Johann Peter Kohl (Meusel)

Textdaten
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Autor: Unbekannt
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Titel: Kohl (Johann Peter)
Untertitel:
aus: Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller. Siebenter Band. S. 234–240
Herausgeber: Johann Georg Meusel
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1808
Verlag: Gerhard Fleischer
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Siehe auch Johann Peter Kohl
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[234]
Kohl (Johann Peter).

Studirte zu Kiel und Rostock, ward im J. 1725 Professor der schönen Wissenschaften und der Kirchengeschichte bey der Russischkaiserl. Akademie der Wissenschaften [235] zu St. Petersburg, erhielt aber, weil ihm das dortige Klima nicht zuträglich war[1] 1728[2] die gesuchte Entlassung; privatisirte hernach zu Hamburg, seit 1768 aber zu Altona; geb. zu Kiel am 10 März 1698; gest. am 9 Oktober 1778.

Gratulation, als Otto von Blohm mit dem weißen Ritterbande des Danebrogischen Ordens bey seiner Anwesenbeit in Kopenhagen beschenkt wurde. Kiel 1721. fol.

Exercitium academicum (Praes. Andrea Bergio) de hodierna sentiendi circa sacra libertate in Germania. Rostoch. 1721. 4.

Ecclesia Graeca Lutherizans, sive de consensu et dissensu Orientalis Graecae, speciatim Russicae, et Occidentalis Lutheranae Ecclesiae, in dogmatibus, ex variis, quae de religione Graeca exstant, monumentis eruta. Ubi simul demonstratur, Ecclesiam Graecam facilius cum Lutheranis quam Romanis sacris uniri posse, inque principalibus doctrinae capitibus propius a nobis quam Pontificiis distare. Cui ob materiae affinitatem adjecta in calce est Dissertatio Viri admodum reverendi, Theologi celeberrimi, Dn. Jo. Quistorpii, de Christianismo Graecorum hodiernorum, opposita Leoni Allatio, Theol. Romano. Lubecae 1723. 8.

Theologiae gentilis Cimbricae purioris Specimen I, seu Dissertatio academica, qua testimoniis disertis, sepulchralibus caerimoniis, intrepido mortis contemtu, diligenti futurae mortis recordatione, aliisque argumentis probatur, Cimbros adhuc gentiles, doctrinae immortalitatis animae et resurrectionis corporum non fuisse expertes. Kilonii 1723. 4.

Ein Lateinisches, auch ins Russische übersetztes Programm zu der ersten Zusammenkunft der Russischkaiserl. Akademie der Wissenschaften. St. Petersburg 1726. … — Aus Mangel an Autopsie kann man nicht angeben, ob [236] sich auch Etwas von ihm in den beyden Sammlungen befindet, welche der Catalogus bibl. Bunav. (T. I. p. 996) so aufführt: Sermones in primo solemni Academiae scientiarum Imperialis conventu d. 27 Dec. 1725 publice recitati. Petropoli. 4 mai. und: Sermones in secundo S. A. sc. I. c. d. 1 Aug. 1726 publ. recitati. ibid. 4 mai.

Introductio in historiam et rem litterariam Slavorum, imprimis sacram, sive Historia critica versionum Slavonicarum maxime insignium, nimirum Codicis sacri et Ephremi Syri, duobus libris absoluta. Accedunt duo sermones Ephremi Syri nondum editi, de sacra coena, fidei Lutheranae testes et vindices. Altonaviae 1729. 8.

Leben des weltberühmten Herrn Peter Bayle; wie solches zuerst in Französischer Sprache von Hrn. (Peter) des Maizeaux aufgesetzet und nunmehro seiner Schönheiten und unzähligen Merkwürdigkeiten wegen ins Teutsche übertragen, ebend. 1731. 8.

