Im Congoland/In den Kukibuendi-Bergen

Textdaten
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Autor: Dr. Pechuel-Loesche
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Titel: In den Kukibuendi-Bergen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 794–796
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Im Congoland.
Von Dr. Pechuel-Loesche.
Mit Illustrationen nach Originalaufnahmen Pechuel-Loesche's auf Holz gezeichnet von Prof A. Goering.
4. In den Kukibuendi-Bergen.
Stanley's Weg. - Schwierigkeiten des Gebirges. - Böse Pfade. - Ein Negerdorf. - Grasbrände. - Reiche und öde Landstriche. - Wechselnde Gesinnung der Eingeborenen.


Von Bivi aufwärt bis zur zweiten Station Isangila bildet bei einer Lauflältge von etwa 90 Kilometer der Congo eine Reihe großartiger Stromschnellen.

Die zwischen denselben liegenden ruhigeren Flußpartien sind zwar für den Verkehr von Booten und Dampfern geeignet, doch würde die Verbindung eine ättßerst langwierige und kostspielige sein. Die nnüberwindlichen Stromskrecken müßten aus höchst be^ schwertichen Psadeu am User nmgangen, die Gfker viele Mnse, .ans,- und eingeladen, zum Ueberfluß auf allen Abschnitten besondere Fahrzeuge unterhalteu werden.

Obwohl uuu Stanley bei seinem ersten Vordringen vor vier Jahren, wo immer der Strom sich zngänglich und sahrbar erwies, Dampfer und Boote von den Wagen nahm und zu Wafler vor-, wärts brachte, hat er doch in richtiger Würdigung der Verhältniffe sür die regelmäßige Verbittdung zwischen Vidi und Isangila ben uuunterbrochenen Ueberlalldweg vorgezogen.

Freilich ist dieser Weg ein sehr primitiver und entspricht nicht den heimischen Vorstellungen von einer Straße. Er ist nicht befahrbar in uuserem Siuue, nicht einmal beauem zu begehen. .Kunstlos wie die allenthalben sich durch das Bergland schlängeln,- den Psade der Eingeborenen und diesen vorzugsweise folgend, schmiegt . er sich den Bodenforuteu an , führt über Höhen und durch tiefe, steilwaudige Schluchten mit ihren Wafferlänfen, ohne Umschweife die Hindernisse nehmend, die sich bei der eigenartigen Natur des Berglandes leider nicht umgehen lasseu. Wo an geneigten Flächen die mächtigen Rüstwagen mit ihren uubehülslichen Lasten: Fahr- ^ zeugen, Danspfkrsfeln, seitwärts überzufallen drohten, ist das Erdreich etwas abgestochen und zu einer rohen Fahrbahn geebnet worden.

Att einer Stelle war man gezwungen, hart über den vor,, iwertosendeu Gewässern des Stromes eine vortretende Felsecke des Ngomaberges wegzuspreugen und einen Steinwall auszurichten. Die Spreugung, die natürlich den Eittgeboreuen gewaltig imponirtr, wurde von Herru Lieutenant Valcke geleitet;' durch sie kam der Name Mbula Matari oder Matadi, "Steinbrecher", auf, welcher dann auf Stanley übertragen wurde.

So entspricht der Weg nur den allerltothweudigsteu Au,- forderungeu. Ihu zu einer schnellen und lebhafleu Verkehr er.- tnöglicheuden Straße umzugestalten, würde einen anßer Verhältnis zum" Nutzen stehenden Aufwand an Zeit und Eapital ersordern.

