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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Go Schu Han
Untertitel:
aus: Chinesische Volksmärchen, S. 214–215
Herausgeber: Richard Wilhelm
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1914
Verlag: Eugen Diederichs
Drucker: Spamer, Leipzig
Erscheinungsort: Jena
Übersetzer: Richard Wilhelm
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
E-Text nach Digitale Bibliothek Band 157: Märchen der Welt
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[214]
73. Go Schu Han

Zur Zeit der Tang-Kaiser lebte ein großer Feldherr namens Go Schu Han. Der wohnte in jungen Jahren in Sianfu. Seine Frau war an einer Krankheit gestorben. Da er sie aber sehr lieb gehabt hatte, stellte er den Sarg in das Westgemach, und da er sich nicht von ihr trennen konnte, schlief er in demselben Raum. Um Mitternacht schien der Mond zum Fenster herein, daß der Boden schneeweiß glänzte. Go Schu Han lag seufzend auf seinem Bett und konnte nicht schlafen.

Plötzlich ward die Tür aufgestoßen, und ein Ungetüm kam herein; das war ein Oger. Es war über zehn Fuß hoch, hatte Hosen an von Leopardenfell, Sägezähne und fliegende Haare. Ihm auf dem Fuße folgten drei Teufel. Sie trugen Perlenketten und tanzten im Mondschein.

Sie sprachen also zu einander: „Der auf dem Bett dort liegt, wird ein berühmter Mann, was ist zu tun?“

Der zweite sprach: „Er schläft schon.“

Darauf packten sie den Sarg und trugen ihn in den Hof hinaus. Sie schlugen ihn mit den Händen auf, nahmen den Leichnam heraus und zerrissen ihn. Dann setzten sie sich im Kreis umher und begannen, ihn aufzufressen. Das Blut spritzte den ganzen Boden voll, und die Seidenkleider flogen in Fetzen herum.

[215] Go Schu Han ward bei diesem Anblick von Entsetzen erfaßt. Er konnte es aber nicht länger mit ansehen; darum nahm er ein Schwert, warf es nach ihnen hinaus und schrie mit lauter Stimme: „Packt die Teufel!“

Die Teufel erschraken und liefen weg. Er machte sich ihre Furcht zunutze, hob sein Schwert wieder auf und verfolgte sie. Sie flüchteten nach der Südwestecke des Hofes. Dort stiegen sie über die Mauer und verschwanden. Einer aber blieb zurück, dem schlug er einen Finger ab; der war so dick wie ein Arm, dicht behaart, und das Blut quoll in dicken Tropfen hervor.

Als die Diener den Lärm hörten, kamen sie eilig herbei und fragten, was es gäbe. Go Schu Han befahl ihnen, die Knochenreste seiner Frau aufzusammeln. Doch war am Platze der schrecklichen Mahlzeit nichts zu sehen. Sie traten in das Zimmer, da stand der Sarg, unberührt wie zuvor. Die Diener dachten, ihr Herr habe geträumt; doch fand sich an der Mauer Blut, auch waren Fußspuren zu sehen. Niemand konnte sich erklären, was es mit der Sache auf sich habe. Aber nach ein paar Jahren ward Go Schu Han tatsächlich berühmt.

Anmerkungen des Übersetzers

[400] 73. Go Schu Han, vgl. Tang Dai Tsung Schu.

Er war Feldherr unter Kaiser Ming Huang und starb 756 n. Chr. Er war tartarischer Herkunft.

Der Oger hier ist wohl einer der Rakchas, die mit den Yakchas häufig verwechselt werden.

Perlenketten: Der Ausdruck Schä Li, indisch Sarira, wird sowohl für Perlen als auch für Knochen gebraucht.

„der auf dem Bett liegt“: Zur Zeit des Vorgangs war Go Schu Han noch nicht berühmt, die Geister aber wissen die Zukunft voraus. Sie sind dem hohen Stand ebensolche Ehrfurcht schuldig wie die Menschen.