguß wurde von Assyrern, Chinesen, Babyloniern, Indern, Persern und Ägyptern betrieben, erfuhr aber erst seine höchste Ausbildung in Griechenland, wo man seit der Mitte des 5. Jahrh. v. Chr. Statuen in Einem Guß auszuführen begann. Die B. von Korinth, Delos und Ägina war im Altertum am meisten geschätzt. Trotz der häufigen Plünderungen, welchen die Hauptkulturstätten des Altertums ausgesetzt gewesen sind, haben die Ausgrabungen noch eine ungeheure Menge ägyptischer und griechischer Bronzefiguren, meist kleiner, zu Tage gefördert. Unter den erhaltenen großen sind die berühmtesten die Statue Mark Aurels, der Dornauszieher und Septimius Severus in Rom, die beiden Ringer und der schlafende Satyr in Neapel und der betende Knabe in Berlin. Die B. blieb auch während des ganzen Mittelalters im Dienste der bildenden und dekorativen Kunst. Von größerer Bedeutung wurde sie jedoch erst wieder mit dem Beginn der Renaissancezeit in Italien, wo namentlich Florenz der Mittelpunkt des Kunstbronzegusses durch die Thätigkeit von Ghiberti, Andrea del Verrocchio und Benvenuto Cellini wurde. (S. auch Bildhauerkunst, besonders S. 942.)

In noch höherm Grad findet heute die B. zu allerlei Kunstgegenständen vielfache Verwendung, und namentlich in Frankreich, beinahe ausschließlich in Paris, wird der Bronzeguß auf Grund alter Traditionen in großem Umfang fabrikmäßig betrieben. Der Nationalwohlstand und ein für künstlerische Dinge empfängliches Auge sind der Entwickelung dieses Zweigs des Kunstgewerbes von vornherein zu statten gekommen. Während in Deutschland sich jetzt erst in den gebildetern Ständen allmählich ein Verständnis für bronzenen Hausrat und seine Vorzüge gegenüber den Surrogaten bemerkbar macht und sofort auch der Industrie zu gute gekommen ist, weiß man in den weitesten Schichten der Bevölkerung Frankreichs den Wert der B. sehr wohl zu würdigen. Die Überlegenheit der französischen Bronzeindustrie über diejenige aller andern Länder beruht nächst der durch die Nachfrage bedingten Produktion auf der Förderung des Bronzegusses durch den Staat. In keinem Land werden so viel figürliche Bronzen erzeugt wie in Frankreich, in keinem Land wird bei öffentlichen Bauten die Bronzeindustrie in dem Maß herangezogen wie dort. Diese großen vom Staat gestellten Aufgaben haben es ermöglicht, ein künstlerisch geschultes, manuell geschicktes, mit den künstlerischen Formen vertrautes Personal heranzubilden. Die französischen Fabrikanten experimentieren nicht in verschiedenen Stilarten; sie haben ihren Stil Henri II und die Formen der französischen Renaissance, deren einzelne Phasen nach den Regenten genannt werden (s. Tafel, Fig. 1, 5, 8, 10 u. 14). Den ornamentalen zierlichen Formen jener Zeit, die für unsern Geschmack häufig zu zierlich erscheinen, oft auch wirklich nicht unter Beobachtung des richtigen Maßstabes Verwendung finden, entsprechen eine ganze Reihe speziell in Frankreich gebräuchlicher, durch dortige Wohnungsverhältnisse bedingter Geräte. Zunächst die Kamingarnituren, welche in keinem besser situierten Haus fehlen und seit langem eine reiche Ausbildung erfahren haben; ferner ist ein