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Textdaten
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Autor: Heinrich Heine
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Titel: Ich war, o Lamm, als Hirt bestellt
Untertitel:
aus: Deutscher Musenalmanach, Band 7. S. 392–393
Herausgeber: Christian Schad
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Stahel’sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Würzburg
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Deutscher Musenalmanach (7) 1857.djvu
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[392]
7.


     Ich war, o Lamm, als Hirt bestellt,
Zu hüten dich auf dieser Welt.
Hab’ dich mit meinem Brot geäzt,
Mit Wasser aus dem Born geletzt.

5
Wenn kalt der Wintersturm gelärmt,

Hab’ ich dich an der Brust erwärmt.
Hier hielt ich fest dich angeschlossen,
Wenn Regengüsse sich ergossen,
Und Wolf und Waldbach um die Wette

10
Geheult im dunkeln Felsenbette.

Du bangtest nicht, hast nicht gezittert.
Selbst wenn den höchsten Tann zersplittert
Der Wetterstrahl – in meinem Schooß
Du schliefest still und sorgenlos.

15
     Mein Arm wird schwach, es schleicht herbei

Der blasse Tod! Die Schäferei,
Das Hirtenspiel, es hat ein Ende.
O Gott, ich leg’ in deine Hände
Zurück den Stab. – Behüte du

20
Mein armes Lamm, wenn ich zur Ruh’
[393]

Bestattet bin – und dulde nicht,
Daß irgendwo ein Dorn sie sticht –
O schütz’ ihr Vließ vor Dornenhecken
Und auch vor Sümpfen, die beflecken;

25
Lass’ überall zu ihren Füßen

Das allerbeste Futter sprießen;
Und laß sie schlafen, sorgenlos,
Wie einst sie schlief in meinem Schooß.