Textdaten
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Autor: Otto Buchwald
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Titel: Livingstone’s Ende
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 443
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[443]
Livingstone’s Ende.

Lautlos hält vor nied’rer Hütte müd’ die Schaar der schwarzen Träger;
Auf der rohgefügten Sänfte sterbend ruht ein bleicher Jäger:
Der den unerforschten Ländern ihr Geheimniß abgerungen,
Livingstone, erliegt dem Sieger, den kein Kämpfer noch bezwungen.

5
Nicht vom Thier, das beutelüstern durch des Urwalds Dickicht irrte,

Nicht vom Pfeil, der rachegierig von des Wilden Sehne schwirrte,
Kam der Tod; sein grauser Scherge war der Hauch der sumpf’gen Triften,
Und er nahte fieberschwanger, ihm das Leben zu vergiften.

Wie ein Held dem Feinde trotzend, wankt er hin im Wüstensande,

10
Nachts vom rauhen Frost geschüttelt, Tags versengt vom Sonnenbrande,

Keine Klage auf den Lippen, wenn auch wild die Pulse pochen,
Wie ein Held, bis seine Leiden seines Lebens Kraft gebrochen.

In die halbverfall’ne Hütte hat ihn seine Schaar gerettet
Und auf’s trock’ne Laub des Waldes ihn zur letzten Rast gebettet.

15
Eines Kienspahns dürft’ger Schimmer hellt des kleinen Raumes Dunkel

Und durch die geborst’ne Decke eines Sternes matt Gefunkel.

Draußen vor der Hütte lodern fernhin leuchtend mächt’ge Scheite,
Und die schwarzen Wächter schauen sorgsam spähend in die Weite.
Alles ruhig! Nur in’s leise Knistern halbverglühter Kohlen

20
Klingt vom heißen Mund des Kranken todesschweres Athemholen.


Vor den fieberirren Sinnen ziehn vorüber bunte Bilder,
Mächt’ge Wälder, öde Steppen, kleine Dörfer schwarzer Wilder,
Unbetret’ne Bergesgipfel, welche Wolken dicht umschaaren,
Endlos weite Seen und Flüsse, welche nie ein Schiff befahren.

25
Große Heerden selt’nen Wildes sieht er scheu in’s Dickicht fliehen

Und in dichtem Schwarm zum Rastplatz farbenprächt’ge Vögel ziehen,
Hört des Löwen drohend Brüllen und der Schlange warnend Zischen,
Waffenklirren und die Laute fremder Sprachen wirr dazwischen.

Da, wie süßes Kindesplaudern, klingt’s in langentbehrten Tönen,

30
Ihm die letzte Stunde durch der Heimath Zauber zu verschönen;

Eines Weibes bleiches Antlitz läßt der holde Traum ihn schauen,
Und er fühlt, wie milde Thränen seine heiße Hand bethauen.

Süße Botschaft ferner Stätten! Labung für den Todeskranken!
Zu den längstverlass’nen Orten kehren selig die Gedanken,

35
Und wie er im Fieberwahne Weib und Kind und Heimath grüßte,

In Vergessenheit versunken ist die Einsamkeit der Wüste.

Alles lebt, was ihn erfreute in der Zeit der Jugendblüthe,
Was auf jahrelanger Wand’rung sein vereinsamt Herz durchglühte;
Seine Arme hebt er grüßend – noch ein Laut aus heißer Kehle –

40
Noch ein Hauch – und in die Heimath eilet die befreite Seele.


An dem Lager steht ein Schwarzer lauschend auf die Athemzüge,
Sucht in dem erstarrten Antlitz noch des Lebens holde Lüge,
Faßt die kalte Hand – erbebend trägt er hin die Schreckenskunde,
Wo bekümmert die Gefährten harrend lagern in der Runde.

45
Um das halb erlosch’ne Feuer sitzt die schwarze Schaar voll Trauer,

Leise flüsternd von der Rückkehr mühevoller, langer Dauer.
Wie ein Gruß des Friedens weht es in der Palmen dichten Zweigen,
Und den großen Todten ehret rings der Wildniß tiefes Schweigen.

Otto Buchwald.