Im Banne der Engelsburg

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Titel: Im Banne der Engelsburg
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aus: Die Gartenlaube, Heft 3, 8, 14, S. 42–44, 126–128, 212–215
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[42]
Im Banne der Engelsburg.[1]
I.
Das Concil und die Oppositionspartei. – Die erste Procession und ihr Glanz. – Wer bezahlt? – Der Peterspfennig. – Knauserige Kirchenfürsten. – Die Militärrevue und die neuen Kreuzritter.

Nichts ist bezeichnender für die Fortschritte, welche der Katholicismus vermittels des Jesuitismus in neuester Zeit gemacht zu haben glaubt, nichts bekundet schlagender das Gefühl der Sicherheit, welches man in Rom in Bezug auf die Einheit der Kirche hegt, als die Einberufung dieses jetzigen Concils, welcher der Welt beweisen soll, daß das Papstthum trotz aller äußeren Veränderungen, die sich in Rom und Italien während der letzten Jahre vollzogen haben, eine göttliche, durch nichts zu erschütternde Macht ist; welches die Einigkeit der katholischen Kirche in ihrer Unterordnung unter den Stattalter Christi auf Erden in einem noch nie dagewesenen Grade der erstaunten Welt bezeugen soll. Indessen kann auch hier sich möglicherweise das alte Wort bewahrheiten, daß eine zu straff angespannte Bogensehne oft springt. Selbst in dieser katholischen Welt, in der jede freie Willensäußerung todt, jede Regung von Selbstständigkeit unter den Bischöfen erloschen zu sein schien, haben sich bereits deutliche Zeichen herausgestellt, welche beweisen, daß dem wenigstens nicht ganz so ist, daß man nicht allen Bischöfen auch geradezu Alles zumuthen kann, unter anderm auch das: ihre eigne Macht durch Annahme des Dogmas von der päpstlichen Unfehlbarkeit völlig und für alle Zeiten zu Grabe zu tragen. Es hat sich, das steht trotz alles Ableugnens der römisch-klerikalen Organe bereits ganz fest, eine Oppositionspartei, eine Linke, gebildet, welche gegen die extremsten Forderungen der Päpstlichen Front macht. Wir erlauben uns diese parlamentarischen Ausdrücke auch auf das Concil anzuwenden, obwohl die klerikale Presse eifrig bemüht ist, dergleichen profane Ausdrücke als ganz und gar unpassend für dasselbe zu erweisen, welches als eine direct vom heiligen Geiste inspirirte Versammlung mit den streitenden, revolutionären Ideen ergebenen „Kammern“ der modernen Zeit in keinem Punkte zu vergleichen sei und nicht etwa parlamentarisch die absolute Gewalt des Papstes beschränke.

Nun, zum Streit kommt es auf alle Fälle in dieser erlauchten und „vom heiligen Geiste erleuchteten“ Versammlung, und es fragt sich nur, ob der Sieg der Römlinge ein wirklich so beklagenswerthes Ereigniß sei, als man in der Regel annimmt. Ich kann mir nämlich nimmermehr vorstellen, daß eine wahrhaft liberale Richtung innerhalb der katholischen Kirche auf die Dauer wirklich möglich sei, während ein vollständiger Triumph der Jesuitenpartei, also directe Billigung des Syllabus und Proclamirung des Infallibilitätsdogmas, das Princip des Katholicismus dergestalt auf die Spitze treiben würde, daß man wie in allen historischen Erscheinungen so auch hier mit Recht einen Rückschlag, eine Reaction erwarten dürfte, welche mehr liberale Verbesserungen, als die schwache Opposition der Bischöfe jemals durchsetzen kann, in ihrem Gefolge haben würde.

Doch kehren wir von dieser Ausschau in die Zukunft und von der immer sehr gewagten historischen Möglichkeitsrechnung zurück auf den wirklichen Boden des Concils. Ich will versuchen unbefangen und ohne Vorurtheil den Eindruck zu schildern, welchen die Stadt des Concils macht, diese alte ewige Roma, welche jetzt wieder einmal als Weltstadt im vollen Sinne des Wortes sich zeigt, da sie neben den kirchlichen Spitzen des katholischen Erdkreises gläubige und ungläubige Fremde aus aller Welt – mehr vielleicht augenblicklich als irgend eine andere Stadt – innerhalb des alten Aurelianischen Mauergürtels vereinigt.

Zunächst muß zugestanden werden, daß noch kein Concil mit solchem Glanze eröffnet worden ist wie dieses. Nach dem jetzt erschienenen officiellen Ausweis, den die „Civiltà Cattolica“, das hohe Organ der hierarchisch-römischen Partei, bringt, waren am Tage der Eröffnung gegenwärtig und in der großen Procession befindlich der Papst, neunundvierzig Cardinäle (und zwar fünf Cardinalbischöfe, sechsunddreißig Cardinalpriester und acht Cardinaldiakonen), neun Patriarchen, vier Primaten, hundertdreiundzwanzig Erzbischöfe, fünfhundertundein Bischöfe, achtundzwanzig Aebte und neunundzwanzig Generale oder Generalvicare geistlicher Orden. Diese Männer waren gekommen aus allen Gegenden der bewohnten Erde, denn wo wäre ein Land, eine Insel, wo nicht der thätige Katholicismus seine Netze ausgespannt, ein Bisthum oder ein Kloster gegründet und Convertirungen versucht hätte! So war die Procession, welche das großartige Gebäude der römischen Kirche vor den Augen der Zuschauer in einem Bilde entrollte, zugleich eine wahre Ausstellung interessanter Nationaltypen.

Zwischen den meist einfach weißdamastenen Gewändern der Bischöfe des Occidents funkelten in goldenen edelsteinbesetzten Kronen und bunten in allen Farben spielenden Gewändern von schwerer Seide diejenigen der verschiedenartigen orientalischen Riten. Von ihren oft ausdrucksvollen und schönen Greisengesichtern wallte der volle silberne Bart bis tief auf die Brust herab. Dann sah man wieder Bischöfe aus Innerasien, China, Afrika mit eigenthümlich verschmitzten und confiscirten Gesichtern; schöne feurige Creolenköpfe befanden sich unter den amerikanischen Prälaten, und zwischen alle diese mit weiten, bis zu den Füßen wallenden Gewändern bekleideten Gestalten mischte sich die geschmackvolle spanische Hoftracht, in der die Beamten, der Hofstaat des Papstes, einherschritten, und die reiche Kleidung der Spalier bildenden und vor den Thoren der großen Kirche Wache haltenden Soldaten des Kirchenstaates.

Ich übergehe alle näheren Einzelnheiten dieser Feierlichkeit, welche aus den Zeitungen auch in Deutschland hinreichend bekannt sein werden. Es drängt sich aber zunächst die Frage auf: aus welcher Casse fließen die Gelder, welche solche Feste kosten? Wer unterhält die vielen armen Bischöfe, die in der vertheuerten Stadt standesgemäß zu leben gezwungen sind? Dies thut Alles der anfangs so verspottete Peterspfennig, dieser „freiwillige Tribut“ der katholischen Christenheit an das Oberhaupt der Kirche. Seitdem 1860 der Staat des Papstes um mehr als zwei Drittel verkleinert worden war, hat man zu diesem von alten Zeiten her bekannten Mittel, den Säckel St. Petri mit Geld zu füllen, zurückgegriffen, und das Mittel schlug vermöge der Organisation, welche durch die katholischen Jünglingsvereine, Marianischen Sodalitäten etc. auf das Geschickteste über die römische Kirche verbreitet ist, ganz prächtig an. So kam man, allmählich kühner werdend, auf den Plan, auch die päpstliche Armee durch diese Gelder zu reformiren, und da man in Rom keine tüchtigen Soldaten fand (denn man traute den eigenen Unterthanen nicht recht), so beschloß man, wie das Geld so auch die Mannschaften selbst vom gesammten katholischen Erdkreise zu beziehen. Auch dies gelang vortrefflich. So hat man jetzt eine aus nahezu fünfzehntausend Mann bestehende Truppe, ein Heer, welches, für den kleinen Staat viel zu groß, ihn in unerhörter Weise belasten würde, wenn man nicht die Unterhaltungskosten [43] auf die beschriebene Weise decken könnte. Die Gläubigen aber, anstatt nachzulassen in Spendelust, zahlten den Peterspfennig immer reichlicher. Die Jesuiten sorgten dafür, daß es in frommen und reichen Familien katholischer Länder, besonders unter den reichen Kaufleuten Belgiens und Hollands, unter den legitimistischen Adeligen Frankreichs, Styl wurde, gewissermaßen zum guten Ton gehörte, einen der Söhne, auf zwei oder mehr Jahre dem Vater der Christenheit zur Verfügung zu stellen. Für solche Freiwillige und Reiche, die sich natürlich selbst unterhalten, bildete man vorzugsweise das Corps der Zuaven, die Elitetruppe der päpstlichen Armee. Die Aermeren werden größtentheils in die anderen Regimenter gesteckt, nur ein Regiment besteht aus geborenen Römern.

