Karl Ditters v. Dittersdorf

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Titel: Karl Ditters v. Dittersdorf
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 23, S. 740
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[740] Karl Ditters v. Dittersdorf. (Mit Bildnis.) Als ein Vorgänger Mozarts auf dem Gebiete der Oper von echt volkstümlicher Richtung ist der Wiener Komponist Karl Ditters v. Dittersdorf, der am 2. November 1739 zur Welt kam und vor hundert Jahren am 31. Oktober verstarb, uns Heutigen vornehmlich bekannt. Seine komische Volksoper „Doktor und Apotheker“ hat sich auf vielen deutschen Bühnen in der Gunst des Publikums erhalten, und auch „Hieronymns Knicker“, „Das rote Käppchen“ sind unvergessen. Die erstgenannten Opern sind erst neuerdings von Kleinmichel für den modernen Geschmack bearbeitet worden. Der liebenswürdige Komponist hat aber auch auf anderen Gebieten der Tonkunst eine ungemein fruchtbare und von seinen Zeitgenossen hochgeschätzte Thätigkeit entfallet. Er schrieb die Oratorien „Esther“, „Isaac“ und „Hiob“, zahlreiche Orchester- und Kammermusikwerke, darunter gegen hundert Symphonien und sechs Streichquartette. Eine Auswahl des Schönsten und Lebensfähigsten aus der Fülle dieser Werke hat jetzt ein Verein von Musikern im Verlag der Gebrüder Reinecke in Leipzig in sorgfältiger Bearbeitung herausgegeben. Es befinden sich darunter sechs Symphonien, die er in Anlehnung an Ovids „Metamorphosen“ schrieb und welche zu den frühesten Versuchen orchestraler Programmmusik gehören.

Karl Ditters v. Dittersdorf.
Nach dem Kupferstich von C. T. Riedel.

Karl Ditters, der 1773 durch Vermittelung des Grafen v. Schaffgotsch vom Kaiser geadelt wurde und den Zunamen v. Dittersdorf erhielt, hat ein buntbewegtes Leben geführt. Schon frühzeitig erhielt er guten Violinunterricht und wirkte als Knabe im Orchester der Wiener Benediktinerkirche mit. Sein überraschendes Talent erregte die Teilnahme des Generalfeldzeugmeisters Prinz Joseph v. Hildburghausen, der ihn als Pagen in sein Haus nahm, hier von Trani auf der Violine, vom Hofkapellmeister Bono in der Komposition ausbilden ließ und 1760 seine Aufnahme in das Hoforchester bewirkte. Nach einigen Jahren wurde Ditters Nachfolger Michael Haydns als Kapellmeister des Bischofs von Großwardein. Hier komponierte er viele seiner Orchesterwerke. Als 1769 der Bischof seine Kapelle auflöste, begab sich der bereits zu Ruhm gelangte junge Musiker von Ungarn nach Schlesien, wo ihn Graf Schaffgotsch, Fürstbischof von Breslau, zum Direktor der Kapelle in seiner Residenz zu Johannisberg machte. Zum Hofhalt des Fürstbischofs gehörte auch ein kleines Theater, und für dieses schrieb er seine heiteren Volksopern, die von hier aus ihren Siegeszug über die deutschen Bühnen antraten. Nach dem 1795 erfolgenden Tode seines Gönners, dem er auch die Stellung eines Forstmeisters des Fürstentums Neisse und dann die eines Amtshauptmanns zu Freienwaldau zu danken gehabt hatte, geriet der schaffensfrohe Meister in eine bedrängte Lage. Zwar fand er auf dem Schlosse Rothlhotta des Freiherrn Ignaz v. Stillfried bei Neuhaus in Böhmen ein Unterkommen, doch erlag er hier bald einem schmerzlichen Leiden, das ihn schon vorher befallen hatte. Zwei Tage vor seinem Tode war seine Lebensbeschreibung zur Vollendung gelangt, die er auf Rothlhotta seinem Sohne in die Feder diktiert hatte.