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Jacob Friedrich Fries’ hundertjähriger Geburtstag

Textdaten
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Autor: Fr. Hfm.
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Titel: Jacob Friedrich Fries’ hundertjähriger Geburtstag
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 316
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[316] Jacob Friedrich Fries’ hundertjähriger Geburtstag. Es war nicht blos eine große Zeit Jena’s, sondern des philosophischen Geistes in Deutschland überhaupt, als Männer wie Reinhold, Fichte, Schelling, Fries, Schiller, Oken, Luden etc. in Jena neben gleich würdigen Kräften anderer Facultäten gemeinsam wirkten. Während das politische Deutschland immer kläglicher zerfiel und tiefer versank, reinigten, stärkten und erhoben jene Männer den deutschen Geist für die folgenden Kämpfe, sie rüsteten die Jugend mit dem Muthe der Idee aus, welcher zu den schönsten Thaten und Opfern der Befreiungskriege führte. Zu den verehrtesten Führern jener Jugend gehörte Fries. Am 23. August 1773 zu Barby geboren, betrat er mit dem Beginn unseres Jahrhunderts in Jena den philosophischen Lehrstuhl, den er zur Kanzel der Humanität und Freiheit erhob. Er war es, der mit Kiefer und Oken am Wartburgfeste Theil nahm und die alte Lutherstätte als „der Weihe Boden“, die Gründung der Burschenschaft aber als die zweite große That der deutschen akademischen Jugend nach ihrem Heldenkampfe auf den Schlachtfeldern pries. Es war daher nichts natürlicher, als daß er dem „tollen Jahre 1819“ sofort zum Opfer fiel; er wurde von seinem Lehramt suspendirt; auch er, einer der größten Philosophen aller Zeiten, wurde vom Bundestag, der erbärmlichsten Behörde aller Jahrhunderte, für unfähig erklärt, philosophische Vorlesungen auf der Universität zu halten. Nur den Lehrstuhl für Physik und Mathematik ließ man ihm, weil er da politisch nichts verderben konnte. So wirkte denn der Mann als Schriftsteller fort; erst wenige Jahre vor seinem Tode gestattete man ihm, wieder Vorträge über speculative Philosophie zu halten. Es war kein großes Wagestück, diese gnädigste Erlaubniß: der verehrungswürdige Weltweise war nicht mehr gefährlich; er war seinem siebenzigsten Jahre nahe gekommen und starb in demselben am 10. August 1843.

Die Feier des hundertjährigen Geburtstages eines Mannes, welcher zu den größten deutschen Gelehrten und den tapfersten Kämpfern für Deutschlands Ehre und Freiheit gehört, ist eine deutsche Nationalpflicht; an der Universität Jena oder an Weimar aber ist es, dazu den geschäftlichen Aufruf zu erlassen.
Fr. Hfm.