Wie die Armee, so kostet nun auch das Concil der Curie gar nichts, im Gegentheil, es bringt noch Geld ein. Wie durch die Priester die ganze Welt seit 1867 auf das Concil, dieses größte Ereigniß der neueren Zeit, in geistlicher Weise vorbereitet worden ist, so drückte man nicht minder auf die Geldbeutel der Gläubigen, um für dieses Jahr den Betrag des Peterspfenniges zu einem besonders reichen zu machen. Alle Zeitungen katholischer Tendenz sammelten außerdem, alle katholischen Vereine legten Concilscassen an, reiche und fromme katholische Particuliers wurden zu besonderen außerordentlichen Gaben von ihren Hauspriestern veranlaßt. So sind bereits jetzt die Kosten der Kirchenversammlung mehr als gedeckt, während man aller Orten noch weiter sammelt. Und neben dem Gelde langten die kostbarsten Geschenke hier an, die fernen Bischöfe brachten sie aus ihren Dioecesen mit, um den Segen des „großen Papstes“ dafür zu erflehen.

Die Aula des Concils, die im rechten Nebenarm der Peterskirche erbaut wurde, ist durch den reichen Schmuck der feinsten Teppiche, Tücher und Gobelins ein wahrhaft kostbarer Raum. Alles das sind Geschenke aus Belgien und Frankreich. Im Ganzen haben die Sammlungen allein vermittels des Peterspfennigs vom Jahre 1860 an bis jetzt die Höhe von hundert Millionen Franken erreicht. An außerordentlichen Gaben für das Concil sind jetzt bereits über drei Millionen Franken eingekommen.

So befinden sich die Römer, die Unterthanen des Papstes, allerdings in einer Lage, die sie nicht mit Neid auf die an einem unsterblichen Deficit krankenden Italiener hinsehen läßt. Dies ist die wichtige politische Seite der Sache. Es würde trotz allen Militärs im ganzen Staate ewig glimmende Revolution, fortdauernde Unsicherheit herrschen, wenn die Curie von ihren Unterthanen so viel Steuern verlangte, als man im Königreich Italien zahlt, und schwerlich würde, trotz aller französischen halb widerwilligen Protection, Pio Nono noch auf dem Throne sitzen, wenn nicht die ganze Welt die Kosten dieses Staatswesens deckte, und wenn nicht die Römer selbst zum größten Theile sehr gern Römer bleiben wollten.

Und wie durch die päpstlichen Sammlungen der Katholiken der Staat unterhalten wird, so ernähren fast lediglich die ebenfalls hier allwinterlich aus aller Welt zusammenströmenden Fremden das Publicum. Den Römern wird von den Priestern weis gemacht, daß nur des Papstes wegen, nur weil Rom durch ihn Hauptstadt des christlichen Erdkreises sei, dieser Menschenstrom jährlich aus allen Weltgegenden heranziehe.

Da es nun weder Industrie, noch Handel, noch vernünftige Ackerbewirthschaftung in und um Rom giebt, so lebt die träge Masse des Volkes von dem Gelde, welches die Fremden in’s Land einführen. Sie haben auf diese Weise Alle genug, um bei ihren geringen Ansprüchen recht behäbig und ohne anstrengende Arbeit zu leben, und als der Arbeitsamste und Rührigste gilt Der, welcher auf die schlaueste Weise die der römischen Verhältnisse noch unkundigen Forestieri zu übervortheilen versteht.

Eine etwas weitläufigere Auseinandersetzung über diese Punkte war nothwendig, um das Verhältniß des geborenen Römers zum ökumenischen Concil klar zu machen. Von der geistigen Bedeutung dieses Ereignisses hat er keine Idee. Auch nicht ein Hauch von Begeisterung für oder irgend ein Zeichen der Abneigung gegen die Ziele der Kirchenversammlung ist in der Masse der Bewohner zu spüren. Man denke, wenn bei uns in Deutschland eine Versammlung von ähnlicher Bedeutung in irgend welcher größeren Stadt tagte: würde nicht die Stimmung der Bürger tief berührt und aufgeregt werden durch die Fragen, welche man daselbst discutirte? Aber Dergleichen ist in Rom gänzlich unbekannt. Der Römer sieht die Sache völlig von der praktischen Seite an, und so ist das Concil denn unter anderen auch ein Mittel, um die gute Stimmung, die Anhänglichkeit der Unterthanen an einen Fürsten, unter dem es sich so herrlich lebt, wesentlich zu erhöhen.

Rom hat sich auf das Concil gerüstet, um es mit einem Worte zu sagen, ungefähr wie Paris seiner Zeit auf die „Allgemeine Weltausstellung“. Lange Zeit vorher schon wurden für die erwarteten Gäste die Wohnungen zurecht gemacht. Alle römischen Familien, mit Ausnahme der sehr wohlhabenden und reichen, beschränkten ihr Quartier diesen Winter noch mehr als andre. Ein dürftiges Wohnzimmer voll Betten gepfropft und etwa noch eine oder zwei Kammern müssen selbst für mitgliederreiche Familien genügen. Alle anderen disponiblen Räume wurden mit so viel Comfort, als hier nur zu haben, ausgestattet, um möglichst theuer vermiethet werden zu können, die Miethpreise aber schraubten sich auf eine hier unerhörte Höhe hinauf. Aber man hat noch mehr Fremde erwartet, als in der That gekommen sind, und manche Familie hat ihr Zimmer leer behalten, nachdem sie so und so viel Miether, die auf die kolossale Forderung einzugehen nicht Willens waren, hat fort gehen lassen; oder man hat sich später entschließen müssen, für einen weit geringeren Preis zu vermiethen. Ganz ebenso ist in den Speisen, welche anfangs, besonders Ende October, zu ungeheuren Preisen stiegen, bereits eine Ermäßigung eingetreten.

Mit den Kirchenfürsten selbst aber hat man nicht immer Glück gehabt. Das leichtgläubige, unwissende Volk meinte, sie würden wie wahre Nabobs mit geldstrotzenden Beuteln in die ewige Stadt kommen, einen Hofhalt wie Fürsten machen und die Schätze Asiens und Amerikas hierher zusammentragen. Dem ist nun durchaus nicht so. Viele Bischöfe und besonders die von den fernen Erdtheilen sind arm und leben mehr knauserig als verschwenderisch. Ueberdies haben diese Herren ihren italienischen Priester als Beirath zur Seite, der die Gaunereien seiner Landsleute gegen die Fremden genau kennt und den seinem Schutze anvertrauten Prälaten davor zu bewahren weiß. Manche orientalische Bischöfe sollen in patriarchaischer Einfachheit so weit gehen, daß sie sich die Speisen zu den kleineren Mahlzeiten sowie sonstige Bedürfnisse auf dem Markte und in den Läden selbst einkaufen, was dem Römer, der auf äußeres Decorum sehr viel giebt, alle Achtung vor diesen asiatischen Völkerhirten benimmt. So kommt es, daß man die Bischöfe, die hier zu Hunderten da sind, kaum mehr als etwas Besonderes ansieht, während die ersten Ankömmlinge, die im päpstlichen Wagen von der Empfangscommission auf dem Bahnhofe abgeholt in die Stadt fuhren, wie fremde Wunderthiere angegafft wurden. Sie sind jetzt, um mit Shakespeare zu reden, so wohlfeil wie die Brombeeren. Niemand sieht sie mehr an. Auch, meinen die Römer, hätte es der heilige Vater den Herren etwas zu bequem gemacht und nicht genug an seine Unterthanen gedacht, da er für mehr als die Hälfte der fremden Prälaten Wohnungen besorgt habe. Die großen päpstlichen Paläste des Vatican, des Quirinal und des Lateran nehmen in ihren verfügbaren Gemächern eine große Menge Prälaten auf Privatkosten des Papstes auf. Nicht minder viele wohnen in Stiftsgebäuden, Klöstern, Convicten. So zum Beispiel die meisten deutschen Bischöfe in dem zur deutschen Nationalkirche dell’ anima gehörigen Nebengebäude. Vielen bringt auch der päpstliche Küchenwagen die Hauptmahlzeit. Nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil der Geistlichen ist wirklich mit geldstrotzenden Taschen gekommen, hat sich eigene große Logements gemiethet und hält Equipagen und zahlreiche Dienerschaft. Diese Herren werden von den Römern für voll angesehen und genießen all den Respect, den man Fürsten bezeigt, müssen ihn aber theuer bezahlen.

Im Geleite des Concils genießt Rom ferner manche großartige festliche Schaustellung, an der das ganze Volk Theil nimmt. Es ist diese Vorliebe für dergleichen Feste, an denen im Gegensatze zu unseren nordischen Nationalvergnügungen das Sehen die Hauptsache ist, eine tief im Nationalcharakter der Römer begründete. Sie datirt von den alten Römerzeiten her, wo die Kaiser das Volk an kostbare Schaugepränge, an ein vergnügliches Leben ohne Kosten, allmählich so gewöhnten, daß sich später kein Herrscher mehr halten konnte, der den Pöbel nicht in dieser Art befriedigte. Das Christenthum mußte gegen diese entsittlichenden Vergnügungen auftreten, konnte aber nicht umhin, dem Volke wenigstens einen Ersatz dafür zu bieten. So verlegte der Katholicismus die glanzvollen Feste in die Kirche als integrirenden Bestandtheil des Gottesdienstes, und das Volk von Rom genoß die großartigsten Schauspiele. In dieser [44] Beziehung nimmt die römische Bevölkerung am Concile allerdings von ganzem Herzen Theil, die Peterskirche füllte sich am Tage der Eröffnung zum ersten Male seit langer Zeit so mit Menschen an, daß viele ohnmächtig wurden und an einzelnen Stellen fast Lebensgefahr durch das Gedränge entstand. Aber auch die großen Festlichkeiten, welche einzelne Cardinäle und auswärtige Gesandten an öffentlichen Empfangsabenden gaben, Illuminationen der Stadt an feierlichen Tagen (die am Eröffnungstage wurde leider durch den unaufhörlich strömenden Regen fast zu Nichte gemacht), endlich militärische Revuen und Manöver müssen dazu beitragen, das Volk bei guter Laune zu erhalten. Das Vergnügen dabei besteht für die Römer, wie ich schon sagte, lediglich im Auf- und Abwandern und bequemen Anstaunen der vielen Menschen, der Carossen, der Feuerwerke. Gegessen oder getrunken, gesungen oder getanzt, wie bei nationalen Festen in Deutschland, wird hier bei dergleichen Gelegenheiten nie. Das Volk verhält sich hier passiv, es läßt sich die Feste geben; wir Germanen geben sie uns meistentheils selber.