Unter solchen Umständen begnügt man sich damit, den sehr bedeutenden Gütervertehr in der in Eentralafrika seit jeher üblichen Weife zu bewältigen: durch Träger, die durchschuittlich Lasten vott ^0 Kilo Gewicht auf den Köpfen fortschaffen"

Weuu wieder eiumal ein Fahrzeug oder Danlpflessel, über,- hanpt ein nicht wohl tragbares Stück zu transportireu ist, dann wird abermals ritt Rüstwagen in Dienst gestellt. Da Zugtiere weder vorhauden noch verwendbar sind, treten Menschen an ihre Stelle und rollen die schwer beladenen Maschinen langsam vor,, wärts. An stellen Berglehnen und den Wänden der Schluchten, in den selsigen Betten der Wasserläufe hilst man sich mit Taueu uud Winden, mit Aufschichten von Steiueu, Kuüttelu und Holzkloben. Diefe an die Iuggernaut.^Proeessiou* erinnernde langwierige uud keiueswegs gesahrlose, für große Stücke jedoch einzig mögliche Trausportweife wird glücklicher Weise uür selten uothweudig.

Zwischen Isangila und der dritten Station, Manyauga, wird die Verbindung wieder zu Wasser aufrecht erhalten, obwohl diese mittlere Strecke des Eongo der Befahrung nicht besouders günstig ist. Wir benutzten jedoch nicht dieseu Wasserweg, souderu marschirteu auf der Nordfeite des Flusses in das Gebirge hinein, da es besouders wichtig war, das von de Vrazza von Osten uach Westen durchzogene Gebiet, den Verlans der Thäler und

  • Iuggernaut (Dschagarnaut) ist der Haupttempel des gleichnamigen

Gottes in Ostindien. Int Iuni oder Iult jeden Jahres sindet hier das Diruual, d. h. Wagenfest, statt, welches zehn Tage dauert. Das Götzen. bild wird bei dieser Feier auf einen ungeheuer hohen und starten Wagen gesetzt, der, ost mit mehreren tausend^Menschen bespannt, im tiesen Sand eirea ein Kilometer weit sortgezogen wird.

Flüsse zu untersuchen, die Höhett zu messen, um festzustellen, ob das Berglaud der Anlegung einer guten Skraße günstiger sei" Dieser Theil des Gebirges erwies sich jedoch größtenteils noch unwegsamer und schluchtenreicher als der westkche.

Mehrere Tage lang waren wir aus den Pfaden der Ein.- geborenen kreuz und aner. nlarschirt, über öde, grasbewachsene Höhen, durch enge, mit Buschwald ausgekleidete Wasserriunen, als wir endlich alt einer nördlichen Biegung den Eongo erreichten. Seine an tausend Meter breite glitzernde Fluth wälzte sich wie überall zwischen steil abfallenden waldlosen Bergen. An ihrem Fuße standen vereinzelt lockere Gruppen und Streifen von Bäumen.

Es war im August, der Zeit der größteu Trockenheit nud des niedrigsten Wasserstandes. Der Eongo hatte sich aus seiuem Ueberschwemmungsbeke zurückgezogen. Weithin an den Ufern dehnten sich helle Sandbänke zwischen duukeu, zernagten Schiefer,- kippen, und lauggestreckte Felsriegel traten hier und dort gegen die Mitte des Flusses vor. Skromabwärts in blauer Ferue war das steile, vom Südufer schars ausspringende Vorland zu erkeuueu, attf welchem in unvergleichlich schöner und günstiger Lage die englische Bantisten,-Mission Baynesville errichtet wurde. Die Be,- sitzer dieses Vorlandes vermögen die mittlere schiffbare Strecke des Eongv vollkommen zu beherrschen und jedem Verkehre zu ver,- schließen. Es ist auch ein historischer Platz: denn bis zu jetler Stelle vermochte der von Isangila an auf dem Süduser vor-, dringende Tuckey vor nun siebenundsechszig ^Jahrett den Lauf des. fo lange räthfelhast gebliebenen Stromes zu entschleiern.

Inl Nordosten überragten das eintönige Gebirgsland nn-, gewöhnlich hohe Bergketten, die am besten die Knkbuelldi-Berge zu benennen sind. Ein mühsamer .Marsch durch den nachgiebigeil Ufersättb ltnd aner über seltsam zeruagte Schiefertväll^ (siehe Ab,- bildung Seite .^02) faud ein plötzliches Eltde an mächtigen Schieferplatten, die glatt aufsirebeud oder chaotisch durch eiuauder geworfen detl Userweg weithin vollkommen absperrten.