Deliciae epistolicae, sive Epistolarum, argumenti non minus raritate quam orationis cultu atque elegantia insignium, Fasciculus (Marci Ant.) Majoragii, (Jo. Ge.) Graevii, (Erasmi) Bartholini, (Jo.) Schefferi, aliorumque virorum dissertissimorum, Tullianaeque eloquentiae felicium aemulatorum, Epistolas, vel nunquam antehac editas, vel oblivione propemodum obrutas et ab interitu retractas complexus. Edidit et de vita scriptisque Majoragii praefatus est J. P. Kohlius, P. P. Accedit Joan. Erhardi-Kappii, Prof. Lips., ad Editorum Epistola, Lips. 1731. 8.

Dan. Georg. Morhofii de legendis, imitandis et excerpendis auctoribus Libellus posthumus, quem, in Supplementum Polyhistorii Morhofiani, ex accurato quodam Manuscripto luci nunc primum tradit etc. Hamburgi 1731. 8.

Herrn Hofr. (Christ. Friedr.) Weichmann’s Poesie der Niedersachsen, durch den vierten Theil fortgesetzt und nebst einigen vorgedruckten, zur Teutschen Sprache und Philologie gehörigen Anmerkungen (Barth. Heinr.) Brockes und (Mich.) Richey’s, so aus den actis msptis der ehemahls in Hamburg blühenden Teutsch-übenden Gesellschaft genommen, herausgegeben, ebend. 1732. — — durch [237] den fünften Theil fortgesetzt und nebst einer kurzen Nachricht von einer geschickten Niedersächsischen Dichterin (der Tochter eines Predigers zu Römstedt im Lüneburgischen, Namens Curtius) herausgegeben. Hamburg 1738. — bis auf gegenwärtigen sechsten und zugleich letzten Theil fortgesetzt und nebst einer derselben vorgedruckten Nachricht, samt einigen Gedichten von dem im vor. Jahre verstorbenen Bauer-Poeten, Heinrich Jansen, herausgegeben. ebend. 1738. 8.

Gesammelter Briefwechsel über die in der gelehrten Geschichte noch streitige Frage: ob vor der Ausgabe der Locorum theologicorum Phil. Melanchthonis, vom Jahr 1521 eine andere von ihm vielleicht unterdrückte Schrift vorhergegangen sey? Nebst dem Original-Abdruck derjenigen Schrift, welche eben dieselbe von Melanchthon unterdrückte Lucubratiuncula zu seyn gemuthmaßet wird, deren er selbst in der Vorrede zu seiner Ausgabe vom Jahr 1521 gedenket ebend. 1752. 8. Enthält eine weitere Ausführung dessen, was im (unten zu erwähnenden) Briefwechsel der Gelehrten u. s. w. über dies Thema bereits verhandelt war. Man vergl. Neue Beyträge für Literatur des 16 Jahrh. v. G. T. Strobel, B. 5. St. 2. Nr. 4.

∗Die, wenn Christus nicht auferstanden ist, ihre ganze Wiedergeburts- und Lebenskraft verlierende, ja zur Taufe über den Todten werdende Christentaufe, oder die bisher unentdeckt gebliebene ohne Zweifel einzig richtige und wahrhafte Erklärung der höchst schweren und beynahe für unauflöslich gehaltenen Schriftstelle 1 Cor. 14, 29, 30, wobey zugleich der Kampf Pauli mit wilden Thieren in etwas erläutert, auch gleich anfangs vier wichtige Stellen des N. T. nach der Uebersetzung Lutheri, unter andern eine höchst merkwürdige verbessert und in einem Anhange die nicht weniger dunkeln Worte, Röm. 10, 7 richtiger übersetzt und gehörig erklärt werden. Mitgetheilt von einem die Erbauung und Gründlichkeit liebenden Schriftforscher. Hamb. 1761. 4. (Eine neue Aufl. ward wenigstens angekündigt in den Hamburg. Nachr. 1763. S. 280.)

∗Von Juda, dem ungerechten Haushalter … ebend. 176..4. [238]

∗Von dem Abendmahl der Apostel . . . . Hamburg 176 . . 4.