Großartig war zum Beispiel das Schauspiel, welches die letzte militärische Revue im Garten Borghese gewährte. Nach langem Regenwetter hatte man einen ersten sonnigen, lauwarmen Wintertag, so daß man ohne Ueberzieher in dem prächtigen Garten des Fürsten auf- und abwandelte. Ganz Rom strömte zur Porta del Popolo hinaus. Dort befindet sich eine Art Amphitheater, das durch eine natürliche Vertiefung des Terrains entsteht; in dem ringsum sich allmählich wieder erhebenden Boden sind theils steinerne Sitzreihen, theils Rasenbänke angebracht. Herrliche Exemplare von immergrünen Eichen, Cypressen und Pinien umgeben diese Stelle. Große Wiesen und breite Fahrstraßen machen den ausgedehnten Park für starken Verkehr und das Sichausdehnen großer Massen sehr passend. Bald gewährten die Bänke des Theaters einen bunten Anblick. Fremde aller Nationen, Leute jedes Standes und Ranges hatten sich dort niedergelassen. Man sah die schönen jungen römischen Mädchen in ihrer geschmackvollen Tracht und die feinsten und reichsten Toiletten vornehmer Damen nebeneinander. Bald marschirten die einzelnen Truppenkörper auf, alle in glänzender Paradepracht. Unter den Klängen der Musik ritt der Generalstab, begleitet von einigen römischen Fürsten, welche hohe Beamtenstellen einnehmen, und französischen Officieren sowie anderen hervorragenden Fremden, die Reihen der Bataillone entlang. Darauf setzten sich dieselben in Bewegung, um an der Estrade des für den Fürsten Borghese reservirten Gartens vorbei zu defiliren. Hier nämlich hatten die Bischöfe, denen zu Ehren man die katholische Armee paradiren ließ, Platz genommen. Ist doch dieses päpstliche Heer fast ebenso ökumenisch wie das Concil selbst; denn es mag wenige Länder der Erde geben, die nicht einige ihrer Söhne in die Reihen der „Gottesstreiter“ oder „neuen Kreuzritter“, wie die hiesigen Organe sich ausdrücken, gesandt hätten.

Als die einzelnen Regimenter vorbei marschirten, wurden sie nach italienischer Sitte mit reichlichem Händeklatschen von oben empfangen. Am lautesten erklang der Beifall beim Erscheinen der Zuaven, deren Bataillone jetzt so stark sind, wie seit langer Zeit nicht. Sie gelten als die eigentlichen Wächter des Concils, als die Truppe, auf die man sich am unbedingtesten verläßt. Durch ein Einlaßbillet, das ich von unserer Gesandtschaft erhalten hatte, war ich in den Garten gekommen und konnte zum ersten Mal bequem einen großen Theil der Väter in der Nähe sehen und beobachten. Ein Römer, den ich kennen gelernt hatte, zeigte mir die hervorragenden Erscheinungen, die Bischöfe von Orleans und Sura, die Herren Dupanloup und Maret, welche er für Häupter einer Opposition erklärte, „welche dem Heiligen Vater gewiß noch viel Kummer machen würde“. Auch die deutschen Bischöfe, welche ich größtentheils schon auf dem großen Empfangsfeste des neuen österreichischen Gesandten v. Trautmannsdorff gesehen, waren zahlreich vertreten. Einige uncultivirt Aussehende aus Amerika bezeigten besonders lebhaft ihre Freude bei dem Anblicke der schönen glänzenden Soldaten. Der italienische Episkopat war schwach vertreten und enthielt sich sonderbarer Weise aller Beifallsbezeigungen, ganz ebenso der römische Adel. Erst gegen drei Uhr war der Zug der Truppen beendet (man hatte um zwölf Uhr begonnen) und bis gegen Abend dauerte es, ehe die kolossale Menschenmenge – man schätzt sie nicht mit Unrecht auf nahe hunderttausend Personen – und der Knäuel der eleganten Equipagen und elenden Miethskarren durch das nicht allzuweite Gartenthor und die Porta del Popolo zurück, den engen Corso entlang wieder in das Innere der Stadt gelangte.

Andere Feste werden folgen: Ricevimenti bei Cardinälen – wobei gewissermaßen auch das Volk theilnimmt, indem auf dem Platze vor dem Palaste Musikbanden spielen, bis das Fest vorüber ist, während die dichtgedrängten Römer und besonders die kleinen Römerinnen mit neugierdefunkelnden Augen die Kutschen vorfahren sehen und die Uniformen und reichen Toiletten des Adels mustern – ferner die andern öffentlichen Sessionen des Concils, d. h. die Sitzungen, bei denen der Papst gegenwärtig ist, und wo die Flügelthüren der Aula offen stehen für die Blicke der Menge, während die Väter im höchsten Ornate, wie bei der Eröffnung, gegenwärtig sind. Von alledem das nächste Mal, wo ich Ihnen auch Einiges über die Opposition und die in ihr hervortretenden Bischöfe, sowie überhaupt über die bekanntesten Persönlichkeiten der Versammlung mitzutheilen gedenke.


[126]
II.
Oeffentliche und geheime Vorgänge im Concil. – Die Bannbulle. – Die Liste der Excommunicirten. – Gründung einer katholischen Universität. – Wie die geistlichen Herren in Rom fahren. – „Prälatenlatein“. – In der Peterskirche. – Der Monte Pincio und Pio Nono.

Obwohl das Concil bereits gegen anderthalb Monat in unsern Mauern tagt, obwohl die klerikalen Blätter nicht müde werden, die große und erhebende Einigkeit der Kirchenfürsten, welche an die der ersten Christen gemahne, zu preisen, haben die Väter doch noch gar nichts zu Stande gebracht. Zwanzig Generalcongregationen (d. h. Versammlungen der Prälaten ohne den Papst, unter dem Präsidium von fünf Cardinälen) haben stattgefunden, wichtige Vorlagen in Sachen des Glaubens, größtentheils scharfe Verdammungsurtheile der neueren Philosophie, wurden gemacht und besprochen, aber das Resultat war, daß man dieselben der dazu constituirten Commission mit Gegenanträgen versehen zur Umänderung zurückschickte, und daß die auf das Epiphaniasfest angesagte zweite „öffentliche Sitzung“, in der man feierlich abstimmen und die Decrete oder Canones durch den Papst sanctioniren wollte, blos als eine leere Formalität abgehalten wurde, in der die Väter das gemeinsame Glaubensbekenntniß aussprachen. Darauf sind andre minder wichtige Dinge, die geistliche Disciplin betreffend, der Versammlung zur Berathung übergeben worden. Mit ihnen beschäftigt man sich in den gegenwärtigen Sitzungen.

Dies ist im Ganzen und Großen bis jetzt die öffentliche Geschichte des Concils. Wichtiger aber sind die Vorgänge, welche heimlich, unter den einzelnen Parteien und unter den einzelnen Mitgliedern sich begeben. Sie sollen freilich den Augen und Ohren des Publicums sorgfältig entzogen bleiben; trotzdem dringt das Eine und Andere, dieses und jenes in die Oeffentlichkeit, man stellt zusammen, man vergleicht, man zieht Schlüsse, man erräth und kommt manchmal wirklich, zwar langsam, aber im Ganzen doch sicher auf die eigentliche Wahrheit, wie es denn längst kein Geheimniß mehr ist, daß man sich jetzt, während in den Sitzungen Dinge von secundärer Bedeutung verhandelt werden, im Getriebe der Parteien mit der ernstesten Angelegenheit des Concils, mit der Infallibilitätsfrage, eifrig genug beschäftigt.

Eine That indeß, die viel von sich hat reden machen, ist bis jetzt in der conciliarischen Stadt vollbracht worden, und wenn sie auch nicht vom Concil ausgegangen ist, sondern vom Papste selbst, so steht sie doch in unmittelbarem Zusammenhange mit der Einberufung der Versammlung, für deren Thätigkeit sie gleichsam einen Fingerzeig geben soll. Ich meine die Publicirung der päpstlichen Bannbulle. Eines schönen Morgens sah man in den Straßen und Plätzen Roms, an den Häuserecken eine Monstre-affiche angeschlagen, mit dem päpstlichen Siegel darunter und von einem Haufen neugieriger Leser umstanden. Das Actenstück gab sich denn bald als eine „Begrenzung der geistlichen Censuren“ zu erkennen, und man gewahrte mit seltsamem neugierigem Staunen, daß man vor einem Compendium mittelalterlicher Bannstrahlen stand, von denen mehr als einer den andächtigen Leser niederzuschmettern geeignet war. Aber nicht etwa conservativ, nein vielmehr höchst liberal und der Neuzeit Rechnung tragend meint Pius IX. in dieser Bulle zu erscheinen.

