Textdaten
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Autor:
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Titel: Kleine Naturstudien
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aus: Die Gartenlaube, Heft 9, S. 260_d
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[260_d] Kleine Naturstudien. Für jüngere Naturfreunde ist es sehr empfehlenswert, leichtere Versuche, die uns in die Lebensbethätigungen der Pflanzen Einblick gewähren, in freien Stunden auszuführen. Eine derartige Beschäftigung ist nicht allein interessant und belehrend, sondern auch geeignet, den Sinn für Beobachtung zu schärfen. Wir geben im nachstehenden einige Anregungen hierzu.

Es ist wohl jedem unserer Leser aus der Schule bekannt, daß grüne Pflanzen die Eigenschaft haben, im Lichte die Kohlensäure aus der Luft oder dem Wasser aufzunehmen und dieselbe derart zu zersetzen, daß sie den Kohlenstoff behalten, den Sauerstoff aber an die Umgebung abstoßen. Mit sehr geringfügigen Mitteln ist es möglich, den letzteren Teil dieses Lebensvorganges, den wir Assimilation nennen, sichtbar zu machen.

Wir brauchen dazu eine beliebige Wasserpflanze, zum Beispiel Wasserpest, Tannenwedel oder dergleichen. Einen Sproß derselben beschweren wir mit einer Glasperle oder einem kleinen Eisennagel und setzen ihn in ein mit Wasser gefülltes Glas ein, so daß er ganz untertaucht. Stellen wir nun das Glas in das Sonnenlicht, so werden wir bald sehen, daß von der Schnittstelle des Sprosses kleine Gasbläschen emporsteigen. Diese Gasbläschen bestehen, wie chemische Untersuchungen erwiesen haben, aus reinem Sauerstoff. Wir können nun lernen, daß diese Sauerstoffabscheidnng von zwei Bedingungen abhängt; das Wasser muß Kohlensäure enthalten und die Pflanze muß dem Lichte ausgesetzt werden.

Lassen wir den Sproß längere Zeit in der Sonne stehen, so wird die Sauerstoffabscheidung allmählich geringer und hört zuletzt ganz auf. Die Pflanze hat die im Wasser befindliche Kohlensäure verbraucht. Leiten wir nun Kohlensäure in das Wasser ein, was dadurch geschehen kann, daß wir etwas „kohlensaures Wasser“ zugießen, so wird im Sonnenlichte die Abscheidung der Gasbläschen von neuem beginnen.

Um den Einfluß des Lichtes auf diesen Vorgang nachzuweisen, brauchen wir nur die im Sonnenlichte arbeitende Pflanze mit einem dünneren Blatt Papier zu beschatten. Sogleich wird die Thätigkeit herabgesetzt, in derselben Zeit werden aus dem Sproß weniger Gasbläschen austreten. Bringen wir unser Versuchsglas in tiefen Schatten, so wird die Gasausscheidung völlig aufhören. Des Abends läßt sich noch der Einfluß des künstlichen Lichtes auf die Assimilation nachweisen. Wir setzen den Pflanzensproß im Wasser dem Lampenlichte aus und merken, daß die Gasausscheidung äußerst geringfügig ist oder bei schwacher Lichtquelle überhaupt nicht stattfindet.

Wer farbige Glasscheiben besitzt, kann auch über den Einfluß verschiedenartigen Lichtes auf die Assimilation sich unterrichten. In eine Pappschachtel, mit der man das Versuchsglas zudecken kann, schneidet man in der einen Seitenwand ein schmäleres Guckloch ein und in der gegenüberliegenden eine weitere Oeffnung. Durch die letztere läßt man zunächst Sonnenlicht auf den Versuchssproß fallen und zählt, wie viel Gasbläschen er in der Minute ausscheidet. Nehmen wir an, es seien fünfundzwanzig gewesen. Decken wir jetzt die Oeffnung mit einer roten Scheibe zu; die Zahl der in einer Minute aufsteigenden Bläschen wird sich verringern und vielleicht nur fünfzehn betragen; beim Vorsetzen einer gelben Scheibe wird die Gasentwicklung wieder lebhafter und bei Anwendung einer violetten Scheibe fast gänzlich aufhören.

Ebenso wie die Wasserpflanzen verhalten sich auch die an der Luft lebenden Pflanzen. Wenn wir von ihnen Zweige und Blätter abschneiden, sie ins Wasser tauchen und dem Sonnenlichte aussetzen, so werden wir auch in diesem Falle die Abscheidung von Gasbläschen an den Blättern bemerken. Für Versuchszwecke wählen wir aber Wasserpflanzen, weil ihre Leistung im Wasser eben größer und darum sichtbarer ist.

Die Assimilation der Pflanzen ist für den Haushalt der Natur sehr wichtig; denn aus dem Kohlenstoff, den sie von der Kohlensäure der Luft und des Wassers zurückbehalten, bereiten sie in ihren Zellen kohlenstoffhaltige Stoffe wie Stärke, Zucker u. dgl., die für die Ernährung der Tierwelt von höchster Bedeutung sind.