∗Die schwersten Knoten des ganzen N. T. entwickelt, oder paraphrastische Erklärung des ohne Widerrede aller dunkelsten und schwersten Schriftortes Röm. 8, 19 — 23. In dem Vorbericht wird mit verschiedenen und unleugbaren Exempeln ganz irrig übersetzter und erklärter Schriftstellen N. T. bewiesen, wie höchst nöthig es sey, eine Hauptverbesserung des N. T. in allen fremden Sprachen zu veranstalten, ebd. 1762. 4.

∗Ueberzeugender Beweis, daß die Parabel Luc. 10, 25 — 37 keine bloße erweckliche Pilgrims-Geschichte, sondern eine der herrlichsten Predigten Jesu sey, u. s. f. ebend. 1763. 4.

∗Die auf eine leichte Art aus ihrer bisherigen Unrichtigkeit herausgesuchte Schriftstelle 2 Cor. 12, 1 — 9 u. s. w. ebend. 1763. 4. (Vielleicht noch andre kleine Schriften der Art, die nicht genauer angegehen werden können wegen des Abganges der spätern Jahrgänge der Hamburg. Nachrichten und wegen des Selbstverlages. Folgende zwey, welche in gleichem Geiste geschrieben sind und in den Danziger Theolog. Berichten, B. 3, angezeigt werden, haben ihn gleichfalls ohne allen Zweifel zum Verfasser:

∗Die bisher gleichsam im Verborgenen gelegene größeste Prophezeihung von Christo, oder umstößlicher Beweis, daß in den Worten 1 Mos. 3, 22: Siehe Adam ist worden als unser einer und weiß, was Gutes und Böses ist! das erste Evangelium seinen Hauptsitz habe. Wie solches sonderlich aus den beyden Parallelstellen Ps. 82, 6 und Joh. 10, 34 — 36: Ich habe gesagt, ihr seyd Götter! und aus dem von dieser Erklärung seine ganze Stärke und Folgerungskraft erhaltenden und ohne dieselben matt und kraftlos bleibenden Schluß Christi, welchen er den Juden entgegensetzet, dargethan wird, zur neuen kräftigen Ueberzeugung und Widerlegung der die Gottheit Jesu läugnenden Juden und Socinianer. ebd. 1765. 4.

∗Was bisher einige tausend Jahre ein exegetisches Räthsel und Geheimniß gewesen ist, aufgelöset und entdecket. Oder unumstößlicher Beweis, daß die an dem großen und herrlichen Tage des Ueberganges der Israeliten über den trockenen Jordan in das ihnen [239] verheissene gute Land, wodurch der Christen Ueber- und Eingang in ihr himmlisches Canaan vorgebildet worden, von Josua aufgerichteten zwölf Steine nur einen Tag im Jordan gestanden und geblieben sind, nicht aber, wie bisher die allgemeine Meynung gewesen ist, noch bis auf den heutigen Tag daselbst aufgerichtet stehen. In der Vorrede wird von der großen Nothwendigkeit, Nutzbarkeit und Möglichkeit, eine Grundrichtigere, weit vollkommnere Bibel-Uebersetzung des A. T. in Teutscher Sprache gehandelt und zwar einer solchen, die der noch bisher am besten gerathenen Uebersetzung unsers großen Lutheri subordinirt und nachzusetzen und mithin nicht als normativ, sondern nur bloß als interpretativ anzusehen sey. Hamb. 1765. 4.

Besorgte wahrscheinlich nicht vor, sondern erst nach seinem Aufenthalte in Petersburg den gelehrten Artikel der Staats- und gelehrten Zeitungen des Holsteinischen unpartheyischen Correspondenten, gedruckt zu Schiffbeck bey Hamburg, wenn auch nicht fürs J. 1729, doch sicher fürs J. 1730, mithin den letzten zu Schiffbeck gedruckten Jahrgang. So auch anonymisch: Die Niedersächsischen Nachrichten von gelehrten neuen Sachen auf das J. 1731. Hamb. 8. Weil aber die Verlegerin mit K. unzufrieden war, so wandte sie sich an den Notar. Chstph. Frd. Leisner, den Redakteur der Niedersächs. neuen Zeitungen auf das J. 1729, und 1730, welcher darauf jene Nachrichten auf das J. 1729 und 1730, so wie Christ. Melch. Holtzbecher auf das J. 1734, 1735 und 1736 herausgab. Dagegen erschien unter K. Aufsicht und im Selbstverlage eine andere Zeitung unter dem Titel:

∗Hamburgische Berichte von neuen gelehrten Sachen auf das J. 1732 — 1757. Hamburg. 8. 28 Jahrgänge. (Die unter dem Titel: Hamburgische Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit s. unten in Chr. Ziegra.)

