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Textdaten
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Autor: Eduard Schmidt-Weißenfels
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Titel: Friedliche Kreuzfahrer
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aus: Die Gartenlaube, Heft 52, S. 871–874
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[871]
Friedliche Kreuzfahrer.
Von Schmidt-Weißenfels.

Bekannt ist die starke Neigung des schwäbischen Volksstammes zum Pietismus. Neben der Landeskirche bildet er eine sehr zahlreiche Gemeinschaft in Württemberg, und aus ihm heraus hat sich eine Anzahl eigener Secten gestaltet, deren Anhänger über das ganze Land und darüber hinaus verbreitet sind. Als vor nunmehr vierzig Jahren durch David Strauß’ Kritik des Lebens Jesu eine tiefgreifende Bewegung in der gebildeten und religiösen Welt hervorgerufen worden, wurde namentlich auch der württembergische Pietismus davon in Mitleidenschaft gezogen. War doch Strauß selber ein Württemberger, und ging seine die Wunder der Bibel verwerfende Lehre doch von der württembergischen Hochschule über die Christenheit! Ein Zetergeschrei erhob sich gegen den Verwegenen, eine neue Erregung kam in die pietistischen Kreise, und mit erhöhtem Eifer suchte man in ihnen nach einer befriedigenden Gestaltung eines glaubenskräftigen Lebens.

Es war damals, daß in Ludwigsburg, der Geburtsstadt von Strauß, ein Mann auftrat, welcher mit Begeisterung sich die Erneuerung der erlahmten pietistischen Partei als Aufgabe seines Wirkens stellte. Dieser Agitator hieß Christoph Hoffmann und war der Sohn des Gründers der nahe bei Ludwigsburg gelegenen pietistischen Gemeinde Kornthal. Mit zwei Gesinnungsgenossen, Beide Namens Paulus, gab er zunächst seit 1845 ein Wochenblatt „Die süddeutsche Warte“ heraus, welches den aufgeweckteren Theil der Pietisten und Kirchlichgesinnten sammeln und organisiren sollte. Wie bedeutend der Anhang und das Ansehen dieses Mannes in der Bürgerschaft war, zeigte sich im Jahre 1848, als die Wahlen zum deutschen [872] Parlamente stattfanden. Hoffmann wurde Strauß in Ludwigsburg gegenüber gestellt und siegte in der heißen Wahlschlacht über ihn. Er saß als einziger Vertreter des Pietismus in der Paulskirche zu Frankfurt. Seine lebhafte Phantasie erfaßte den hohen, schöpfungslustigen Freiheitsgeist jener Tage, der über die Menschheit gekommen war, und träumte von einer religiösen Wiedergeburt der deutschen Nation, unbeschadet ihrer politischen Auferstehung. Als er sich darin getäuscht sah, als dann auch die politischen Hoffnungen in frühen Herbst traten und entblätterten, da rettete sich die Entwickelungskraft Hoffmann’s in ein Eden, wo die Menschheit sich erneuern und zur wahren Glückseligkeit auf Erden gelangen könne. Er war der Ueberzeugung, daß dies nur möglich sei, wenn die Prophezeiungen der Bibel zur alleinigen Richtschnur des Lebens genommen würden und die christliche Gemeinschaft durch Rückkehr zu der Einfalt und Gläubigkeit der Apostel des verheißenen tausendjährigen Reiches sich würdig erweise.

Mit Schrift und Wort warb er nun für seine Meinung. Alles bestehende Christenthum erschien ihm entartet, der Pietismus verworren, alle socialen Mißstände führte er auf diese geistige Zerrüttung zurück. Was einzig retten könne, sei der Aufbau eines Tempels, das heißt die Bildung einer unabhängig von den Kirchen, auf rein christlicher Grundlage organisirten Gesellschaft, ähnlich der ersten Christengemeinde, mit einer äußeren Lebensordnung nach dem Vorbilde des Volkes Israel in seiner besten Zeit und mit der festen Glaubenskraft desselben. Da die heilige Schrift Jerusalem und das umliegende Land als den Ort der Erde bezeichnet, von wo diese rein biblische Lebensordnung ihren Ausgang nehmen müsse, so richtete er auch seine Blicke auf Palästina. Dort sollte das erste Christenthum durch ihn in lebendiger Gestaltung neu erstehen.

