Kuno Fischer’s Leibniz-Biographie

Textdaten
Autor: E. Arnoldt
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Titel: Kuno Fischer’s Leibniz-Biographie
Untertitel:
aus: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. 3 (1890), S. 140–142.
Herausgeber: Ludwig Quidde
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung J.C.B. Mohr
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Erscheinungsort: Freiburg i. Br
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Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
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[140] Kuno Fischer’s Leibniz-Biographie ist als 2. Bd. der neuen Gesammtausgabe seiner G. d. neueren Philosophie jetzt in 3. Auflage erschienen[1]. Originaldenker erleben ihre Lehre nicht nur, sondern leben sie. Ihrem inneren Leben, aus dem sie ihre Philosophie [141] schöpfen, entspricht ihr äusseres Leben. In der Activität der Leibniz’schen, das Universum spiegelnden Monade reflectirt sich die universalistische Thätigkeit des L.’schen Geistes, der fast alle Gebiete der Wissenschaft und gleichzeitig die Geschäfte praktischer Berufsarten auf den Gebieten der Politik, Diplomatie, Publicistik beherrschte. Wenn der Geschichtschreiber der Philosophie Leibniz ganz und dem ganzen Leibniz will gerecht werden, so hat er ihn nicht bloss als wissenschaftlichen Forscher überhaupt, — er hat auch die Betheiligung desselben an den Welthändeln im Dienste der Grossen zu schildern.

Kuno Fischer hat diese Forderung in der oft verlangten und lange erwarteten 3. Auflage seines Werkes mit Bewährung seines ausgezeichneten Compositionstalentes glänzend erfüllt, indem er das 1. Buch (die gesammte erste Hälfte des Bandes von S. 3—322), der Behandlung von Leibnizens „Leben und Schriften“ widmete, während er in der zweiten Hälfte (2. Buch, S. 325—622) „Leibnizens Lehre“ zur Darstellung brachte. So ist aus einem Capitel der 2. Auflage, das ein Lebensbild von Leibniz entwarf, nun in der 3. Auflage eine Biographie geworden, welche seine ausgebreitete und verzweigte Wirksamkeit in übersichtlicher Gliederung veranschaulicht und dabei seine politischen und kirchenpolitischen Bestrebungen mit den dadurch veranlassten Schriften einer eingehenden Betrachtung unterzieht.

Diese neue Bearbeitung von Leibniz’ Lebensgeschichte wurde erheischt durch das ergiebige Quellenmaterial, dessen Veröffentlichung — abgesehen von Foucher de Careil — zumeist den Bemühungen  Onno Klopp’s und  Gerhardt’s zu danken ist. Die fünf letzten Bände der Klopp’schen Ausgabe, deren erste Leibniz’ historisch-politische und staatswissenschaftliche Schriften enthalten, liefern seine mit fürstlichen Frauen geführten Correspondenzen, die über seine Persönlichkeit und seine persönlichen Verhältnisse helles Licht verbreiten; — und Gerhardt, der Herausgeber der Leibniz’schen mathematischen Schriften, hat die neue Ausgabe der philosophischen mit drei Bänden wohl geordneter Briefwechsel eröffnet. Fischer bedauert in dem Vorwort zu seinem Werke, dass unter einigen, die Leibniz-Forschung betreffenden Publicationen, die ihm zu spät zu Gesichte gekommen, um sie noch benutzen zu können, sich namentlich die Koser’sche befinde, die das Verhalten der Kurfürstin Sophie Charlotte bei dem Sturze Danckelmann’s und die Erziehungssorgen derselben neu beleuchtet.

Der für die Anzeige dieses Werkes hier eng bemessene Raum gestattet nicht, Kuno Fischer’s Darstellung im Einzelnen gebührend [142] zu würdigen. Daher sei hier nur im Allgemeinen und in Kürze bemerkt, dass sie den grossen Gegenstand gross behandelt und ihn, der „den tiefen Grund der Menschheit aufzuregen vermag“, weder in den engen Bannkreis einer beschränkten Schulphilosophie hineinzwängt, noch in den engeren  jenes Patriotismus, den Lessing als heroische Schwachheit bezeichnet.

Emil Arnoldt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Bibliographie 1889 Nr. 3221.