unentbehrliches Requisit der französischen Wohnung der Spiegel, dessen Umrahmung vielfach aus B. besteht. Ein sehr reiches, Deutschland gänzlich unbekanntes Gebiet sind die bronzenen Möbelbeschläge, auf deren sorgfältige Ausführung man ein besonderes Gewicht legt. Neben diesem von den Franzosen selbst als „pariserisch“ bezeichneten Bronzestil trat seit 1878 der Einfluß der japanischen Kunst hervor, der so mächtig geworden ist, daß die großen Fabrikanten geradezu in zwei Stilarten arbeiten: im Pariser und japanischen. Dieser Einfluß von Japan ist der überaus großen Geschicklichkeit der Japaner, die Metalle farbig zu behandeln, zuzuschreiben. Die Japaner sind auf dem Gebiet der Bronzearbeit die größten Meister der Welt; in der künstlerischen Behandlung dieses edlen Metalles kommt ihnen keine Nation gleich. Zunächst hat das Färben der Metalle, meist nur ihrer Oberfläche, in Europa von jeher große Schwierigkeiten gehabt; erst durch die genauere Kenntnis der japanischen Metallarbeiten und Erkenntnis ihrer Herstellung sind auch in Europa angestellte bezügliche Versuche von Erfolg gekrönt gewesen. Namentlich den Werkstätten von Christofle u. Komp. und Barbédienne ist es gelungen, die B. vom tiefsten Schwarz bis zum lichten Silber und Gold abzutönen. Damit hängen eng zusammen die Wiederaufnahme und mannigfache Verwendung der Tauschierung, des Niellos und des Emails auf B. Christofle ist es gelungen, das berühmte Mokumé der Japaner nachzuahmen, welches unter der Bezeichnung métaux forgés in den Handel kommt. Dieses Mokumé ist eine Verbindung von verschiedenen Metallen, hauptsächlich Gold, Silber, Kupfer und Eisen, in verschiedenem Verhältnis derart, daß sich dieselben nicht vermischen, jedes also selbständig patiniert, sei es durch natürlichen Prozeß oder durch künstliche Mittel. Das Mokumé hat das Aussehen von gemasertem Holz oder Leopardenfell, der Grundton ist meist braun; die kostspielige Herstellung gestattet seine Verwendung nur zu kleinen Luxusgeräten, zu deren Dekoration man die Verzierungsweise der Japaner benutzt. Einige Firmen haben sich eine klassisch-antike Richtung gewahrt, zum Teil unter dem Einfluß der römischen Silberarbeiten aus den Funden von Hildesheim und Bernay.

In Österreich stehen die Anfänge einer Bronzewarenindustrie in engstem Zusammenhang mit der Gründung des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie. Wie der ganzen kunstgewerblichen

[Ξ]

Moderne Bronze-Kunstindustrie.
1. Standuhr im Stile Heinrichs II. (Französisch). – 2. Blumenbecken mit Majolikakörper (O. Schulz in Berlin). – 3. Kanne mit Teller (Stotz in Stuttgart). – 4. Kronleuchter (Kramme in Berlin). – 5. Schreibzeug im Stile Ludwigs XIII. (Französisch). – 6. Siegel (O. Schulz in Berlin). – 7. Uhr (O. Schulz in Berlin). – 8. Armleuchter im Stile Ludwigs XIV. (Französisch). – 9. Lampe (Stotz in Stuttgart). – 10. Armleuchter im Stile Ludwigs XIV. (Französisch). – 11. Kaminvorsetzer (Stotz in Stuttgart). – 12. Bowle (O. Schulz in Berlin). – 13. Armleuchter mit Löwen aus Majolika (O. Schulz in Berlin). – 14. Kaminvase mit Marmoreinsätzen (Französisch). – 15. Standleuchter (Kramme in Berlin).

