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Titel: Gute Freunde und getreue Nachbarn
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aus: Die Gartenlaube, Heft 20, S. 308-309
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1865
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Gute Freunde und getreue Nachbarn.

Ist über diese Gesellschaft noch Etwas zu sagen? Bedarf das gegenseitige Verhältniß ihrer Mitglieder irgend einer Erklärung?

Herzliche Theilnahme allein ist es nicht, die den Jagdhund zu der jungen Brut hinzieht. Es mag ihm wohl aus der Nase der Gedanke in den Kopf steigen, daß diese kleinen Dinger vielleicht nicht übel schmecken möchten – „allein nachher die Prügel!“ So denkt er, aus Erfahrung weise, hinzu, labt sich am Geruch und legt in’s demüthige Gesicht den Ausdruck seiner berühmten Treue.

Der Verdacht, daß er es doch nicht ehrlich meine mit seiner Herablassung, ist offenbar in das kleine Hähnchen gefahren, das vor dem Futternapf steht und über den Rand hinüber eifert. Dabei hebt der junge Ritter die ersten Kielchen seiner zukünftigen stolzen Schwungfedern zornig empor.

Ist es die Angst über die Schnüffelversuche des Hundes, oder die Besorgniß, daß die patzige Herausforderung des Kleinen die Langmuth des Großen erschöpfen könne, – jedenfalls richtet sich die augenfällige Erregtheit der Mutter Henne gegen das Hähnchen. Dieses aber stellt sich trotz solcher Mahnung so kampfbereit hin, wie ein Student auf der Mensur, so daß Mama sicherlich aufspringen würde, um es am Kragen zu schütteln, wenn sie nicht just für einen Theil ihrer Piephühnerchen als Grotte oder Laube und für einen andern als Berg dienen müßte, auf welchem diese ihre erste Aussicht genießen.

Ein wahres Meisterstück in diesem Bilde unseres genialen Düsseldorfers Beckmann ist die Hauptfigur der Gruppe, der aus einer unermeßlichen Höhe des Selbstgefühls auf Alles um sich her hinabschauende Dachshund Wachtel. Welche classische Ruhe, welche souveräne Verachtung, welche über alles Lob erhabene Würde sucht in ihm sich auszudrücken! Mit den vielgeschilderten unerforschlichen Augen eines zweiten December scheint er selbst längst Alles

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Die Gartenlaube (1865) b 309.jpg

Vor der Hundehütte.
Originalzeichnung von L. Beckmann.

erforscht zu haben und Nichts das Gleichgewicht seiner Seele stören zu können. Und ob eine Welt neben ihm versänke, es fragt sich, ob er dies nur des Zuckens mit den Ohren werth erachtete. Man kann kaum ahnen, was er wohl denkt, ja, es ist selbst nicht zu kühn, zu behaupten, daß er vielleicht gar nichts denkt, oder wenigstens mit dem Grafen Wartensleben der Ansicht huldigt, daß das Denken überhaupt eine unnütze Erfindung sei. – Das ist so die Natur der Exclusiven im Hunde- wie im Menschenleben.