In der That fand schon 1849 diese Idee ihre Anhänger in Ludwigsburg und wurde fortan mit Erfolg weiter in pietistische Kreise getragen. Die Zeitschrift „Süddeutsche Warte“ erklärte sich im Juli 1853 sogar als besonderes „Organ für die Sammlung des Volkes Gottes in Jerusalem“, und ein Jahr später war die Anhängerzahl so groß, daß sie sich als Gemeinde constituiren konnte und Hoffmann mit einem der Paulus, mit Hardegg und dem bald darauf verstorbenen Höhn als freiwilliger Ausschuß derselben zusammentrat.

Ihrem Plane gemäß richtete die Gesellschaft des „Neuen Tempels“, wie sie sich nannte, 1854 eine mit vierhundertneununddreißig Unterschriften versehene Bittschrift an den Bundestag, daß dieser sich bei der türkischen Regierung dafür verwende, der Gesellschaft zu ihrer Uebersiedelung in’s gelobte Land Ackergebiet um billigen Preis zu verkaufen und ihr Schutz zu gewähren. Der Bundestag lehnte das Gesuch ab. Zeigte sich nun auch die Ausführung der Hauptidee schwierig, so verzichtete man doch keineswegs darauf. Man gelobte sich Treue der gläubigen Ueberzeugung und faßte sich in Geduld. Um aber einen Anfang mit der äußeren Lebenseinrichtung nach biblischen Vorschriften machen zu können, die Idee überhaupt erst in die Wirklichkeit zu übertragen, legte ein Theil der Secte unter Hoffmann im Jahre 1856 eine Niederlassung auf dem um vierzigtausend Gulden erworbenen Kirschenhardthof bei Marbach am Neckar, Schiller’s Heimath, an. Sie bildete fortan gleichsam die Vorbereitungsschule für die eigentliche Bestimmung der Mitglieder des „Neuen Tempels“, die in der Ansiedelung in Palästina erblühen sollte.

Denn darauf hielt man den Blick sehnsuchtsvoll gerichtet. Schon 1858 waren so viele Mittel gesammelt, daß drei Männer als Kundschafter nach Palästina gesandt werden konnten, die mehrere Monate lang das Land durchforschten, um zu erklären, „in wiefern es für die in der Weissagung ihm bestimmte Aufgabe tauge, der Anfangspunkt des Reiches Gottes auf Erden zu werden“. Der Bericht war wenigstens soweit aufmunternd, daß er eine Ansiedelung daselbst „nur von einer für die großen Zwecke der Weissagung organisirten Gesellschaft“ als erfolgreich hinstellte. Als solche betrachtete sich aber die Secte entschieden, und um es zu bekräftigen, faßte sie in einer Versammlung auf dem Kirschenhardthofe im Juni 1861 den Beschluß, aus der württembergischen Landeskirche auszutreten, sich auch von dem sie befehdenden Pietismus loszusagen und als selbstständige religiöse Gesellschaft unter dem Namen „Deutscher Tempel“ ihre Zwecke zu verfolgen. Es waren damals an dreitausend Seelen, die sich dazu in Württemberg vereinigten; abgesehen von einzelnen Gesinnungsgenossen in den übrigen deutschen Ländern, in der Schweiz, in Südrußland und Nordamerika, zumeist dort hingewanderte schwäbische Verwandte, die in anderen Secten die gesuchte religiöse Befriedigung nicht gefunden haben mochten. Die „Süddeutsche Warte“ unterhielt die geistige Verbindung mit diesen entfernteren Mitgliedern, die sich auch wohl Freunde Jerusalems nannten.

