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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Loherangrins Ende in Lothringen
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 310-311
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 330.jpg
Bearbeitungsstand
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[310]
537.
Loherangrins Ende in Lothringen.
Nach dem Titurel.

Vergl. Fürtrer bei Hofstäter II. 174 - 183.


Als nun Loherangrin mit Zurücklassung des Schwerts, Hornes und Fingerlins aus Brabant fortgezogen war, kam er in das Land Lyzaborie (Luxenburg) und ward der schönen Belaye Gemahl; die sich wohl vor der Frage nach seiner Herkunft hütete, und ihn über die Maßen liebte, so daß sie keine Stunde von ihm seyn konnte, ohne zu siechen. Denn sie fürchtete seinen Wankelmuth, und lag ihm beständig an zu Haus zu bleiben; der Fürst aber mochte ein so verzagtes Leben nicht gerne leiden, sondern ritt oft zu birsen auf die Jagd. So lange er abwesend war, saß Belaye halbtodt und sprachlos daheim; sie kränkelte, und es schien ihr durch Zauberei etwas angethan. Nun wurde ihr von einem Kammerweib gerathen „wolle sie ihn fester an sich bannen: so müsse sie Loherangrin, wann er müde von der Jagd entschlafen sey, ein Stück Fleisch von dem Leibe schneiden und essen.“ Belaye aber verwarf den Rathschlag, und [311] sagte „eh’ wollt ich mich begraben lassen, als daß ihm nur ein Finger schwüre!“ zürnte dem Kammerweib, und verwies sie seitdem aus ihrer Huld. Giftig ging die Verrätherin hin zu Belayens Magen, die dem Helden die Königstochter neideten, und brachte ihnen falsche Lügen vor. Da berieth sich Belayens Sippschaft, daß sie aus Loherangrin das Fleisch, womit allein Belayens Noth gelindert werden könnte, schneiden wollten; und als er eines Tages wieder auf die Jagd gegangen und entschlafen war, träumte ihm: tausend Schwerter stünden zumal ob seinem einzigen Haupt gezückt. Erschrocken fuhr er auf, und sah die Schwerter der Verräther. Alle bebten vor dem Helden, mit seiner einen Hand erschlug er mehr denn hundert. Sie waren aber unter einander zu fest verbunden, und ließen nicht nach, ihn anzugreifen: bis ihm ihrer zu viel wurde, und er eine Wunde durch den linken Arm empfing, so schwer, daß sie kein Arzt heilen konnte. Als sie ihn todtwund sahen, fielen sie ihm alle zu Füßen, seiner großen Tugend wegen. Belaye starb nach empfangener Todesbotschaft alsbald vor Herzeleid. Loherangrin und Belaye wurden gebalsamt und zusammen eingesargt, hernach ein Kloster über ihren Gräbern gebauet; ihre Leichname werden da den Pilgrimen noch gewiesen. Das Land, vorher Lyzaborie genannt, nahm von ihm den Namen Lotharingen an. Diese Begebenheit hat sich ereignet nach Christi Geburt fünfhundert Jahr.