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Titel: Lawinen und Bannwälder
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aus: Die Gartenlaube, Heft 9, S. 148
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[148] Lawinen und Bannwälder. Neuerdings wird in den Blättern von der Lawinengefahr im schweizer Kanton Tessin berichtet. Oberhalb Bedrettos haben sich schon im November Lawinen losgelöst und über 50 Baumriesen der uralten Schutzwaldungen niedergeschmettert: eine andere Lawine hat oberhalb Airolos einen jungen Wald gleich einem Kartenspiel zur Tiefe gefegt. Eine kleine Ortschaft Albinasca ist so bedroht, daß die Einwohner ihren Heimathsort verlassen werden, nachdem durch Stürme und Lawinen der uralte Tannenwald, der das Dörfchen schützte, fast ganz vernichtet worden ist.

Bei diesem Anlaß weisen wir auf die trefflichen Schilderungen hin, welche H. A. Berlepsch in seiner Schrift „Die Alpen in Natur- und Lebensbildern“ Von den Lawinen und Bannwäldern giebt, wie derselbe überhaupt ein farbenreiches Gemälde der Alpenwelt vor uns entrollt. Von den Lawinen sagt er: „Gewöhnlich hört man den Sturz eher, als man ihn sieht. Durch den donnernden Schall plötzlich aufgeschreckt, richtet der Blick des mit der außerordentlichen Erscheinung nicht vertrauten Fremdlings sich gewöhnlich in die Höhe und sucht am Firmamente die Gewitterwolken, welche die gewaltig tönenden Schwingungen hervorrufen: aber droben im tiefen blauen Aether lagert lichte Ruhe: kein Wölkchen schwimmt im Luftocean. Schon rollt das Getöse nachhallend durch die Thäler und erneuert jetzt abermals, stärker anschwellend, die erschütternden Tonwellen, während das Auge drüben am Silbermantel des Berges rauchendes, von den Lüften verwehtes, stäubendes Gewölk und unmittelbar darunter eine gleitende, niederrollende Bewegung an den kaum zuvor noch in starrer Todesruhe daliegenden Firnwänden wahrnimmt. Scheinbar langsam, im stolzen getragenen Zeitmaß, schwebt die Scheekaskade wie bunte Atlasbänder über die Felsenwände herab, staucht tiefer an hervortretenden Fluhsätzen auf, zerstiebt in wellig-runde Schaumbogen und zerflatternde Wolkenwimpel, wie die Intervallen eines Stromkatarakts, oder verliert sich sekundenlang in verborgenen Schluchten und sinkt, das Schauspiel von Stufe zu Stufe wiederholend, hinunter, bis sie auf flach auslaufenden Alpenmatten oder im tiefen Trümmerbecken zur Ruhe kommt.

Von den Bannwäldern wird berichtet, daß sie fast nur aus Nadelholz, in den östlichen Alpen vorwiegend aus Arven und Lärchen, in den westlichen mehr aus Rothtannen und Kiefern bestehen. Die Aufgabe derselben ist, durch die Menge ihrer hochaufstehenden starken Baumstämme das Losbrechen und Herabrutschen der während des Winters sich anhäufenden Schneemassen, also die Bildung von Grundlawinen zu verhindern, nicht, wie man gewöhnlich glaubt, Lawinen, die bereits in Gang gekommen sind, wie ein Damm aufzuhalten. Die Alpenbäume wachsen langsam unter den hindernden klimatischen Einflüssen: ihr Holz ist aber derber, zäher, fester, als das des tiefliegenden, in fetter Dammerde wurzelnden Waldes der Wuchs dieser Bäume ist gedrungener, trotziger, widerstandsfähiger, als derjenige der andern, die in der Dammerde des tieferliegenden Waldes wurzeln. Jene geeigneten Waldungen der höchsten Waldregion werden in „Bann“ gethan, für unantastbar erklärt – deßhalb ihr Name.

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