Auf dem Kirschenhardthofe rüstete man sich unterdessen ernstlich, den Zug in’s gelobte Land zu unternehmen und dort eine neue, beglückende Heimath zur Vorbereitung des einst zu erwartenden Paradieses zu gründen. In einer besonderen Schule wurden junge Männer zu Evangelisten ausgebildet, deren Aufgabe in der Ausbreitung der Ideen des „Tempels“ bestand. Vier derselben gingen nach Palästina vorauf, um die arabische Sprache zu lernen und sich mit den Verhältnissen des Landes so vertraut zu machen, daß sie ihren nachfolgenden Genossen mit Rath und That zu Hülfe kommen konnten. Von einer Rettung der christlichen Gesellschaft in Europa hoffte man Nichts; man gab sie verloren. Doch destomehr wuchs das Verlangen, sich auch von dem politischen und gesellschaftlichen Verband mit ihr möglichst loszulösen. Mit Ausbruch des Krieges von 1866 sah man in diesem Kreise die schlimmsten Befürchtungen sich erfüllen, ein unheilvolleres Elend über Deutschland hereinbrechen. Wie in einer Flucht davor brachen mehrere schwäbische Familien ihre Hausstände ab und wanderten nach Palästina aus. Kaum aber, daß sie in der Ebene Jesreel es zum Anfang einer Ackerbau-Colonie gebracht hatten, als die meisten der Ansiedler den Einflüssen des Klima’s und den ungewohnten Anstrengungen erlagen.

Diese traurige Erfahrung erschütterte gleichwohl die Zuversicht der Gesellschaft nicht. Nach wie vor belebte sie der Gedanke einer Uebersiedlung nach Palästina. In einer Versammlung der Aeltesten und Leiter, im März 1868, kam es denn zu dem Beschlusse, daß zwei der Vorsteher nach dem gelobten Lande ziehen sollten, um Quartier für eine lebensfähige Colonie zu machen. Es waren Hoffmann und Hardegg, die diese Reise unternahmen, der Eine, um einen Missionsposten in Palästina zu errichten, der Andere, um die materiellen Angelegenheiten zu besorgen. Ihre Familien nahmen sie mit sich. Es schreckte sie nicht ab, daß ihr Vorhaben nichts weniger als freundlich von den türkischen Behörden aufgenommen wurde, daß eine Menge von Widerwärtigkeiten und Schwierigkeiten sich ihnen entgegenstellten. Sie untersuchten das Land und bestimmten dann Haifa als ersten Ansiedlungsort, bald hernach durch zufällig in Jaffa sich darbietende Erwerbung von Grundstücken einer dort wieder eingehenden nordamerikanischen Secte auch diese Stadt zum gleichen Zwecke.

In kleinen Abtheilungen ging dann die Auswanderung der Gläubigen aus Württemberg vor sich, zumeist mit Familien. Jahr um Jahr zogen neue Ansiedler an und richteten sich mit ihren Gewerben oder Ackerbauwirthschaften in dem Lande ihrer Sehnsucht, trotz herber Enttäuschung über Natur und Zustände daselbst, ein, und zwar ein Theil in Haifa, ein anderer in Jaffa, etliche in Jerusalem selbst, in Nazareth und Ramle, in Beirut, Alexandrien und Constantinopel; für speciell Ackerbau treibende Familien wurde sogar eine Stunde von Jaffa eine neue Colonie angelegt, die den Namen Sarona erhielt.

Sechs Jahre lang bestanden die Ansiedlungen unabhängig neben einander, dann aber machte sich das Bedürfniß einer einheitlichen Leitung derselben geltend. Unter den Hauptgründern der Gesellschaft war freilich der Zwist so tief geworden, daß Hardegg wieder nach Deutschland zurückging und sogar aus der Tempelgesellschaft austrat. Aber statt seiner kam 1873 Christoph Paulus nach Jaffa, und Beide wurden nun von den Colonien zu Vorstehern erwählt, Hoffmann als erster, Paulus als sein Stellvertreter.

Die Zahl der Ansiedler in Palästina beläuft sich jetzt auf siebenhundertundfünfzig Köpfe. Davon sind in Jerusalem achtzehn Familien und etliche junge Leute, zusammen etwa hundert Personen, in und bei Jaffa dreiunddreißig Familien, die Mehrzahl mit Gewerben und Gartenbau beschäftigt. In dieser zweihundertundzwanzig Köpfe starken Gemeinde besteht ein Krankenhaus für Europäer und Araber mit zehn Betten, mit Apotheke [874] und zwei wissenschaftlich gebildeten Aerzten, ferner eine Schule mit Pensionat von zweiundzwanzig Zöglingen und dreißig sonstigen Schülern, an welcher acht Lehrer und Lehrerinnen thätig sind. Der Unterricht umfaßt alte und neue Sprachen, Geschichte und Geographie, Mathematik und Naturwissenschaft. In der dritten Gemeinde, Sarona, leben achtzig Menschen. Sie unterhalten eine Schule für ihre Kinder.