Wir arbeiteten utts durch krauses Gebüsch am Uferhatlge hittauf und folgten einem Fischerpfade, der ilt weitem Bogett über Grasgelände wieder zum Eongo führte. Hier begann nun eine Kletterpartie über Schiefersessen, die uns in steter Augst um ullfere Träger und ihre Lasten erhielt. Unter uns wogten die dünken^ Flnthelt des Eongo. Aus schmalen Absätzen an glaken Wättdett hin, zwischen mächtigen Platten und palissadengleich aufgerichteten scharflautigen Pfeilern hindurch, über wüste Tentntnerhanfen suchte eiu Ieder seinen Weg, so gut es eben giug. Die sich einklammern- den Hände fühlten schmerzlich die Glttth des schwarzblattett, vom Sonnenbrande überntäßig erhitzten Gesteins.

Endlich gelangten wir zum Wasserspiegel hinab. Wir stauben att einem tiefen Einschnitte des Eongv, in dessen äußerstell Zspsel ein Flüßchen mündete" Mitten davor lag ein Eilaud, das im Kleinen dieselbe Formation zeigte wie die Felseumasseu, über welche wir herabgestiegen waren. Wir uannten das wunderliche, bei Hoch- wasser überflutete Gebilde die Paliffadeninfel (siehe Abbildung ans Seite '.'00). Das Flüßchen, der Ntendesi, erwies sich als rief nnd reißend; es konnte weder durchwatet noch durchschwomtuen werden. Während wir unter den wenigen vorhandenen Bänmen nach denen suchten, die, richtig gefällt, als eine Notbrücke dienen sollten, faulen etliche emgeborene Fischer zwischen den Felsnadeln hervor. Nach den unvermeidlichen, Geduld wie Humor gleich erschöpfenden Verhandlungen willigten sie ein, uns überznsetzen. Zu je Zweien auf den Baden niederhockend, wurden wir unter sich i.mmer wieder- holenden Erörterungen in ein paar winzigen, übermäßig zum Um-, schlagen geueigteu Eanoes zum andeen Ufer befördert. Ich mit meinent Diener als der Erste, Herr Tettsz luit dem seinen als der Letzte.

Die Fährleute wiesen uns nach dem uächsteu Berghange, wo eiu Pfad etttporführen sollte. Der Aufforderung, uns zu geleiten, setzten sie'^ die ost zu hörende Entschuldigung entgegen, daß da oben böse Menschen wohnten" [795] ^^95 ^

Wir fanden endlich eine Art Pfad, aber von einer Beschasten,- heit, die uns ill Zweisel ließ, ob er je voll Menschen oder nur von ..nmmlnstigen Ziegen benutzt wurde. An Grasbüschelu uns haltend, von Stastel zu Stastel uns empvrzieheud, keuchten wir illl Sonnenbrande den kahlen Steilhang hundertzwölf Meter hoch hinaus.

Auf der Höhe strich ein frischer Wind über die schwankenden, lockeren Halmgräser und fuhr sausend durch das krause Gezweig der verstreuten charakteristischen Zwergbäume. Der deutlicher gewordene Pfad führte in leichten Steigungen auf und ab, durch dürre, lästige Schilfgräser, die über dem Kopse raschelnd zusammen-, schlugen, an einem spärlich über Felsplatten rieselnden Bach hin, dattn durch ein die Nähe von Menschen verkündendes nlit Erbsen,- büschett (O.^.j.nmt., mckit..lm^ bepflanztes Feld. Um einen Hügel- spvrn biegend gewahrten wir endlich auf einer nicht allzu fernen hohen Kuppe lichte Bestände von Bäumen und Oespalmen und itl deren Schaken fahlbraune Hütten"

