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Illustrationen zu Herman Schmid’s Werken

Textdaten
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Titel: Illustrationen zu Herman Schmid’s Werken
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 32, S. 525–526
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[522]
Die Gartenlaube (1873) b 522.jpg

Der Wilddieb auf der Flucht.
Scene aus der Herman Schmid’schen Erzählung „Almenrausch und Edelweiß“, von L. Bechstein.

[525]
Blätter und Blüthen.

Illustrationen zu Herman Schmid’s Werken. (Mit Abbildung, S. 522.) Ohne Zweifel werden sich unsere Leser noch der ihrer Zeit mit so vielem Beifall aufgenommenen Erzählung aus dem baierischen Hochgebirge „Almenrausch und Edelweiß“ von Herman Schmid erinnern. Das heute von uns gebrachte Bild von L. Bechstein, dem die Gartenlaube schon so manches treffliche Blatt verdankt, entnimmt seinen Stoff der genannten Erzählung, und wir theilen aus derselben die betreffende Stelle als erklärenden Text zu dem Bilde hier mit; es ist die bekannte Scene, wo die Schwärzer im Thale der Wimbach von den Jägern überrascht werden. Herman Schmid erzählt daselbst:

Eben wollte man sich, lautlos wie man gekommen war, trennen, als eine wilde Stimme gebieterisch von einer nahen Höhe herunter rief: „Halt, Ihr Kerls! Diesmal haben wir Euch – Keiner rührt sich von der Stelle, oder er wird niedergeschossen!“

Ein einziger Schrei antwortete dem Ruf. „Die Grünen!“ hieß es, und „Lichter aus!“ und im Augenblick war von den Schwärzern nichts mehr zu sehen; nichts war zu hören, als das Knacken der aufgezogenen Hähne an den Gewehren.

„Gebt Euch gutwillig!“ rief es wieder. „Legt die Stutzen nieder – Ihr seid umringt!“

Kein Wort wurde erwidert; als einzige Antwort knallte ein Stutzen nach der Richtung hin, von welcher das Rufen kam. Verdoppelt, verdreifacht kam der Knall von allen Seiten zurück, und eine überlegene Schaar von Jägern, Grenzwächtern und Gensd’armen stürzte rings auf die Ueberfallenen ein. Viele davon hatten sich im ersten Augenblick zerstreut und kletterten im Schutze der Nacht die Felsen hinan oder unter den Latschen dahin; die Zurückgebliebenen setzten sich mit dem Muthe der Verzweiflung und Todesverachtung zur Wehre. Jedem winkte noch die Möglichkeit des Entrinnens. Jedem schien ein rascher Tod wünschenswerther, als eine lange, schwer entehrende Strafe. Ein wildes, blutiges [526] Handgemenge entstand; der hing würgend an der Kehle des Andern; der hatte seinen Feind zu Boden gerungen und trachtete, ihm den Schädel an den schroffen Felskanten zu zerstoßen. Der Eine hob die losgeschossene, in der Nähe nicht mehr brauchbare Büchse, um mit dem Kolben niederzuschmettern. Ein Anderer hielt den Gegner um die Mitte und suchte ihn in das Flußbett der Wimbach hinabzuschleudern – dazwischen knallten die Stutzen den Fliehenden nach und von ihnen zurück; Geschrei der Kämpfenden mischte sich in den Wehruf der Verwundeten und Stürzenden, und der Wiederhall des Getöses rollte an den nächtlichen Felswänden des Gebirges dahin.

Die Schwärzer unterlagen zuletzt; sie waren in der Minderzahl und die Grenzwächter, denen der Anschlag verrathen gewesen, hatten ihre Vorkehrungen zu bestimmt und zu sicher getroffen. Alle Zugänge waren bewacht; es waren die Wenigsten, denen zu entrinnen gelungen war; die Meisten stöhnten verwundet, gebunden und geknebelt am Boden; die Angreifer hatten weniger gelitten; sie waren im Eifer über das Gelingen bemüht, zuerst den glücklichen Fang zu ordnen und zusammenzupacken; dann luden sie ihn den Gefangenen auf und begannen den Rückzug.

Auch Mentel war unter den Entronnenen. Als gewandter Jäger und wohlbekannt mit der Oertlichkeit, hatte er im raschen Laufe einen Felszacken erreicht, jenseits dessen ein kleines schmales Thälchen anging und sich eine Strecke weit an der östlichen Seite des Steinberges hinzog. Dort durfte er für den Augenblick einen sichern Versteck und bei Tagesgrauen einen nur Wenigen bekannten Ausweg hoffen, der in die Ramsau hinunterführte. Ein kühner Sprung mit eingesetztem Bergstock trug ihn in die Tiefe – – – – –

Und nun schildert der Verfasser weiter, wie der Wilderer den Abhang hinunterrutscht, erst langsam, dann unwillkürlich immer rascher, wie sich das Steingeröll loslöst und mit wildem Gepolter hinabkollert, den Fliehenden mit sich fortreißend, bis dieser endlich kopfüber, an Haupt und Händen blutend, in die Tiefe stürzt. Die Scene ist allerdings eine der grausigsten und effectvollsten des Romans. –

Uebrigens sind, wie wir bei dieser Gelegenheit erwähnen wollen, Herman Schmid bereits drei Anträge zur Dramatisirung seiner soeben in der Gartenlaube vollendeten Novelle: „Der Loder“ gemacht worden, gewiß ein neues Zeichen der wachsenden Beliebtheit dieses Autors.