Er meint das und versichert wirklich im Anfang der Bulle, daß mit der Zeit die Zahl der einzelnen Fälle, auf welche die Excommunication zu erfolgen hat, zu sehr angewachsen sei, und daß daher durch diese Bulle diejenigen Vergehen namhaft gemacht werden sollten, auf die allein jetzt noch die oberste Kirchenstrafe d. h. die Ausstoßung aus der Gemeinschaft der Gläubigen, Anwendung haben darf. Aber kaum daß man sich durch diese Vorrede etwas erleichterten Herzens fühlt, so erkennt man beim Lesen der nächsten Zeilen schon das sichere und unausbleibliche Verderben. Denn gleich der erste nun folgende Paragraph excommunicirt so ziemlich die ganze gebildete Welt. Er lautet: „Alle vom christlichen Glauben Abgefallenen, alle Häretiker, mit welchem Namen sie auch genannt werden, und welcher Secte sie angehören mögen, Alle die ihnen glauben, die sie aufnehmen oder begünstigen, und überhaupt Alle, die dieselben vertheidigen, sind excommunicirt.“ Man sollte meinen, nach diesem so umfassenden Paragraph bliebe nur noch eine geringe Nachlese übrig, indeß folgen noch vierundvierzig andere Paragraphen, welche innerhalb des übrig gebliebenen, wie man meinen sollte, frommen und echt katholischen Häufleins der Gläubigen aufräumen. Davon theile ich Ihnen nur einige der interessantesten Paragraphen mit.

So trifft die ewige Strafe Alle, welche von den Geboten und Befehlen des regierenden Papstes an ein „allgemeines ökumenisches Concil“ appelliren – eine schöne Ermunterung für die Katholiken, welche vom Concil als der obersten Kircheninstanz etwas erwarten, und ein deutlicher Wink für die Väter, die Stellung klar zu erkennen, die sie Pius dem Neunten gegenüber einnehmen sollen – ferner Alle, welche „unter Anrathen des Teufels“ Klerikern, Mönchen oder Nonnen irgend welche Gewalt anthun“, die „ein Duell ausfechten, oder unterstützen, und zwar auch wenn sie königlichen oder kaiserlichen Ranges sind,“ die Freimaurer und Carbonari, sowie Alle, die denselben irgendwelche Gunst ertheilen und die „ihre verborgenen Koryphäen und Führer nicht denunciren“. So wird denn mit diesem Satz schon zum zweiten Male in einer Bulle fast die gesammte christliche Welt aus den Pforten der alleinseligmachenden Kirche herausgejagt.

Es kommt nun die Reihe an diejenigen, welche „die Freiheit des geistlichen Asyls zu verletzen gebieten oder selbst mit frevlem Wagen verletzen“; die die Clausur der Mönche und Nonnen nicht respectiren, und zwar, welches Standes, Alters, Geschlechts sie auch sein mögen; diejenigen, welche Knochen und Reliquien aus den römischen Katakomben stehlen (wehe den vielen Unschuldigen Reisenden!), und so fort ein langer Katalog „geistlicher Verbrecher“. Schließlich kommt man noch einmal mit besonderer Aengstlichkeit und mit Hinsicht auf früher Erlebtes auf die Appellationen an Concile zurück und belegt eo ipso alle Universitäten, Collegien und Capitel mit dem Interdict, die es sich einfallen lassen, von den Weisungen des Papstes an eine zukünftige ökumenische Synode zu appelliren „Keinem der Menschen,“ so schließt dieses erschreckende Actenstück, „soll es erlaubt sein, diesem Blatte unserer Constitution zuwiderzuhandeln; wenn aber einer ein solches Attentat zu begehen unternehmen sollte, so möge er wissen, daß er damit den Zorn des allmächtigen Gottes und seiner beiden seligen Apostel Petrus und Paulus auf sich ladet.“

Ob dergleichen Dinge heutzutage noch gedruckt werden oder nicht – so mag Mancher denken – ist völlig gleichgültig, die Welt geht über solche machtlose und darum lächerliche Zornesergießungen zur Tagesordnung über! Das ist gewiß in vieler Hinsicht wahr. Aber die katholische Kirche zeigt durch Publicirung derartiger Schriftstücke doch offen an, wie sie in einem Lande verfahren wird, in dem sie zu derjenigen Stufe von Macht gelangt, welche sie von jeher als „zur freien und gesunden Bewegung der Kirche“ gehörig beansprucht hat.

Liest man dazu noch die Artikel der Civiltà cattolica, die in einer ihrer letzten Nummern glücklich herausgefunden hat, daß die „unwahre oder antikatholische Philosophie“ namentlich in Deutschland wuchere, wo alle Hörsäle von ihren Irrlehrern besetzt seien, und wo der Katholicismus wieder Terrain zu fassen und den „Verderbern der Wissenschaft“, Kant, Fichte, Schelling und Hegel, gegenüber wieder Herrschaft zu gewinnen suchen müsse, so wird man begreifen, was von jener „katholischen Universität“ zu erwarten steht, deren Gründung der hohe deutsche Clerus in unserem Vaterlande mit allen Kräften und Mitteln anstrebt.

Lassen Sie mich aber nach dieser Excursion wieder nach Rom zurückkehren, der Stadt, von der aus alle diese geistigen Bannstrahlen in die arme Welt hineingeschleudert werden, und die sich selbst doch am wenigsten darum kümmert. Der Römer genießt in vollen Zügen den Segen des Concils und läßt sich von Fremden gern erzählen, daß die Väter wahrscheinlich sehr lange die ewige Stadt mit ihrer Gegenwart beglücken würden, denn er selbst liest höchstens die Römische Zeitung, welche über das wichtige in ihren Mauern sich abspielende conciliarische Drama mit Beharrlichkeit schweigt, mit Ausnahme des sich ewig formelhaft wiederholenden Berichtes über die vergangene Sitzung, welcher lakonisch lautet: „Sitzung vom … Die Väter versammelten sich um neun Uhr. [127] Die Messe hielt der Bischof X, die vorgeschriebenen Gebete recitirte der Cardinal X. Darauf sprachen in Bezug auf die Vorlagen X Väter. Die Versammlung wurde um ein Uhr geschlossen.“ – Basta! Mehr will der Papst also vor der Hand seine getreuen Unterthanen nicht wissen lassen, und diese bezeigen in der That keine Neugierde, mehr zu hören.

Machen wir uns bei diesem Schweigen der römischen Staatszeitung einmal selbst früh um acht Uhr auf den Weg nach dem Vatican. Die Stadt ist um diese Zeit noch nicht allzu lebhaft, denn die Römer lieben es lange zu schlafen, die kleinen Wagen mit Gemüse, Obst, Käse und anderen Lebensmitteln trotten unter den eintönigen Anpreisungen ihrer Führer über das Pflaster, hier und da lassen die Esel ihr entsetzliches Geschrei vernehmen, auf den Plätzen stehen noch viele Campagnolen (Bauern der Umgegend) in ihrer malerisch bunten und zersetzten Landestracht, um sich zu irgend einer Arbeit zu verdingen. Sie glotzen die Fremden mit ihren Banditengesichtern verwundert an, oder spielen leidenschaftlich Morra; finden sie keinen Arbeitgeber, so ist es ihnen auch gleich, sie lungern dann den ganzen Tag über spielend und bettelnd umher und sind am Abende in Bezug auf ihre Schlafstelle nicht wählerisch. Die spanische Treppe hinunter, wo die Modelle sehnsüchtig die Künstler erwartend sich niedergelassen haben, kommen wir nun auf den spanischen Platz. Das ist der moderne Platz Roms, der Mittelpunkt des Fremdenviertels, voll von jenen nichtssagenden Miethshäusern unserer Zeit und großstädtischen Hôtels. Hier wohnen mehrere Cardinäle und reiche fremde Prälaten.

Vor den Palästen steht der goldstrotzende Wagen, auf dem Rückbrette zwei buntgekleidete Diener. Bald sieht man zum Portal heraus im rothseidenen Talar die hofmännische Gestalt des Kirchenfürsten treten, begleitet von niederen Geistlichen. Ein Auserwählter von diesen steigt mit in den Wagen, wo er bescheiden auf dem Rücksitze Platz nimmt, und das Gespann rasselt die elegante Via de’ Condotti entlang von dannen nach der Peterskirche zu. Dies ist so zu sagen die erste Classe des Prälatenfuhrwerks; ehe wir zu der dritten und letzten Classe, der gemeinen Droschke gelangen, betrachten wir erst die mittlere, den gemietheten Wagen. Ihn benutzen die Bischöfe, welche von mäßigem Vermögen nicht gerade Paläste bewohnen, aber doch auf eigene Kosten einige Zimmer gemiethet haben. Sie sind aus dem Centrum des theuren Quartier de’ Forestieri hinweg etwas näher nach dem Vatican zu in die Gegend des Palazzo Borghese gezogen. Unser Weg nach der Peterskirche führt uns durch diesen Stadttheil. Hier und da hält vor den Häusern ein bestellter Wagen mit noch gähnendem Kutscher, der sich durch die Einfachheit der Kleider von dem glänzend galonnirten Cardinalsrosselenker, durch eine weniger confiscirte Physiognomie und eine gewisse Sauberkeit vom Droschkenkutscher unterscheidet. Ein Bischof in seiner violetten Gewandung mit breitkrempigem Hute, der durch eine grüne, gelbe, rote Feder verziert ist, und mit dem goldenen Kreuze auf der Brust, steigt, begleitet von einem Geistlichen, ein, und mit minderem Feuer als die Cardinalscarrosse setzt sich das Gespann nach dem Vatican hin in Bewegung. So gelangen wir allmählich an die Engelsbrücke, auf welche zu in einem kleinen Platze fünf Straßen aus dem Innern Roms münden. Sie führt nach der Leontinischen Stadt über die Tiber hinüber, nach dem eigentlichen päpstlichen Viertel, der Urbs Vaticana. Hier strömen nun die Wagen von allen Seiten zusammen, nur langsam können die Väter des Concils diese Brücke, auf der nicht mehr als zwei Wagen neben einander fahren können, passiren und es erscheint sofort, aus den inneren Stadttheilen Roms kommend, die bischöfliche Droschke in der Ueberzahl.

