Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Abbreviaturen“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 1 (1885), Seite 18
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Abbreviaturen. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 1, Seite 18. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Abbreviaturen (Version vom 17.02.2021)

[18] Abbreviaturen (lat.), Abkürzungen von Wörtern in der Schrift, deren man sich bedient entweder der Raum- und Zeitersparnis halber, oder damit das Geschriebene nicht von jedermann gelesen werden könne. Dergleichen waren schon im Altertum in Handschriften und auf Münzen etc. gebräuchlich und bestehen teils in der Abkürzung eines Worts oder einer Silbe auf einen oder einige Buchstaben, teils in wirklich stellvertretenden Zeichen. Die Römer nannten solche Abkürzungszeichen Notae und die sich derselben bedienenden Schreiber Notarii. Sie unterschieden dreierlei A.: Abkürzungen ganzer Wörter und Silben (sigla, literae singulae), Vertauschungen von Buchstaben zum Behuf der Geheimschrift und willkürlich gewählte Zeichen. Der seit dem Mittelalter gebräuchliche Name Notae Tironianae rührt von Tullius Tiro, dem Freigelassenen des Cicero, her, welcher diese A. ordnete und dadurch erst in Aufnahme brachte. Seneca ordnete sie von neuem und zählte ihrer schon 5000. Wie viele dieser A. bei den Römern in regelmäßigem Gebrauch gewesen sein müssen, ist z. B. aus einer Angabe des Dichters Martial zu entnehmen, nach der sich berechnen läßt, daß sein Abschreiber in der Minute neun Verse schrieb. Genaueres s. Tiro. Auch im Mittelalter machte man von A. in Inschriften und auf Münzen sowie in Handschriften besonders seit dem 11. Jahrh. zunehmenden Gebrauch. Noch in die ältesten Drucke gingen viele der damals gebräuchlichen A. über, aber in den letzten Jahrhunderten sind dieselben mit ganz wenigen Ausnahmen, wie und c. für et cetera und & für et (und), völlig abgekommen. Die im Altertum und in den Handschriften des Mittelalters und der neuern Zeit vorkommenden Abkürzungen findet man in den Werken über Paläographie (s. d.) erklärt. – Über die jetzt am gewöhnlichsten vorkommenden, z. B. die in der Musik, in einzelnen Wissenschaften, in Handel und Wandel wie im schriftlichen Verkehr eingeführten, A. s. die einzelnen Buchstaben „A“, „B“ etc. und die betreffenden Stellen im Alphabet.