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Textdaten
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Autor: Ernst Deecke
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Titel: Lübeck wird Reichsstadt
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 19–22
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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Quelle: Google, Commons
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[19]
14. Lübeck wird Reichsstadt.

1178 ungefähr waren die Sachen im Wendenlande sehr verwickelt und verwirrt, wegen Herzog Heinrichs des Löwen, der sich des Kaisers große Unhuld zugezogen. Da er sich nun trotzig und protzig bewies, machte sich Kaiser Friedrich der Rothbart zur Rache gefaßt und verfolgte ihn. Er trieb ihn aus Baiern nach Sachsen, und ließ ihm nirgends keinen Frieden. Die Bardowieker aber, bei denen der Herzog Hülfe suchte, schlossen ihm nicht allein die Thöre zu, sondern bewiesen ihm auch von den Mauern herab viel Schimpfs. Lübeck aber nahm ihn mit Freuden auf, und hielt ihn als einen Kurfürsten von Niedersachsen. Als jedoch des Kaisers Schützen über die Elbe kamen, und viele Schiffe zusammenbrachten, um den ganzen Strom zu besetzen, berief der Herzog den König Woldemar von Dänemark, wie vorhin oft, zum Gespräch, und zog ihm über die Brücke entgegen, da er sonst nur auf der Mitte pflegte halten zu bleiben. Der König aber gab viele Ursachen an, warum er jetzt einer Bitte um Hülfe nicht statt geben könnte; und gestand nur so viel zu, daß er seine Verweigerung heimlich halten wollte, damit nicht Andere auch Ursache hätten, von dem Herzoge abzufallen. Dieser befestigte darauf die Stadt und setzte den Grafen Simon von Tecklenburg zu ihrem Verwalter, desgleichen [20] Grafen Bernhard von Oldenburg, Grafen Bernhard von Welpe, samt anderen adellichen Männern mehr, und fuhr sodann gen Stade. Der Kaiser aber zog immer vorwärts und kam endlich vor Lübeck (1181). Wie aber bei seiner Ankunft die Stadt vor ihm zugemacht wurde, verwunderte er sich dessen nicht wenig, sintemal es noch eine neue Stadt war, und doch so verwegene Leute, daß sie das Thor vor ihm zuschließen dürften. Inzwischen lagerte er sich auf dem Lauerhof und verlegte die Straßen: dazu kam auch König Woldemar, den er durch Gesandte beschickt, mit einer großen Armada, die gleichwohl besser zur Pracht als zum Krieg gerichtet war. Nun ward Lübeck hart und fest belagert, und die Besatzung schwer bedrängt; Hülfe aber, oder gar Entsatz war nicht zu erwarten; dazu wurden die Bürger durch Kundschaft berichtet, daß der Kaiser sich ernstlich vorgenommen, nicht zu weichen; weil er die Stadt von außen gesehn, wollt’ er sie auch inwendig beschauen. Endlich gingen Alle zu Rath, und vermochten den Bischof Hinrich, daß er dem Kaiser Folgendes antragen möchte: „Großmächtigster Kaiser, es haltend die sämmtliche Bürgerschaft und das ehrliche Kriegesvolk in der Stadt Lübeck allerdings für billig und recht, daß sie Treu und Glauben, wie sie ihrem Herrn geschworen, weil ein Blutstropfen in ihnen ist, beständiglich halten; denn ihr Leben ihnen nicht lieber sein soll, als Ehre und Pflicht; und ob es wohl nicht unmöglich, sie zu überwinden, [21] ist es doch unmöglich, daß sie wider ihre Eidespflicht zu thun sich bewegen lassen sollten. Sie begehren deshalb, Kaiserliche Majestät wolle ihnen vergönnen, eine Botschaft an den Herzog abzufertigen, und was dessen Will’ und Meinung sei zu erkunden, und bitten mittlerweil um einen kleinen Anstand. Sollte ihnen aber solche Bitte abgeschlagen, oder, während die Botschaft draußen, etwas Thätlichs gegen sie vorgenommen werden (was sie sich unterthänigst verbeten haben wollten), so würde ihnen gebühren, ihre Ehre zu bedenken, dergestalt daß man spüren könnte, daß sie ihre Haut theuer genug verkaufen wollen.“ – Diese Werbung richtete der Bischof bescheiden aus, und der Kaiser war es zufrieden, daß die Lübecker gen Stade schickten. Hierauf haben sie des Raths und der Bürgerschaft Vornehmste zu ihrem Landesfürsten hinausgesandt und ihn berichten lassen, in welch großer Noth seine Stadt wäre, und daß sie dem Kaiser nicht länger widerstehn möchte; könne er sie aber in einer beraumten Zeit entsetzen, so wollten sie sich halten. Wie der Herzog das hörte, seufzte er tief und ward von Herzen betrübt, bedankte sich aber aufs höchste gegen Rath und Bürgerschaft, und sandte mit dem Grafen Günzel von Schwerin die Antwort: er möge dem Glück nicht widerstreben, und möchten sie auch thun, was die Noth erfordere; entsetzen und retten könne er sie nicht; auch würden sie allein einen schweren Stein nicht weiter werfen. [22] Dann nahm er seine Fürstin und jungen Herren zu sich und zog nach England.

Darauf sind die Vornehmsten der Stadt Lübeck zum Kaiser ins Lager gekommen, haben den gebührenden Fußfall gethan und unterthänigst gebeten, Kaiserliche Majestät wolle sie bei ihren Privilegien und Gerechtigkeiten, womit ihr Fürst sie vorhin versehen, gnädigst bleiben lassen; wogegen sie sich zu allem Gehorsam wieder erböten. Der Kaiser hörte sie mildiglich an, und nahm sie nicht allein zu Gnaden auf, sondern gab ihnen auch noch mehr Freiheiten, und einen Adler mit zween Köpfen in ihr Stadtsiegel; und also ist Lübeck zu einer Reichsstadt geworden anno 1182. Danach ist er mit herrlichem Pomp und Pracht in die Stadt geritten, und von der Bürgerschaft sowohl wie von der Klerisei mit großem Frohlocken und Jubel empfangen und aufgenommen. Er machte auch die Stadt zum Haupt aller Städte an See, nahm ihre Rathsherren unter die Zahl seiner beständigen Reichsräthe auf und gestattete ihnen, goldnen Schmuck zu tragen und dessen zu gebrauchen wie seine besten Ritter.

Bemerkungen

[388] S. 22 Z. 1. l. Fürstin.