Die Orientalen ganz besonders, wenn sie nicht ihre Füße vorziehen, bedienen sich dieses Vehikels mit Vorliebe. Auch verzichten diese patriarchalischen Männer auf eine niedere geistliche Begleitung. Selten fährt einer allein, in der Regel haben sich zwei zusammengethan und den Kutscher gedungen. Sie sitzen gravitätisch nach hinten gelehnt auf dem Vordersitze, ihre Füße bequem auf dem kleinen Rücksitze ausstreckend; oft aber ist auch dieser Platz noch von einem dritten Bischofe irgend welchen orientalischen Ritus eingenommen. Da fahren nun diese Kinder des Orients, Syrer, Armenier, Chaldäer, Griechen, Bulgaren, Maroniten – dies sind die sechs orientalischen Riten –, phlegmatisch sich die Schnupftabaksdose reichend und wenig sprechend, mit ihren prächtigen tiefschwarzen oder schlehweißen Bärten und apathisch in die Welt schauenden Gesichtern nach der Sitzungshalle hin, wo sie über die Irrthümer der deutschen Philosophie, über die gesammte europäische Civilisation ihr Urtheil fällen werden. Aber mehr als Einer von ihnen macht noch eine kleine Rast am Petersplatze, ehe er sich dem Anhören einer fünfstündigen Debatte übergiebt. Denn hier giebt es für die Orientalen gar zu verlockende Bottegen (Läden), das Café und der Tabacajo. Nachdem sie schnell noch zur Herzensstärkung eine Tasse Mocca’s aus der Unterschale geschlürft haben, schlüpfen sie nebenan zum Tabakhändler, um sich für die langen Verhandlungen die Dosen mit dem köstlichen Kraute zu füllen. Denn dieser Mann hat echte Waare, aus Quellen bezogen, die ihm durch die allerhöchste Vermittlung orientalischer Patriarchen fließen sollen. Da sieht man nun in der kleinen Bude die Herren Bischöfe oft bis zu einem Dutzend stehen, mit der Miene des feinen Kenners die Prise zur Nase führend, sie dem Nachbar reichend und mit den Augen fragend, was er dazu meine. Auch schwere türkische Rauchtabake für den Hausbedarf der kleinen Pfeife werden dort eingehandelt und verschwinden in den inneren großen Taschen des langen seidenen Talars.

So gerüstet schreiten die geistlichen Herren zu den Pforten der Peterskirche herein, wo Wagen an Wagen vorfährt. Man begrüßt sich gegenseitig an der Thür oder in der Vorhalle, und der Fremde hört seltsame Sprachlaute. Zwischen die Gurgel- und Kehltöne semitischer Sprache mischt sich plötzlich eine griechische Unterredung, und während bei diesen Lauten die Gestalten des schönen Hellas uns in die Erinnerung treten, erschrickt man, wenn man hinsieht, vor den Gestalten mit verschmitztem Gesicht und schleppenden Pfaffengewändern. Da kommen zwei französische Bischöfe, bartlos, mit Brillen auf der Nase und beweglichen Zügen im elegantesten Salonton plaudernd, und neben der schönen, kräftigen und wohlklingenden spanischen Sprache ertönt als Antipode das englische Idiom. Bisweilen aber begrüßt man sich von einer nationalen Gruppe zur andern hinüber, und das Ohr vernimmt dann Laute, von denen man im Anfange kaum weiß, in welcher Sprache man sie unterbringen soll: das ist das conciliarische Latein. Es hat sich dies während der Zeit herausgebildet, daß die Väter in Rom tagen, als ein erstes Product des Concils; jeder versucht sein Latein möglichst anders auszusprechen, als er es zu Hause gelernt hat, indem er von der einen Nation das und von der andern jenes entlehnt; den Italienern zu Liebe zischt man das c vor i und e; um sich den Engländern einigermaßen verständlich zu machen, spricht man das lange i wie ei aus u. A. m. So entsteht ein Mischmasch von Aussprache, vor dem sich ein alter Römer wahrscheinlich im Grabe umwenden würde, wenn er es hörte. Nur unsere orientalischen Freunde enthalten sich standhaft dieser Corruption der alten Römersprache; sie verstehen kein Latein, halten die Messe in ihrer Landessprache und haben für die Sitzungen ihre vereidigten Dolmetscher.

Unterdeß haben wir schon das lange marmorgeschmückte Hauptschiff der Peterskirche durchschritten, am Hauptaltar, dem barbarischen Werk des Bernini, das aus den schönen bronzenen Dachziegeln des Pantheon gegossen ist, uns rechts gewendet, und stehen nun an der hölzernen großen Pforte der aula conciliaria, die zu betreten gewöhnlichen Sterblichen nicht gestattet ist. Die mit etwas kühnem Pinsel auf die marmorartig angestrichene Holzwand gemalte Maria mit den Aposteln Peter und Paul zur Rechten und zur Linken ladet die Hirten der Welt einzutreten, wir können noch sehen, wie sie sich auf den grün gepolsterten amphitheatralisch sich erhebenden Bänken niederlassen, dann schließen sich vor dem profanen Auge die Thüren, und wir müssen durch die hölzernen Schranken von der erlauchten Versammlung getrennt unsere Betrachtungen mit dem Ohre fortsetzen. Alsbald erklingt der Meßgesang der Väter, dann Litaneien und Gebete, bei deren Schall die frommen Katholiken in der Kirche niederknieen und zu Gott beten, er möge den Prälaten den Geist erleuchten; dann eine kurze Pause, und die Verhandlungen beginnen in dem oben beschriebenen Latein; aber die wachehaltenden Schweizer, mit großen Hellebarden versehen, von ihren Posten an den Eingängen weiterschreitend, säubern jetzt im Umkreis von etwa zehn bis zwölf Schritt die Halle von muthwilligen Horchern, und diese Vorsichtsmaßregel, die oben erwähnte Art des bischöflichen Idioms und die schlechte Akustik bewirken, daß nur verworrene dröhnende Laute bei starkstimmigen Rednern dem Ohre der Draußenstehenden wahrnehmbar werden. Nur ob die Verhandlungen in einem friedlichen, ruhigen Geleise sich bewegen, oder ob eindringlich und heftig sprechende Redner [128] den Unmuth der Majorität erregen, macht sich auch draußen bemerkbar. Im Ganzen spürt man bald, daß die Rolle, die man vor den Schranken der Aula spielt, eine undankbare ist, und verläßt die Peterskirche. Politische Correspondenten aber, denen eine gewisse Gabe der Wahrsagung verliehen ist, vermögen aus den verworrenen Tönen, die bis zu ihren Ohren gedrungen sind, wie einst die Priester bei antiken Orakeln, genau den Inhalt der Verhandlungen zu verkünden. –

Wenn um ein Uhr und später die Sitzung zu Ende ist, verlassen die Prälaten in der Regel lebhafter und erregter die Peterskirche, als sie sie betreten haben. Da sieht man sie in Gruppen, die um bedeutende Führer sich geschaart haben, über den Petersplatz hin ein weites Stück zu Fuß gehen, ehe sie sich trennen und in die ihnen nachfolgenden Wagen steigen. Leute wie Dupanloup und Matthieu, die Führer der französischen Liberalen, Manning, der Erzbischof von Westminster, und Deschamps, der von Mecheln, zwei Hauptleute der Infallibilisten, haben ihre Landsleute um sich versammelt; vor Allem Stroßmayer, der Bischof der Kroaten, der durch die Unumwundenheit und das Feuer seiner Rede, durch die Schärfe, mit der er die Pläne der römischen Jesuitenpartei aufdeckte, der ergebenen Mehrheit der Versammlung keinen gelinden Schreck verursacht hat, ist stets von österreichischen und deutschen Bischöfen umdrängt. Er gilt, seitdem er seine tapfere Rede gehalten, als der eigentliche Führer der Liberalen dieser Nationen, wenn man auch die äußeren Ehren eines solchen mehr dem Cardinal-Erzbischof von Prag, Fürsten Schwarzenberg, dem älteren und an Rang höher stehenden Manne, darbringt. Der fanatisch blickende schöne Bischof von Urgel, ein echter Spanier, und der eben mit dem Cardinalshut gekrönte Erzbischof Moreno von Valladolid sammeln in der Regel die Väter dieser Nation um sich, auf deren Mienen man nicht gerade immer Zufriedenheit mit dem Gange der Berathungen liest. –

Nachmittags, besonders Sonntags und Donnerstags, wo bei hellem sonnigem Winterwetter unter den Klängen der Militärmusik der Monte Pincio sich mit den corsofahrenden vornehmen Römerinnen und mit Fremden aller Nationen füllt, lustwandeln auch die Väter des Concils mit Vorliebe im Grünen und betrachten sich zur Erholung alle die wunderbaren Schönheiten, die diese einzige Promenade der Welt bietet. Kommt doch auch der heilige Vater selbst bisweilen dorthin, wenn es die drückende Geschäftslast und sein Gesundheitszustand erlauben. Dann erscheint einige Hundert Schritt vor seinem goldenen Wagen ein glänzender Vorreiter, der seine Ankunft verkündigt. Alles macht Platz, Jeder sucht einen Punkt, wo er den Papst am bequemsten besehen, respective sich den Segen geben lassen kann. Die Musik verläßt die große Palme, um die herum sie gewöhnlich postirt ist, stellt sich an der Seite der Fahrstraße auf und spielt den von Gounod zum fünfzigjährigen Jubelfest des Papstes eigens componirten Hymnus.