In Haifa, am Berge Carmel, haben sich zweiundsechszig Familien mit dreihundertundzwanzig Seelen angesiedelt, Wein- und Ackerbauer, aber auch Gewerbetreibende; eine Mühle, eine Oel- und Seifenfabrik befindet sich daselbst, ebenso eine Schule für Europäer und Eingeborene, in welcher neuere Sprachen, Geschichte, Geographie, Mathematik gelehrt werden. Als ein kleiner, aber sichlich aufblühender Staat mitten unter dem Islam wird er in völlig republikanischer Art verwaltet. Jede der Colonien wählt ihre bestimmte Anzahl Abgeordnete, zusammen achtzehn, die alljährlich wenigstens einmal als „Tempelrath“ zusammen kommen und die gesetzgebende Kammer der Gemeinschaft bilden. Jede Gemeinde wählt sich ihren eigenen Gemeinderath mit einem Gemeindevorsteher, der das Bürgerrecht an die Einzelnen ertheilt, es ihnen aber auch entziehen kann und der für Schule, Waisen und Ortsangelegenheiten zu sorgen hat. Der auf unbestimmte Zeit gewählte Vorsteher des Tempels übt die Executive, die höhere Verwaltung, das besondere Gericht mit den Gemeindevorstehern zusammen; er ernennt die Aeltesten, die das Priesteramt versehen; er leitet die Missionen, die öffentlichen Anstalten und die amtliche Correspondenz. Da der Tempel in Palästina den Höhepunkt der Entwickelung der Secte darstellt, so ist der dortige Vorsteher auch zugleich der Oberleiter für alle Württembergischen und sonstigen Gemeinden, welche indessen, mit ihrer besondern Leitung die gleiche Stellung zum Vorsteher einnehmen, wie der für Palästina eingesetzte Tempelrath. Nach wie vor wird die Hauptmasse der Gesellschaft in Württemberg als auf der Vorstufe zum wirklichen Tempel stehend betrachtet, und zur Übersiedelung nach Palästina bedarf es besonderer Erlaubniß- und Legitimationskarten Seitens des leitenden Ausschusses.

Diese speciellen Angaben entnehmen wir einem kürzlich erschienenen neuen Buche von Christof Hoffmann: „Occident und Orient“ (Stuttgart), in welchem der reichbegabte, scharfsinnige Schwärmer die Bekenntnisse seines Glaubens bis zu kulturgeschichtlichen Betrachtungen über die religiösen, politischen und socialen Zustände Europas und des Orients erweitert. Der rüstige Greis war im letzten Sommer selbst auf Besuch nach Württemberg zurückgekommen, um für die Sache seines Lebens neue Hebel anzusetzen. – Es mögen zur Ergänzung der äußeren Geschichte dieser friedlichen Kreuzfahrer unserer Zeit noch einige Mittheilungen über ihren geistigen Standpunkt hinzugefügt werden, von dem aus sie nach den Lehren ihres Oberpriesters Menschen, Welt und Dinge ansehen.

