Im Weargliachat

Textdaten
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Autor: Michel Buck
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Titel: Im Weargliachat
Untertitel:
aus: Bagenga’. Gedichte in oberschwäbischer Mundart. S. 172-180
Herausgeber: Friedrich Pressel
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: bis 1888
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Robert Lutz
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[172]

Im Weargliachat.[1]

„Wôlli,[2] Buaba, uß de Ziacha[3],
Jucket[4] keack in d Hosa nei’,
Wôlli, ouf, ma’ gôht ge liacha!
Want er denn di Letschti sei’?

5
Z Ôbed ka’ ma’ wieder gruaba[5],

Jetza flink an d Arbet nous!“
Sait der Vater, und dia Buaba
Hupfet uß de Pfulba[6] rous,

Beatet gschwind da Morgaseaga,

10
Langet d Löffel uß der Lad,

Thant a Pfanna Muas ousfeaga:
„Vaterle, mer kommet grad!“

D Magd staußt d Läda nous an d Reiber[7],
Fürbt[8] dernô noh d Stuba gar,

15
D Muater gôht mit diesi[9] Weiber

Schau’ ins Wearg, denn d Zeit ischt rar.

[173] Jede liacht en Jau’[10] fürani[11],
Will da gräuschta Baussa[12] hau’,
Und die dicki wia die rahni[13]

20
Want it foul dahinta stauh’.


S wead derweil so umma Neune,
D Jeassazoina[14] bringt der Bua,
D Krousa[15] mit der Mill[16], koi’ kleine,
Mit em weißa’n Uebertua.[17]

25
Und dia Liacher lieget, hocket

Uff da Boda, wias en gfällt,
Und in d Schüssel weads jetz brocket,
Bis as d Löffel oufreacht stellt.

Nais[18] und Nysi[19] jeasset zaischta,

30
Und se trialet schiar in d Wett;

Freili haunt se au am meischta,
Schiar füar fainfe, Hunger ghett.

Kriaget doch dia arme Tropfa
Nia koi’ Mill im Hiatahous,[20]

35
Müasset d Bäu[21] mit Braut verstopfa

Und mit Wasser schwenka’n ous.

[174] Aber was ischt dött im Au’ser?[22]
Ischt as it der Brenntawei’?
Jô, a Guttra[23] wia a Gau’ser![24]

40
S Bescht kommt gmoingle hintadrei’.


Was doch so a Budel machet,
Wenn sen rum im Roiha launt!
Wia dia Liacher Scholla[25] lachet
Und a Gschroi und Lusi[26] haunt!

45
„Jetz isch Höri,“[27] sait der Vater,

Schuibt dia Guttra wieder ei’,
„S wead a’fanga z lout des Gschnatter,
Und mei’ Wearg muaß glocha sei’!“

Wia se jetz fürani schreitet,

50
Wia se liachet noh so ring!

Aih ma’ d Weiberschröcki[28] läutet,
Stôht nu’ noh a Fiderling.[29]

D Weiber schlupfet jetz in d Juppa,
Gauhnt in Fleacka gschwind voara’,

55
Denn se müaßet richta d Suppa,

Daß ma’ z Zwölfe jeassa ka’.

[175] D Tisch sind gricht und d Stüahl und d Schranna,
Jetz nu’ rei’ zum Gabelgfeacht!
S stauhnt zwua graußi Nudlapfanna

60
Siedig uff de Pfannakneacht.


S Weißbier in der Körbikrousa[30]
Druckt bereits da Simbsa ra,
Thuat as au it feindle[31] sousa,
Schwemmts doch Schmotz und Nudla na.

65
D Liacher thant in d Stuaba treata,

D Weiber wischt und d Manna hott,[32]
Fanget a’ gem Jeassa beata.
Und se hudlet – s ischt a Spott.

Und se sitzet glei in Roiha,

70
Wias der Vater gornat[33] hôt,

Und se thant si so vermoia,[34]
Daß ma’ nix maih überlôht.

Zaischta kommt a Küachlasuppa,
Aber s ma’ se koiner dünn,

75
S schwimmet Brocka rum wia d Gruppa[35]

In der graußa Schüssel dinn.

[176] Nôcha kommet gschupfti[36] Nudla,
Krout und Streichat[37] sind derbei -
„Hebet[38] Sorg und thant it hudla,

80
D Küachla kommet au gauh glei!“


D Krousa gôht jetz rum im Roiha
Und ma’ feucht dia Nudla’ ei’.
Denn ma’ müaßts suscht mit der Hoia[39]
In dia Mäga stampfa nei’.

85
Endli kommt der öbrischt Sprissel[40]

Von der Himmelsloiter au,
D Bäuri bringt a Küachlaschüssel
Aellbereits a’n Ehla hauh.

Dutzad Händ dia sieht ma’ greifa

90
Mitanand in Küachlabearg,

Koiner könnt ui jetz maih pfeifa,
Gälts en goldna Baussa Wearg.

Und s pureutig[41] Schmalz lauft hanna,[42]
Danna[43] an de Mäuler na,

95
Jedes thuat uffs schmotzigscht spanna,[44]

D Grait[45] wia d Gull[46] und d Alea.[47]

[177] Aber zletschta muaß ma’ houfa,[48]
Endli ab die Küachla lau’,
Bärig ka’ ma’s maih verschnoufa

100
Und der Vater beatet schau’.


Und der Vater, suscht fürani,
Macht as desmôl küzer a,[49]
S gfällt em it des lahm Sagani:[50]
„Gaunt jetz nu’ in Tenna[51] na!“

105
Bärig gsait, so hairet älli,[52]

Machets Kreuz und dousset futt,[53]
Stealzanazi[54] mit em Gälli,[55]
D Wuzamei[56] mitsannt der Schlutt.[57]

Haunt im Tenna au’verdrossa,

110
Wias des Gschäft von seall so geit,

Stiefel, Toffla, Schuah und Bossa[58]
Zaischta ällz uff d Seita keit,[59]

Bôarfuß nôch in d Schalta[60] gstaußa
Zwears dur d Schuir da Riffelbom,[61]

115
Denn bei so vel Dutzet Baussa

Broucht ma schau’ a mächtigs Trum.