[462] Bewegung in Österreich von vornherein klar und deutlich die Wege vorgezeichnet waren, so auch der Bronzewarenindustrie: sie hatte sich an die Formen der italienischen Früh- und deutschen Renaissance des 16. Jahrh. zu halten. Auch hier suchten zunächst das Kaiserhaus, Staat und Stadt durch reichliche und umfangreiche Bestellungen dem jungen Handwerk unter die Arme zu greifen. An ihnen hat sich eine große Anzahl Künstler und Handwerker gebildet. Die Wiener Bronzewarenindustrie erzeugt im wesentlichen kleinere Gebrauchsgeräte aller Art, vorwiegend Schreibgarnituren, Leuchter, Kassetten etc. Ein Haupterzeugnis der Wiener Industrie sind Kronleuchter, deren vortreffliche Konstruktion, Gestaltung, verständige Ornamentation, überhaupt richtige Durchbildung schnell allgemeine Anerkennung und weiteste Verbreitung gefunden und sich gesichert haben. Der mit dem Österreichischen Museum verbundenen chemisch-technischen Versuchsanstalt ist es gelungen, eine Anzahl Verfahren zu erfinden, welche die alten kostspieligen Prozesse der farbigen Metalldekoration auf ungleich billigerm Weg herzustellen ermöglichen. Namentlich Arbeiten mit nachgeahmten Tauschierungen bilden heute einen Hauptexportartikel der Wiener Industrie. Gleiche Sorgfalt wandte man dem Email, namentlich dem gemalten und sogen. Venezianer, zu; ferner ward das kalte Email, welches sich besonders für die unechten Schmucksachen eignet, aber auch für zahlreiche andre Gegenstände seiner Billigkeit und einfachen Herstellung wegen brauchbar ist, wieder in ausgedehnter Weise zur Anwendung gebracht. Die bedeutendsten Fabriken sind in Wien Dziedzinski u. Hanusch, Hollenbach, Klein u. Kellermann.

Deutschland begann erst spät mit einigen schwachen Versuchen in der Bronzewarenindustrie, welche kaum über die Grenze ihres Entstehungsorts hinaus bekannt wurden. Das deutsche Publikum nahm mit den seiner Zeit enthusiastisch begrüßten Eisengußwaren der Harzer und andrer Hütten vorlieb, begnügte sich dann mit angeblich bronzierten Zinkgüssen und stand den Bronzewaren anfangs ziemlich fremd gegenüber. Ein eigentliches Verständnis für den Wert der Bronzewaren hat sich eben erst in den obern Klassen Bahn gebrochen, was in dem für die frühern deutschen Verhältnisse und gegen die Zinkgüsse relativ hohen Preis echter Bronzewaren seine Ursache hat. Fördernd für die Hebung der deutschen Bronzewarenindustrie wirkt dagegen der Umstand, daß die Kleingeräte etc. der französischen Fabrikanten durchaus nicht dem deutschen Geschmack entsprechen. Vollends ablehnend verhielt man sich gegen die französischen Bronzen, als sich in Deutschland durch die Anknüpfung und Wiederaufnahme der Formen der deutschen Renaissance ein eigner Stil zu entwickeln begann. Die Leistungen auf diesem Gebiet in Deutschland sind um so mehr anzuerkennen, als es sich hier um eine ganz neue Industrie handelt, die, aller Tradition bar, unter äußerst schwierigen Verhältnissen eine Stellung hat erkämpfen müssen. Die Bronzewarenindustrie hat die Wandlungen der gesamten kunstgewerblichen Entwickelung durchgemacht. Anfangs fast ausschließlich der Renaissance zugeneigt, hat sie jetzt auch die Formen des Barock- und Rokokostils adoptiert. Während die Pariser Bronzewaren, namentlich die Modewaren, in Form und raffinierter Durchbildung sich ebensowohl in Silber herstellen lassen, hat man sich in Deutschland wesentlich auf die breiten Formen der alten Bronzen beschränkt. Mit der Würdigung gerade der alten deutschen, speziell Nürnberger, Bronzen und ihrer Benutzung