Großvater und Enkel

Textdaten
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Autor: Friedrich Hofmann
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Titel: Großvater und Enkel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 27, S. 444–445
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1871
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[444]
Großvater und Enkel.

„Davor gelegen in Schnee und Eis,
Geschanzt und geschlagen in Blut und Schweiß,
Die besten Cam’raden zu Tode getroffen –
Und endlich gesiegt! Paris ist offen!
Ich bin der Sieger – und darf nicht hinein!
Da schlage das Donnerwetter drein!“

– Sei gut, mein Junge! Zwar – ich bin alt,
Und dennoch hat wild sich die Faust mir geballt,
Und Ihr seid noch Kerle von Feuerblut
Und Ihr habt Recht, – aber, Junge, sei gut!
Bedenk’: ich zog in Paris mit ein –
Was brachten denn wir heim über den Rhein?

Was errang nach so viel Fluch und Schand’
Denn unser Triumph dem Vaterland?
Du glaubst es mir, weil ich’s Dir sage:
Sie belohnten uns mit dem – Bundestage!
Den Franzosen gaben sie unsern Rhein!
Da, Junge, schlage der Donner drein!

Spottleicht verschmerzt sich der Verdruß
Ob dem alten Raubnest am Seinefluß:
Ihr bringt uns Straßburg und Metz und zugleich
Unsers Lebens Sehnsucht – Kaiser und Reich!
Ein einig Deutschland und obendarein
Ganz frei, ganz deutsch unsern alten Rhein!

Nur das Eine betrübt mich: das alte Lied
Von der Ehre geborenem Unterschied!
Ha, für solche Opfer nach solchen Zielen
Noch des Standeshochmuths empörendes Spielen? –
Muß vor aller Welt durch das Kreuz nicht gemein
Soldaten- und Bürgerehre sein?

[445]
Die Gartenlaube (1871) b 445.jpg

Großvater und Enkel.
Nach dem eigenen Oelgemälde für die Gartenlaube auf Holz gezeichnet von M. Heeren in Düsseldorf.


Dein eisern Kreuz ist kein Gnadenstück,
Dem Stande verliehn und gefälligem Glück
Wer das erfocht und trägt mit Recht,
Der ist für den höchsten Stand nicht zu schlecht.
Jetzt müßt Ihr, treue Wacht am Rhein,
Der Männerehre Hüter sein!

Mein eisern Kreuz, verdient mit Blut,
Für Das, was es kostete, viel zu gut, –
Erst jetzt ist es mir was werth geworden:
Der Alte und Junge mit gleichem Orden! –
Komm’ mit durch’s Dorf und in’s Wirthshaus hinein:
Es lebe der Kaiser, es lebe der Rhein!

 Fr. Hofmann.