[178] Sind dernô an d Riffla gstanda
Uff da Tenna feucht und häl,[62]
D Manna hanna, d Weiber danna,

120
Paar und Paar an jedem Strähl.[63]


Bolla[64] fallet ganze Häufa
Mit de dürre Blättla na.
D Riffler thant jetz singa, pfeifa,
Au anand uff d Bückel schla

125
Mit de schweri Bollasanga,[65]

Freili gschieht es nu’ im Gspaß,
Aber s wead derbei ma’ manga
Denischt doch a'n Aeugle naß.

Nysi woißt so alti Schnôka,[66]

130
Zennat[67] wia’n a bißger Goul

Und verzuiht druff zum a Hôka[68]
Wieder glei s Hanswuschtelmoul.

D Buaba, d Mädla, d Weiber lachat,
S ischt a reachti Kugelfuahr,[69]

135
S gôht, wenn Alti Possa machet,

Bei de Jungi über d Schnuar.

[179] Wäger, dô ischt au so ganga,
Haunt anand bereits verküßt.
„Halt, i will ui s Weatter sanga!“[70]

140
Sait der Vater, „hau’s it gwüßt,


Daß er so vol Bosget[71] steackat.
Seahnt er dô da Hagaschwanz?[72]
Schla gauh’ glei äll ôdragfleackat,[73]
Laß koi’ Nôht am Kittel ganz.

145
Launt dia Theama,[74] sag i, schaffet,

Fallet d Läus von ui aweag;
Wenn er nu’ uff d Narra gaffet,
Gôht dui Arbet it vom Fleack.

Und iahr alti Esel, hairet,

150
S Schaffa stünd ui besser a’,

Wenn er dô, statt daß er stairet,[75]
Hofreacht[76] müechtet[77] au da’ Ma’.

Singa, Johla, Gspäß in Aihra!
Was oin in der Orning deucht,

155
Ma’ i seall beim Schaffa haira,

Denn as macht oim d Arbet leicht.

[180] Aber d Juged so verfüahra,
Schla mi s Bläßle, gôht it a’.
Siehni nomôl karassiara,

160
Schlani äll in Tenna na’.“ –


Saits und luagat fuirig ummi,
Aber s muckt se koiner maih,
It der Veri,[78] it der Dommi,[79]
It der Veit und Batlamai,

165
Gschweigis d Grait und d Nais und d Zilla,[80]

D Zofei,[81] d Mei und d Ulia’,[82]
O dia sind so mäuslestilla,
Daß ma’ Leinset[83] säa’ ka’.

Und der Vater wôrflat d Bolla

170
Hintre gegam Deichselloch,

D Buaba müasset Fuater holla,
Und so bschluißt ma’ d Liacharwoch.



  1. Flachsausraufen.
  2. Weidlich, hurtig.
  3. Bettüberzug.
  4. Hüpfet.
  5. Ausruhen.
  6. Bettkissen.
  7. Schließen.
  8. Kehrt.
  9. Den anderen.
  10. Streifen.
  11. Vorwärts.
  12. Bund.
  13. Mager.
  14. Korb mit Essen.
  15. Krug.
  16. Milch
  17. Uebertuch.
  18. Agnes.
  19. Dionys.
  20. Hirtenhaus.
  21. Bäuche.
  22. Brotsack.
  23. Flasche.
  24. Gänserich.
  25. Schochen.
  26. Fest.
  27. Zeit zum Aufhören.
  28. Das Glockenzeichen mittags 11 Uhr zum Kochen für die, welche auf dem Feld sind.
  29. Rest.
  30. Kirchweihkrug.
  31. Stark.
  32. Links, rechts.
  33. Geordnet.
  34. Erlustigen.
  35. Groppen, kleine Fische.
  36. Mit den Händen gewellte.
  37. Niederschlag von zerlassener Butter.
  38. Haltet.
  39. Stampfschlegel.
  40. Sprosse.
  41. Pur.
  42. Hüben.
  43. Drüben.
  44. Abheben.
  45. Gret.
  46. Regula.
  47. Eulalia.
  48. Zurück gehen.
  49. Kürzer ab.
  50. Dahersagen.
  51. Scheune.
  52. Hören auf.
  53. Schleichen fort.
  54. Stelzen-Ignaz.
  55. Gallus.
  56. Wurz-Maria.
  57. Unname.
  58. Halbstiefel.
  59. Geworfen.
  60. Wandsäule.
  61. Hechelbaum mit eisernen Kämmen oder Riffeln zum Abraufen der Bollen d. h Samenkapseln.
  62. Schlüpfrig.
  63. Kamm.
  64. Samenkapseln.
  65. Flachsbündel.
  66. Schnurren.
  67. Bleckt die Zähne.
  68. Hacken.
  69. Narrenspiel.
  70. Segnen.
  71. Bosheit.
  72. Farrenschweif.
  73. Otterfleckig, bunt.
  74. Dummheiten.
  75. Störet.
  76. Frischweg.
  77. Machtet.
  78. Xaver.
  79. Dominikus.
  80. Gret, Agnes, Cäcilia.
  81. Sophie.
  82. Juliane.
  83. Leinsamen, man braucht stilles Wetter zum Säen des Leinsamens.