Ihr Glaube richtet sich auf einen vollkommeneren Zustand des menschlichen Geschlechts, als der jetzige ist, und sie wollen nach ihren Kräften beitragen, ihn herbeizuführen. Sie schöpfen diesen Glauben aus den biblischen Weissagungen und dem Evangelium, wenn sie auch keineswegs wissenschaftliche Zweifel an der Echtheit einzelner biblischer Bücher und an der geschichtlichen Wahrheit der im Evangelium berichteten Thatsachen abweisen. Das Gesetz Mosis ist eine unzweifelhafte Thatsache; es bietet ihnen für alle Zeiten, einige nicht buchstäblich zu nehmende Satzungen abgerechnet, gültige Grundzüge der individuellen und socialen Lebensordnung. Deshalb richten sie die ihrige streng darnach ein, ohne freien Ueberzeugungen sonst Zwang anzuthun, und deshalb verwerfen sie auch diejenigen socialistischen Meinungen, die mit dieser mosaischen Achtung vor dem Schutz der Person, der Ehe und Familie, des Eigenthumsrechts und der Ehre in Widerspruch stehen. In solcher Auffassung der Stellung der Religion zu Leben und Wissenschaft erziehen sie ihre Kinder. Ihr Priesterthum bilden die Beamten und Aeltesten der Gemeinde, die dafür keine besondere Stellung in Anspruch nehmen dürfen; dazu gehören auch die Lehrer, Aerzte und Alle, welche mit der „Idee des Reiches Gottes“ ausgerüstet sind. Nur in sonntäglichen Gemeindeversammlungen, bei denen einer der Aeltesten den Vorsitz führt, besteht ihr Cultus, sonst tritt ein Priesterdienst nur in solchen Fällen ein, wo in feierlicher Weise ein Wort im Namen der Gemeinde zu sprechen ist, nämlich wo für Vermählungen oder für neugeborene Kinder der Segen der Gemeinde begehrt wird, oder auch am Grabe Verstorbener. Sacramente kennt der Tempel nicht, wenigstens nicht im kirchlichen Sinne, wie denn der Gottesdienst auf’s Einfachste beschränkt ist. Die Lebens- und Denkweise jedes Einzelnen soll ja ein steter Gottesdienst sein, damit sich auch jene Schilderungen der Propheten erfüllen, die den allgemeinen Völkerfrieden, die geistige Ausbildung Aller und gesicherten Nahrungszustand für Jeden verheißen. Eine solche Zukunft des Glücks für ihre Gemeinde erwarten sie mit Bestimmtheit, in der dann auch Alles aufhören soll, was der Gesundheit schadet und das Leben verkümmert und verkürzt. Denn die heilige Schrift lehre, daß das Glück in dieser und die Seligkeit in der zukünftigen Welt nicht mit einem Sprung und nicht durch Einbildungen erreicht, sondern daß einst wieder ein Uebergang des irdischen Daseins in das ewige Leben erfolgen wird, womit dem Tod seine Macht genommen werden soll.

Ueberall, an jedem Ort der Erde sei es zwar ausführbar, daß der neue Tempel des Volks Gottes errichtet werde, womit der Anfang der menschlichen Wiedergeburt erfolge; auch sei jedes Volk dazu berufen und die Mission daher keine beschränkt nationale Sache, aber immer sei Jerusalem der vor Allem verheißene Ort, wo er erstehen werde, wenn die Zeiten der Heiden erfüllt seien. Als ein Bethaus aller Völker stelle sich also der Tempel dar, wie ihn jetzt die Gesellschaft in Palästina zu errichten begonnen. Nach der Offenbarung Johannis werden drei Epochen in der Zukunft dieses Tempels zu Jerusalem unterschieden: sein Aufbau inmitten einer feindlichen Völkerwelt, dann seine Bedeutung als Mittelpunkt aller gebildeten Völker während des sogenannten tausendjährigen Reiches, endlich das himmlische Jerusalem für die ganze erneuerte Erde. Die erste Epoche habe nun mit der Gründung der Gesellschaft des Neuen Tempels und ihrer Cultur-Colonien in Palästina ihren Anfang genommen. Ueberall in der Welt werden die Zeichen des Verfalls immer sichtbarer; von Europa wie Amerika sei nichts für die wirkliche Rettung der Menschheit zu hoffen – der Orient gehe seiner Auflösung entgegen. Wohl sei die liberale Idee verjüngend in die verrotteten Verhältnisse gedrungen, doch fehle ihr die nachhaltige Kraft der echten christlichen Religiosität. In der kleinen Gemeinde, die vom Neckar ausgegangen, die im gelobten Lande ihren Staat begonnen, werde das Wahre in den liberalen Ideen erkannt und ihnen die Weihe der Religion mitgetheilt. In diesem Glauben betrachtet sich Hoffmann als den Stifter des Tempels für die einst neu sich erhebende Christenheit, der die Bibel die Wiedereröffnung des Paradieses verheißt; mit geringen Mitteln hat er sein Werk unternommen und er hofft, daß es ausgeführt werde und die Welt an demselben erkennen solle, wie der Glaube Wunder zu wirken vermag.