Trompetenkänge meldeten unser Nahen, und wir zogen in das Dors Mungomhe eilt. Es erschien wie allsgestorben.. Die Hütteuthüren waren geschlossen, die Menschen entlaufen; ntan war trickst gewohttt, hier bewaffnete Fremdlinge, am welligsten aber Europäer anlangen zu sehen"

Auf einem Platze fanden wir schließlich einige Männer uud Huude um ein Feuer gntppirt, die sich geherdeten. als ob sie Dors und Besuch gar uichts allgingen. Unser Gruß wnrde zurückhaltend erwidert, ltnser Wunsch, im Dorse zu uächkgen, mit dent Antrage beantwortet, wir möchten weiter ziehen, wir könnten in Mtlllgombe nicht bleiben. Die Art und Weise der Leute war nicht ermutigend , doch auch nicht abschreckend. Etn kurzem Palaver (so werden ill Westafrtka mit den Eingeborenen geführte Verhandlungen genannt), freundliche Worte, gewürzt mit einigen ^ lttfngen Bewerkungen, die ruhige Haltung der Meinen führten zu . einer befriedigenden Verständigung. Der Hauptgrund gegen unfere Aufnahme war: es gab noch leinen Präzedenzfall , eine solche Karawane hatte Mungontbe noch nicht betreten; der zweite: so lange wir blieben, dursten die Weiber nicht in's Dors kommen, llnd das war unbeguem. Wir schlugen vor, und wie sich bald zeigte, nicht ohne Erfolg, die Unbeauemlichkeit aufzuheben, die Weiber zurückzurufen, da wir gute Menschen und ihnen gewiß tticht gefährlich wären.

Ohne es zu wiflen, hatten wir mit dem Dorsherru felbst verhandelt, mit dem rin ziemlich großes und reiches Gebiet be-- herrschenden Häuptling Nadeln Davuuda, der sich bald auch als ein sehr respektabler Afrikaner enspuppte. Zunächst brachte er uns ein willkommenes Gastgeschenk, eine stakliche, sich sehr ullgeberdig sträubende Ziege und eine große Kürbisflasche mit schäumendem Palmmost.

Während wir noch das Lager aufschlugen, lehrten allmählich die alls den benachbarten Dörfern gerufenen Weiber zurück; erst die alten , dauu die jungen. Hübsche , wohlgehaltene Kinder wagten sich bald mit stallenden Augen tu unsere Nähe und gaben uns Gelegenheit, die Herzen der Mütter zu gewiunell. In kürzester Zeit herrschte Freude und lustiges Leben im Dorfe. Die Bewohner stellten fich vollzählig ein; Ziegen, Schweine, Hühner, die man vorher wohl nach Kräften verborgen hatte, tauchten auf llnd das Feilschen ltm Lebensmittel begann. Eier, ölreiche Erd- ltüsse, Maniok, Süßkartoflelll und die nahrhaften Früchte des Erbsenstrauches wurden in zierlichen Körbchen herbeigebracht, geduldige Hühner lllit zusammengefundenen Ständern zum Ver,, falls ausgelegt. Unser Reisegeld bestand neben vielen Kleinigkeiten aus blau und weiß gestreiften Stoffen und grellbunten Taschen- tüchern, für deren Eintansch das weibliche Geschlecht willig seine eßbaren Besitztümer opferte.

Die Dörfler gehörten zu dem Stamme der Basundi, der hier weithin auf der Nordfeite des Eongo das Land befiedelt hat, und mußten selbst unter diesen als auffällig wohlgestaltete und gut genährte Leute gelten. Zwar wurde das warnte Dunkel,- braun ihrer Haut durch den grauen, fast landesüblich zu nennenden und die nächtliche Lagerstatt verratenden Aschenanflug verunziert, doch fahen sie bei weitem nicht so lümlnerlich und vernachlässigt atts wie manche Gemeinden ihrer Brüder in benachbarten Gebieten. Ihre Heimat war ein die Umgebung weit überragendes keines Bergland, das reichlicheren Negen empfitla, und in den Eiu- . senl.uttgen wohwewästerten fruchtbaren Boden befaß.