Pio Nono, mit dem großen rothen Cardinalshut bedeckt, steigt aus, und von Cardinälen und ausgewählten Kirchenfürsten umgeben, geht er langsam und unaufhörlich den Segen ertheilend einige Male die Anlagen auf und ab, während die Menschenmasse nachziehend und viva il Papa rufend ihm den Genuß der Naturschönheit eigentlich sehr streitig macht. Viele auch – besonders Weiber – drängen sich direct an ihn heran und bitten um einen ganz speciellen Segen. Unter solchen Umständen bleibt Pio Nono in der Regel nicht länger als höchstens eine Viertelstunde auf diesem angreifenden Spaziergange, dann fährt er wieder durch den Corso im geschlossenen Wagen nach dem Vatican zurück.



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III.
Schmidt und Nast. – Die Unfehlbarkeit und die Opposition der Bischöfe. – Gar nicht mehr sprechen. – Bischof Stroßmayer. – Dupanloup, der Heros der französischen Prälaten. – Die Lämmerweihe in St. Agnese. – Zwei Todtenfeste. – Die Säule zum Andenken des Concils.

Seit der Veröffentlichung zahlreicher Actenstücke des Concils in deutschen Zeitungen wartet das kleine Häuflein der gebildeten Fremden und Eingeborenen, das für den Gang der Verhandlungen in der Peterskirche einiges Interesse hegt, sehnsüchtig auf die Blätter von jenseits der Alpen her, um etwas Authentisches aus ihnen über die Dinge zu erfahren, die sich in unseren eigenen Mauern vollziehen. Da aber die Zeitungen, welche solche Actenstücke oder längere „römische Briefe“ veröffentlichen, gewöhnlich auf dem Censurbureau angehalten werden, und nur die wenigen Exemplare für die Gesandtschaften und Consulate frei passiren, so hat es seine Schwierigkeit, in den Besitz eines solchen gesuchten Blattes zu gelangen. Um so angenehmer ist das Gefühl, wenn man, im Comptoir des würtembergischen Consuls sitzend, in der Allgemeinen Zeitung oder der Kölnischen oder der Neuen Freien Presse mit behaglicher Sicherheit die Beurtheilung jener erlauchten Versammlung liest, während eine ganze Anzahl Mitglieder derselben daneben vor dem Schalter steht, um sich die Taschen mit Geld zu füllen. Denn die Herren „Schmidt und Nast“ sind zugleich die ersten Banquiers von Rom, und sehr viele der Kirchenfürsten bei ihnen accreditirt. Auch diese Herren Prälaten können dann manchmal nicht umhin, sich am Lesetisch niederzulassen, um in einem dieser bösen Blätter Nachrichten und Schilderungen von sich selber zu lesen; aber mehr als einen sah ich dann schon mit Indignation die Zeitung auf den Tisch werfen und dem Nachbar zugeneigt einige Ausdrücke der Entrüstung murmeln, nur wenige deutsche Bischöfe durchflogen mit feinem Lächeln die bekannten Briefe der Allgemeinen Zeitung, legten das Blatt dann mit einer gewissen Satisfaction nieder, schnupften aus silberner Dose, empfahlen sich artig und gingen mit heiteren Mienen die Treppen hinunter. Die meisten anderen dagegen halten sich in diesen Räumen nicht länger auf, als ihre Geldgeschäfte es erfordern, und sprechen absichtlich wenig, und vom Concil natürlich gar nicht, denn das Publicum, das sie sonst noch hier sehen, behagt ihnen nicht ganz. Diese Herren am Lesetisch mit Brillen auf den Nasen, zum Theil mit jüdelnden Gesichtszügen, die Spalte der Blätter eifrig durchfliegend, bald ein spöttisches Lächeln dabei ausstoßend, bald eine bissige Bemerkung sich gegenseitig zuraunend, wohl auch mit dem Lorgnon eine eben eingetretene bischöfliche Notabilität musternd, als wollten sie mit diesem durchdringenden Blicke eine ganze Biographie oder einen Leitartikel sich erobern, – diese Herren haben, wie gesagt, zu stark das Odeur der modernen Presse an sich, als daß es den Prälaten hier wohl werden könnte. Sie entfernen sich schnell und benutzen den Rest des Nachmittags bei gutem Wetter noch zu einem Pincio-Spaziergang, oder wohnen einer Versammlung ihrer „Nationalen“ bei, um sich dann Abends in Gesellschaft zu begeben, die ihnen mehr convenirt.

Aber ehe wir die Herren dorthin begleiten, um mit ihnen von der Arbeit der Verhandlungen auszuruhen, werfen wir noch einen Blick auf diese selbst, um zu sehen, wie weit sie seit unserm letzten Berichte vorgeschritten sind. Daß die Unfehlbarkeit, deren Schema jüngst zur Verbreitung kam, mit großer Majorität durchgehen wird, darüber herrscht hier kaum ein Zweifel, die Jesuiten rühmen sich sogar schon, daß dieselbe am Sonntag Laetare in öffentlicher Sitzung feierlich verkündet werden würde. Sehen wir uns jedoch einmal die Leute, welche dafür und dagegen sind, näher an. Die deutschen und österreichisch-ungarischen Bischöfe

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Die Gartenlaube (1870) b 213.jpg

Das Fest der Lämmerweihe in Rom.
Nach der Natur aufgenommen von Julius Jury in Rom.

[214] bilden den Kern der Opposition, und sie werden darin von ihren Diöcesanen, von den Laien, wie von den Geistlichen und den theologischen Facultäten der Universitäten, kräftig unterstützt. Sie haben vielleicht von allen Bischöfen allein eine Nation hinter sich, wo die große Masse der Gebildeten an den in Rom behandelten Fragen mit einigem Verständniß Antheil nimmt, wo sich inneres Interesse am Gegenstande regt. Sie vertreten das Volk, das seit dem Mittelalter in kirchlichen Angelegenheiten die Hauptrolle in Europa gespielt hat, das Land, in dem fast allein noch die katholische Theologie eine Wissenschaft genannt zu werden verdient, und sie repräsentiren, siebenundsechszig an der Zahl, nicht weniger als sechsundvierzig Millionen Katholiken. Und diese siebenundsechszig deutschen Bischöfe sollen nicht mehr Stimmrecht haben, kein größeres Gewicht in die Wagschale werfen, als z. B. ein italienischer Bischof oder einer derer in partibus Infidelium, der eine zerstreute, oft ganz uncivilisirte, halbwilde Bevölkerung in seiner Diöcese hat und eine in jeder Beziehung von Rom abhängige Person ist. Die siebenundzwanzig Millionen Italiener aber sind nach officiellem Katalog vertreten durch zweihundertsechsundsiebenzig Concilsmitglieder, und der Erzbischöfe und Bischöfe in partibus sind hier hundertzwanzig. Nächst Deutschland ist Frankreich dasjenige Land, wo Katholicismus und Bildung im höchsten Grade vereinigt sind, und ganz übereinstimmend damit stellt es auch das zweitgrößte Contingent zur Opposition.

