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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Lohengrin zu Brabant
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 306-310
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
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Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 326.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
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[306]
536.
Lohengrin zu Brabant.
Altdeutsches Gedicht

Vergl. Parcifal 24624 – 24715.
und Fürtrer, bei Hofstäter II. 131. – 173.


Der Herzog von Brabant und Limburg starb, ohne andere Erben, als eine junge Tochter Els oder Elsam zu hinterlassen; diese empfahl er auf dem Todbette einem seiner Dienstmannen, Friedrich, von Telramund.[1]) Friedrich, sonst ein tapferer Held, der [307] zu Stockholm in Schweden einen Drachen getödtet hatte, wurde übermüthig, und warb um der jungen Herzogin Hand und Land; unter dem falschen Vorgeben, daß sie ihm die Ehe gelobt hatte. Da sie sich standhaft weigerte, klagte Friedrich bei dem Kaiser, Heinrich dem Vogler; und es wurde Recht gesprochen „daß sie sich im Gotteskampf durch einen Helden gegen ihn vertheidigen müsse.“ Als sich keiner finden wollte, betete die Herzogin inbrünstig zu Gott um Rettung. Da erscholl weit davon zu Montsalvatsch beim Gral der Laut der Glocke, zum Zeichen, daß jemand dringender Hülfe bedürfe: alsobald beschloß der Gral, den Sohn Parcifals Lohengrin darnach auszusenden. Eben wollte dieser, seinen Fuß in den Stegreif setzen: da kam ein Schwan auf dem Wasser geflossen, und zog hinter sich ein Schiff daher. Kaum erblickte ihn Lohengrin, als er rief: „bringt das Roß wieder zur Krippe; ich will nun mit diesem Vogel ziehen, wohin er mich führt.“ Speise im Vertrauen auf Gott nahm er nicht in das Schiff; nachdem sie fünf Tage über Meer gefahren hatten, fuhr der Schwan mit dem Schnabel ins Wasser, fing ein Fischlein auf, aß es halb, und gab dem Fürsten die andere Hälfte zu essen.

Unterdessen hatte Elsam ihre Fürsten und Mannen nach Antwerpen zu einer Landsprache berufen. Gerade am Tage der Versammlung sah man einen Schwan die Schelde herauf schwimmen, der ein Schifflein zog, in welchem Lohengrin auf sein [308] Schild ausgestreckt schlief. Der Schwan landete bald am Gestade, und der Fürst wurde fröhlich empfangen; kaum hatte man ihm Helm, Schild und Schwert aus dem Schiff getragen, als der Schwan sogleich zurück fuhr. Lohengrin vernahm nun das Unrecht, welches die Herzogin litt, und übernahm es gerne, ihr Kämpfer zu seyn. Elsam ließ hierauf alle ihre Verwandten und Unterthanen entbieten, die sich bereitwillig in großer Zahl einstellten; selbst König Gotthart, ihr mütterlicher Ahn, kam aus Engelland, durch Gundemar, Abt zu Clarbrunn, berufen. Der Zug machte sich auf den Weg, sammelte sich nachher vollständig zu Saarbrück, und ging von da nach Mainz. Kaiser Heinrich, der sich zu Frankfurt aufhielt, kam nach Mainz entgegen; und in dieser Stadt wurde das Gestühl errichtet, wo Lohengrin und Friedrich kämpfen sollten. Der Held vom Gral überwand; Friedrich gestand, die Herzogin angelogen zu haben, und wurde mit Schlägel und Barte (Beil) gerichtet. Elsam fiel nun dem Lohengrin zu Theile, die sich längst einander liebten; doch behielt er sich insgeheim voraus, daß ihr Mund alle Fragen nach seiner Herkunft zu vermeiden habe: denn sonst müsse er sie augenblicklich verlassen.

Eine Zeitlang verlebten die Eheleute in ungestörtem Glück, und Lohengrin beherrschte das Land weise und mächtig; auch dem Kaiser leistete er, auf den Zügen gegen die Hunnen und Heiden, große Dienste. Es trug sich aber zu, daß er ein Mal im Speerwechsel [309] den Herzog von Cleve herunter stach, und dieser den Arm zerbrach; neidisch redete da die Clever Herzogin laut unter den Frauen: „ein kühner Held mag Lohengrin seyn, und Christenglauben scheint er zu haben; schade, daß Adels halben sein Ruhm gering ist; denn niemand weiß, woher er ans Land geschwommen kam.“ Dies Wort ging der Herzogin von Brabant durch das Herz, sie erröthete und erblich. Nachts im Bette, als ihr Gemahl sie in Armen hielt, weinte sie; er sprach: „Lieb, was wirret dir?“ Sie antwortete „die Clever Herzogin hat mich zu tiefem Seufzen gebracht“; aber Lohengrin schwieg und fragte nicht weiter. Die zweite Nacht wollte sie wieder; er aber merkte es wohl, und stillte sie nochmals. Allein in der dritten Nacht konnte sich Elsam nicht länger halten, und sprach: „Herr, zürnt mir nicht! ich wüßte gern, von wannen ihr geboren seyd; denn mein Herz sagt mir, ihr seyet reich an Adel.“ Als nun der Tag anbrach, erklärte Lohengrin öffentlich, von woher er stamme: daß Parcifal sein Vater sey, und Gott ihn vom Grale hergesandt habe. Darauf ließ er seine beiden Kinder bringen, die ihm die Herzogin geboren, küßte sie, und befahl „ihnen Horn und Schwert, das er zurück lasse, wohl aufzuheben“; der Herzogin ließ er das Fingerlein, das ihm einst seine Mutter geschenkt hatte. Da kam mit Eile sein Freund, der Schwan, geschwommen, hinter ihm das Schifflein; der Fürst trat hinein, und fuhr wider Wasser und Wege in des Grales Amt. Elsam sank ohnmächtig nieder, daß man [310] mit einem Keil ihre Zähne aufbrechen, und ihr Wasser eingießen mußte. Kaiser und Reich nahmen sich der Waisen an; die Kinder hießen Johann und Lohengrin. Die Witwe aber weinte, und klagte ihr übriges Leben lang um den geliebten Gemahl, der nimmer wiederkehrte.


  1. Die Erzählung im Parcifal ist noch einfacher. Friedrich fehlt ganz, die demüthige Herzogin wird von Land und Leuten bedrängt, sich zu vermählen. Sie verschwört jeden Mann, außer den ihr Gott sende, und da schwimmt der Schwan herzu.