Man gewann den angenehmen Eindrnck, sich unter ungewöhnlich

arbeitsamen Menschen zu befinden, die in einem entsprechenden Wohlstaltde lebten. Iedensalls trasen wir nirgends wieder am Eongo eine so dichte Bevölkerullg und gepflegte Plantagen von so überraschender Ausdehnung wie in den Kukbueudi.-Bergeu.

Mttugombe liegt aus dem letzten südlichen Ausläufer der Hauptkette, an 150 Meter über dem Eongo" Von seiner Höhe genoß man einen reizvollen Rundblick weit ill das Eongoland hinein" Nordwärts ragten die um 400 Meter' höheren 'Berge auf, deren Gipfel ausnahmslos mit dichtem Wald wie mit einer Haube geschmückt waren und sich dadurch wefelltlich von allen übrigen des Gebirges unterschieden. Nach Osten, Süden nnd Westen schweifte der Blick ungehindert bis in die blaue Ferne über die fast gleichförmigen waldlafen Hügel (siehe Abbtldung auf Seite ^00). ,

Gegen Abend entwickelte sich im Westen ein wundervolles Landschaftsbild. Am Horizonte waren die Grasbestände in Flammen gesetzt, und duttkle Ranchschichten lagerten über den Bergen. In sie tauchte die Sonne hinab, eine glutrote. glanzlose Scheibe, uud durchdrang den Dnust und O.ualm mit purpurnem und violettem Lichte. Dazu der bläuliche Duft zwischen den Bergen, die Abstuspngen von Braun, Gelb und Grün bis zu den krustigen Farben des .^rdergruudes und Alles überhaucht von dem wunder-- samsten Scheine - eine Märchenlandschaft lag vor nns, von immer sich ertleuerttdem zauberischen Reize, der erst allmählich mit dem Verschwinden der Sonne verblich.

Ein köstlicher windstiller. Abend ist auf den heißen Tag ge.- solgt. Wir haben unser trefflich mundendes Abendbrod (Erbs,- wurstsltppe, zähen Ziegenbraten ^ und gebackene Süßlartosseln) verzehrt, unseren Thee gesunken, zünden unsere Pfeifen an und schlendern durch die Dorsgasten. Dratlßen umfängt uns dunke Nacht" Unter eiller Grlsppe träumerischer Oelpalnlen halteu wir an und lauscheu - aber nichts regt sich auf der Höhe, .iu der Tiefe, nur vom Dorse her kingt gedämpftes Skmmengewirr. Ueber uns funkeln die füdlichen Stlernbilder; fern im Weften züngeln noch die Flammen wie leuchtende Bänder an den 'Berg-- lehnen hin, langfallt vorrückend, nun verschwindend, nutt wieder auflohend und stetig weite Strecken der lästigen Grasbestände ill Kohle und Asche verwandelnd.

Wir wandern nach dem Dorse zurück, wo an dem Lagerfeuer die Unseren mit den Dörflern noch die halbe Nacht hindurch schwatzen werden, strecken uns auf das frisch geschüttete Graslager und schlafen einen beneidenswerten Schlaf. .

Schon vor Tagesgrauen lasten wir den Trompeter zum Aufbruch rufen. Rasch ist das Frühstück verzehrt und alles ge,- packt. Die Dörfler drängen sich lllll uns zum Abschied; hullgerige Hunde schuüsteln zwischen den Lasten umher, einige stolz schreitende stakliche Hähne rufen ihre Hennen zusammen. Iämmerlich blökende Ziegen suchen einander und grunzende Schweine trollen sich vorüber. Attch eine Dorflokette ist vorhanden, ein schlankes Mädchen, das mit gutgespielter Unbekümmertheit zierlich hin und wieder schreitet lllld mit einer Gerte sllchtelt, als wollte es soeben zu einem Morgenritt in den Sattel steigen.