wurde zugleich dem zu engen Anschließen an die italienischen Arbeiten vorgebeugt. So hat im Gegensatz zur französischen Bronzewarenindustrie die deutsche den umgekehrten Gang der Entwickelung genommen. Nur fehlt ihr noch zu reicherer Ausbildung die Förderung der Staatsregierungen, um mit Frankreich erfolgreicher wetteifern zu können. Die Bronzewarenfabriken verteilen sich ziemlich ungleichmäßig in Deutschland. Der bedeutendste Betrieb findet in Berlin statt; namentlich werden hier Beleuchtungskörper und kleines Gebrauchsgerät gefertigt. Hervorragende Fabriken sind: Aktiengesellschaft für Bronzewarenindustrie, vormals Spinn u. Sohn; Kramme (s. Tafel, Fig. 4, 15), Otto Schulz (s. Tafel, Fig. 2, 6, 7, 12, 13), Arndt u. Marcus, Schäfer u. Hauschner. In Dresden hat sich die Herstellung von Entwürfen für Bronzewaren schnell gehoben, namentlich durch die eifrige Förderung des dortigen Kunstgewerbemuseums; doch werden die meisten in Lauchhammer ausgeführt. Dagegen ist München auf diesem Gebiet zurückgeblieben, obgleich von einzelnen Künstlern (nicht Fabrikanten) Hervorragendes geleistet wird. Sehr bedeutend ist die Fabrik von A. Stotz in Stuttgart, deren Arbeiten zu den hervorragendsten in Deutschland zählen (s. Tafel, Fig. 3, 9, 11). Die Fabrik liefert bereits Luxuswaren, wie Uhren, Ofenschirme u. a., in vorzüglicher Durchbildung, zum Teil mit Verwendung andrer Materialien. Das in Deutschland verarbeitete Material ist eine durch reichlichen Zinn- und Zinkgehalt ausgezeichnete weiche, daher billiger zu bearbeitende B., welche dem Messing nahesteht, bekannt unter der Bezeichnung cuivre poli. Neben der Gußware hat sich neuerlich die Herstellung gestanzter Arbeiten ziemlich ausgedehnt, indem verzierte Gebrauchsgeräte, als Theekessel, Kaffeemaschinen etc., auch Ziergeräte, wie Schüsseln, in großen Mengen und reichen Mustern produziert werden, hauptsächlich in Berlin durch Th. Guiremand. Während sich die Nachfrage nach Bronzewaren in Deutschland selbst langsam steigert, hat sich die Industrie bereits ein nicht unbedeutendes Exportgebiet erobert, namentlich Amerika und Rußland. Gegenüber den großen Anstrengungen, überhaupt erst festen Fuß zu fassen, sind natürlich auf Neuerungen in Bezug auf Färbung, Schmuck etc. der Bronzewaren ausgehende Versuche nur wenig angestellt worden. Der verstorbene Geheime Kommerzienrat Ravené in Berlin ließ aus Japan zwei Emailarbeiter kommen, welche die Lehrmeister der neu zu schulenden Arbeiter wurden. Man beschränkte sich auf die Herstellung von Grubenschmelz (émail champlevé) auf B.; die Exzipienten (Bronzeteile zur Aufnahme des Schmelzes) werden gegossen und dadurch eine relativ billige Ware erzielt. In England hat sich der allgemeine Umschwung auf dem kunstgewerblichen Gebiet auch auf die Bronzewaren erstreckt, ohne daß dadurch eine wesentliche Steigerung der Produktion und Nachfrage eingetreten wäre. Man zieht es hier vor, alte Arbeiten in Gebrauch zu nehmen, namentlich französische Bronzen im Stile Ludwigs XVI. Italien zeichnet sich vor allem durch die massenhafte Reproduktion antiker Bronzen, sowohl Figuren als Geräte, aus. Dabei kommt es mehr darauf an, den Charakter des „Alten“ zu erzielen, als die Stücke künstlerisch durchzubilden; es werden die meist ganz roh gegossenen Bronzewaren künstlich patiniert oder sogar gefärbt, so daß von Feinheiten der Form wenig zu sehen ist. In den letzten Jahren wendet man sich auch eifrig der Reproduktion guter Renaissancebronzen zu, nicht immer in der Absicht, sie wirklich als