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Titel: Generalstabsarzt Dr. von Lauer †
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aus: Die Gartenlaube, Heft 19, S. 324
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[324] Generalstabsarzt Dr. von Lauer †. Am 8. April, in der zwölften Stunde, verschied nach ziemlich andauernder, bis gegen das Ende noch Aussicht auf Genesnng bietender Krankheit der in den weitesten Kreisen hochangesehene und wegen seiner engeren Beziehungen zu dem verstorbenen Kaiser Wilhelm I. wohl in der ganzen gesitteten Welt bekannte Dr. v. Lauer. In den letzten Tagen hatte den Patienten bereits das Bewußtsein verlassen, und von da an gaben die Aerzte bei einem Manne, der das einundachtzigste Lebensjahr erreicht hatte, die Hoffnung auf Wiedergenesung auf.

Im Jahrgang 1877 hat die „Gartenlaube“ das Bildniß des nunmehr Verstorbenen nach einem Studienkopfe Anton v. Werners und zugleich einen Abriß seines Lebens ihren Lesern vorgeführt. Wir wiederholen aus demselben hier die hauptsächlichsten Angaben. Als der Sohn eines evangelischen Geistlichen wurde Lauer zu Wetzlar im Jahre 1808 am 10. Oktober geboren. Im Jahre 1825 trat er als Zögling in das medizinisch-chirurgische Friedrich Wilhelms-Institut zu Berlin ein. Er promovirte 1830, war aber schon zwei Jahre vorher zum Unterarzt in der königlichen Charité ernannt worden. Nachdem Lauer 1839 zum Stabsarzt und 1843 zum Regimentsarzt befördert worden war, wählte ihn der Prinz Wilhelm von Preußen, der nachmalige König und Kaiser, zu seinem Leibarzt. Im Jahre 1861 erfolgte seine Ernennung zum Generalarzt, 1864 wurde er zum Corpsarzt des Gardecorps befördert, und nach dem Kriege von 1866 verlieh ihm der ihm besonders wohlgesinnte Monarch den Adel. Am 22. März 1881 erhielt Lauer den Rang eines Generallieutenauts und damit das Prädikat Excellenz. Bei Gelegenheit seines fünfzigjährigen Dienstjubilänms ernannte ihn die Berliner Universität zum Professor.

Im Jahre 1879 war Lauer bereits Generalstabsarzt der Armee geworden, und die großen Verdienste, die er sich als Chef des Militärmedizinalwesens erworben hat, werden in der deutschen Armee unvergessen bleiben. Aber vorzugsweise werden es doch diejenigen Verdienste bleiben, die er sich als Leibarzt des Kaisers Wilhelm I. um dessen Person erworben hat. Lauer besaß das unbeschränkte Vertrauen seines Fürsten, begleitete ihn auf allen längeren Reisen und war während der Feldzüge in seiner unmittelbaren Nähe. Nach dem Nobilingschen Attentat wich der treue Pfleger überhaupt kaum von dem Lager des kaiserlichen Greises.

Wie naturgemäß mit allen solchen Stellungen eine außerordentlich große Verantwortung verknüpft ist, so war es hier ganz besonders der Fall, denn der verstorbene Kaiser Wilhelm stellte sich bei seinem ungewöhnlich hoch entwickelten Pflichtgefühl, das ihn immer erst nach seinen Herrscheraufgaben und dann erst nach seiner Gesundheit fragen ließ, sehr häufig mit seinem ärztlichen Berather in Widerspruch, und es war dann für den letzteren unendlich schwer, entweder seine ärztliche Ueberzeugung dem Willen des Kaisers unterzuordnen, oder seine Meinung durchzusetzen, ohne die Vorschriften der Ehrerbietung außer acht zu lassen. Diesen schweren, oft an ihn herantretenden Zwiespalt hat der Verstorbene stets in bewunderungswürdiger Weise gelöst. Bisweilen war Lauer genöthigt, mit einer gewissen schroffen Entschiedenheit seine Autorität durchzusetzen, und er wagte dies, indem er sich dann durch das übereinstimmende Gutachten der zu Rathe gezogenen Aerzte deckte.

Mit den großen Kriegsereignissen von 1870/71 bleibt Dr. v. Lauers Andenken für alle Zeiten verknüpft. Bei einer Darstellung des Lebens Kaiser Wilhelms gebührt ihm ein hervorragender Platz, und in der Sterbestunde am 9. März 1888 hielt die Hand des großen Heldenkaisers derselbe Mann, der nun – auch ein Gerechter, ein Pflichtgetreuer und Edler – für immer entschlafen ist. –