Unser Gastkrennd Nadeka Davuuda gesellt sich zu uns. Er ist von dem empfangenen Gegengeschenk überaus befriedigt, hat llicht einmal - gänzlich unafrikanisch ! - noch mehr verlangt uttd will uns null selbst das Ehrengeleit durch sein keines Reich geben. Würdig wandelt er vor mir her, hillter ttns folgt die Karawane , untermischt mit den Dörflern , die sich noch immer nicht kennen können.

Bergaus, bergab schlängelt sich der Pfad, an steilen Hängen hin und lauschige Thäler entlang. Wo immer in den Senkungen sich günstiger Boden findet, da silld Felder angelegt, stehen Gruppen großblättriger Pisangs und Melonenbäume. Kräftige Oespalmen wachsen allentalben verstreut: in ihren Kronen hängen, fast wie Früchte anznschanen, die Kürbisflaschell , in welchen der reichlich aus einer Schnittwunde sickernde Sast aufgefangen wird" Rieselnde Bäche und versumpfte Strecken sind von dichtem , von Schling,- pflanzen dllrchwirtteltt Gebüsch umgeben. Dazwischen dehnetl sich wieder öde Halden, auf welchen starres Gras und Gestrüpp ihr Dasein fristen. Streisen von Buschwald haben sich hier tllld dort erhalten, sowie schattige Haine von stattlichen Bäumen, nnter welchen in großer Menge der stolze, edelbelaubte Baum, der die vielgepriesenen Kolanüste hervorbringt, seinen vollästigen l Wipfel ausbreitet. [796] So ziehen wir stundenlang über ebene Grate, durch enge Schluchten und eultivirte Thälcheu, an steilen Hängen hinauf und hinunter. Ueberall und oft auf künstlich angelegten Terrassen stehen einzelne Hütten, kleine. Gruppen derselben, ganze Dörfer, zwischen Strauchwerk., Palmen und audereu Bäumeu. Uud wo immer ein Ausblick sich öffnet, da sieht man nah und fern nach viele mehr in ähnlicher Lage, selbst nach hoch oben an den Wald- kappen der Alles überragenden Gspfel.

Die Gartenlaube (1883) b 796 1.jpg

Im Congoland: Die Palissaden-Insel.

In hellen Haufen erwarten uns überall Menschen, oder kommen gelaufen, uns anzustaunen, zu begrüßen, passiren zu sehen. Viele schließen sich uns an und begleiten uns von Dorf zu Dorf, die Jugend beiderlei Geschlechts Allen voran.

Die Gartenlaube (1883) b 796 2.jpg

Im Congoland: Blick von Mungombe nach Nordosten.

Der Reichthum an Kindern steht im schärfsten Gegensatze zu dem, was man sonst im Congoland beobachtet; manchmal schwärmen sie um uns, als ob sie eben aus der Schule entlasseu wären. Die meisten sind hübsch, viele sogar sehr hübsch zu nennen; alle sind lustig und zutraulich und voller Mutwillen. Die klienen Geschenke von Perlen und Messingschellen, die wir freigebig auszutheilen vermögen, nehmen sie froh entgegen. Sie könnten glauben, der Weihnachtsmann zöge durch ihre Heimath, und die dem Treiben zuschauenden Müker gewinnen entschieden eine überans günstige Meinung von nns. - Auch an Haus.- thieren ist Ueberfluß vorhauden. Die be,, kaunten afrikanischen Köter sindet man zwar überall, nichtabersolche Ziegenheerden wie in den Kukibnendi-Ber- gen. Man trägt aber anch Sorge für sie, wie die keinen aus Kuüt,- teln und Staugen ge,- fügten, gegen Leopar,- den gesicherten Ställe bewetfen. In einzelnen derselben wälzen sich zufriedene Mutter,- schweiue zwischen ihren Ferteln. Viele andere Schweiue laufen frei umher und fahren plötz- lich vorüber, wo mau sie am wenigsten ver,- muthet. Wir bemerkeu zwei Arten derselben: eine kentere graue uud gänzlich haarlose und eine große mit dickem schwarzem oder duttkel- braunem Borstenkeid. Die Zahl der Hühner ist gar nicht zu schätzen, und zum Ueberfluß giebt es ausnahmsweise auch wirkich stattliche Katzen in Menge. Sie sind weiß, schwarz, gelb, buut ; sie huschen über den Weg, schleichen zwischen den Hütten und ruhen mit Vorliebe auf den Dachsirsten. Die traditionelle Feindschaft zwischen ihnen und den Hunden scheint hier vollkommen beigelegt zu seiu.