Nachbildungen an den Mann zu bringen; namentlich blüht diese Industrie [463] in Venedig, während Neapel und Rom moderne Antiken liefern. Durch die Stockungen der Pariser Bronzewarenindustrie während des Kriegs 1870/71 nahmen die belgischen Fabriken einen nicht unbedeutenden Aufschwung. Die neugegründete Compagnie des bronzes in Brüssel blühte schnell empor und wußte Paris erfolgreich Konkurrenz zu machen. Durch zu starke Anwendung maschineller Hilfsmittel, namentlich der Stanze, und die dadurch bedingte Verschlechterung der Arbeiten ist jedoch die belgische Industrie schnell wieder herabgekommen. Dagegen blüht der Guß der einfachen Messingwaren (dinanderies), welche vielfach in geeigneter Herrichtung als alte Arbeiten verkauft werden. In Rußland befindet sich die Bronzewarenfabrikation fast durchweg in den Händen von Franzosen; nur einige russische Häuser konkurrieren durch Arbeiten in russischem Stil, reich mit Email geschmückte Luxus- oder Kultusgeräte, aber auch durch figürliche Arbeiten (kleine Genrefiguren und -Gruppen), erfolgreich mit erstern. Glänzende Leistungen hat dagegen Nordamerika in Bronzewaren aufzuweisen. Die Werkstatt von Tiffany in New York übertrifft in Nachahmung japanischer Bronzen selbst die Franzosen. Vgl. „Rapports du jury internat. de l’exposition universelle de 1878“; Servant, Les bronzes d’art, etc. (Par. 1880).


Ergänzungen und Nachträge
Band 17 (1890), Seite 171
korrigiert
Indexseite

[171] Bronze. Zur Prüfung der B. oxydiert man dieselbe mit Salpetersäure, verdampft fast zur Trockne, erwärmt mit Wasser, filtriert das ausgeschiedene Zinnoxyd ab und setzt zum Filtrat verdünnte Schwefelsäure und Alkohol: ein weißer Niederschlag zeigt Blei an. Aus dem Filtrat fällt man durch Schwefelwasserstoff das Kupfer, filtriert, verjagt den Schwefelwasserstoff durch Erwärmen, setzt wenig chlorsaures Kali zu, erwärmt bis zum Verschwinden des Chlorgeruchs, setzt Chlorammonium zu und übersättigt mit Ammoniak: ein brauner Niederschlag besteht aus Eisenhydroxyd. Aus dem mit Essigsäure übersättigten Filtrat fällt Schwefelwasserstoff weißes Schwefelzink. Das Filtrat von letzterm übersättigt man mit Ammoniak und setzt einige Tropfen Schwefelammonium zu: ein fleischfarbener Niederschlag zeigt Mangan an. Löst man die B. in Königswasser, verdünnt, fällt Kupfer und Zinn durch Schwefelwasserstoff und nach dem Übersättigen des Filtrats mit Ammoniak Eisen, Zink, Mangan durch Schwefelammonium, so kann man im Filtrat durch Zusatz von Chlorammonium, Chlormagnesium und Ammoniak Phosphor nachweisen. Zur Prüfung auf Arsen löst man die B. in warmer Salzsäure unter allmählichem Zusatz von wenig chlorsaurem Kali und erwärmt, bis der Chlorgeruch verschwunden ist. Das Zinn bestimmt man quantitativ als Zinnoxyd, das Blei als Bleisulfat, das Kupfer als Schwefelkupfer, worauf man das Zink mit Natriumcarbonat fällt. Phosphor bestimmt man quantitativ, indem man wie bei der qualitativen Prüfung verfährt und die phosphorsaure Ammoniakmagnesia glüht. – Die Herstellung der B. ist mit mancherlei Gefahren für den Arbeiter verbunden. Er ist vor der Hitze, vor Dämpfen und Gasen und beim Einstäuben der Formen mit Kohlenpulver und andern Substanzen durch Vorbinden von Schwämmen etc. vor Staub zu schützen. Beim Verputzen der Gußwaren treten ebenfalls Staub und Dämpfe auf, welche gute Ventilation, Reinlichkeit, in gewissen Fällen Schutzvorrichtungen vor Mund und Nase erfordern. Die Dämpfe können auch der Nachbarschaft lästig werden und sind durch hohe Schornsteine abzuleiten.