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Textdaten
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Autor: Dante Alighieri
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Titel: Zu jenem Punkt im Kreis bin ich gekommen
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aus: Die unbekannten Meister – Dantes Werke, S. 83–85
Herausgeber: Albert Ritter
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1922
Verlag: Gustav Grosser
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: Albert Ritter (Karl Förster, Karl Ludwig Kannegießer)
Originaltitel: Io son venuto al punto de la rota
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
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Quelle: Commons
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[83]
Zu jenem Punkt im Kreis bin ich gekommen,

Wo dem Gesichtsfeld bei der Sonne Neigen
Der Himmel sich des Zwillingssterns entbindet.
Der Blick zum Liebesstern wird uns genommen

5
Von jenem hellen Lichte, dessen Reigen

So schräg sich schlingt, daß er ihm Schleier windet;
Und der Planet, bei dem die Kräfte findet
Der Frost, zeigt ganz sich in dem großen Bogen,
Der arm an Schatten ist von jenen Sieben –:

10
Und doch ist meinem Lieben

Nicht ein Gedanke, der mich drückt, entflogen!
In meinem Sinn, der härter denn die Steine,
Bewahr’ ich fest das holde Bild von Steine.

Aus Äthiopiens Wüstensand entstiegen

15
Hebt sich der Wind, der trüb die Luft verheerte

(Denn hitzend brennt jetzt dort die Glut der Sonnen).
Dann schwebt er übers Meer, und mit ihm fliegen
Viel dichte Nebel; wenn nichts ihnen wehrte,
Ist bald durch sie der Norden eisumsponnen;

20
Dann sind zu weißen Flocken sie zerronnen

Und fall’n herab als Schnee und läst’ger Regen.
Nun sind die Lüfte trüb’ und müssen klagen –:
Doch Minne, die vom Jagen
Ihr Himmelsnetz einzieht des Sturmes wegen,

25
Verläßt mich nicht; solch eine schöne Herrin

Ist diese Harte, die mir ward zur Herrin.

Geflohn ist jeder Vogel, der dem Wehen
Der Wärme aus Europa folgt, weil immer
Der frost’ge Siebenstern darüber wachte;
Rings ließ das Schweigen jeden Sang vergehen:

30
Er hebt erst an mit neuem Frühlingsschimmer –

Es sei denn, daß er nur des Leids gedachte.
Das Tier, das die Natur so heiter machte,
Entbehrt nun aller brünstig heißen Triebe,
Weil in dem Frost ihm alle Sinne ruhten –:

35
[84]
In mir nur wachsen Gluten,

Mir rauben nicht die süße Lust der Liebe
(Noch geben sie) die Zeiten in den Jahren –
Nur eine Fraue tut das, jung an Jahren.

Die Zeit des grünen Laubes ging zu Ende,

40
Das einst des Widders Kraft gelockt zum Lichte,

Die Welt zu schmücken; tot sind Feld und Aue;
Und kein verborgnes grünes Zweiglein fände
Man wohl, wären nicht Tanne, Lorbeer, Fichte
Und andre, deren ew’ges Grün erbaue.

45
So strenge ist die Jahreszeit, die rauhe:

Der Hügel Blüten rings ließ sie vergehen:
Sie tragen nicht des Herbstes Reif, des bösen –:
Doch aus dem Herz zu lösen
Den Dorn mir, will sich Minne nicht verstehen,

50
Und sicher haftet er darin für immer,

Solang ich leb’, und lebte ich auch immer.

Rings dampfen Wasser, die aus Quellen kommen,
Durchdünstet tief im Schoß der Erde drinnen,
Und aus dem Grund empor zum Lichte dringen.

55
Wo ich an schönem Tag den Weg genommen,

Fließt jetzt ein Bach und wird so lange rinnen,
Wie je noch währt des Winters schweres Ringen.
Fest scheint ein Schmelz die Erde zu umschlingen,
Steh’nde Gewässer starr’n in glas’gen Rinden,

60
Weil fest sie in des Frostes Ketten liegen –:

Allein von meinen Kriegen
Konnt’ ich noch keinen Schritt zurücke finden,
Und will’s auch nicht: Denn birgt die Qual selbst Süße,
So übertrifft der Tod doch jede Süße.

65
Mein Lied, was wird aus dir wohl in der andern,

Der jungen süßen Zeit, wenn erst die Liebe
Von allen Himmeln wird zur Erde tauen,
Da schon bei Frostes Grauen
In mir nur Minne weilt und nimmer bliebe

70
[85]
Bei anderen? Dann werde ich zu Marmor,

Wahrt diese Maid noch statt des Herzens Marmor!