Endlich laugen wir an der Grenze von des Häuptlings kleiner Herrschaft an. Dort nimmt er Abschied von uus. Inmitten eines großen, lautlos zuhörenden Zuschauerkreises setzen wir uns nieder und halten noch ein kurzes, feierlichem Palaver ab.


Wir versprechen Nadeka Davunda feinen Wunsch zu erfüllest und mit ihm und feinem Land recht bald eine dauernde Verbindung allzu- knüpfen. Unter lebhaflerVerficherunggegenfeitigerFreuudschaflwerden bie Hände geklappt und .^moot.! moot.! (gut, schön) gerusen, welche Worte die Umstehenden emphatisch und mit beifälligem Grunzen wiederholen. Dann scheiden wir unb wandern davon Meine Leute haben sich am Palmmost überaus gütlich ge- lhau und sind in übertnüthiger Stimmnug; ebenso gut gelaunt

sind auch uusere zahl- reichen Begleiter, bie sich an allen Wohnsitzen immer wieder ertteueen. Wir sind in das Gebiet der Bakabörfer gelangt nnd sinden überall das- selbe Landschaftsbild, dieselben freundlichen Menschen.

Von einem letzten hohen Bergrücken er- blicken wir unser heuti- gesZiel.Kalubu. Dort zwischen den Uferhö- heu der gleichnamigen Landschaft glitzert der breite gewundene Was- serspiegel des Eongo (siehe Abbildung ans Seite '.08); hinter nns

liegen, zum Theil in

Wolken gehüllt, dieKu-

kibuendi-Berge. Nnn geht es abwärts in eine Gegend, die zwar hügelig genug ist, aber jedes wechselvollen Neizes entbehrt. Das ist wieder echtes Eongo,- land. Hohe, steife Halmgräfer, verdorrt und geknickt, oft weithin von Bränden vernichtet, decken den trockenen, steinigen Boden; kaum, daß ein Zwergbäumcheu eiugestreut ist. Die Dörfer von ^anga, bie

wir nuu passiren, liegen wie .Oasen in den ein- tönigen Graswüsten.

Itt Kalnbu, einem Fährplatz der Ginge- boreuen, zeigten sich die Leute widerwillig nud mürrisch und waren erst sehr spät zu bewegen, uns einige Lebensmit- tel zu briugeu; aber auch diese mttßten wir schließlich der uuver^ schämten Forderungen wegen zuriickw eisen.

Es erscheint aufläl- lig, wie nähe bei ein-. ander in Afrika Ge,- meinden wohnen, deren Bekragen schrofle Ge- genfätze aufweist. So- gar die nämlichen Men-- scheu zeigen zu verschie-- dener Zeit und gegen,- über verschiedenen Be,- fttchern ein sehr ab- weichendes Verhalten. Mancherlei Einflüsse, aufregende Ereignisse, zufällige Umstäude, die der Neiseube nicht in seiner Gewalt hat, änßern ihre Wkrkung.

Als ein Jahr zuvor die Herren Bentley und Erudgiugton der Baptisten- Mission von ihrer trefflich gelungenen Neengnoseienugstour nach dem Stanley Pool aus der Karawaneuftraße die Kukbueudi,- Berge überschritten, fanden sie die Bevölkerung in fehr feindseliger Stimmung und verlebten dort angstvolle Stunden. Nicht besser erging es der zweiten Partie von Europäern, die wenige Monate vor uns wie die erste das Gebiet von Ost uach West durchzog: den Herren Liuduer und Mahouey, Mitgliedeen der Eongo^pedition"