Es ist demnach auch in öffentlichen Blättern wie von den betreffenden Bischöfen selbst geltend gemacht worden, daß eine reine Abstimmung nach Köpfen im höchsten Grade ungerecht sei, daß man vielmehr das Uebergewicht der Bevölkerung und der Bildung in den einzelnen Diöcesen berücksichtigen müsse. Natürlich ganz umsonst. Die „Civiltà cattolica“, das maßgebende Jesuitenblatt in Rom, antwortet darauf in ihrer neuesten Nummer: „es sei unerhört, diese moderne Zahlentheorie in die Kirche hineinzutragen; nur durch das göttliche Mysterium der Weihe seien die Bischöfe befugt, ihre Stimme abzugeben, und da diese Weihe überall dieselbe sei, so wiege auch die Stimme Aller gleich, es habe also der Bischof von Frosinone mit seinen siebenzigtausend Diöcesanen geradeso viel Bedeutung wie der Erzbischof von Köln mit nahe zwei Millionen.“ –

Immer und immer wieder machen sich die Mängel der vom päpstlichen Architecten Ritter Vespignani erbauten Aula des Concils in der Peterskirche geltend. Man kann für die Rednertribüne trotz aller Versuche, trotz aller Ueberspannungen mit Tüchern und Tapeten keinen Platz finden, von dem aus sich der Sprechende nach allen Seiten hin verständlich machen könnte. Natürlich verschleppt und verzögert dieser Umstand die so wie so schon allzu sehr in’s Breite verlaufenden Unterhandlungen nur noch mehr. Die Opposition hat mehrere Male darauf gedrungen, einen andern Raum für die Debatten zu bestimmen. Umsonst! Pius der Neunte wünscht die Väter in seiner unmittelbaren Nähe zu haben und hat alle anderen Vorschläge zurückgewiesen. Das Cardinalspräsidium ist nun in der Generalcongregation mit folgendem naiven Antrage aufgetreten: „Die Väter studiren vorher die ihnen überlieferten Vorlagen nebst ihren Begründungen; diejenigen, welche mit einzelnen Punkten derselben nicht übereinstimmen, schreiben ihre Bedenken auf und übergeben diese Schriftstücke dem Secretariat, woselbst sie zur Einsicht für die übrigen Mitglieder des Concils offen liegen. In der Aula selbst wird gar nicht mehr gesprochen, sondern blos abgestimmt.“ Diese summarische Verhandlungsweise, mit der man alle unbequemen Redner beseitigt und die Versammlung dem Eindrucke des gesprochenen Wortes eines Stroßmayer, Dupanloup u. A. entzieht, schien den Herren der Curie einen günstigeren Erfolg zu versprechen, als sie bisher gehabt haben. Indessen ist diese arge Demüthigung durch die Thätigkeit der Liberalen, besonders Stroßmayer’s, vom Concil noch in letzter Stunde abgewendet worden. Man hatte einige Tage vorher Kunde davon erhalten, und der erwähnte Bischof setzte Alles daran, die Opposition zur Verwerfung dieser Maßregel zu bestimmen. Er war den ganzen Tag unterwegs, um die einzelnen Mitglieder aufzusuchen und ihnen das Gefährliche dieses neuesten Jesuitenreceptes vorzustellen, ja er wußte im Verein mit anderen hervorragenden Häuptern des Concils selbst einige von der Rechten für seine Ansicht zu gewinnen. So kam es denn zu einer stürmischen Sitzung, deren Ergebniß die Ablehnung des Antrags der Cardinäle und somit ein bedeutungsvoller Sieg der Oppositionspartei war. Dagegen wird man fortfahren, in der Aula zu verhandeln.

Stroßmayer, der Bischof von Bosnien, Syrmien und Croatien, ist eine in Oesterreich wohlbekannte Persönlichkeit und hat hier in Rom, wo sein Name anfangs gegen die vielgenannten von Dupanloup und Maret zurücktrat, sich in kurzer Zeit den höchsten Haß der herrschenden Partei und die begeisterte Bewunderung der freisinnigeren Elemente des Concils wie der Stadt erworben. Er ist ebenso geschickt als Parteiführer wie als Redner bedeutend. Wo es gilt, die widerstrebenden Richtungen zwischen den verschiedenen Nationen der Liberalen auszusöhnen, die gesammte Opposition für eine wichtige Frage zu einigen, da ist es die unermüdliche Arbeitskraft und die feine diplomatische Kunst, die gewinnende Persönlichkeit und das tactvolle Benehmen des Croatenbischofs, dem diese Herculesarbeit gelingt. Als Redner erhält er selbst von den Franzosen trotz Dupanloup die Palme. Er soll die lateinische Sprache mit einer Gewandtheit und Kraft handhaben, wie nur ein Redner sich in seiner eigenen Muttersprache auszudrücken vermag. Uebrigens ist er wohl der Einzige in der Versammlung, welcher für die Sache, die er vertritt, seine ganze Stellung in die Schanze schlägt. Wie er mit den maßgebenden römischen kirchlichen Kreisen auf das Tiefste verfeindet ist, so steht er nicht minder als ein gehaßter Gegner der österreichischen Regierung da. Denn der Bischof ist zu Hause eifriger Verfechter des Panslavismus, und obwohl von deutschem Namen, vertheidigt er die „Rechte“ der croatischen Nation, die er so unabhängig von Oesterreich wie die ungarische wissen will, mit gleicher Hartnäckigkeit wie etwa Rieger in Prag diejenige der Böhmen. Von seiner kirchlichen wie weltlichen Regierung gleich gefürchtet und gehaßt, stützt er sich lediglich auf die Anhänglichkeit und Liebe seiner Nation, deren Cultur und Gesittung zu heben sein Lieblingsgedanke ist. Für die Volksschulen in Croatien ist er in außerordentlicher Weise thätig gewesen, und nicht minder ist er bemüht, seinem noch etwas wilden Volke durch die Kunst Gesittung zu geben. Er ließ schon vor Jahren von dem jetzt verstorbenen Overbeck die Cartons zur Ausschmückung der Wände einer neuerbauten Kirche in Slavonien zeichnen, und er beabsichtigt, ein croatisches Nationalmuseum zu stiften, für welches er augenblicklich in Rom bei Antiquaren und Bilderhändlern trotz aller sonstigen Arbeiten noch bedeutende Ankäufe zu machen weiß. Noch in den letzten Wochen hat er für zwanzigtausend Gulden alte Bilder italienischer Meister erworben.

Wie Stroßmayer unstreitig die bedeutendste Persönlichkeit unter den deutsch-österreichischen Bischöfen, so ist Felix Antoine Philibert Dupanloup der Heros der französischen Prälaten. Auf kirchlichem wie social-politischem Gebiet hatte er sich schon vor dem Concil einen bekannteren Namen erworben als Stroßmayer. Als achtjähriger Knabe schon kam er nach Paris, wo er nicht blos seine Schulbildung genoß, sondern auch später die Universität besuchte und 1825 die Priesterweihe empfing. Der junge Geistliche verkehrte in feinen Kreisen und war wegen seines eleganten Witzes und chevaleresken Benehmens in der vornehmen legitimistischen Pariser Gesellschaft bald eine bekannte Persönlichkeit. Der Herzog von Bordeaux, der ihn kennen lernte, bestimmte ihn zu seinem Beichtvater und zum Lehrer und Erzieher des jungen Prinzen von Orleans. Als Ludwig Philipp den Thron von Frankreich bestieg, machte Dupanloup schnelle Carrière; er wurde 1837 Vorsteher des kleinen Priesterseminars und 1841 Professor der geistlichen Beredsamkeit an der Sorbonne. Hier geschah es jedoch, daß der junge Lehrer während einer Vorlesung Aeußerungen über Voltaire und seine Zeit fallen ließ, die ihm den Unwillen und die Erbitterung der Zuhörer wie der meisten seiner Collegen in so hohem Grade zuzogen, daß Ludwig Philipp selbst ihn nicht mehr zu halten wagte. Er trat von seinem Posten zurück und lebte eine Zeit lang fast lediglich seinen Studien, die er hauptsächlich im Fache der Pädagogik anstellte.

Im Jahre 1849 sehen wir ihn plötzlich zum Bischof von Orleans ernannt, in welcher Diöcese er sofort mit rastloser Thätigkeit in seinem Sinne wirkte. Er gründete eine Musterschule für die Heranbildung von Lehrern, griff in die socialen Verhältnisse seiner Diöcese energisch ein und vermehrte sein Ansehen unter den katholisch-legitimistischen Kreisen in Frankreich derart, daß selbst Napoleon der Dritte ihn bald als eine Persönlichkeit anzuerkennen sich gezwungen sah, die man nicht einfach beseitigen könne, sondern mit der man zu rechnen habe. 1865 schrieb er: „La convention du 15 sept.“ und „l’Encyclique du 8 déc.“, Werke, welche ihm in Rom hohes Lob eintrugen, ihn als Vertheidiger des berühmten [215] päpstlichen Syllabus erscheinen ließen und ihn zu einem der „geliebtesten Brüder“ Pius des Neunten machten.

Aber so sehr Dupanloup auch dem päpstlichen Stuhle ergeben war, er blieb zugleich immer ein auf sein Vaterland, dessen Geschichte und Vorrechte stolzer Franzose, und gerade sein conservativ-legitimistischer Sinn mußte ihn zu einem Anhänger der Rechte der gallicanischen Kirche machen und zu einem Gegner der radicalen Jesuitenpartei, welche die Centralisation der Kirche mit Mißachtung aller verbrieften Privilegien bis zur denkbar schärfsten Consequenz durchzuführen beabsichtigt. So schrieb er denn kurz vor der Eröffnung des Concils seinen bekannten Brief gegen die Infallibilität des Papstes, und wir erlebten das Wunder, daß wie auf eine ausgetheilte Parole hin sämmtliche ultramontanen Jesuitenblätter, die den Bischof von Orleans vordem als einen der edelsten Paladine der Kirche gepriesen hatten, in ihrem Tone umschlugen und den früheren Helden als ein verlorenes Schaf zu beklagen anfingen. Es ist Dupanloup nachzurühmen, daß er hier in Rom allen Verführungskünsten der allmächtigen Partei – was anfangs nicht Alle von ihm erwarteten – widerstanden hat. Selbst persönliche Audienzen beim Papst haben ihn in seinen Ansichten nicht wankend gemacht, und während er selbst im Beginn des Concils die erste Größe desselben zu werden versprach, erkannte er augenblicklich neidlos die Superiorität Stroßmayer’s, den er als Redner wie Thiers bewundert, in der Führung der Opposition an. In der römischen Gesellschaft ist Dupanloup eine ebenso gern gesehene und berühmte Größe wie einst in Paris unter den Orleans; er besucht die vornehmen Cirkel der römischen Fürsten, der Principi Massimi della Colonna, Borghese, Doria, der auswärtigen Gesandten oft und gern, und Jedermann drängt sich dort hinzu, um mit dem Bischof von Orleans ein Wort gewechselt zu haben. Ja er gehört unter die wenigen Prälaten, die auch außerhalb der Salons auf der Straße und auf dem Pincio unter Fremden und Römern bekannt sind. –