De epistolis a Jo. Hevelio partim, partim ad ipsum scriptis adhuc ineditis narratio epistolica ad J. B. M(enken) missa Petersburgo; in Actt. Erudit. supplem. Tom. 9. Sect. 8. p. 359 — 370. (1729.)

Consultatio de scribenda Bibliotheca Slavonica; in Parergis Gottingensibus T. I. C. 4. Nr. 4. (1738.) (Er [240] bezeichnet sich nur mit dem Anfangsbuchstaben seines Namens.)

Verschiedene exegetische Anmerkungen über biblische Stellen, auch einige über Klassiker, ohne Namen, hin und wieder in Journalen, besonders in den Hamburg. Berichten und in den Hamburg. Nachrichten aus dem Reiche der Gelehrsamkeit.

Gab heraus:

∗Ueber den Sarg eines Tugendbegabten Jünglings (Sohnes von Barth. Heinr. Brockes) ausgestreuete Cypressen. Hamb. 1732. gr. 8.

∗Herrn (Jean Puget) de la Serre aus dem Franz. übersetzte süße Todesgedanken, allen die Sterbens-Betrachtung liebenden zur Unterhaltung in Teutsche Reime gebracht von M. Gottfr. Lohmann, Prediger zu Lambs im Mecklenburgischen. ebd. 1732. 8.

∗Hamburgische vermischte Bibliothek, worin zur Aufnahme der Wissenschaften, Künste und Sprachen allerhand neue Entdeckungen und Gedanken, so insonderheit der heil. Schrift und den weltlichen Scribenten ein näheres Licht geben, nebst nützlichen ungedruckten Briefen mitgetheilt werden. 1 — 3ter Band. ebend. 1743 — 1745. 8. (K. war Sammler und Herausgeber.)

∗Gesammelter Briefwechfel der Gelehrten, die zum Wachsthum der Wissenschaften, insonderheit der gelehrten Geschichte, nebst der sowohl geistlichen als weltlichen Auslegungskunst u. s. f. und zum Andenken der vor nunmehro 300 Jahren zur ersten Fertigkeit gediehenen edlen Buchdruckerkunst in eine sogenannte correspondirende Gesellschaft zusammengetreten aufs J. 1750 — aufs J. 1751. ebd. 8. - Der erste Jahrgang besteht aus 47, der 2te aus 50 Stücken. Die in den Hamburger Berichten v. J. 1752. S 30 ff. versprochene Fortsetzung ist nicht erschienen.

Hinterließ vieles im Mspt. (vergl. die Vorrede, zur Introductio in histor. et rem literar. Slavorum), was ohne Zweifel mit seiner Bibliothek, welche er dem Gymnasium zu Altona vermachte, sich dort befindet. Von dieser Schenkung sehe man Paul. Chr. Henrici Progr. de Bibliotheca Gymnasii Altonani narrratio. Alton. 1772. 4.

Vergl. J. Molleri Cimbria literata Tom. I. p. 307 — Saxii Onomast. litter. P. VI. p. 717. — Hirsching’s Handbuch.
Edler

  1. Eine andere Ursache findet man angegeben in den fortgesetzten Russischen Anekdoten Th. 2. S. 143 (1766. 8); und in Schlözer’s öffentlichen und Privatleben S. 36 (1802).
  2. Wenigstens reden die Niedersächs. neuen Zeitungen von gelehrten Sachen auf das J. 1729. S. 347 von einem dreyjährigen Aufenthalte bey der Akademie zu St. Petersburg: die Acta Eruditorum (1729. p. 609) aber nur von einem zweyjährigen.