Unter den großen katholischen Festlichkeiten, welche in die vergangenen Wochen fielen und die in diesem Jahre durch den Aufenthalt der vielen Prälaten in Rom an Glanz außerordentlich gewinnen, haben wir neulich das Fest der „Lämmerweihe“ in der alten Basilica St. Agnese vor Porta Pia gefeiert. Die Nonnen des Klosters in der Via Torre de’ specchi am Capitol genießen das Vorrecht, die beiden Lämmer aufzuziehen, zu waschen und mit Gold und rothseidenen Schleifen reichlich zu schmücken, welche an jenem Tage in der Kirche der bekanntlich immer mit dem Lamm abgebildeten, in Rom ganz besonders hochverehrten heiligen Agnes von einem Cardinale geweiht werden. Da schönes Frühlingswetter war, hatte sich eine große Menge Volkes vor das Thor begeben, um dem kirchlichen Acte beizuwohnen und dann gleich in einer der vielen hier zerstreut liegenden Vignen in heiterer Gesellschaft einen frischen Trunk im Freien zu thun. Die kleine Kirche füllte sich mit Menschen. Auf dem schönen Altar, wo das Bild der Heiligen steht (dies ist zur Hälfte ein antiker Torso aus Alabaster von schöner Arbeit, Kopf und Hals hat man von Goldbronze angesetzt), wurden auf reich verziertem Kissen die beiden Lämmer niedergelegt. Da den kleinen, in ihrem weißgewaschenen und rothbebänderten Vließ sich sehr niedlich ausnehmenden Thieren die vier Beine gebunden waren, so lagen sie mit Engelsgeduld still und ließen alle Weihsprüche, Bekreuzigungen, Besprengungen und Salbungen über ihr junges Schafsgemüth ergehen. Das Volk drängte sich bis auf die Stufen des Altars hinauf, um dem seltenen Acte zuzusehen. Die Nonnen des oben genannten Klosters nehmen alsdann die Lämmer wieder in Empfang und fahren mit ihnen nach der Stadt zurück. Im Klosterhof werden die seidenen Schleifen abgenommen, und die jungen Vierfüßler erhalten wieder den freien Gebrauch ihrer Beine und einen eigens dazu hergerichteten reinlichen Stall. Hier werden sie gut gefüttert und genießen die beste Behandlung bis Ostern, wo das scharfe Schlachtmesser ihrer harrt, denn sie sind für die Tafel des Papstes bestimmt. Junger Lammsbraten (bacchio) gilt in Rom als etwas sehr Feines. Der Papst zieht einige Cardinäle zur Tafel und verspeist mit ihnen die beiden Osterlämmer. Aus den schönen weißen Fellen aber werden die Pallien für die Cardinäle gewebt.

In den vergangenen Wochen haben auch die Todten den Römern Feste gegeben. Leichenzüge hoher Personen werden hier mit großem Glanze begangen. Sie finden immer Abends mit Kerzenbeleuchtung statt; die Capuzinermönche mit ihren braunen Kutten, meistens alte charakteristische Gesichter mit schneeweißen langen Bärten, geleiten den Sarg nach der Kirche. Musikbanden fehlen nicht, und unter dem unheimlich eintönigen Gemurmel von Litaneien bewegt sich der lange Zug in greller Fackelbeleuchtung durch die Hauptstraßen der Stadt, welche voll von Neugierigen sind. Bei hohen Personen kommen mehr oder weniger militärische Abtheilungen dazu. So sahen wir jüngst das besonders reich ausgestattete Leichenbegängniß des Großherzogs von Toscana und des Obersten von Argy, eines verdienten päpstlichen Officiers. Ersterer wurde in der Apostelkirche, letzterer in der französischen Nationalkirche St. Luigi de’ Francesi beerdigt. Am Morgen nach dem Leichenzuge findet dann gewöhnlich die Trauermesse statt, für die schaulustigen Römer ein neues Fest. Die Musik spielt manchmal Weisen auf, die für unser Ohr mehr auf die Parade oder in öffentliche Concerte gehören würden, als für so ernste Gelegenheiten passend erscheinen. Indeß der Römer, überhaupt der Italiener, ist daran gewöhnt; in dieser Tonart bewegt sich seine ganze jetzige Kirchenmusik. Auch überläßt sich die Menge dabei vollständig unbefangen allen gelegentlichen Freudenäußerungen, Scherzen und Witzen, wie sie sich bei andern Festlichkeiten, beim Zusammenströmen großer Massen immer von selbst ergeben. Das Ganze soll eben nichts als ein Fest sein, das die Hinterbliebenen des Verstorbnen der Menge zu geben gewissermaßen verpflichtet sind.

Neulich besuchte ich den Janiculus jenseit der Tiber in Trastevere. Auf diesem kleinen Hügel steht die Kirche St. Pietro in montorio und auf dem Platze vor derselben wird das Monument errichtet, dessen Grundstein sonderbarer Weise schon vor der Eröffnung des Concils „zum Andenken an dasselbe“ gelegt wurde. Bekanntlich bildet eine kolossale Säule aus grünem feingeäderten afrikanischen Marmor, welche bei den Ausgrabungen im alten Emporium (dem Marmorlandungsplatze der Römer) zum Vorschein kam, den Hauptschmuck dieses Denkmals. Dieselbe hat einen Durchmesser von mehr als vier Fuß und eine entsprechende Länge. Sie wurde aber ohne Capitäl gefunden, und auch der Schaft war noch nicht vollendet. In einer großen an die Kirche sich anlehnenden Holzhütte ist nun der Steinmetz beschäftigt, diese Riesensäule ihrer Vollendung entgegenzuführen. Der Marmor ist von ausgezeichneter Beschaffenheit. Das Capitäl für die Säule soll aus weißem carrarischen Marmor und zwar in ionischer Form aufgesetzt werden. Es wird in der Werkstatt eines römischen, übrigens ziemlich unbekannten Bildhauers modellirt, welcher auch die Statue des Apostels Petrus anfertigt, die das Monument krönen soll. Petrus wird in der einen Hand die Schlüssel tragen, die andere segnend über die Stadt Rom ausstrecken, auf die man mit ihren sieben Hügeln mit ihren Kuppeln und Palästen von dem Platze des Monumentes aus einen der schönsten Ueberblicke genießt. An dem aus breiten Travertinquadern zu errichtenden Unterbau der Säule werden große, auf die Geschichte der Päpste und der Kirche bezügliche Bronzereliefs eingelassen werden. Die Arbeiten werden auf Geheiß und Betreiben Pius des Neunten sehr beschleunigt, da es sein Wunsch ist, daß die Bischöfe selbst noch Zeugen der Einweihung des glorreichen Denkmals sein sollen.

Im Uebrigen beschäftigt die künstlerische Welt Roms augenblicklich in hohem Grade die „Ausstellung in den Thermen des Diocletian“, die ja auch eine der Veranstaltungen ist, welche die „Tage des Concils“ verherrlichen sollen. Sie wurde am 18. vorigen Monats in dem Klosterhofe von St. Maria degli Angeli (dies Kloster ist eben in die Ruinen der alten Thermen hineingebaut) eröffnet und enthält nur Gegenstände der kirchlichen Kunst, nicht der profanen. In Italien, wo so ziemlich alles in den Bereich der Kirche zur Verherrlichung ihres Cultus hineingezogen wird, will dies nicht so viel bedeuten, wie etwa im protestantischen England oder in Norddeutschland. Durch Einfluß der Cleriker aller Welt sind aus den entferntesten Gegenden der Erde Kunstwerke aller Zeiten, wie sie in den „Schätzen“, Capellen, Archiven und Bibliotheken der katholischen Kirche zum großen Theil verborgen liegen, hierher gesendet worden und man sieht auf diese Weise manche werthvolle Bilder, besonders aber Kleinodien, Gefäße, kunstvolle Webereien etc., übersichtlich geordnet, bequem an einem Platze, die oft nicht einmal an Ort und Stelle, auch wenn man dort gegenwärtig wäre, vorgezeigt werden dürfen. Ich gedenke in meinem nächsten Briefe Ihnen Näheres über die Bedeutung dieser Ausstellung zu berichten.

Rom, Anfang März 1870.
nn. 




  1. Wir freuen uns, unsern Lesern die Mittheilung machen zu können, daß die Gartenlaube aus Rom fortlaufende Schilderungen aus der bewährten Feder eines Schriftstellers bringen wird, der schon seit längerer Zeit in der Stadt der Päpste weilt und sich dort auch während der ganzen Dauer des Concils aufhalten wird. Wir brauchen kaum die Versicherung beizufügen, daß sich unser Blatt, so ernst und würdig auch die Mittheilungen gehalten sein werden, doch von theologischen Auseinandersetzungen gleich weit entfernt halten wird.
    D. Red.